ihrem Himmel herabfallen…“
„Und wenn das Raumschiff keine Notsignalbake besitzt, was dann?“
unterbrach ihn Naydrad.
„Wenn eine Spezies technologisch so weit fortgeschritten ist, da? sie uber Raumschiffe verfugt, und dann eine solche Sicherheitsvorkehrung fur die Insassen nicht trifft“, antwortete O'Mara, „dann mochte ich sie lieber erst gar nicht kennenlernen.“
„Ich verstehe“, sagte die Kelgianerin.
Der Chefpsychologe nickte und fuhr dann rasch fort: „Nun verstehen Sie wohl auch, warum vier ranghohere oder spezialisierte Mitglieder des medizinischen und chirurgischen Mitarbeiterstabs unseres Hospitals zu Ambulanzschiffbegleitern degradiert werden…“ — O'Mara druckte einige Knopfe auf seinem Schreibtisch, und die Sternkarte der Foderation wurde durch eine gro?e und detaillierte grafische Darstellung eines Schiffs ersetzt —, „… und zwar zu Begleitern eines ganz besonderen Ambulanzschiffs, wie Sie sehen konnen. Captain Fletcher, fahren Sie bitte fort.“
Wie Conway auffiel, hatte O'Mara gerade zum erstenmal Fletchers Titel als Schiffskommandant benutzt und nicht seinen Monitorkorpsrang als Major. Wahrscheinlich war das die Methode des Chefpsychologen, alle daran zu erinnern, da? Fletcher auf dem Ambulanzschiff das Sagen haben wurde, egal, ob es ihnen nun pa?te oder nicht.
Conway horte dem Captain nur halb zu, als sich Fletcher in uberschwenglichem Ton uber die Ausma?e, Leistungsfahigkeit und Suchmoglichkeiten seines neuen Schiffs auslie?, wobei er an einen stolzen Vater erinnerte, der die Vorzuge seines Lieblingsspro?lings anpreist.
Das Bild auf dem Instruktionsschirm war Conway durchaus vertraut, denn er hatte das Schiff bereits zuvor in den Dockanlagen des Monitorkorps hangen sehen, wo es auf ihn wie ein riesiger, wei?er Dartpfeil gewirkt hatte. Seine Umrisse wurden durch ein schier undurchdringliches Dickicht ausgestreckter Sensoren und geoffneter Inspektionsluken verwischt, und es war von einem Schwarm kleinerer Schiffe in der gelbbraunen Dienstfarbe des Monitorkorps umgeben. Das Schiff hatte Form und Gro?e eines leichten Foderationskreuzers, des gro?ten Korpsschiffstyps, der in der Lage war, innerhalb einer Planetenatmosphare Luftmanover durchzufuhren. Conway stellte sich die strahlend wei?e Schiffshulle und die deltaformigen Flugel mit dem roten Kreuz, der orangefarbenen Sonne, dem gelben Blatt und den vielfaltigen anderen Symbolen vor, die den Grundgedanken der uberall in der Foderation uneingeschrankt gewahrten Hilfe reprasentierten.
„… die Besatzung wird fast ausschlie?lich aus Mitgliedern der physiologischen Klassifikation DBDG bestehen“, sagte Captain Fletcher gerade, „und das bedeutet, sie wird sich genauso wie die Mehrheit des Monitorkorpspersonals aus Terrestriern oder Bewohnern von der Erde besiedelter Planeten zusammensetzen.
Doch dieses Schiff hier wurde auf Traltha gebaut, wie die typische Form und alle sich daraus ergebenden Konstruktionsvorteile schon verraten“, fuhr er begeistert fort. „Deshalb haben wir es auch nach einer der gro?en Personlichkeiten in der medizinischen Geschichte Tralthas benannt, namlich Rhabwar. Die Unterkunfte fur das extraterrestrische medizinische Personal sind bezuglich Gravitation, Druck, Zusammensetzung der Atmosphare, Nahrung, Mobiliar und Ausstattung anpassungsfahig, vorausgesetzt, es handelt sich dabei um warmblutige Sauerstoffatmer. Weder die Kelgianerin mit der physiologischen Klassifikation DBLF…“ — er sah Naydrad an und dann nach oben zu Prilicla — „noch der Cinrussker als GLNO werden in dieser Hinsicht irgendwelche Probleme aufwerfen.
Der einzige physiologisch nicht spezialisierte Schiffsabschnitt ist das Unfalldeck und die dazugehorige Station, die gro? genug ist, um ein Unfallopfer bis zur Gro?e eines ausgewachsenen Chalders aufzunehmen.
Dieser Abschnitt ist mit Gravitationsgittern ausgerustet, die in halben Ge-Schritten von null bis funf Ge reguliert werden konnen, und besitzt zudem die Vorrichtung fur die Bereitstellung einer Vielzahl gasformiger und flussiger Atmospharen. Wenn das Unfallopfer verwirrt oder aggressiv sein sollte und der Patient fur eine medizinische Untersuchung oder chirurgische Behandlung ruhiggestellt werden mu?, stehen dafur sowohl materielle als auch nichtmaterielle Hilfsmittel zur Bandigung des Wesens zur Verfugung, namlich Riemen und Pressorstrahlen. Dieser Abschnitt wird der alleinigen Verantwortung des medizinischen Personals unterstellt sein, das fur die Verungluckten, die ich ihm bringen werde, die geeigneten Umweltbedingungen schafft und deren umgehende Behandlung einleiten wird.
