eifersuchtig daruber wachte, sie nicht mit ihnen allein zu lassen. Ob dies nun Pryces niedrigem Rang zuzuschreiben war oder der Tatsache, dass seine schreckliche Tollpatschigkeit und sein Stottern sich in Anwesenheit des Generals eher noch verstarkten, jedenfalls schien Beed ihm gegenuber so etwas wie einen blinden Fleck zu haben. Und sie war naturlich fest entschlossen, durch ihr Verhalten in der Offentlichkeit diese Tendenz noch zu fordern.
»Guten Morgen, Sir« begru?te sie ihn vergnugt, als sie in sein Buro tanzelte, den Stapel Ausdrucke in seinen Eingangskorb legte und dafur einen etwa vier Zentimeter dicken Papierstapel aus dem Ausgangskorb nahm.
»Kommen Sie einen Moment her, Sinda, ich muss Ihnen da etwas zeigen.« Er winkte sie auf seine Seite des Schreibtischs und nutzte den Korrekturabzug, den er in der Hand hielt, als fadenscheinigen Vorwand, sie nahe genug heranzuholen, um ihre linke Brust zu begrapschen. Sie gaukelte ihm mit einem affektierten Stohnen Erregung vor.
»Ja, Sir, ich werde mich sofort darum kummern, Sir.«
»Oh, und eines noch, Sinda«, seufzte er, »wir werden uns leider heute Abend nicht sehen konnen. Clarice hat eine Einladung zum Abendessen geplant und besteht darauf, dass ich teilnehme.«
»Oh.« Sie sah ihn betrubt an. »Na ja, ich habe einen Wurfel mit Filmen, die ich mir ansehen wollte, und ein paar Fertigmahlzeiten, da werde ich mir einfach einen ruhigen Abend machen, Sir.« Fur den befriedigten Blick, den ihr das eintrug, hatte sie ihn am liebsten geohrfeigt. Sie nahm nicht an, dass er ihr das angemerkt hatte, wandte sich aber trotzdem ab und nahm den Stapel Papiere mit hinaus. So unpassend ware das im Ubrigen auch gar nicht gewesen, denn wahrscheinlich ware die echte Sinda auch sauer gewesen.
Spater kam Pryce mit einem Notizblock herein und lie? sich auf ihrer Schreibtischkante nieder. Dabei stie? er einen Heftapparat und einen Klammernspender herunter.
»Die hebe ich beim Hinausgehen auf. Hat der General Ihnen etwas von seiner Rede gesagt?«, fragte er.
»Rede?«, wiederholte sie.
»Ja, das Abendessen heute Abend ist ein wenig mehr, als er Ihnen gegenuber vielleicht erwahnt hat. Seine Frau versucht, auf dem Stutzpunkt einen Toastmasters-Abend zu organisieren, und hat sich dazu mit der Frau von General Harrison zusammengetan. Ich habe jedenfalls den Entwurf hier. Es ware nett, wenn Sie mir ein wenig helfen konnten. Vier Augen sehen schlie?lich mehr als zwei. Ich denke dabei hauptsachlich an Grammatik.«
»Aber gern.« Sie nahm den Block von ihm entgegen. »Das gibt wohl wieder einen hei?en Abend fur Sie, was?«
»Eigentlich nicht. Wir hatten das Nebenzimmer im Offiziersclub gebucht, aber nach dem Kuchenbrand letzte Woche, na ja, die Rauchschaden sind ziemlich schlimm. Also musste ich in letzter Minute im
»Das kann man erkennen, Pryce.« Ihre Mundwinkel zuckten leicht, und ihre Augen tanzten. »Also heute Abend keine Schnittchen. Was fangen Sie da blo? mit Ihrer Zeit an, Pryce?«
Seine Augen suchten die ihren — da war er plotzlich wieder, dieser wissende Blick — seine Augen waren wirklich dunkel -, und sie spurte ein Kribbeln im Magen. Sie rutschte auf ihrem Stuhl etwas zur Seite und fuhr sich mit der Zunge uber die Lippen, sah, wie sein Blick kurz zu ihrer Brust wanderte und dann wieder zu ihren Augen zuruck, fast als hatte er eigentlich gar nicht hinsehen wollen.
»Sind Sie auch ganz sicher, dass Sie das wollen, Captain? Ich bin kein General. Und ganz entschieden nicht General Beed.«
»Ah … wollen?«, stie? sie hervor.
»Ahem. Ich meine, ich wei? nicht, was Sie vorhaben, Pryce, aber bei all dem Papierkrieg hier, ich meine, ich habe allein ein halbes Dutzend Versetzungen zu erledigen. Und wahrscheinlich werde ich allein den ganzen Nachmittag dazu brauchen, um die Soldsache von Simkovitsch hinzubekommen. Ich denke, ich werde heute Abend ziemlich lange zu tun haben.« Sie merkte selbst, dass sie angefangen hatte zu plappern, aber ihr Mund schien wie von selbst auf Hochtouren zu laufen, was durchaus zu Sinda passte, und deshalb tat sie es vermutlich. Sie zuckte bei dem leichten elektrischen Schlag zusammen, der sie durchlief, als seine Hand die ihre beruhrte.
