angefuhrt? Nach allem, was ich wei?, hat ein Trupp in Panik geratener Leute aus dem Nachbardorf es niedergebrannt.«
»Dann bist du falsch unterrichtet.«
»Das ist eine schwere Beschuldigung.«
»Es ist ein schweres Verbrechen«, bestatigte Fidelma kuhl.
»Ich brauche Beweise, bevor ich einer solchen Beschuldigung nachgehen kann«, erwiderte Salbach entschieden.
»Die Beweise sind die verkohlten Ruinen von Rae na Scrine.«
»Die verkohlten Ruinen beweisen nur, da? das Dorf niedergebrannt wurde, und vielleicht noch, da? Menschen dabei ums Leben kamen. Welchen Beweis gibt es dafur, da? Intat daran schuld ist?«
»Cass aus der Leibwache des Konigs von Cashel und ich ritten auf das Dorf zu, als die schreckliche Tat begangen wurde. Wir trafen auf einen Mann namens Intat. Er schickte uns weg und drohte uns mit dem Tode.«
Salbachs Augen weiteten sich unglaubig.
»Er lie? euch gehen? Wenn er solch ein Verbrechen beging, dann wart ihr doch wahrscheinlich nicht hier, um es bezeugen zu konnen?«
Fidelma fragte sich, warum Salbach sich bemuhte, seinen
»Intat ahnte nicht, da? wir sehen wurden, was er getan hatte. Wir ritten auf einem Umweg in das Dorf, nachdem wir ihm begegnet waren. Er merkte auch nicht, da? es Uberlebende im Dorf gab, die noch besser als wir bezeugen konnen, was geschah.«
Schluckte Salbach uberrascht? Schlich sich ein Schatten von Furcht in seine Miene?
»Es gab Uberlebende?«
»Ja.« Es war Abt Brocc, der antwortete. »Es gab ein halbes Dutzend Uberlebende. Einige Kinder ...«
»Kinder konnen laut Gesetz nicht aussagen«, fuhr Salbach dazwischen. »Sie haben keine Rechte vor dem Gesetz, bis sie das Alter der Wahl erreichen.«
Fidelma fiel auf, da? diese juristische Feststellung Salbach sehr gelaufig uber die Lippen kam.
»Es war auch eine Erwachsene darunter«, sagte sie leise. »Und wenn eine Erwachsene nicht genugt, dann stell diesen Intat doch Cass und mir gegenuber, und wir werden aussagen, ob er derjenige war, den wir Leute mit Brandfackeln und Schwertern in den Handen in das Dorf fuhren sahen und der uns mit dem Tode drohte.«
»Woher wi?t ihr uberhaupt, da? es Intat war?« fragte Salbach murrisch. »Woher kennt ihr seinen Namen?«
»Schwester Eisten hat ihn erkannt«, antwortete der Abt.
»Aha! Dann ist sie also die Uberlebende, von der ihr sprecht?«
Salbachs Blick verschleierte sich wieder. Fidelma hatte viel darum gegeben, zu wissen, welche Gedanken ihm jetzt durch den Kopf schossen. Sein Gesicht glich einer Maske, doch hinter seinen halbgeschlossenen Augen schienen die Gedanken nur so zu wirbeln.
»Es fallt mir schwer, so etwas von Intat zu glauben«, seufzte Salbach plotzlich und setzte seinen geleerten Becher ab, als habe man ihn schlie?lich uberzeugt. »Die Beweise gegen ihn erschuttern mich. Halten sich Schwester Eisten und die Kinder in Ros Ailithir auf?«
Wieder antwortete Brocc, bevor Fidelma etwas sagen konnte.
»Ja. Wir werden sie wahrscheinlich bald in das Waisenhaus schicken, das Molua fuhrt.«
»Ich wurde sie gern sehen«, sagte Salbach bestimmt.
»Es kann einige Tage dauern, bis das moglich ist«, sagte Fidelma eilig mit einem bedeutsamen Blick zu Brocc. Der Abt starrte sie verwundert an. »Der Abt hat angeordnet, sie in Quarantane zu halten, bis sicher ist, da? sie sich nicht mit der Gelben Pest angesteckt haben.«
»Aber ...«, setzte Brocc an, dann bi? er sich auf die Lippen.
Salbach schien seinen unvollendeten Protest nicht bemerkt zu haben und erhob sich.
