seiner zweiten Frau nimmt, wird dich die Kirche verurteilen.«
Grella lachte hohnisch.
»Vor ein paar Jahren hatte Nuada von Laigin zwei Frauen. Das weltliche Gesetz gesteht dem Mann immer noch das Recht auf eine zweite Frau zu.«
»Ich kenne das Gesetz, Grella. Doch du bist eine Nonne und mu?test wissen, da? die Regeln des Glaubens oft im Gegensatz zum weltlichen Recht stehen.«
»Aber deine Aufgabe ist es, das weltliche Recht durchzusetzen«, fuhr Grella sie an.
Fidelma verfolgte dieses Thema nicht weiter, denn sie wu?te, da? die Kirche sich zwar gegen die in alten Zeiten weit verbreitete Polygynie stellte, doch nur mit begrenztem Erfolg. Schlie?lich hatte ein Brehon, der den Gesetzestext des
»Du hattest also vor, niemals wieder in die Abtei zuruckzukehren? Warum hast du dann deine personlichen Besitztumer nicht mitgenommen?«
Grella bi? sich auf die Lippen. Sie hatte sich fertig angezogen und ihr Haar in Ordnung gebracht. Die Hande in die Huften gestemmt, stand sie vor Fidelma.
»Ich brauche mich nicht zu entschuldigen. Es ist nicht viel, was ich noch in der Abtei habe, und was ich brauche, bekomme ich von Salbach. Vielleicht kehre ich noch einmal dorthin zuruck, nachdem ich Sal-bachs Frau geworden bin. Dann wagt es niemand mehr, mir Vorwurfe zu machen. Ich stehe dann unter Salbachs Schutz.«
»Salbach ist ebenso dem Gesetz verantwortlich wie du, Grella. Es gibt ein paar Fragen, die du zu beantworten hast, und zwar sofort. Du wu?test, da? dein fruherer Mann Dacan mit einer besonderen Absicht nach Ros Ailithir gekommen war?«
»Wieviel wei?t du wirklich?« fragte Grella ein wenig angstlich.
»Ich wei?, da? du einmal mit Dacan verheiratet warst.«
»Das mu? dir Mugron erzahlt haben. Es war ein bloder Zufall, da? er mich in Cuan Doir gesehen hat.«
»Er sah dich dort mit Schwester Eisten«, sagte Fidelma ruhig. Grella ging nicht darauf ein.
»Was spielt das fur eine Rolle? Ich habe dir mein Verhaltnis zu Salbach erklart.«
»Warum hast du Schwester Eisten zu Salbachs Burg mitgenommen?«
»Salbach hat mich darum gebeten. Er hatte gehort, da? Eisten ein Waisenhaus in Rae na Scrine fuhrte. Er wollte sie und die Kinder kennenlernen. Er wu?te, da? ich mit ihr befreundet war.«
»Und hat sie die Kinder mitgebracht?« fragte Fidelma.
»Nein, sie begleitete mich nach Cuan Doir, weigerte sich aber, die Kinder mitzunehmen, wegen der Gelben Pest.«
»War Salbach verargert, als sie ohne die Kinder kam?«
Grella sah sie neugierig an.
»Weshalb hatte er sich daruber argern sollen?«
Fidelma lehnte sich zuruck und schwieg einen Moment.
»Wei?t du, da? Eisten ermordet worden ist?«
Grellas Gesicht wurde plotzlich zu einer starren Maske. Es war offensichtlich, da? sie es erfahren hatte, und Fidelma merkte, da? die Bibliothekarin hinter der Maske sichtlich erschuttert war.
»Ich habe es erst vor ein paar Tagen gehort.«
»Nicht fruher?«
Sie schuttelte den Kopf, und irgendwie spurte Fidelma, da? sie die Wahrheit sagte.
»Es scheint dir nahezugehen. Du sagtest, ihr wart befreundet. Wie eng?«
»Seit Eisten zu Anfang des Jahres bei mir in der Bibliothek Studien trieb, waren wir Seelenfreundinnen.«
Seelenfreundinnen! Ja, Eisten hatte Fidelma erzahlt, da? sie eine Seelenfreundin in der Abtei besa?. Was hatte Eisten Fidelma gefragt, als sie sich zum letztenmal sahen? Kann eine Seelenfreundin das Vertrauen brechen?