»W-w-wissen Sie, mir ist plotzlich eingefallen, dass ich auch eine ganze Menge Papierkram zu erledigen habe.«
Als Beed schlie?lich mit seiner Rede in der Hand das Buro verlie?, war Cally mit dem Gro?teil ihrer Arbeit fertig. Er hatte ihr naturlich in letzter Minute eine ganze Ladung weiterer Auftrage erteilt. Dachte er wenigstens. Das meiste davon hatte sie bereits vorhergeahnt. Ublicherweise wahlte er fur diese Extraauftrage Arbeiten aus, die ohnehin erledigt werden mussten, wenn auch spater, und lie? sich dann Grunde einfallen, weshalb er die Ergebnisse unbedingt gleich morgen fruh haben musste. Wenn sie tatsachlich gewartet hatte, bis er ihr den Auftrag erteilt hatte, namlich um siebzehn Uhr drei?ig, hatte sie noch gute drei Stunden zu tun gehabt. So war hochstens noch eine halbe Stunde Arbeit ubrig, als er zur Tur hinausstolzierte und die entsprechenden Akten in einer Art kunstlerischen Unordnung auf ihren Schreibtisch drapierte.
Um sechs funfzehn ging sie zum Kopierer und zahlte die noch in ihrem Buro befindlichen Mitarbeiter. Anders war so gut wie weg, Carlucci und Sanchez sa?en noch an ihren Schreibtischen.
Als sie auf dem Ruckweg an Pryces Buro vorbeikam und er kurz zu ihr aufblickte, fragte sie sich, ob er wirklich arbeitete oder ahnlich ihr nur so tat.
Um sechs funfundvierzig musste sie an sich halten, um nicht Daumchen zu drehen. Sie ging erneut zum Kopierer und stellte befriedigt fest, dass die beiden Agenten endlich das Buro verlassen hatten. Wenigstens hoffte sie das.
»Buckley«, flusterte sie, »lausche eine Minute und sage mir dann, ob du au?er mir und Pryce noch jemanden im Burobereich horst.« Sie war ein paar Sekunden ganz leise, atmete auch kaum horbar.
»Nein, Captain. Die haben sich zu gut versteckt, als dass ich sie horen konnte. Die mussen wirklich gut sein. Vielleicht werden wir schnell sterben.«
»Okay, du darfst jetzt die Klappe halten, Buckley. Und hor auf zu lauschen.« Okay, sie wusste naturlich, dass es blo? ein Computerprogramm war. Trotzdem wollte sie nicht, dass es sie belauschte, wahrend sie mit Pryce zusammen war. Das ware ihr unheimlich gewesen.
»Aber was ist, wenn ich hore, wie die sich an uns anschleichen?«
»Halt die Klappe und hor auf zu lauschen, Buckley.«
»Geht in Ordnung.«
»Wissen Sie, dass es inzwischen Zusatzprogramme mit Personlichkeitsuberlagerung gibt, um die deprimierenden Gewohnheiten dieser Standard-Buckleys zu beseitigen?« Pryce war hinter sie getreten, und sie zuckte zusammen, ehe sie sich zu ihm umdrehte.
»
Dann trat sie ganz bewusst einen Schritt vor und druckte sich mit dem ganzen Korper an ihn. Es war, als wurde sie ein unter Strom stehendes Kabel beruhren. Als er ihren Mund ungestum an den seinen heranzog, konnte sie durch ihre Seidenuniform seine hei?en Schenkel spuren. Sie waren hart und angespannt, und als sie mit der Wade au?en an seinem Bein hochfuhr und sich noch fester an ihn druckte, war sie zum ersten Mal froh daruber, dass Sinda nicht gerade schlank war. Sie spurte seine Ruckenmuskeln unter ihren Handen. Sein Mund schmeckte nach Zimt, als ob er gerade Gummi gekaut hatte, und die Knie versagten ihr den Dienst, als seine Zunge, seine Zahne und seine Lippen schlie?lich den Kommentar abschalteten, der immer noch in ihrem Gehirn ablief, und sie sich alle Muhe gab, sich noch enger an ihn zu schmiegen. Kleider. Im Weg, verdammt. Geduld? Wieso Geduld. Zum Teufel mit Geduld.
Nachher zuckte er zusammen, als er sich von ihr loste, damit sie von dem Schreibtisch herunterkonnte.
»Alles in Ordnung?« Dem Himmel sei Dank, dass da eine Schachtel mit Papiertuchern auf dem Tisch war, na
