Intat lachte wieder laut, als belustige ihn der Trotz des Kriegers.

»Dann hast du soeben dein eigenes Urteil gesprochen, du Welpe von Cashel. Berate dich lieber mit der guten Schwester und denke uber dein Schicksal nach. Entweder kommst du jetzt um, oder du ergibst dich und lebst noch eine Weile langer. Ich la? euch einen Moment Zeit, daruber zu reden.«

Der rotgesichtige Mann zog sich zu seinen grinsenden Kumpanen zuruck, die sich an der Tur drangten.

Cass trat ebenfalls ein paar Schritte zuruck, tiefer in die Hutte hinein, das Schwert nach wie vor gezuckt.

»Stell dich hinter mich, Schwester«, befahl er ruhig, beinahe aus dem Mundwinkel in so leisem Ton, da? sie ihn kaum horte. Seinen Blick hielt er fest auf Intat und seine Krieger gerichtet.

»Es gibt keinen Ausweg«, flusterte sie zur Antwort. »Ergeben wir uns?«

»Du hast gesehen, wozu der Mann fahig ist. Lieber kampfend sterben als sich wie Schafe abschlachten lassen.«

»Aber die da drau?en sind in der Uberzahl. Ich hatte auf dich horen sollen, Cass. Wir haben keine Moglichkeit zu entkommen.«

»Einer schon, aber nicht beide«, antwortete Cass leise. »Hinter mir links fuhrt eine Treppe zum Boden. Da oben gibt es ein Fenster. Das habe ich gerade gesehen. Wahrend ich sie aufhalte, rennst du die Treppe rauf und springst aus dem Fenster. Drau?en greifst du dir ein Pferd und versuchst in den Schutz der Abtei zu gelangen. Dort kann dich Intat nicht angreifen.«

»Ich kann dich doch hier nicht allein lassen, Cass«, protestierte Fidelma.

»Einer mu? versuchen, es nach Ros Ailithir zu schaffen«, erwiderte Cass ruhig. »Der Gro?konig ist schon dort, und du kannst seine Truppen holen. Tust du es nicht, kommen wir beide vergebens um. Ich kann sie eine Weile aufhalten. Das ist unsere einzige Chance.«

»He!«

Intat trat einen Schritt vor, ein Lacheln auf seinem roten Gesicht, das Fidelma erschauern lie?.

»Ihr habt genug geredet. Ergebt ihr euch jetzt?«

»Nein, das tun wir nicht«, antwortete Cass. Dann schrie er plotzlich: »Los!«

Damit war Fidelma gemeint. Sie raste die Treppe hinauf. Oft hatte sie sich in der troid- sciathagid geubt, der alten Form des waffenlosen Kampfes, und diese korperliche Ertuchtigung hatte sie gewandt und muskulos werden lassen. Mit wenigen Schritten hatte sie die oberste Stufe erreicht und schwang sich mit einer einzigen flie?enden Bewegung aus dem Fenster.

Unter ihr in der Hutte vernahm sie das Klirren von Metall gegen Metall und die schrecklichen tierischen Schreie von Mannern, die einander toten wollen.

Neben ihr schlug etwas in die Wand ein. Es war ein Pfeil, der nachste streifte ihren Unterarm. Sie versagte es sich, zuruckzublicken, lie? sich fallen und landete auf dem weichen Waldboden hinter der Hutte, auf allen vieren wie eine Katze. Im nachsten Augenblick war sie auf den Beinen und rannte um die Hutte herum zu den Pferden. Au?er ihrem und Cass’ Pferd standen dort noch vier, die Intat und seinen Leuten gehorten. Die Manner drangten sich an der Tur der Hutte, wo der Kampf tobte.

Sie sturmte auf das nachste Pferd zu.

Aus dem Augenwinkel sah sie, wie einer von Intats Mannern sich umschaute. Er bemerkte sie und stie? einen Wutschrei aus. Ein weiterer Krieger drehte sich um. Im Gegensatz zu seinem Kameraden trug er kein Schwert, sondern einen Bogen, und er legte bereits einen Pfeil ein. Der erste lief mit erhobenem Schwert auf dasselbe Pferd zu wie sie.

Fidelma erkannte, da? sie das Pferd nicht vor ihm erreichen wurde, blieb stehen, fuhr herum und stellte sich ihm sprungbereit entgegen.

Das letztemal hatte Fidelma ihre Fahigkeiten im troid-sciathagid gegen eine riesige Frau in einem romischen Bordell eingesetzt. Sie konnte nur hoffen, da? sie noch gut in Form war. Sie lie? den Mann herankommen, duckte sich, packte ihn am Gurtel und benutzte seinen eigenen Vorwartsschwung, um ihn uber ihre Schulter zu schleudern.

Mit einem Schrei der Uberraschung flog er mit dem Kopf voran gegen ein Holzfa?, das zerbrach und ihn mit Wasser uberschuttete.

Fidelma duckte sich erneut, als sie das Schwirren einer Bogensehne horte. Sie spurte den Luftzug des Pfeils, der dicht an ihrem Kopf vorbeiflog. Dann schwang sie sich in den Sattel und stie? dem Pferd die Fersen in die Flanken. Mit einem erschrockenen Wiehern setzte das Pferd uber die Lichtung und in den Wald.