»Ihr hattet also kaum ein Geheimnis vor einander?«
»Du wei?t, was eine
Grella warf Fidelma einen beunruhigten Blick zu.
»Woher wei?t du das?« fragte sie.
»Ich habe Dacans Aufzeichnungen gelesen.«
Grella hob die Hand, als wolle sie sich an die Kehle fassen.
»Du ... du hast sie gesehen?«
Fidelma schaute sie prufend an.
»Ich habe dein Zimmer durchsucht, Grella. Es war dumm von dir, anzunehmen, du konntest die Pergamente verstecken oder mir die Texte der Ogham-Stabe falsch deuten.«
Sie hatte gedacht, Grella werde alles heftig abstreiten, doch zu ihrem Erstaunen zuckte sie nur die Achseln.
»Ich dachte, niemand wurde die Pergamente und die Stabe finden. Ich glaubte, ich hatte sie gut versteckt. Ich wollte sie vernichten.«
»Du wu?test nicht, da? ich sie schon vor einer Woche an mich genommen hatte?«
»Ich habe dir doch bereits gesagt, da? ich seitdem nicht mehr in der Abtei war.«
Fidelma belie? es fur den Augenblick dabei. »Nun, du wu?test also, da? Dacan den Erben Illans suchte, der Anspruch erheben konnte, der rechtma?ige Anwarter auf das Kleinkonigtum von Osraige zu sein?«
»Das habe ich bereits zugegeben«, bestatigte Grella.
»Und du hast Salbach davon erzahlt?«
Sie zuckte verlegen die Schultern, gab aber keine Antwort.
»Der gegenwartige Konig von Osraige, Scandlan, ist Salbachs Vetter, nicht wahr? Also mu?te Salbach ein Interesse daran haben, dafur zu sorgen, da? man den Sohn Illans nicht findet.«
»Ich dachte nur, Salbach sollte es wissen, da? jemand nach Illans Nachkommen forscht«, antwortete Grella. »Ich wollte weitere Kriege in Osraige verhindern. Als Illan versuchte, Scandlan zu sturzen, wurde viel Blut vergossen.«
»Also hast du Salbach von Dacan erzahlt. Salbach begriff, da? Laigin wieder die Herrschaft uber Osrai-ge gewinnen konnte und vielleicht einen Konig einsetzen wurde, der auf Laigin horte statt auf Muman.«
»Wenn du meinst«, bemerkte Grella gleichgultig.
»Dacan stellte also eine Gefahr dar fur Salbachs Familie in Osraige. War das der Grund, warum du deinen fruheren Gatten ermordet hast?«
Einen Augenblick schien Grella zutiefst betroffen.
»Wer beschuldigt mich, ihn getotet zu haben?« fragte sie.
»Die Fesseln, die man ihm angelegt hatte, bestanden aus blaurotem Leinen. Besitzt du einen blaurot gestreiften Rock?«
»Naturlich nicht.« Das klang nicht gerade uberzeugend.
»Wenn ich dir nun sage, da? ich bei der Durchsuchung deines Zimmers einen blauroten Leinenrock gefunden habe, von dem ein Stuck abgerissen war, das genau den Fesseln entsprach, mit denen man Dacan gebunden hatte, bevor er getotet wurde, behauptest du dann immer noch, da? er dir nicht gehort?«
Grella lief rot an.
»Hast du so einen Rock?« drang Fidelma in sie. »Sag lieber die Wahrheit.«
Grella lie? resigniert die Schultern sinken.
»Das ist schon mein Rock, aber ich habe ihn nicht getragen, seit ich nach Ros Ailithir kam. Ich wollte ihn den Armen geben, aber . « Sie schaute Fidelma fest in die Augen. »Ich habe vielleicht das Vertrauen des alten Dacan gebrochen und Salbach verraten, wonach er forschte, denn ich glaubte, dazu ware ich berechtigt, aber ich habe ihn nicht getotet. Warum sollte man Dacan ermorden? Er hatte Salbach zu Illans Erben gefuhrt, und das war es, was
