arbeiten ist manchmal gar nicht so schlimm und wo doch … Sie wissen schon, also, Ehen zwischen Verjungten und nicht Verjungten gibt es beim Militar eine ganze Menge, nicht wahr? Herrgott, sehen Sie sich nur diesen Berg Arbeit an. Aber es ist schon in Ordnung. Der General ist heute glucklich, und alles das hier«, sie machte eine Handbewegung, die das viele Papier und die Aktenschranke einschloss, »geht viel leichter, wenn er glucklich ist, nicht wahr, Lieutenant?«
»Ja, Ma’am, Captain.« Er griff nach der Akte, die der Grund seines Kommens gewesen war, und blieb an der Tur noch einmal stehen. »Sie haben da wahrscheinlich schon die richtige Einstellung, Ma’am.«
»Pryce?«
»Ist schon okay, Makepeace. Wirklich.« Er hatte jetzt regelrechte Dackelaugen, und das musste ihr genugen.
Es war sechs Uhr abends geworden, sie war gerade dabei, Unterlagen fur eine Prasentation zusammenzustellen, und malte sich dabei in Gedanken aus, wie es wohl sein wurde, dabei zusehen zu konnen, wenn Bernhard Beed von riesigen Fleisch fressenden Ameisen zernagt wurde. Riesigen Fleisch fressenden, giftigen Ameisen. Und der General auf dem Eis und an vier Pfahlen festgebunden. Nein, nicht Eis, das stumpfte den Schmerz zu sehr ab. Hei?er Sand? Nagel. Nagel, ja, das war gut. Dieser widerwartige, gefuhllose, egoistische Mistkerl. Er hatte sie doch tatsachlich den gro?ten Teil des Nachmittags mit uberflussigen Arbeiten rumsitzen lassen und sie dann um zwanzig vor funf in sein Buro gerufen und ihr die Arbeit fur diese alberne Prasentation aufgehalst, die aus geheimnisvollen Grunden
Saure. Konzentrierte Salzsaure auf kleiner Flamme, von den Zehen aufwarts. Dieser Hurensohn. Ihr war gar nicht bewusst geworden, dass sie das laut ausgesprochen hatte, bis sie die vertraute Stimme hinter sich horte.
»Also, so schlimm kann es doch auch nicht sein«, sagte er.
»Sollten Sie nicht eigentlich Schnittchen verteilen?« Sie drehte sich nicht um. Im Augenblick war ihr uberhaupt nicht danach, aufgeheitert zu werden.
»Ja, schon, aber der General hat mich mit diesen drei Seiten hergeschickt. Die sollen zwischen dem Tortendiagramm und der anderen Grafik eingelegt werden, und ich soll ihm zuruckmelden, dass alles in Ordnung geht.«
»Dieser widerwartige Drecksack will mich wohl kontrollieren, wie? Nicht genug, dass ich mit dem Kerl ins Bett gehe, der Hundesohn muss mich auch noch in meiner Freizeit kontrollieren. Ooohhh!«
»Also, Makepeace, ich finde, Sie sollten Ihre Gefuhle wirklich nicht so in sich aufstauen«, sagte er.
Sie drehte sich um und erstarrte mitten in der Bewegung, als sie ihm gerade den Stapel Papier ins Gesicht werfen wollte, aber da war etwas an seinem vollig ausdruckslosen Gesicht mit der hochgeschobenen rechten Augenbraue, das sie plotzlich laut herausprusten lie?.
»Okay, okay. Ich habe vielleicht ein bisschen ubertrieben.« Sie schuttelte den Kopf, hielt sich die Seiten und atmete tief durch. »Nein, das stimmt wohl auch nicht, aber das hat mir auch nicht geholfen.«
»Hey, Sie durfen durchaus Dampf ablassen. Solange Sie allein sind. Aber vorher sollten Sie sich vergewissern, dass Sie wirklich allein sind, Ma’am.«
»Wollten Sie etwa
»Nicht heute Abend. Ich muss jetzt zuruck und Schnittchen verteilen. Mir hat blo? nicht gepasst, dass er das so gesehen hat.«
»Ist schon okay, Pryce«, meinte sie und sah ihn mit gro?en Kulleraugen an, als er zur Tur hinausging. »Ich glaube nicht, dass Sie ungefahrlich sind.«
Fur Beed war das Angenehme an diesem Abend, dass sie beschaftigt
Das einzig Interessante, was sie bis jetzt gefunden hatte, war ein Plan im Datenspeicher von Corporal Anders, der die Bereiche in diesem Stockwerk aufzeigte, die zum Hauptquartier der 3rd gehorten. Meist handelte es sich um Raumlichkeiten, zu denen sie Generalzugang hatte. Bei einigen war dies freilich nicht der Fall. Wenn man bedachte, dass das beste Versteck meist das offenkundigste war, musste sie naturlich alles durchsuchen. Muhsam, aber nicht zu vermeiden. Die Zusammenstellung der Prasentationsunterlagen lieferte ihr einen Vorwand, einen als Lagerraum gekennzeichneten Bereich ein Stuck weiter unten am Flur aufzusuchen. Sie konnte immer behaupten, sie wurde dort nach einer Schachtel mit geheimnisvollen Gegenstanden suchen, die man als »Buroklammern« bezeichnete.
