war, spurten sie die leichte Erschutterung der Rhabwar, als das Schiff Kontakt mit der Tenelphi herstellte. Dodds aktivierte die Au?enluke, die zunachst langsam nach innen aufschwang und dann die nur wenige Zentimeter entfernte Au?enflache eines identischen Schotts enthullte. In der Mitte der Luke der Tenelphi befand sich ein gro?er unregelma?iger Fleck, anscheinend aus Farbe oder Ol, der schwarz und braun gesprenkelt war. Die Masse sah zerfurcht und blasig aus.

„Was ist das fur ein Zeug?“ fragte Conway.

„Ich hab keine Ahnung…“, antwortete Haslam und streckte die Hand aus, um es zu beruhren. Seine Finger hinterlie?en gelbliche Flecke, und an seinen Handschuhen blieb etwas von der Masse kleben. Schnell fugte er hinzu: „Es ist Schmiermittel, Doktor. Ich hab mich zuerst von der dunklen Farbe tauschen lassen. Meiner Meinung nach hat die Hitze der Bake das meiste weggeschmolzen und abgebrannt, und deshalb sieht der Rest so aus.“

„Schmiermittel also“, sagte Conway nachdenklich. „Und wie kommt es, da? irgendein Schmiermittel uber die Au?enhaut verteilt wird?“

Haslam klang ungeduldig, als er antwortete: „Wahrscheinlich hat sich wahrend des Zusammensto?es einer der Vorratskanister losgerissen und ist gegen die Luke geschleudert worden. An dem einen Ende eines solchen Kanisters ist ein Druckventil angebracht, das automatisch mehrere Gramm Schmiermittel ausgibt, wenn der Kanister mit ausreichender Kraft zusammengedruckt wird. Falls Sie sich dafur interessieren, Doktor, kann ich Ihnen spater einen zeigen. Treten Sie bitte zuruck, ich werde jetzt offnen.“

Die Luke schwang auf, und Haslam, Conway und Dodds betraten die Schleusenkammer der Tenelphi. Haslam uberprufte die Kontrollinstrumente, wahrend Dodds die Au?enluke schlo?. Der Innendruck des Schiffs war zwar gefahrlich niedrig, fur eine gesunde Person in guter korperlicher Verfassung jedoch keinesfalls todlich. Was er allerdings bei einem ungeschutzten Unfallopfer bewirken konnte, das sich womoglich in einem Schockzustand befand und an Auswirkungen der Dekompressionskrankheit litt, die den Blutverlust selbst bei nur oberflachlichen Schnitt- und Ri?wunden beschleunigte, war eine ganz andere Sache. Plotzlich offnete sich die Innenluke, wegen des Druckunterschieds blahten sich ihre Anzuge knirschend auf, und sie begaben sich schnell in das Schiffsinnere.

„Das glaube ich einfach nicht!“ rief Haslam entsetzt.

Die Schleusenvorkammer war mit Gestalten in Raumanzugen uberfullt, die frei an den Enden von Seilen oder Gurten umhertrieben, die an Ausrustungshalterungen oder an anderen geeigneten Befestigungspunkten festgebunden waren. Das Notbeleuchtungssystem funktionierte noch, und es war ausreichend hell, um alle Einzelheiten der Gestalten erkennen zu konnen. So waren jedem Mann die Beine zusammengebunden und die Arme fest an den Seiten gefesselt worden. Zudem trug jeder zusatzliche Sauerstoffbehalter auf dem Rucken. Da alle ausschlie?lich schwere Raumanzuge aus sehr strapazierfahigem Material trugen, konnten die festen Gurte die darunterliegenden Gliedma?en und Korperteile weder einschnuren, noch auf eventuell erlittene Wunden drucken. Uberall wurden die Helmvisiere durch die fast undurchsichtigen Sonnenfilter verdeckt.

Conway drangte sich vorsichtig zwischen zwei der schwebenden Gestalten, und hielt einen der Korper fest. Vorsichtig schob er den Sonnenfilter am Helm des Schiffbruchigen zuruck. Zwar war die Innenseite des Visiers stark beschlagen, doch konnte er ein Gesicht erkennen, das uberma?ig rot angelaufen war. Die Augen wurden bei den ersten eindringenden Lichtstrahlen sofort krampfartig zusammengekniffen. Er schob den Filter weiterer Unfallopfer zuruck, stets mit demselben Resultat.

„Losbinden und sofort aufs Unfalldeck bringen!“ befahl Conway.

„Lassen Sie die Arm- und Beinfesseln erst einmal dran. So sind sie einfacher zu bewegen, und zudem stutzen die Riemen eventuell gebrochene Gliedma?en. Das ist doch nicht die komplette Crew, oder?“

Naturlich war das keine wirkliche Frage, denn irgend jemand mu?te die Opfer ja zusammengebunden und fur eine schnelle Evakuierung zur Luftschleuse der Tenelphi gebracht haben.

„Hier sind neun, Doktor“, antwortete Haslam nach einer schnellen Zahlung. „Ein Besatzungsmitglied fehlt. Soll ich nach ihm suchen?“

„Jetzt nicht“, entgegnete Conway und dachte, da? sich der noch fehlende Offizier sehr umsichtig verhalten hatte: So hatte er zunachst eine Nachricht per Subraumfunk gesendet, dann eine Notsignalbake ausgesetzt, als der automatische Auslosungsmechanismus versagt hatte oder er ihn nicht hatte bedienen konnen, und schlie?lich hatte er seine Kameraden von ihren Posten aus den verschiedenen Teilen des Schiffs bis hierher zur Schleusenvorkammer gebracht. Es war nicht auszuschlie?en, da? er sich wahrend dieser Aktionen seinen Raumanzug beschadigt hatte und notgedrungen irgendwo einen luftdichten Abschnitt aufsuchen mu?te, um dort auf seine Rettung zu warten.

