Wohnung seiner Tante Rosita geziert hatte. Mit Ausnahme von Beed waren alle anderen zu jung, um sich an Malibu Beach aus der Vorkriegszeit erinnern zu konnen. Und Beed stammte aus dem falschen Landesteil. Was er besonders an Sinda schatzte, war die Art und Weise, wie sie sein Plakat betrachtet hatte: ein wenig wehmutig. Er hatte dabei den Eindruck gewonnen, dass sie tatsachlich kapierte. Obwohl es so viele Dinge gab, uber die er einfach nicht mit ihr reden konnte, brachte sie es doch irgendwie fertig, ihm das Gefuhl zu vermitteln … verstanden zu werden.
Und das erklarte vielleicht, weshalb ihm diese dumme Blondine einfach nicht aus dem Kopf gehen wollte und er jetzt hier sa? und grubelte statt zu arbeiten.
»Diana, schalte meinen Monitor wieder ein und gib mir eine Tastatur und einen Peilpunkt.« Im gleichen Augenblick erschien auf seinem Schreibtisch eine Tastatur. Der rote Kreis war rechts von der Tastatur projiziert, und die beiden Knopfe darunter erfullten die Funktion einer altmodischen Maus. Da er vor dem Krieg gelernt hatte, Maschine zu schreiben, konnte er auf die Weise viel schneller arbeiten. Glucklicherweise beherrschten moderne PDAs fast alles, mit Ausnahme echter KI, er brauchte sich also keine Sorgen zu machen, dass Beed dahinter kam, dass hier ein echtes AID im Einsatz war und wie viel von seiner taglichen Tatigkeit aufzeichnet wurde. Ein Adjutant stand schlie?lich ganz logischerweise oft neben seinem General.
Als Teil ihres Einsatzes hatten sie haufige Versetzungen in sein Buro eingeplant, haufiger, als es normalerweise der Fall gewesen war. Die Tarnung dafur bestand darin, dass sich ein neuer Vorgesetzter naturgema? moglichst viele seiner Leute selbst aussuchen wollte. Sie hatten es geschafft, elf von den siebzehn unmittelbaren Untergebenen im Hauptquartier und bei CID zu ersetzen. Von den jetzt dreizehn Mitarbeitern mit nachgewiesener Verbindung zu den Humanisten hatten neun sowohl diese Verbindung und waren neu.
Makepeace stand naturlich auf der Liste, aber das galt fur die Halfte des Personals, wenn er sich selbst und Beed abzog. Franks stand logischerweise ganz oben auf der Liste der Verdachtigen. Stewart hatte in uber sechzig Lebensjahren gelernt, dass der offensichtlich Verdachtige im Gegensatz zu Filmen oder Holos sehr haufig auch tatsachlich der Schuldige war. Trotzdem hatte die feindliche Organisation bereits eines bewiesen: Man konnte nicht darauf bauen, dass sie einem den Gefallen tat, offenkundige Dummheiten zu begehen.
Das lief darauf hinaus, dass er funfzehn Leute auf Verhaltensmuster, elf genau und neun
Franks hatte mehrere Kommunikationsverbindungen mit der Erde von seinem Quartier aus aufzuweisen, eine davon mit einem bekannten Aktivisten der Humanistenbewegung, der zugleich der Schwager seiner Frau war, eine andere mit einem Freund der Familie, der sich zwar nicht mit humanistischen Sympathiebezeigungen hervorgetan hatte, bei dem sich aber bei genauerer Untersuchung herausgestellt hatte, dass er eine ganze Anzahl Freunde und Bekannte in einschlagigen Kreisen hatte. Die Anrufe waren mit einem relativ leistungsfahigen offentlichen Zerhackersystem verschlusselt worden, das irgendein anonymer Schlaumeier herausgegeben hatte. Die Behorden waren verargert gewesen, und Stewart sollte das vielleicht auch sein, konnte aber nicht verhehlen, dass er eigentlich recht froh daruber war. Er schrieb das seiner wilden Jugend auf der anderen Seite des Gesetzes zu. Einer Jugend, die, wenn man es genau uberlegte, doch rechten Spa? gemacht hatte.
Anders hatte in der ersten Woche jede Nacht einen Boyfriend zu Hause angerufen, aber spater waren die Anrufe dann weniger geworden. Offenbar war die Distanz doch zu gro?, und die Liebe begann zu erkalten.
Makepeace hatte auf zwei lange Briefe ihrer Mutter per E-Mail geantwortet, sich aber in ihrem Schreiben auf Belanglosigkeiten wie die Beschreibung von Arbeitskollegen, Restaurants und Laden am Korridor beschrankt.