»Ich komme zu gegebener Zeit wieder und befrage Schwester Eisten und die Kinder«, erklarte er. »Da es sich um eine schwerwiegende Anschuldigung gegen einen meiner Friedensrichter handelte, meinte ich, sofort die Beweise prufen zu mussen. Ich werde Intat suchen lassen und horen, was er zu sagen hat. Wenn das Verbrechen auf ihn zuruckgeht, dann wird er sich vor meinem eigenen Brehon dafur zu verantworten haben. Darauf kannst du dich verlassen, Schwester Fidelma.«
»Cashel wurde nichts anderes erwarten«, antwortete Fidelma ernst.
Salbach sah sie scharf an und suchte nach einem verborgenen Sinn in ihren Worten, doch Fidelmas Gesicht blieb undurchdringlich.
»Wir sind ein stolzes Volk, Schwester Fidelma«, sagte Salbach. Seine Stimme klang sanft, es schwang aber eine versteckte Drohung darin mit. »Die Corco Loigde fuhren ihre Abstammung auf die Familie von Mil Easpain zuruck, der zu Beginn der Zeiten die Vorfahren der Galen in dieses Land brachte. Wird einer von uns in seiner Ehre gekrankt, so sind wir alle in unserer Ehre gekrankt. Und wenn einer von uns seine Ehre verletzt, verletzt er unser aller Ehre und wird dafur bestraft.«
Er zogerte einen Augenblick, als wolle er noch etwas sagen, dann wandte er sich an den Abt.
»Ich werde mich auf den Weg machen, Abt«, begann er, doch Fidelma unterbrach ihn.
»Es gibt noch ein paar Fragen in einer anderen Angelegenheit, bei deren Klarung du mir helfen kannst, Salbach.«
Salbach sah sie erstaunt an, denn er hatte doch wohl deutlich klargemacht, da? das Gesprach fur ihn beendet war. Offensichtlich war er gewohnt, da? sich jeder nach ihm richtete.
»Ich bin jetzt beschaftigt .«
»In dieser Sache handele ich im Auftrag des Konigs von Cashel«, beharrte Fidelma. »Es geht um die Ermordung des Ehrwurdigen Dacan.«
Salbach schien etwas Heftiges erwidern zu wollen, doch dann zuckte er gleichmutig die Achseln.
»Eine ernste Angelegenheit«, gab er zu. »Ich wei? nichts uber den Tod des Alten. Wie kann ich dir also helfen?«
»Kanntest du den Ehrwurdigen Dacan?«
»Wer kannte seinen Ruf nicht?« parierte Salbach.
»Ich glaube, du bist ihm begegnet?«
Die Frage hatte Fidelma auf gut Gluck gestellt, und sie bemerkte Salbachs rasches Erroten. Ihr Instinkt hatte sie nicht getrogen.
»Ich habe Dacan ein paarmal getroffen«, gestand Salbach.
»War das hier in Ros Ailithir?«
Fidelma mu?te ihre Uberraschung verbergen, als Salbach den Kopf schuttelte.
»Nein. Ich traf ihn in Cealla, einer der gro?en Residenzen der Stammesfursten von Osraige.«
»In Osraige? Wann war das?«
»Vor einem Jahr.«
»Darf ich fragen, was du in Osraige zu tun hattest?«
»Ich besuchte meinen Vetter Scandlan, den dortigen Konig.« Salbach konnte die Eitelkeit in seiner Stimme nicht unterdrucken.
Fidelma erinnerte sich, da? ihr Bruder Colgu ihr erzahlt hatte, da? die Konige von Osraige mit den Stammesfursten der Corco Loigde verwandt waren.
»Ich verstehe«, sagte sie langsam. »Aber als der Ehrwurdige Dacan nach Ros Ailithir kam, hast du ihn nicht getroffen?«
»Nein.«
Irgend etwas veranla?te Fidelma, ihm nicht zu glauben. Doch sie vermochte diesen verdeckten Bussardblick nicht zu durchschauen. Ihr wurde klar, da? sie Salbach nicht ausstehen konnte. Dann errotete sie, denn sie dachte an die Predigt, die sie Schwester Necht gehalten hatte. Trotzdem blieb Fidelma dabei, da? Salbach etwas Unheimliches an sich habe, und mi?traute ihm deshalb. Seine kalten Augen verrieten Schlechtigkeit und Harte. Er erinnerte sie an einen Raubvogel.
»Aber Assid von Laigin bist du hier begegnet?« Mit dieser Frage wechselte sie abrupt das Thema, weiter ihrem Instinkt vertrauend.