Conway schwor sich, da? der Mann, der all diese Dinge vollbracht hatte, auch gerettet werden mu?te! Wahrend er Haslam und Dodds half, die ersten Verletzten zur Rhabwar hinuberzubringen, beschrieb Conway per Funk dem medizinischen Personal auf dem Unfalldeck und dem Captain die Lage. Dann fragte er noch: „Prilicla, sind Sie dort druben ein paar Minuten lang zu entbehren?“

„Ohne weiteres, mein Freund“, antwortete der kleine Empath. „Meine Muskulatur ist sowieso nicht kraftig genug, um bei der Behandlung von DBDG-Verletzten direkt zur Hand zu gehen, und meine Hilfe ist von daher eher moralischer als medizinischer Art.“

„Sehr gut“, entgegnete Conway. „Unser Problem ist ein fehlendes Besatzungsmitglied, das vielleicht verletzt ist, moglicherweise eben aber auch nicht. Wahrscheinlich hat die betreffende Person in einer luftdichten Kammer Schutz gesucht. Wurden Sie ihren Aufenthaltsort bestimmen, damit wir keine Zeit mit der Durchsuchung des havarierten Schiffs vergeuden? Tragen Sie eine Druckhulle?“

„Ja, mein Freund“, erwiderte Prilicla. „Ich komme sofort.“

Es dauerte beinahe funfzehn Minuten, bis die Unfallopfer von der Tenelphi in das Ambulanzschiff uberfuhrt waren. Zu diesem Zeitpunkt schwebte Prilicla entlang der Au?enhaut des Schiffsrumpfs hin und her, um zu versuchen, die emotionale Ausstrahlung des fehlenden Besatzungsmitglieds aufzuspuren. Conway blieb im Innern des havarierten Schiffs und bemuhte sich, seine Ungeduld und Sorge unter Kontrolle zu halten, um den Cinrussker nicht abzulenken.

Falls sich noch irgend etwas Lebendiges an Bord der Tenelphi befand, dann wurde es Prilicla mit seinen empathischen Fahigkeiten entdecken, selbst wenn es tief bewu?tlos war oder bereits im Sterben lag.

„Nichts, mein Freund“, berichtete Prilicla nach zwanzig schier endlos dauernden Minuten. „Die einzige emotionale Strahlungsquelle im havarierten Schiff sind Sie selbst.“

Conways unwillkurliche Reaktion au?erte sich in einer Art Mischung aus Zorn und Zweifel, woraufhin Prilicla antwortete: „Es tut mir leid, mein Freund. Wenn das Lebewesen immer noch in dem Schiff ist, dann ist es… ist es tot.“

Doch Conway gehorte nicht zu den Arzten, die einen Patienten ohne triftigen Grund einfach aufgaben. „Captain, hier Conway“, sagte er ins Anzugmikrofon. „Es konnte doch sein, da? der Vermi?te irgendwo hilflos im Raum treibt. Vielleicht hat er sich verletzt, oder sein Funkgerat im Anzug ist beim Aussetzen der Bake beschadigt worden.“

„Bedaure, Doktor“, antwortete Fletcher. „Wir haben gleich nach unserer Ankunft hier ein Radarscanning des gesamten Gebiets gemacht, fur den Fall, da? sich der Mann aus Versehen selbst mit der Bake ausgesetzt hat.

Es gibt da ein paar einzelne Wrackteile, von denen jedoch keins so gro? wie ein Mensch ist. Aber ich werde ein weiteres Scanning vornehmen lassen, um absolut sicher zu sein.“ Der Captain hielt kurz inne und fuhr dann fort: „Haslam, Dodds! Uberprufen Sie doch bitte die Erkennungsmarken und die Uniformabzeichen der Verletzten, sofern Sie dadurch nicht die arztliche Behandlung dort unten behindern, und bringen Sie mir eine Liste.

Schnell!

Chen, Sie werden die nachste Zeit im Maschinenraum nicht gebraucht werden. Versiegeln Sie das havarierte Schiff, und suchen Sie es so grundlich ab, wie es in der noch verbleibenden Zeit moglich ist. Denn erstens sollten die Verwundeten so schnell wie moglich ins Hospital gebracht werden, und zweitens konnten wir zusatzliche Probleme bekommen, weil wir uns der Sonne des Systems so sehr nahern, da? unsere eigene Sicherheit bald ernstlich gefahrdet ist. Sie werden nach dem Korper des vermi?ten Offiziers suchen, nach Schiffspapieren, Bandern und nach allem, das vielleicht erklaren konnte, was dort passiert ist. Am Schwarzen Brett auf dem Freizeitdeck mu?ten Sie einen Dienstplan fur die einzelnen Besatzungsmitglieder finden. Wenn wir diesen Plan mit der Verletztenliste vergleichen, werden wir sowohl die Identitat des Vermi?ten als auch dessen Spezialgebiet feststellen konnen…“

„Ich kenne sein Spezialgebiet“, mischte sich Conway plotzlich ein. Er dachte dabei an die hochst professionelle Art und Weise, auf welche der Vermi?te die Verletzten zunachst bewegt hatte, sie dann wegen der Moglichkeit weiterer oder spater womoglich selbst zugefugter Wunden ruhiggestellt hatte, um schlie?lich ihre

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