Sie horte erneut Schreie hinter sich, und ihr war klar, da? wenigstens einer von Intats Mannern aufgesessen war und sie verfolgte. Ob ein weiterer ihm nachkam, das wu?te sie nicht. Sie hatte nur Intat und drei Manner an der Tur der Hutte gesehen. Der, den sie gegen das Fa? geschleudert hatte, wurde wohl so bald nicht in der Lage sein, ihr nachzusetzen. Mit Intat selbst wurde Cass hoffentlich fertig werden. Sie mu?te ihren Verfolger abschutteln. Bis zur Abtei war es nicht weit.

Sie schlug den Weg durch den Wald nach Ros Ai-lithir ein und betete, da? der Gro?konig bereit sein wurde, sofort seine Manner Cass zu Hilfe zu schik-ken. Sie hoffte auch, da? ihr Entkommen Intat von Cass ablenken und Cass die Gelegenheit zur Flucht geben wurde, so wie er ihr diese Moglichkeit verschafft hatte.

Nun bereute sie bitter, da? sie Cass’ Rat nicht befolgt hatte.

Tief auf den Hals ihres Pferdes gebeugt, horte sie sich scharfe Fluche aussto?en, die ihre Oberin, die Abtissin von Kildare, zum Erroten gebracht hatten. Sie blickte uber die Schulter zuruck.

Zwei Reiter folgten ihr in einigem Abstand. In dem ersten erkannte sie Intat selbst. Ihr Herz wurde schwer. Sie versuchte, nicht daran zu denken, was das zu bedeuten hatte. Ohne Zweifel ritt Intat ein starkeres Pferd als Fidelma, denn er holte deutlich auf.

Verzweifelt lenkte Fidelma ihr Pferd von dem Hauptweg ab in der Hoffnung, da? es querfeldein gutmachen konnte, was es auf gerader Strecke gegenuber den Verfolgern verlor. Es war ein Fehler, denn da sie das Gewirr der Waldwege nicht kannte, wurde sie noch langsamer als auf dem Hauptweg. Intat kam immer naher. Sie horte schon den Hufschlag seines Pferdes und seine keuchenden Atemzuge.

Plotzlich versperrte ihr ein Flu? den Weg. Es war derselbe Flu?, der an der Holzfallerhutte vorbeiflo? und dann einen Bogen schlug. Ihr blieb nichts weiter ubrig, als hineinzureiten in der Hoffnung, da? er so flach wie bei der Hutte und zu durchfurten ware. Es war nicht so. Mitten im Flu? stolperte ihr Pferd, verlor den Grund unter den Fu?en und walzte sich voller Panik im Wasser. Fidelma wurde abgeworfen und von der Stromung fortgerissen, das Pferd fand wieder Boden und sprang ans Ufer.

Verzweifelt schwamm Fidelma weiter, aber Intat trieb bereits sein Pferd in den Flu?.

Er stie? einen lauten Triumphschrei aus.

Sie wandte sich um, sah ihn kommen und versuchte verzweifelt, das jenseitige Ufer zu erreichen. Im Innern erkannte sie, da? ein Entkommen unmoglich war. Sie watete ans Ufer, stolperte und glitt im Schlamm aus.

Intats Pferd baumte sich, mit den Vorderhufen in der Luft, schon beinahe uber ihr. Der vierschrotige Krieger sprang aus dem Sattel und stand im flachen Wasser vor ihr, beide Hande am Schwertgriff.

»So, dalaigh, du hast mir genug Arger gemacht. Jetzt ist Schlu? damit.«

Er hob das Schwert.

Fidelma zuckte zusammen, ri? unwillkurlich die Arme zur Abwehr hoch und schlo? die Augen.

Sie horte Intat schwer aufstohnen, und als nichts geschah, offnete sie die Augen wieder.

Intat starrte sie blicklos an. Er stand taumelnd vor ihr. Dann sackte er langsam zusammen. Da erst sah sie die beiden Pfeilschafte in seiner Brust stecken. Das Schwert entglitt seinen Handen, und er fiel vornuber ins Wasser.

Mit einem Schrei, der mehr der Ausbruch ihrer aufgestauten Erregung war als ein Hilferuf, kletterte sie rasch das schlammige Ufer hinauf.

Pferde tanzelten um sie herum, und sie stellte sich der neuen Bedrohung entgegen.

»Fidelma!« rief eine vertraute Stimme.

Unglaubig sah sie, wie ihr Bruder sich aus dem Sattel schwang und mit ausgestreckten Armen auf sie zulief.

»Colgu!«

Er umarmte sie sturmisch, hielt sie dann auf Armeslange ab und betrachtete sie mit besorgten Blicken. Als er sah, da? sie unverletzt war, grinste er spottisch.

»Wie ist das nun mit der Schwester, die sagte, sie konnte selbst auf sich aufpassen?«

Sie strich sich die Tranen der Erleichterung aus den Augen. Auf der anderen Seite des Flusses hatten einige

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