Er wird sie alle umbringen, dachte Rumata mit Unbehagen. »Aufgepa?t!« sagte er zu den Grauen. »Wir werden uns doch nicht gegenseitig den schonen Abend verderben. Ihr kommt nicht gegen uns auf. Werft die Waffen weg und haut ab!«

»Das ware ja noch schoner!« entgegnete der Baron aufgebracht. »Ich will mich schlagen! Sie sollen sich schlagen! Schlagt euch doch, ihr Teufel!«

Mit diesen Worten ging er auf die Grauen los, wobei er sein Schwert immer schneller uber dem Kopf wirbeln lie?. Die Grauen wichen zuruck und wurden bleich. Offenbar sahen sie zum erstenmal in ihrem Leben einen Lasthubschrauber. Rumata sprang uber den Tisch. »Halten Sie ein, mein Freund!« sagte er. »Wir haben uberhaupt keinen Grund, uns mit diesen Leuten zu streiten. Ihnen gefallt ihre Anwesenheit hier nicht? Schon, sollen sie weggehen!«

»Ohne Waffen gehen wir nicht«, sagte einer der Leutnants murrisch. »Wir werden bestraft. Ich bin auf Patrouille.«

»Hol euch der Teufel, so geht eben mit den Waffen«, entschied Rumata. »Die Klingen in die Scheide, Hande hinter den Kopf, und einzeln hinaustreten! Und keine Faxen! Oder ich zerschlage euch die Knochen!«

»Wie sollen wir denn hinausgehen?« erkundigte sich gereizt der Hauptmann mit dem langen Gesicht. »Dieser Don versperrt uns doch den Weg!«

»Und werde ihn auch weiter versperren!« sagte der Baron starrkopfig.

Die jungen Dons lachten spottisch.

»Nun gut«, sagte Rumata. »Ich werde den Baron halten, und ihr geht hinaus, einer nach dem andern, aber rasch … Lang werde ich ihn nicht halten konnen! He, dort in der Tur, gebt den Eingang frei!… Baron«, sagte er und fa?te Pampa um die breite Taille, »mir scheint, Sie haben einen wichtigen Umstand vergessen. Dieses beruhmte Schwert wurde doch von Ihren Vorfahren nur zum edlen Kampf verwendet, denn es steht geschrieben: Zieh nicht in den Tavernen!«

Auf dem Gesicht des Barons, der unterdessen noch immer sein Schwert drehte, erschien ein Anflug von Nachdenklichkeit. »Aber ich habe doch kein anderes Schwert«, sagte er unschlussig. »Um so mehr …!« sagte Rumata bedeutungsvoll. »Glauben Sie …?« Der Baron schwankte noch immer. »Sie wissen es doch besser als ich!«

»Ja«, sagte der Baron, »Sie haben recht.« Er schaute zu seinen wutend wirbelnden Handen auf. »Sie werden es nicht glauben, Don Rumata, aber ich halte das drei oder vier Stunden hintereinander aus und werde uberhaupt nicht mude dabei … Ach, warum kann sie mich jetzt nicht sehen?!«

»Ich werde es ihr berichten«, versprach Rumata. Der Baron seufzte und senkte das Schwert. Die Grauen schlichen geduckt an ihm vorbei. Der Baron blickte ihnen nach. »Ich wei? nicht, ich wei? nicht …«, sagte er unschlussig. »Was glauben Sie, habe ich richtig gehandelt, da? ich keinem von ihnen die Knochen zerschlagen habe?«

»Vollkommen richtig gehandelt«, versicherte Rumata. »Nun also«, sagte der Baron, als er sein Schwert in die Scheide steckte. »Wenn es uns schon nicht gegluckt ist, uns zu schlagen, dann wollen wir wenigstens ordentlich trinken und etwas dazu zu bei?en haben.« Er zog den Grauen Leutnant, der noch immer bewu?tlos war, an den Beinen vom Tisch herunter und krahte mit schallender Stimme: »He, Wirt! Wein und was Anstandiges zu essen!« Die jungen Aristokraten kamen an den Tisch und gratulierten untertanigst zum Sieg.

»Kleinigkeit, Kleinigkeit!« sagte der Baron selbstgefallig. »Sechs magere Milchbarte – und feige wie alle Kramer. Im Goldenen Hufeisen habe ich zwei Dutzend von der Sorte verjagt … Wie gut«, wandte er sich an Rumata, »da? ich damals nicht mein Kampfschwert bei mir hatte! Aus Zerstreutheit hatte ich es entblo?en konnen. Obwohl ja das Goldene Hufeisen eigentlich keine Taverne ist, sondern blo? eine Schenke …«

»Manche behaupten auch«, sagte Rumata, »da? es hei?t: Zieh nicht in den Schenken!«

Die Wirtin brachte neue Schusseln mit Fleisch und mehr Wein. Der Baron krempelte die Armel auf und machte sich an die Arbeit. »Ubrigens«, sagte Rumata, »wer waren denn die drei Gefangenen, die Sie im Goldenen Hufeisen befreiten?«

Der Baron horte auf zu kauen und starrte Rumata an. »Aber, mein teurer Freund, ich habe mich wohl nicht deutlich genug ausgedruckt. Ich hab niemanden befreit. Ja, ja, sie waren verhaftet, aber das ist eine Angelegenheit des Staates … Warum hatte ich sie befreien sollen? Irgendein Don wahrscheinlich, ein gro?er Feigling, ein alter Bucherwurm und sein Diener …« Er zuckte mit den Schultern. »Ja, naturlich«, sagte Rumata.

Da scho? dem Baron plotzlich das Blut ins Gesicht, und er rollte seine Augen furchterregend. »Was?! Schon wieder?!« brullte er.

Rumata drehte sich um. In der Tur stand Don Ripat. Der Baron fuhr auf und warf dabei Banke und Schusseln um. Don Ripat blickte Rumata bedeutungsvoll an und ging wieder hinaus. »Ich bitte um Vergebung, Baron«, sagte Rumata im Aufstehen. »Der Dienst des Konigs ruft …«

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