die Muhe abzusteigen.

»Dies ist die Burg von Salbach, dem Fursten der Corco Loigde«, kam die Antwort eines der Torwachter. Er anderte seine lassige Haltung nicht, lehnte an der Mauer und starrte sie an.

»Dann wurden wir gern mit Salbach sprechen«, sagte Fidelma.

»Er ist nicht da«, gab der Torwachter trocken zur Antwort.

»Wo ist er dann?« fragte Cass und schob sich vor, so da? der Krieger seinen goldenen Halsring sehen und ihn als einen der Elitekrieger von Cashel erkennen konnte.

Der Wachter verriet mit keiner Miene, da? er das Zeichen gesehen hatte. Er blickte Cass dreist an.

»Er ist vor einer Weile weggeritten. Wahrscheinlich ist er auf der Jagd im Wald von Dor, dort in dieser Richtung.«

»War jemand bei ihm?« fragte Fidelma.

»Salbach jagt lieber allein.«

Diese Feststellung schien seinen Kameraden wie ein guter Witz zu amusieren.

Fidelma winkte Cass, ihr zu folgen, und ritt auf den entfernten Wald zu, auf den der Wachter gedeutet hatte.

»Wenn Grella nicht bei Salbach ist, warum mussen wir ihn dann suchen?« fragte Cass, als ihm ihre Absicht aufging.

»Vielleicht jagt Salbach ja doch nicht allein?« meinte Fidelma. »Die Vorstellung scheint dem Gefahrten unseres liebenswurdigen Freundes au?erst komisch vorgekommen zu sein.«

Sie lie?en ihre Pferde im Schritt gehen auf dem Weg, der sich jetzt wieder vom Ufer emporwand, ein paar Meilen quer uber Bodenwellen fuhrte und dann in einen dichten Wald hinein. Fidelma bemerkte, da? sich in ihm viele Baumarten fanden, vorherrschend jedoch waren Nadelbaume, gemischt mit Birken und Haselstrauchern. Uberall wuchs uppiges Heidekraut.

Plotzlich sahen sie sich einem kleinen Flu? gegenuber, der in sturmischem Lauf von den Bergen herunterkam und dem Meer hinter ihnen zustrebte. Er war breit und offenbar recht flach an dieser Stelle. Fidelma wollte in ihn hineinreiten, als Cass sie mit einem leisen Zuruf zuruckhielt.

Wortlos wies er zum anderen Ufer.

Fidelma erblickte dort, ein Stuck entfernt, eine kleine Holzfallerhutte. Aus ihrem Schornstein stieg Rauch auf.

Vor der Hutte standen zwei Pferde. Eins war ziemlich reich aufgezaumt, das andere sehr einfach.

Fidelma wechselte einen bedeutungsvollen Blick mit Cass.

»Wir reiten hinuber«, befahl sie und trieb ihr Pferd durch die Furt, zu der der Weg sie gefuhrt hatte. Hier war der Flu? an der tiefsten Stelle kaum mehr als einen halben Meter tief. Vorsichtig ritten sie das andere Ufer hoch.

»Wir lassen unsere Pferde dort zwischen den Baumen«, meinte Fidelma und wies auf eine kleine geschutzte Stelle ein Stuck weit vor ihnen. »Dann gehen wir zu Fu? zu der Hutte. Ich vermute, dort finden wir sowohl Salbach als auch unsere verschollene Bibliothekarin.«

Cass schuttelte verwundert den Kopf, widersprach aber nicht.

Fidelma hatte beschlossen, sich der Hutte heimlich zu nahern, denn ihr war eine Reihe von Gedanken gekommen, die sie zu einer Schlu?folgerung gefuhrt hatten, die sie zwar wenig ruhmlich fand, deren Logik jedoch zu den Dingen zu passen schien, die sie bisher erfahren hatte.

Sie folgten einem schmalen Pfad parallel zum Flu?ufer und kamen zu der kleinen Lichtung, auf der die Holzfallerhutte stand.

Sie blieben am Rande des Waldes stehen. Fidelma hob den Kopf und lauschte.

Aus der Hutte drang das helle Lachen einer Frau.

Fidelma sah Cass an. Anscheinend hatte sie mit ihrer Voraussage recht behalten.

Sie wollte schon auf die Hutte zugehen, als Cass sie am Arm packte.

Da horte auch sie den leisen Hufschlag eines herantrabenden Pferdes.

Rasch zog sie sich in den Schutz des Unterholzes zuruck und hockte sich neben Cass nieder.

