dessen mit einem Ge herumbummelte.

Zweifellos durfte er nicht zu nahe am Hospital in den Hyperraum eintauchen, weil die Erzeugung schon eines kleinen kunstlichen Universums, das erst das Fliegen mit Uberlichtgeschwindigkeit ermoglichte und die Masse eines Schiffs umschlie?en konnte, weit mehr als nur eine geringfugige Belastigung oder Storung des Orbit Hospitals darstellen wurde. Ein solches kunstliches Universum konnte hier samtliche Kommunikations- und Kontrolleinrichtungen zerstoren, was sowohl fur die Patienten als auch fur das Personal fatale Folgen gehabt hatte. Doch andererseits schien es Fletcher auch nicht sonderlich eilig zu haben, obwohl es sich immerhin um einen Notruf handelte.

War Fletcher mit seinem neuen Schiff vielleicht ubervorsichtig, fragte sich Conway, oder flog er nur vorsichtig, weil der Notruf gekommen war, noch ehe das Schiff auf einen solchen Einsatz ganzlich vorbereitet war?

Conways Unruhe verursachte beim Cinrussker zwar leichtes Zittern, aber Prilicla sagte blo?: „Ich uberprufe meine Schwerkraftneutralisatoren sowieso jede Stunde, weil ich sonst schon seit langem nicht mehr als lebendes und denkendes Wesen existieren wurde. Aber es ist wirklich nett vom Captain, sich um meine Sicherheit zu sorgen. Er scheint ein tuchtiger Offizier zu sein und ein Wesen, dem wir vollkommen vertrauen konnen, was die Arbeiten auf dem Schiff betrifft.“

„Einen Moment lang war ich wirklich ein wenig beunruhigt“, gab Conway zu und lachte uber den ungeschickten Beruhigungsversuch des Empathen. „Aber woher wu?ten Sie, da? ich mir um das Schiff Sorgen gemacht hab? Sind Sie jetzt zusatzlich auch noch zum Telepathen geworden?“

„Nein, mein Freund“, antwortete Prilicla. „Zu dem Zeitpunkt als ich Ihr Gefuhl wahrgenommen hab, war bereits auch mir unser irgendwie recht gemachlicher Abflug aufgefallen, und ich hab mich gefragt, ob der Captain oder das Schiff selbst so langsam Fahrt machen.“

„Genies haben eben haufig nicht nur dieselben Gedanken, sondern auch dieselben Sorgen“, sagte Murchison und wandte sich lachelnd von der Sichtluke ab. „Ich hab so einen Hunger, da? ich ein ganzes Pferd verschlingen konnte“, fugte sie voller Inbrunst hinzu.

„Ich hab ebenfalls ein dringendes Bedurfnis nach Nahrung“, stimmte ihr Prilicla zu. „Aber was ist ein Pferd, Freundin Murchison? Wurde es auch meinem Stoffwechsel bekommen?“

„Essen“, meldete sich Naydrad zu Wort, die gerade aufwachte.

Niemand brauchte extra zu erwahnen, da? sie, falls die Unfallopfer auf der Tenelphi ernsthaft verletzt sein sollten, nicht mehr allzuviel Zeit zum Essen haben wurden. Au?erdem war es sowieso immer eine gute Idee, etwas zu essen, wenn sich eine Gelegenheit dazu bot. Wie Conway daruber hinaus meinte, wurde man durch eine gute Mahlzeit auf andere Gedanken gebracht, wenigstens fur eine Weile.

„Also gut, lassen Sie uns etwas essen“, stimmte er zu. Dann stand er auf und ging den anderen zum Hauptschacht voran, der die acht bewohnbaren Ebenen des Schiffs miteinander verband.

Als er auf der Verbindungsleiter gegen den Beschleunigungsdruck von einem Ge nach achtern kletterte, erinnerte sich Conway an die grafische Darstellung des Schiffsdeckgrundrisses, wie sie zuvor auf O'Maras Bildschirm projiziert worden war. Auf Ebene eins befand sich der Kontrollraum, auf den Ebenen zwei und drei die Unterkunfte der Crew und der Arzte, die weder sonderlich geraumig noch uberma?ig gro?zugig mit Freizeiteinrichtungen ausgestattet waren, weil man damit rechnete, da? die Einsatze eines Ambulanzschiffs nur von kurzer Dauer waren. Auf Ebene vier befanden sich die Speise- und Aufenthaltsraume, und auf Ebene funf wurden die nichtmedizinischen Gebrauchsguter gelagert. Sechs und sieben stellten das Unfalldeck beziehungsweise die Station, und Ebene acht beherbergte die Gerate fur die technische Versorgung. Zudem befand sich hinter Ebene acht ein massives Abschirmungsschott, weil dort die beiden Ebenen folgten, die man nicht ohne besonderen Schutzpanzer betreten konnte: Ebene neun mit dem Hyperraumantriebsgenerator und zehn mit den Treibstofftanks und den nukleargetriebenen Triebwerken.

Diese Triebwerke, die fur den derzeitigen Antriebsschub sorgten, veranla?ten Conway, sehr vorsichtig zu klettern und die Sprossen sehr fest zu umklammern; denn den normalerweise schwerelosen Schacht jetzt hinunterzufallen konnte ihn sehr schnell vom Arzt zum Patienten machen oder, schlimmer noch, vom Leben zum Tod befordern. Murchison verhielt sich ebenfalls umsichtig, aber Naydrad, der es an Beinen nicht mangelte, mit denen sie die Sprossen umgreifen konnte, straubte vor lauter Ungeduld ihr Fell. Prilicla, der den G-Gurtel benutzte, war schon vorausgeflogen, um das Essensangebot zu uberprufen.