Als sie sich genugend staubig gemacht und eine Anzahl Schachteln mit Sicherungswurfeln, einer alten Kaffeemaschine, Uniformstapeln und Uniformteilen, drei nagelneuen PDAs, ein paar Gummiknuppeln, Papiervorraten und kurioserweise eine uralt aussehende Schachtel mit silbernen Partyhuten fur Kinder durchsucht hatte, fing ihr Magen heftig zu knurren an. Die Sicherungswurfel, mit Ausnahme der jungsten, sahen so aus, als befanden sie sich schon seit ziemlich langer Zeit an ihrem augenblicklichen Ort. Sie wurde nur dann ihre Zeit damit vergeuden, sie auszulesen, wenn sie sonst gar nichts fand.
Mit der Zeit wurde es lastig, jede Mahlzeit im Lokal einzunehmen. Also kaufte sie sich zunachst in einem Cafe neben einer Transithaltestelle am Korridor eine Portion Huhnchensalat und eine Schale Gazpacho und fand nur wenig spater einen Asienladen, wo sie einen ganzen Sack voll selbst erhitzender Fertigmahlzeiten kaufte. Huhnchen auf Zitronengras, Schweinefleisch Mu Shu, General Tsu’s su?-saure Suppe, Fruhlingsrollen, Ente mit Pflaumenso?e, Kaliforniarolle mit Sashimi … kostlich.
Diese Packungen waren gro?artig. Die Heizeinheit befand sich im unteren Teil der Packung, man musste blo? an einem Streifen ziehen, worauf sich die Chemikalien vermischten und die Hitze durch das jeweilige Gericht aufstieg. Nun gut, fur einige Spezialitaten wie etwa Fruhlingsrollen steckte das Essen auf leitenden Metallzahnstochern, die im Boden der Packung verankert waren. Kostlich. Und man brauchte die Wohnung nicht zu verlassen, um sie zu holen. So wie die Dinge standen, wurde sie vermutlich nach wie vor die meisten Mahlzeiten in Lokalen einnehmen. Aber wenigstens hatte sie jetzt auch andere Moglichkeiten. Mikrowelle ging schneller, aber die selbst erhitzenden Sachen schmeckten besser. Schon, das war naturlich Geschmackssache. Und ob man lieber leere Packungen wegwarf oder einmal die Woche die Mikrowelle sauber machte, spielte da auch mit. Cally war wirklich nicht besonders scharf auf Hausarbeit.
Stewart forderte sein AID auf, das Hologramm abzuschalten, lehnte sich zuruck und rieb sich die Augen. Das Problem bei derartigen Ermittlungen war, dass man wirklich niemanden von der Liste streichen konnte, solange man nicht fundig geworden war. Manche waren einfach nur wahrscheinlicher als andere.
Bedachtig drehte er den Kugelschreiber zwischen den Fingern wahrend er uberlegte, eine Angewohnheit, die er sich in seiner ersten Stabsposition zugelegt hatte, lange bevor man das Papier als Medium der militarischen Burokratie abgeschafft hatte. Er starrte ohne richtig hinzusehen auf das gerahmte Plakat, das er sich ausgedruckt hatte, um damit das fade Hellgrun der Burowande etwas aufzulockern. Die Agenten hatten den Druck verstandnisvoll gemustert, als er ihn aufgehangt hatte, und sich wahrscheinlich gedacht, dass er sich deshalb fur Papier anstelle eines ein Fenster simulierenden Bildschirms entschieden hatte, um damit dem Chef in den Hintern zu kriechen.
Tatsachlich handelte es sich aber um den Nachdruck eines Plakats, das in seiner Kindheit eine Wand in der