Sanchez hatte eine Bestellung fur Zigarren, Bourbon und Tabasco-So?e an eine Versandfirma geschickt. Ansonsten verhielt er sich insofern recht typisch, als Fleet Strike mit der Zeit so etwas wie eine Familie fur ihn wurde, je mehr sein Alter und die allgemeinen Vorurteile gegen Runderneuerte ihn von fruheren Bekanntschaften absonderten.
Keally hielt Kontakt zu seiner Frau und seiner Tochter, die ihn nicht zum Stutzpunkt begleitet hatten, hatte aber offenbar keinerlei Kontakte zu seinem besten Freund von der High School, der in North Topeka an der First Methodist Sunday School unterrichtete und sich sehr dezidiert gegen die differenzierte Verjungung eines Ehepartners ausgesprochen hatte.
Bei den anderen war es mehr oder weniger ahnlich. Die Wahrscheinlichkeit, dass Franks sein Mann war, war recht gro?. Das einzige Problem war, dass bis jetzt alles auf Indizien beruhte. Irgendwelche konkreten Tatigkeiten hatte es nicht gegeben. Und das bedeutete, dass er sich tauschen konnte. Und das wiederum erforderte, ganz gleich wie man es auch sah, dass er sich weiter mit dem Privatleben von vierzehn unschuldigen Leuten befasste.
»Alles abschalten, Diana. Zeit fur eine Ladung Tacos.« Tacos. Mhm. Manchmal hatte er das Gefuhl und wusste zugleich, dass es mehr als das war, dass ein ganzes Leben vergangen war, seit er sich in seinem Bemuhen, die Entbehrungen seiner Kindheit hinter sich zu lassen, vollig anglisiert hatte. Damals hatte er es fur notwendig gehalten. Ruckblickend wusste er jetzt, dass das nicht der Fall gewesen war. Oh, hie und da hatte es ihm die Vorurteile mancher Leute erspart, aber was ihn wirklich umgedreht hatte, waren der gute Einfluss und das Beispiel von Gunny Pappas und Mike O’Neal gewesen. Sie hatten ihm den Traum von Demokratie und Freiheit vermittelt, manchmal ohne auch nur ein Wort zu sagen. Gute Manner am Ende eines guten Zeitalters. Wie schade, dass der Traum gestorben war. Er wusste nicht, wie es dazu gekommen war. Vielleicht als der Prasident das Capitol per Dekret nach Chicago verlegt hatte. Der Vorwand, die Verfassung nicht zu andern, war der nationale Notstand gewesen, und die Zahl von Bundesstaaten, die der Feind uberrannt hatte. Vielleicht hatte es damit angefangen, als die Kandidaten fur offentliche Amter und die Uberreste der politischen Parteien angefangen hatten, anonyme Spenden in FedCreds anzunehmen und niemand etwas dagegen unternommen hatte. Vielleicht auch damit, dass sie die Bewohner der SubUrbs dazu gebracht hatten, durch Unterschrift auf gewisse Rechte zu verzichten und sich damit ihr Wohnrecht zu sichern. Vielleicht, als man die Buros der Toledo
Er ging um seinen Schreibtisch herum und legte fast liebkosend die Hand auf das kalte Glas mit dem papierenen Strand darunter. Ein schoner Traum war das gewesen. Er seufzte. Auf ins
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Eine Woche spater — sie hatte inzwischen dreimal mit dem General geschlafen, aber keine weiteren brauchbaren Informationen erhalten, und die Umgebung seines Buros grundlich, aber ohne Erfolg durchsucht — konnte Cally sich nicht langer der Erkenntnis verschlie?en, dass es Zeit fur Plan B war. Die Bereiche, zu denen sie keinen Zugang hatte, verfugten uber wirksame Sicherheitsvorkehrungen, die auch ihrem von Tommy beschafften Spezialgerat widerstanden hatten, als sie einmal das Gluck gehabt hatte, au?er Sichtweite eines Militarpolizisten an dem Schloss hantieren zu konnen.
Allerdings hatte sie es geschafft, die Akte mit den Zugangsberechtigungen auf einen Wurfel zu kopieren, und nachdem sie den an Tommy weitergeleitet hatte, hatte ihr der die interessante Information geliefert, dass zwar
Sich an Pryce heranzumachen wurde freilich durch Beeds widerwartige, standige Kontrollen erschwert werden, eine Angewohnheit, die sich in den letzten Tagen bei ihm eher noch verstarkt hatte. Trotzdem wurde ihr dabei auch einiges zustatten kommen. Zuallererst die Tatsache, dass der General offenbar nichts dagegen einzuwenden hatte, wenn sein Adjutant mit ihr Kontakt hatte, wohingegen er bezuglich anderer Manner geradezu