Von der anderen Seite der Lichtung jagte ein Reiter heran und hielt vor der Hutte. Er war untersetzt und trug einen Wollmantel, wirkte ungepflegt und schmutzig; es war ein Krieger.

»Salbach!« rief er.

Kurz darauf erschien der Furst in der Tur der Hutte, er zog sich gerade das Hemd an.

»Was gibt’s?« rief er und warf sich einen pelzbesetzten Mantel daruber.

»Die Verhandlung soll in den nachsten Tagen in Ros Ailithir stattfinden. Und Ross’ barc ankert in der Bucht. Sie mussen zuruckgekehrt sein.«

Fidelma sah, wie Cass sie mit gro?en Augen anblickte. Sie schnitt eine Grimasse.

»Wei? sie es?« fragte Salbach.

»Das bezweifle ich. In Sceilig Mhichil war daruber nichts zu erfahren.«

»Na, ich glaube, ich wei?, wo sie sich verstecken«, meinte Salbach.

»Das wird den bo-aire freuen«, brummte der Krieger.

Salbach ging zu seinem Pferd und schwang sich behende in den Sattel.

»Ich begleite dich nach Cuan Doir, und unterwegs gebe ich dir meine Anweisungen fur Intat.«

Cass blickte Fidelma bedeutungsvoll an.

Salbach und der Krieger ritten zum Flu? und durchquerten die Furt.

»Ich dachte, Salbach wollte Krieger aussenden, um Intat festzunehmen, damit er wegen des Verbrechens in Rae na Scrine vor Gericht kommt?« flusterte er.

»Intat und Salbach stecken offensichtlich unter einer Decke«, antwortete Fidelma, stand auf und klopfte sich die Blatter vom Habit. »Das hatte ich schon vermutet. Komm, ich glaube, es wird Zeit, da? wir ein Wortchen mit unserer verschollenen Bibliothekarin reden.«

Sie ging mit festen Schritten uber die Lichtung zur Tur der Hutte und stie? sie kurzerhand auf.

Schwester Grella, noch nicht angekleidet, fuhr herum und starrte sie entgeistert an.

Fidelma lachelte kalt.

»Nun, Schwester Grella? Anscheinend hast du beschlossen, das Nonnendasein aufzugeben.«

Mit offenem Mund und bleichem Gesicht starrte Schwester Grella an Fidelma vorbei auf Cass, der ihren Blick mit gleichem Erstaunen zuruckgab. Dann brach Grella den Bann, indem sie ein Kleidungsstuck ergriff und sich damit bedeckte.

Fidelma drehte sich um und schaute Cass vorwurfsvoll an.

Der junge Krieger wurde rot, trat ruckwarts aus der Hutte und stellte sich neben die Tur.

»Zieh dich an, Grella«, befahl Fidelma, »und dann reden wir miteinander.«

»Wo ist Salbach?« flusterte die ehemalige Bibliothekarin. »Was hast du vor?«

»Salbach ist fortgeritten, wie du ja wohl bemerkt hast«, antwortete Fidelma. »Und was deine zweite Frage angeht, nun, das kommt darauf an. Zieh dich endlich an.«

Fidelma fand einen Stuhl und setzte sich.

Grella tat, wie ihr gehei?en.

»Nimmst du mich mit zuruck in die Abtei?«

Fidelma lachelte spottisch.

»Du hast dich fur dein Verhalten sowohl nach dem kirchlichen wie nach dem weltlichen Recht zu verantworten.«

»Ich habe nicht gesundigt. Salbach will mich zu seiner zweiten Frau nehmen. Die Abtei habe ich fur immer verlassen.«

»Ohne das dem Abt mitzuteilen? Und du sagst, Salbach ist schon verheiratet?«

»Seine Frau ist alt«, antwortete Grella, als ware das eine Erklarung fur alles.

»So wie Dacan alt war?« fragte Fidelma harmlos.

Grella schaute sie verblufft an. Dann fing sie sich und zuckte die Achseln.

»Das hast du also herausgefunden? Ja, wie Dacan es war. Verrunzelt, mude und schwach war er. Deshalb habe ich mich von ihm scheiden lassen.«

»Nachdem der Glaube in dieses Land gekommen ist, haben die Bischofe die Sitte, eine zweite Frau oder einen zweiten Mann zu nehmen oder eine Konkubine zu halten, verurteilt«, bemerkte Fidelma. »Wenn Sal-bach dich zu

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