hatte au?er bei der Schwester, die nach der Uberfahrt nach Britannien oder Gallien gefragt hatte.«
Das stimmt schon, dachte Fidelma. Eistens romisches Kreuz war hinreichend auffallig in dieser Gegend. Aber sie wollte sichergehen.
»Merkwurdig? Inwiefern?«
»Es war ein Kreuz ohne einen Kreis.«
»Du meinst ein romisches Kreuz?« fragte Fidelma nach.
»Wei? ich nicht. Wenn du’s so nennst«, antwortete der andere gleichgultig. »Jedenfalls war es gro? und verziert und mit ein paar Edelsteinen besetzt, die das Losegeld fur einen Konig wert sind.«
Es uberraschte nicht, da? der alte Seemann die Halbedelsteine fur Juwelen von gro?em Wert hielt. Die Beschreibung war zwar durftig, reichte aber aus, um Fidelma davon zu uberzeugen, da? der Mann die Wahrheit sagte.
»Das ware alles, Midnat«, stellte Mugron fest.
Der alte Koch gru?te zum Abschied und verlie? die Kajute.
»Nun?« fragte Mugron. »Bist du damit zufrieden?«
»Nein«, erwiderte Fidelma ruhig. »Denn das alles erklart noch nicht, woher du den Namen der unglucklichen Frau wei?t.«
Mugron machte eine wegwerfende Geste.
»Na, das ist kein gro?es Geheimnis. Ich sagte dir schon, da? wir die Erlaubnis von Salbach haben, hier zu ankern und das Pfandungsverfahren gegen Brocc von Ailithir zu betreiben. Als wir vor gut einer Woche hierherkamen, gingen wir auf Anweisung des Brehons unseres Konigs gleich zu Salbachs Burg in Cuan Doir, um die Erlaubnis dazu einzuholen.«
»Und dann?« fragte Fidelma, die nicht verstand, worauf Mugron hinauswollte.
»In Cuan Doir wurde ich Schwester Eisten vorgestellt. Als Midnat zu mir kam und die Schwester mit dem merkwurdigen Kruzifix beschrieb und sagte, das sei dieselbe Schwester, die eine Uberfahrt suchte, fielen mir das Kruzifix und der Name wieder ein.«
»Du bist also sicher, da? Schwester Eisten vor einer Woche auf Salbachs Burg war?« fragte Fidelma. Das war alles ziemlich verwirrend.
»Allerdings. Cuan Doir liegt an der nachsten Bucht, nicht weit von hier. Warum uberrascht es dich so, da? sie dort war?«
Fidelma lie? sich auf keine Erklarung ein.
»Eins mochte ich noch von dir, Mugron«, sagte sie. »Ich mochte, da? du mich zur Abtei begleitest und feststellst, ob die Leiche von Schwester Eisten dieselbe
Person ist wie die Schwester, die du in Salbachs Burg gesehen hast. Ich mochte ganz sicher sein.«
Mugron zogerte.
»Na, ich denke, ein Landgang ist besser, als hier auf dem Pott sitzen und von den Wellen geschaukelt werden. Ich verstehe allerdings nicht, was der Tod dieser ungluckseligen jungen Frau mit dem Mord an Dacan zu tun hat? Es gibt fur dich doch sicher Wichtigeres zu tun?«
Er sah Fidelmas Gesicht und hob begutigend die Hand.
»Ja, ja, Schwester Fidelma. Ich komme mit, aber du als
»Das garantiere ich dir«, versicherte ihm Fidelma.
»Dann ist es abgemacht.«
»Noch eins«, sagte Fidelma und hielt Mugron zuruck, als er aufstehen wollte.
»Namlich?«
»Du sagtest, du wurdest Schwester Eisten vorgestellt. Warum geschah das?«
»Wahrend wir im Bankettsaal auf Salbachs Erscheinen warteten, sah ich sie. Das Kreuz, das sie trug, interessierte mich, weil es so anders war als die Kruzifixe, die hierzulande bei Monchen und Nonnen ublich sind. In Laigin konnte ich dafur einen guten Preis erzielen.«
»Das stimmt«, bestatigte Fidelma. »Das Kruzifix wurde in Bethlehem gekauft, denn Schwester Eisten machte eine dreijahrige Pilgerfahrt zum heiligen Geburtsort Christi.«
»Genau das hat sie mir damals erzahlt, Schwester«, pflichtete ihr der Kapitan bei. »Es hat sich wohl fast jeder danach erkundigt. Ich hatte Schwester Eistens Begleiterin gebeten, mich vorzustellen, damit sie wu?te, da? sie mir trauen konnte. Aber leider hing sie zu sehr an dem Kreuz, als da? sie es verkauft hatte.«
»Wer stellte dich vor?« fragte Fidelma. »Du hast angedeutet, da? du die Begleiterin von Schwester Eisten kanntest.«
Mugron war ohne Arg.
