sagte der General.
»Wen schicken die denn zu ihm?«
»Er ist hier. Ich habe heute Abend keine Zeit, mich mit ihm zu treffen. Sie mussen das ubernehmen. Hier ist die Adresse. Pragen Sie sie sich ein.« Er hielt ihm ein Blatt Papier hin und wartete, wahrend Stewart das Papier ein paar Augenblicke lang anstarrte, nahm es dann zuruck und stopfte es in eine Schreibtischschublade.
»Und dass Sie mir das ja nicht verpatzen, Lieutenant«, sagte Beed mit grimmiger Miene.
»Yes, Sir. Ware das alles, Sir?«
»Sehen Sie blo? zu, dass Sie mir etwas Ordentliches bringen, Pryce. Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, dass wir bis jetzt noch vollig im Dunkeln tappen, und das sieht nicht gut aus. Eine gute Beurteilung bei einem solchen Einsatz konnte der Karriere eines jungen Offiziers sehr nutzlich sein. Wegtreten.«
In der Sake-Bar verkehrte eine bestimmte Klasse jungerer Flottenoffiziere. Das Etablissement war fur Fleet-Strike-Personal, mit Ausnahme von MPs im Dienst,
Im Allgemeinen schlug Stewart einen weiten Bogen um das lausige Bier, das dadurch noch schlechter war, dass es im Lokal aus ortlich hydroponisch gezuchtetem Hopfen gebraut wurde. Aber die Animationen waren gro?e Klasse. Die gro?en … Augen … der projizierten Frauen machten zwar bei weitem nicht so viel Spa? wie naturliche weibliche Attribute — er musste wieder einmal dagegen ankampfen, sich ein gewaltsames Ende fur Beed auszumalen -, aber die Animation war wirklich gut gemacht.
Der fit wirkende Zivilist mit schutterem Haar, der vor einem Teller Miso-Suppe an der Bar sa?, war nicht so hubsch anzusehen. Offen gestanden waren ihm Verrater im Allgemeinen zuwider, so zuwider, dass er diesen Gedanken gar nicht zu Ende denken durfte. Aber der Umgang mit unappetitlichen Leuten gehorte eben mit zum Geschaft, wenn man im Geheimdienst tatig war, und deshalb konnte er sich diese Abneigung im Augenblick einfach nicht leisten. Fur einen ehrlichen Gegner oder sogar Feind konnte Stewart wie jeder Soldat ein gewisses Ma? an widerstrebendem Respekt aufbringen. Leute hingegen, die an ihrer eigenen Sache Verrat begingen, losten in ihm einen so tief sitzenden Widerwillen aus, dass er wirklich Muhe hatte, ihn zu unterdrucken, als er jetzt auf die Bar zuging.
»Mr. Smith, wie nett, Sie wiederzusehen«, sagte der Mann.
»Mr. Jones. Sie sind aber weit gereist, nicht wahr?«, stellte Stewart fest.
»Das konnte man von Ihnen auch sagen«, antwortete der Verrater.
»Ja, wenn Sie wussten, wo ich zu Hause bin, konnten Sie das wahrscheinlich.« Er zog sich einen Barhocker heran und lachelte, obwohl allein der Gedanke, jetzt mit diesem Wurm trinken zu mussen, fast ausgereicht hatte, dass sich ihm der Magen umdrehte.
»So, was haben Sie denn anzubieten, Mr. Jones? Begnugen Sie sich immer noch mit Kleinkram oder sind Sie bereit fur lohnendere Dinge? Ich hoffe, Sie verubeln es mir nicht, wenn ich das sage, aber es ist doch ein erheblicher Wechsel in der Szenerie, nicht wahr?« Er
»Ich reise. Diesmal will ich nicht blo? Bargeld. Sie hatten gesagt, Sie wurden fur mehr auch mehr bezahlen. Nun, jetzt werden wir sehen, ob es Ihnen damit ernst war.« Auf der Oberlippe des Verraters standen kleine Schwei?tropfchen. Ob er nervos war?
»Reden Sie weiter.«
»Ich brauche ein Ablenkungsmanover. Sie wollen einen Teil unserer Organisation. Ich sehe da eine wechselseitige Chance. Sie helfen mir, Beweismaterial zu platzieren, und ich liefere Ihnen die Person, auf die das Material deutet. Moglicherweise brauchen Sie dazu den Rest des Teams, fur den Fall, dass Sie mit Ihren neuen Spielsachen ein wenig unsanft umgehen mussen. Aber an dem Punkt kame dann Geld ins Spiel.« Seine Stimme lie? ein gewisses Ma? an Verzweiflung erkennen.
»Und worin genau wurde dieses Platzieren von Beweismaterial bestehen?«, fragte er.
»Das Ubliche und Offensichtliche. Ein paar Banktransaktionen und ein paar am richtigen Ort platzierte Luxusartikel. Wenn Sie ihn holen, wird es aussehen, als hatte er Ihnen schon die ganze Zeit Informationen geliefert und ware dann aus der Kalte gekommen.« Das Grinsen des Verraters wirkte jetzt besonders widerlich.
»Sie wissen, dass es in diesem Spiel meistens darum geht, die Informationen zu bekommen,
»Wenn man das kann. Aber ich will Ihnen was sagen: Die wissen, dass sie eine undichte Stelle haben. Sie verlieren also nichts, was nicht schon verloren ware. Die brauchen nicht einmal zu wissen, dass Sie ihn haben. Sie konnen es ja so aussehen lassen, als ob er auf einem Kolonistenschiff nach drau?en geflogen ware.« Offenbar spurte der Glatzkopf schon, wie das Netz sich um ihn schloss.
»Ich denke, das wird sich machen lassen. Wir werden das Beweismaterial nach Wunsch platzieren und bezahlen Ihnen eine Million Dollar US fur diesen Typen und fur jedes Mitglied seines Teams, das wir erwischen«, sagte er.
»Seh ich aus, als war ich blod? Funf Millionen US pro Nase, und zwar fur jede Person, deren Identitat ich Ihnen liefere. Wenn Sie sie erschie?en wollen statt sie zu schnappen, oder wenn Sie die ganze Geschichte verpatzen, ist das Ihr Problem.« Der Verrater litt offenbar nicht an einem Mangel an Selbstbewusstsein.
Es bedurfte noch einigen Feilschens, aber schlie?lich einigten sie sich auf zweieinhalb, die Halfte bei Lieferung der Namen, die zweite Halfte, sobald bestatigt war, dass der Name zu einer konkreten Person gehorte, die glaubhaft als Agent der Organisation identifiziert war. Dazu kamen die ublichen wechselseitigen Sicherheitsvorkehrungen.
»So, Mr. Jones, blo? als Geste des guten Glaubens, werden Sie jetzt sicherlich begreifen, dass ich fur die Leute, denen ich berichte, etwas brauche, ehe sie mir so viel Geld zur Verfugung stellen. Dieses Team, das Sie uns geben werden, hat das irgendeine interne Bezeichnung?«
»Hat es: Hector.«
Michael O’Neal senior hatte sich nie an das Warten gewohnen konnen. Oh, er hatte sehr fruh im Leben
