zusammenfassend fest.

»Genau.«

»Sicher wei?t du so gut wie alles, was es uber Ros Ailithir zu wissen gibt?«

»Alles«, antwortete Rumann selbstzufrieden.

»Das ist schon.«

Rumann runzelte leicht die Stirn und fragte sich, ob sie sich uber ihn lustig machte.

»Was willst du wissen?« erkundigte er sich.

»Abt Brocc beauftragte dich mit der Untersuchung des Todes von Dacan. Was hast du herausgefunden?«

»Da? er von einem Unbekannten ermordet wurde. Das war alles«, erwiderte der Verwalter.

»Fangen wir bei dem Zeitpunkt an, als der Abt dir mitteilte, da? Dacan tot ist.«

»Das teilte mir nicht der Abt mit, sondern Bruder Conghus.«

»Wann war das?«

»Kurz nachdem er den Abt von Dacans Tod unterrichtet hatte. Ich traf ihn, als er zu Bruder Tola eilte, unserem Unterarzt. Tola untersuchte die Leiche.«

»Was tatest du dann?«

»Ich begab mich zum Abt, um ihn zu fragen, was ich machen sollte.«

»Du gingst nicht zuerst in Dacans Zimmer?«

Rumann schuttelte den Kopf.

»Was hatte ich dort ausrichten konnen, bevor Tola Dacan untersucht hatte? Der Abt wies mich an, die Angelegenheit in die Hand zu nehmen. Danach erst ging ich in Dacans Zimmer. Bruder Tola war gerade dabei, die Untersuchung abzuschlie?en. Er sagte, Da-can sei gefesselt und mit mehreren Stichen in die Brust getotet worden. Dann schafften er und Martan, der Apotheker, die Leiche fort.«

»Ich habe gehort, da? der Raum nicht in Unordnung war und die Ollampe neben dem Bett noch brannte.«

Rumann nickte bestatigend.

»Tola loschte die Lampe, als er ging«, sagte Fidelma. »Daraus schlie?e ich, da? du das Zimmer schon verlassen hattest, als die Leiche hinausgetragen wurde.«

Rumann blickte Fidelma mit sichtlichem Respekt an.

»Du hast einen scharfen Verstand, Schwester. So war es tatsachlich. Wahrend Tola noch zu tun hatte, sah ich mich rasch im Zimmer um nach einer Waffe oder einem ahnlichen Gegenstand, der den Tater verraten konnte. Ich fand aber nichts. Deshalb ging ich, kurz bevor Tola die Leiche hinaustragen lie?.«

»Du hast das Zimmer nicht noch einmal durchsucht?«

»Nein. Auf Anordnung des Abts lie? ich das Zimmer in dem Zustand verschlie?en, in dem es sich befand. Ich hatte nichts gefunden, was zur Entdeckung des Taters beitragen konnte. Der Abt meinte aber, da? weitere Nachforschungen notig werden konnten.«

»Du hast zu keinem Zeitpunkt Ol in die Lampe neben dem Bett nachgefullt?«

Bei dieser Frage zog Rumann uberrascht die Augenbrauen hoch.

»Weshalb sollte ich sie auffullen?«

»Ganz egal«, entgegnete Fidelma schnell mit einem Lacheln. »Was geschah dann? Wie hast du deine weiteren Nachforschungen angestellt?«

Rumann rieb sich nachdenklich das Kinn.

»In jener Nacht schliefen Schwester Necht und ich im Gastehaus, und wir schliefen fest, bis uns die Morgenglocke weckte. Es war nur noch ein anderer Gast im Haus, und er hatte nichts gesehen oder gehort.«

»Wer war dieser Gast? Ist er noch im Kloster?«

»Nein. Er war nur ein Reisender. Er hie? Assid von den Ui Dego.«

»Ach so.« Ihr fiel ein, da? Brocc den Namen erwahnt hatte. »Assid von den Ui Dego. Verbessere mich, wenn ich mich irre, Rumann, aber die Ui Dego wohnen doch nordlich von Fearna in Laigin, nicht wahr?«

Rumann machte eine Geste der Verlegenheit.

»Ich glaube, ja«, raumte er ein. »Vielleicht kann dir Bruder Midach mehr daruber sagen.«

»Wieso Bruder Midach?« fragte Fidelma.

