Bauernhof den Tod gefunden hatten.
Am Tor hielt sie noch einmal an und blickte auf Moluas Leiche. »Gab es einen gerechtfertigten Grund fur ihr Tun in den Kopfen der Leute, die diese Untat verubt haben?« flusterte sie. »Armer Molua. Wir werden nie wieder miteinander philosophieren konnen. Wart ihr blo? Tiere, die von der schrecklichen Pflugschar vom Feld vertrieben wurden um irgendeiner geheimnisvollen hoheren Absicht willen?«
»Fidelma!« In Cass’ Stimme schwang Angst mit, Angst um ihre Sicherheit. »Wir mussen hier weg!«
Sie bestiegen ihre Pferde und entfernten sich von der Statte des Todes.
»Ich kann einfach nicht glauben, da? es solche barbarischen Menschen in diesem Lande gibt«, sagte Cass, als sie auf dem Kamm des Hugels anhielten und auf den brennenden Hof zuruckschauten.
»Ja, wirklich barbarisch!« Fidelmas Stimme war wie eine Peitsche. »Ich sage dir, Cass, hier ist eine bose Macht am Werk, und ich schwore bei den kleinen Leichnamen da unten, da? ich nicht ruhen werde, bis ich sie unschadlich gemacht habe.«
Cass erschauerte bei der Heftigkeit ihrer Worte.
Kapitel 17
»Wohin jetzt schon wieder, Schwester?« fragte Cass, als Fidelma ihr Pferd nicht auf den Weg zur Abtei von Ros Ailithir lenkte, sondern weiter nach Westen ritt.
»Zuruck zu Salbachs Burg«, erwiderte Fidelma. »Wir werden ihm diese neue Greueltat vorhalten.«
»Das konnte gefahrlich werden, Schwester«, wandte Cass ein. »Du sagst, Intat sei Salbachs Gefolgsmann. Wenn das so ist, dann hat Salbach selbst dieses Verbrechen befohlen.«
»Salbach ist immer noch der Furst der Corco Loig-de. Er wird es nicht wagen, sich an einer
Cass gab keine Antwort. Seiner Ansicht nach hatte Salbach mit der Billigung von Intats Gewalttat bewiesen, da? ihm seine Ehre und sein Eid als Furst gleichgultig waren. Wenn er das Hinschlachten von unschuldigen Kindern, Mannern und Frauen befohlen hatte, dann wurde er auch nicht zogern, jeden anderen zu beseitigen, der eine Bedrohung fur ihn darstellte. Erst nachdem sie den Weg nach Cuan Doir ein ganzes Stuck geritten waren, wagte er einen Vorschlag: »Ware es nicht besser, wir wurden warten, bis dein Bruder Colgu mit seiner Leibwache eingetroffen ist, und Sal-bach dann verhoren?«
Fidelma schwieg. Sie war entschlossen, Intat zur Strecke zu bringen. Wenn Salbach Intat deckte, dann mu?te er eben auch fallen. In ihrem Zorn verschlo? sie sich der Logik, war sie nicht in der Lage, innezuhalten und nachzudenken.
Cuan Doir schien so friedlich wie immer, als sie direkt auf den Eingang zu Salbachs Burg zuritten. Es war nicht vorstellbar, da? einen kurzen Ritt entfernt ein ganzer Bauernhof und uber zwanzig Menschen, Erwachsene und Kinder, niedergemacht worden waren.
Die Torwachter waren noch dieselben. Sie standen gelangweilt gegen die Torpfosten gelehnt da. Wieder sagte einer von ihnen, Salbach sei nicht in der Burg, aber diesmal blinzelte er Fidelma vielsagend zu.
»Wahrscheinlich ist er wieder auf der Jagd im Wald, Schwester.«
Fidelma bezwang ihren hochkochenden Zorn.
»Damit du’s wei?t, Krieger, ich bin eine
Die Torwachter wurden unsicher und nahmen Haltung an.
»Das andert nichts an meiner Antwort, Schwester«, verteidigte sich der erste. »Du kannst absitzen und selbst in den Hallen von Cuan Doir nach Salbach suchen, du wirst ihn nicht finden. Vor einer Weile war er hier, aber er ist wieder in den Wald von Dor geritten.«
»Wann war das?« fragte Cass.
»Vor wenigen Minuten. Ich nehme an, er hatte eine Verabredung in der Holzfallerhutte. Mehr wei? ich nicht.«
Fidelma winkte Cass, ihr zu folgen.