»Naturlich kannte ich sie. Ich war ihr begegnet, als ich im Dienst des alten Konigs Fearna besuchte. Und sie erkannte mich auch gleich wieder. Ich war erstaunt, eine Dame aus Laigin in der Burg des Fursten der Cor-co Loigde anzutreffen, besonders, da es sich um die fruhere Gattin Dacans handelte.«
Das war nun wirklich eine gewaltige Uberraschung.
»Die fruhere Gattin des Ehrwurdigen Dacan?« wiederholte Fidelma langsam, sie traute ihren Ohren kaum. »Bist du dir da ganz sicher?«
»Naturlich bin ich mir sicher. Ich wu?te, da? Da-can verheiratet gewesen war. Es ist vierzehn Jahre her, aber ich erinnere mich an sie. Sie war damals ein sehr schones junges Madchen. Sie blieben nicht lange zusammen, dann lie? sie sich von ihm scheiden, um ihre geistliche Laufbahn zu verfolgen. Ich dachte, sie ware nach Cealla gegangen.«
»Und wer ist diese fruhere Gattin von Dacan?« fragte Fidelma ruhig. »Wei?t du ihren Namen?«
»Naturlich. Sie hei?t Grella.«
Kapitel 11
Nachdem Mugron die Leiche Schwester Eistens ordnungsgema? identifiziert hatte als die derselben Nonne, die er auf Salbachs Burg gesehen hatte, war er auf sein Schiff zuruckgekehrt. Fidelma und Cass machten sich auf den Weg zur Abteikuche, um ihren inzwischen sehr gro?en Hunger zu stillen. Fidelma mu?te drangen und ihre Stellung und ihre Verwandtschaft mit dem Abt betonen, um die ubellaunige Schwester in der Kuche dazu zu bewegen, sie mit einem Krug Ale, Gerstenbrot und kalten Scheiben von einer Rindslende zu versorgen. Auch eine Schale Apfel fand sich noch, und sie a?en gierig und schweigend an einem kleinen Tisch in einer Ecke des nunmehr leeren Speisesaals.
Fidelma hatte nicht damit gerechnet, da? Mugron keine Ubereinstimmung zwischen der Leiche und jener Schwester Eisten auf Salbachs Burg feststellen wurde, aber sie wollte ganz sicher sein, da? sich Eisten auf Salbachs Burg aufgehalten hatte. Sie stand nun vor einem weiteren Ratsel, das einen gewissen Zusammenhang mit dem Mord an Dacan zu haben schien.
Und warum hatte Grella ihr verschwiegen, da? sie mit Dacan verheiratet gewesen war? Grella versuchte offenbar, etwas zu verbergen. War ihr Verhaltnis zu Da-can Grund fur den Mord?
Aber es gab noch mehr Ratsel. Was hatten Grella und Eisten gemeinsam auf Salbachs Burg gemacht? Und warum hatte Eisten versucht, eine Uberfahrt fur zwei Personen auf einem Schiff nach Gallien zu organisieren? Mit wem hatte sie nach Gallien reisen wollen? Mit Grella? Und wer hatte Eisten gefoltert und getotet?
Fidelma grubelte und grubelte.
Plotzlich merkte sie, da? Cass sie mit einem spottischen Lacheln betrachtete.
»Was tun wir als nachstes, Schwester?« fragte er, setzte seinen leeren Alekrug ab und lehnte sich zuruck, offensichtlich zufrieden mit seiner Mahlzeit.
»Als nachstes?«
»Dein Verstand hat gearbeitet wie die Wasseruhr im Glockenturm. Ich konnte es geradezu horen.«
Fidelma blickte ihn verlegen an.
»Als nachstes suchen wir Schwester Grella auf. Wir mussen feststellen, warum sie gelogen oder vielmehr mir nicht die volle Wahrheit gesagt hat.«
Sie erhob sich, und Cass folgte ihrem Beispiel.