»Nun, er ist ofter in die Gegend gereist«, antwortete Rumann etwas entschuldigend. »Ich glaube, er wurde dort in der Nahe geboren.«

»Erzahl mir mehr uber Assid, den Reisenden«, bat Fidelma den Verwalter.

»Da gibt’s nicht viel zu erzahlen. Er kam mit einem Kustenschiff. Ich glaube, er ist Kaufmann und treibt Handel die Kuste entlang. Er fuhr mit der Nachmittagsflut ab an dem Tage, als Dacan getotet wurde. Vorher hatte ich ihn naturlich grundlich befragt.«

»Und er hat dir versichert, da? er nichts gehort und nichts gesehen hat?« Fidelma lachelte ironisch.

»Genau das.«

»Hatte nicht die Tatsache, da? Assid aus Laigin stammt und Laigin jetzt eine so wichtige Rolle in der Angelegenheit spielt, euch veranlassen sollen, ihn zur weiteren Befragung hierzubehalten?« erkundigte sich Fidelma.

Rumann schuttelte den Kopf.

»Woher sollten wir das damals wissen? Mit welcher Begrundung sollten wir ihn festhalten? Willst du damit andeuten, da? er der Morder seines Landsmanns ist? Wir haben zudem neben Midach noch mehrere Bruder und Schwestern in der Abtei, die in Laigin geboren sind.«

»Ich bin nicht hier, um irgend etwas anzudeuten, Rumann«, erwiderte Fidelma, etwas gereizt von der Selbstzufriedenheit des Verwalters. »Ich bin hier, um den Fall zu untersuchen.«

Der fullige Monch fuhr zuruck und schluckte. Er war es nicht gewohnt, da? man so mit ihm sprach.

Fidelma wiederum taten ihre Worte sofort leid, und sie gestand sich im stillen ein, da? der Verwalter kaum hatte anders handeln konnen. Welche Grunde gab es zu der Zeit, Assid von den Ui Dego festzusetzen? Keine. Aber wie sollte sie den Fall aufklaren, wenn der Hauptzeuge den Schauplatz verlassen hatte? Allerdings war jetzt eindeutig klar, wer die Nachricht von der Ermordung Dacans nach Fearna gebracht hatte.

»Dieser Assid«, begann Fidelma nun in freundlicherem Ton, »weshalb bist du so sicher, da? er Kaufmann ist?«

»Wer sonst au?er einem Kaufmann fahrt in einer barc die Kuste entlang und sucht Unterkunft in unserem Gastehaus? Sein Besuch war nicht ungewohnlich. Wir beherbergen oft Kaufleute wie ihn.«

»Seine Mannschaft blieb vermutlich an Bord der barc

»Ich glaube schon. Hier ubernachtete sie jedenfalls nicht.«

»Erhebt sich also die Frage, warum er nicht auch an Bord blieb, sondern hier ein Nachtquartier suchte?« uberlegte Fidelma. »In welchem Zimmer schlief er?«

»In dem, das jetzt Schwester Eisten bewohnt.«

»Kannte er Dacan?«

»Ich glaube, ja. Ich kann mich erinnern, da? sie sich freundlich begru?ten. Das war an dem Abend, als As-sid ankam. Das war wohl ganz naturlich, da sie beide aus Laigin stammten.«

»Hast du dich spater bei Assid nach seiner Beziehung zu Dacan erkundigt?« wollte Fidelma wissen.

Rumann schuttelte den Kopf.

»Warum sollte mich sein Verhaltnis zu Dacan interessieren?«

»Aber du sagtest doch, da? sie sich freundschaftlich begru?ten, was darauf schlie?en la?t, da? sie sich personlich kannten und nicht nur vom Namen her«, erwiderte Fidelma.

»Ich sah keinen Grund, Assid zu fragen, ob er mit Dacan befreundet gewesen sei.« »Wie willst du einen Morder finden, wenn du nicht solche Fragen stellst?« entgegnete Fidelma gereizt.

»Ich bin kein dalaigh«, verteidigte sich Rumann emport. »Ich hatte nur den Auftrag, zu untersuchen, wie Dacan in unserem Gastehaus zu Tode kam, nicht eine gerichtliche Untersuchung zu fuhren.«

Daran war manches wahr. Rumann war nicht fur eine Untersuchung ausgebildet. Fidelma bereute ihre Scharfe.

»Es tut mir leid«, entschuldigte sie sich. »Sag mir einfach alles, was du uber diesen Assid wei?t.«

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