Diesen Punkt mochte ich ausdrucklich unterstreichen“, fuhr der Captain fort, und seine Stimme klang jetzt harter. „Die Verantwortung fur die allgemeine Schiffsfuhrung, sowie fur das Auffinden des verungluckten Alienschiffs und dessen Bergung selbst trage allein ich. Die Rettung eines Extraterrestriers aus einem vollkommen fremden und zudem noch beschadigten Schiff ist alles andere als einfach. So besteht jederzeit die Moglichkeit, versehentlich fremdartige Mechanismen mit eventuell zerstorerischen Auswirkungen auszulosen, die auch Verwundungen der Retter nach sich ziehen konnten, oder da? giftige oder explosive Atmospharen und atomare Strahlung vorhanden sind. Hinzu kommen die oftmals umfangreichen Probleme, die schon mit dem blo?en Betreten eines Alienschiffs verbunden sind, und die heikle Aufgabe, das extraterrestrische Unfallopfer zu finden und herauszuholen, ohne es zu toten oder seine Verletzungen zu verschlimmern…“
Fletcher hielt inne und sah alle der Reihe nach an. Prilicla begann in dem von Naydrad ausgehenden unsichtbaren Wind emotionaler Ausstrahlung zu beben, deren silbriges Fell sich ihrerseits wie zu sich straubenden Stacheln aufstellte. Murchison versuchte ohne gro?en Erfolg, eine unbeteiligte Miene aufzusetzen, und Conway glaubte ebenfalls nicht, besonders gelassen zu wirken.
O'Mara schuttelte bedachtig den Kopf und sagte: „Captain, Sie haben den medizinischen Mitarbeitern nicht nur gesagt, da? sie sich ausschlie?lich um ihre eigenen Aufgaben zu kummern haben, sondern haben ihnen auch noch zu erklaren versucht, worin diese Aufgaben bestehen. Neben seiner chirurgischen und medizinischen Erfahrung mit ETs war Chefarzt Conway bereits an einer Anzahl von Schiffsbergungseinsatzen beteiligt, ebenso wie Pathologin Murchison und Doktor Prilicla. Und Oberschwester Naydrad ist in den letzten sechs Jahren sogar zur Spezialistin fur schwere Rettungseinsatze geworden. Dieses Projekt erfordert eine enge Zusammenarbeit. Sie werden die Mithilfe Ihrer Arzte benotigen, und ich nehme stark an, diese werden Sie auch erhalten, ob Sie sie nun darum bitten oder nicht.“ Er wandte seine Aufmerksamkeit Conway zu, dann fuhr er mit leicht spottischem Unterton fort: „Sie, Doktor, wurden von mir fur dieses Projekt ausgewahlt, weil Sie die Fahigkeit besitzen, mit ETs zusammenzuarbeiten und diese auch zu verstehen, egal, ob es sich dabei um Kollegen oder Patienten handelt. Also sollten Sie auch auf keine unuberwindlichen Schwierigkeiten sto?en, wenn Sie lernen mussen, wie man am besten mit einem frisch ernannten Schiffskommandanten auskommen und zusammenarbeiten kann, der verstandlicherweise noch sehr…“
Die Signallampe auf O'Maras Schreibtisch begann zu blinken, und die Stimme eines seiner Assistenten meldete: „Diagnostiker Thornnastor ist eben eingetroffen, Sir.“
„Noch drei Minuten“, entgegnete O'Mara. Seine Augen ruhten immer noch auf Conway, als er fortfuhr: „Ich werde mich kurzfassen.
Normalerweise wurde ich keinem von Ihnen die Entscheidung uberlassen, einen Auftrag abzulehnen, aber hierbei handelt es sich eher um eine Art Probefahrt fur die Rhabwar als um einen Einsatz, der Ihre berufliche Sachkenntnis erfordert. Wir haben Notsignale vom Aufklarungsschiff Tenelphi empfangen, deren Besatzung sich ausschlie?lich aus DBDGs von der Erde zusammensetzt, also wird es nicht einmal Verstandigungsschwierigkeiten geben. Es handelt sich also um einen simplen Such- und Rettungseinsatz. Sollten den Uberlebenden spater Vorwurfe hinsichtlich ihrer eventuellen Inkompetenz gemacht werden, dann ist das eine disziplinarische Angelegenheit des Monitorkorps und nicht Ihre Sache. Die Rhabwar wird in weniger als einer Stunde abflugbereit sein. Die vorhandenen Informationen zu diesem Vorfall sind auf diesem Band. Legen Sie es ein, sobald Sie an Bord sind.
Das ist eigentlich schon alles“, schlo? er, „allerdings besteht fur Prilicla und Naydrad keine Notwendigkeit mitzufliegen, nur um ein paar DBDG-Frakturen oder Dekompressionskrankheiten zu behandeln. Auf dieser Fahrt wird es jedenfalls keine interessanten extraterrestrischen Falle geben…“
O'Mara brach ab, weil Prilicla zu zittern begann und sich Naydrads Fell heftig straubte. Der Empath meldete sich als erster zu Wort.
„Naturlich werde ich im Orbit Hospital bleiben, wenn man mich darum bittet“, sagte Prilicla schuchtern, „aber wenn man mir die Wahl uberlie?e, dann wurde ich es vorziehen, mit den anderen…“
„Fur uns“, unterbrach ihn Naydrad lautstark, „sind gerade die DBDGs von der Erde sehr interessante Aliens.“
O'Mara seufzte. „Eigentlich hatte ich auch keine andere Reaktion von Ihnen erwartet. Also gut, meinetwegen konnen Sie alle zusammen fliegen.