»Wieder zur Holzfallerhutte?« rief Cass.
»Dort fangen wir an«, stimmte ihm Fidelma zu. »Salbach sucht anscheinend nach Grella.«
In scharfem Trab verfolgten sie den Weg nach Norden in den Wald, durchquerten den Flu? an der Furt und wandten sich dann zu der kleinen Hutte auf der Lichtung. Sie brauchten nicht lange dazu. Fidelma machte sich diesmal nicht die Muhe, sich zu verstek-ken. Sie ritt geradewegs auf die Hutte zu und hielt davor an.
»Salbach von den Corco Loigde! Bist du dort drin?« rief sie, ohne abzusitzen. Sie erwartete keine Antwort, denn Salbachs Pferd war nirgends zu sehen.
Schweigen.
Cass schwang sich vom Pferd, zog sein Schwert und ging vorsichtig auf die Hutte zu. Er stie? die Tur auf und verschwand im Inneren.
Einen Augenblick spater kam er zuruck, das Schwert noch in der Hand.
»Keine Spur von einem Menschen«, berichtete Cass verargert. »Was nun?«
»Sehen wir uns in der Hutte um«, antwortete Fidelma. »Vielleicht finden wir einen Hinweis darauf, wo Salbach sein konnte.«
Fidelma stieg ab. Sie banden ihre Pferde an und gingen in die Hutte. Sie sah unverandert aus.
»Ich glaube nicht, da? Salbach weit weg ist«, murmelte Fidelma. »Wenn er herausgefunden hat, da? wir Grella in die Abtei gebracht haben, und ihm viel an ihr liegt, dann ist er vielleicht dorthin geritten, um ihre Freilassung zu verlangen.«
Cass wollte gerade antworten, als sie Hufschlag vor der Hutte vernahmen. Cass ging zur Tur, doch bevor er sie erreichte, wurde sie aufgerissen. Ein stammiger, rotgesichtiger Mann mit einem stahlernen Helm und einem pelzbesetzten Wollmantel trat ihm entgegen. Er trug eine goldene Amtskette und hatte sein Schwert gezogen; hinter ihm standen drei weitere Krieger. Seine Augen leuchteten triumphierend auf, als er Cass und Fidelma erblickte. Sein Bild hatte sich Fidelma fest ins Gedachtnis gebrannt. Es war Intat.
»Nanu!« rief er und lachte vergnugt, »da haben wir ja die Storenfriede. Und wo ist Salbach?«
»Nicht hier, wie du siehst«, erwiderte Cass ruhig.
»Nicht hier?« Intat sah sich um, als wolle er sich vergewissern. »Ich habe ihm doch gesagt ...«, begann er, schlo? aber plotzlich den Mund und starrte sie von der Schwelle her drohend an.
»Es ist also weiter niemand hier als ihr beide?«
Fidelma stand ruhig da und betrachtete den Mann aus zusammengekniffenen Augen.
»Wie du siehst, Intat. Steck dein Schwert ein. Ich bin eine
Die Augen des rotgesichtigen Mannes weiteten sich wie vor Erstaunen. Er drehte sich halb zu den Mannern um, die drau?en vor der Hutte standen.
»Hort ihr, was sie sagt?« Er lachte mi?tonend. »Sie sagt, wir sollen unsere Waffen niederlegen. Pa?t auf, Manner, denn dieses kleine Madchen ist eine machtige
Seine Leute brullten vor Lachen, als hatte ihr Anfuhrer einen Witz gemacht.
Intat wandte sich wieder zu Fidelma und zog ein hohnisches Gesicht, das ihn ha?lich aussehen lie?.
»Du hast uns entwaffnet, Lady. Wir sind deine Gefangenen.«
Er lie? sein Schwert nicht sinken.
»Meinst du, du warst nicht verantwortlich fur deine Taten, Intat?« fragte sie leise.
»Ich bin nur meinem Fursten verantwortlich«, hohnte Intat.
»Es gibt eine hohere Autoritat als deinen Fursten«, fuhr Cass ihn an.
»Keine, die ich anerkenne«, erwiderte Intat. »Leg deine Waffe nieder, Krieger, dann geschieht dir kein Leid. Das verspreche ich.«
»Ich habe gesehen, wie du die behandelst, die wehrlos sind«, antwortete Cass spottisch. »Die Bewohner von Rae na Scrine und die kleinen Kinder auf Moluas Hof hatten keine Waffen. Ich mache mir keine Illusionen uber den Wert deiner Versprechungen.«