„Die Auswahl scheint ziemlich begrenzt zu sein“, sagte er, als die anderen endlich angekommen waren, „aber ich glaube, die Qualitat ist besser, als wir es vom Hospital her gewohnt sind.“

„Schlechter als dort kann es ja auch gar nicht mehr sein“, entgegnete Naydrad schnippisch.

Conway nahm eine gro?ere Operation an einem Steak vor, und auch seine Tischgenossen hatten mit ihren Mundern alles andere im Sinn, als zu reden. Plotzlich tauchten vom daruberliegenden Deck zwei grununiformierte Beine auf, Ihnen folgte der dazugehorige Rumpf und schlie?lich waren die Gesichtszuge von Captain Fletcher zu erkennen.

„Haben Sie etwas dagegen, wenn ich mich zu Ihnen setze?“ fragte er etwas steif. „Ich denke, wir sollten uns das Material der Tenelphi so bald wie moglich anhoren.“

„Uberhaupt nichts“, antwortete Conway in demselben formalen Ton.

„Nehmen Sie bitte Platz, Captain.“

Wie Conway wu?te, a? ein Schiffskommandant des Monitorkorps normalerweise in der Abgeschiedenheit seiner Kabine; das war eins der ungeschriebenen Gesetze an Bord. Die Rhabwar war Fletchers erstes Schiff als Captain, und es war zugleich sein erster Arbeitseinsatz als Kommandant, und schon brach er eine dieser eisernen Regeln, indem er zusammen mit Besatzungsmitgliedern eine Mahlzeit einnahm, die noch nicht einmal dem Monitorkorps angehorten. Doch als der Captain sein Essen aus dem Spender zog, war es offensichtlich, da? er sich au?erste Muhe geben mu?te, um entspannt und freundlich zu wirken — tatsachlich kostete es ihn sogar derart viel Anstrengung, da? Priliclas zuvor konstantes Schweben am Tisch zunehmend unruhiger wurde.

Murchison lachelte den Captain an und sagte: „Doktor Prilicla weist uns immer wieder gern darauf hin, da? das Essen wahrend des Flugs nicht nur die cinrusskische Verdauung fordert, sondern zudem noch die Suppen aller Umsitzenden angenehm kuhlt.“

„Falls Sie sich durch meine Methode der Nahrungsaufnahme belastigt fuhlen sollten, Freund Fletcher“, sagte Prilicla schuchtern, „so bin ich durchaus in der Lage, auch in ruhender Stellung zu essen.“

„Das… ehm… stot mich uerhaupt nicht, Doktor“, antwortete Fletcher mit einem leicht verkniffenen Laheln. „Ich glaube, man konte meine Empfindungen, die ich bei Ihrem Anblick hege, eher als ein Geful der Faszination beschreiben. Aber wude es sich vielleicht negativ auf die Verdauung von einem der hier Anwesenden auswirken, wenn wir uns das Band schon jetzt anhoen? Das Abspielen kann natulich auch warten, bis Sie alle zu Ende gegessen haben…“

„Fachsimpeln regt ebenfalls die Verdauung an“, merkte Conway in seiner typisch sachlichen Ausdrucksweise an. Dann legte er das Band ein, woraufhin O'Maras trockene, strenge Stimme den Raum erfulte… Das Aufklaungsschiff des Monitorkorps Tenelphi, das zur Zeit mit vorlaufigen Erkundungs- und Vermessungsarbeiten im galaktischen Sektor neun beschaftigt war, hatte es gleich dreimal hintereinander versaumt, die letzten Positionsberichte durchzugeben. Allerdings waren dem Monitorkorps sowohl die Koordinaten der Sternsysteme bekannt, die der Tenelphi zur Erforschung des Sektors zugewiesen worden waren, als auch die Reihenfolge, in der diese aufgesucht werden sollten. Und da das Schiff keine Notsignalbake ausgesetzt hatte, gab es keinen unmittelbaren Grund, sich uber das Schicksal der Tenelphi Sorgen zu machen. Man nahm an, da? sich die Schwierigkeiten — wie schon in vielen anderen Fallen auch — lediglich als ein simpler Fehler im Kommunikationssystem herausstellen wurden und nichts Dramatisches dahintersteckte.

Die Sternenaktivitat in dieser Region lag weit uber dem Durchschnitt, wodurch die Verstandigung uber Subraumfunk extrem erschwert wurde.

Als wichtig erachtete Funkspruche — und sie mu?ten tatsachlich sehr wichtig sein, da sie das hochst eigenartige Medium, das der Hyperraum darstellte, nur unter sehr hohem Energieaufwand durchdringen konnten — wurden aufgezeichnet und so lange wiederholt gesendet, wie man es fur notwendig und mit der Sicherheit vereinbar hielt; denn der Sendevorgang setzte schadliche Strahlung frei, die nicht wirksam abgeschirmt werden konnte, wenn man den Funkspruch uber einen langeren Zeitraum ausstrahlte, besonders dann, wenn es sich um leicht gebaute Aufklarungsschiffe handelte. Die Folge war, da? man einen knappen, stark zusammengefa?ten Funkspruch sendete. Da er allerdings durch stellare Interferenzen zerstuckelt wurde, strahlte man ihn in Form von funfzig oder mehr identischen, aber einzeln jeweils unlesbaren Mitteilungen aus, weil man hoffte, da? er so wieder zu einem Ganzen zusammengesetzt werden konnte. Einfache Positionsberichte hingegen waren kurz und deshalb sicher, und der

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