stand ein machtiger Baobab (Affenbrodbaum), dessen hohler Stamm nur noch durch die au?ersten Holzschichten und die Rinde gebildet wurde. Khamis und seine Gefahrten nahmen darin Platz, wenn es dabei auch etwas eng zuging. Ebenso waren die wenigen Gerathe, die Feuerwaffen und die Munition, die hier von dem Unwetter nichts zu leiden hatten, hereingeschafft worden und wurden in der Stunde vor der Abfahrt ohne gro?e Muhe wieder auf das Flo? gebracht.
»Nun wahrlich, dieses Gewitter kam gerade zur rechten Zeit,« bemerkte John Cort gegen Max, wahrend der Foreloper die Reste des Wildes zum Fruhstuck zurecht machte.
Unter fortwahrendem Plaudern beschaftigten sich die beiden jungen Manner mit der Reinigung ihrer Gewehre, die einer solchen nach dem gestrigen Feuergefecht nothwendig bedurften.
Llanga schlenderte inzwischen im Gestrauch und im hohen Grase umher, um Nester und Eier zu suchen.
»Jawohl, lieber John, das Gewitter kam uns recht gelegen, sagte Max Huber, gebe nur der Himmel, da? es jetzt, wo der Sturm voruber ist, den Burschen nicht einfallt, noch einmal hier aufzutauchen. Jedenfalls mussen wir auf der Hut sein.«
Auch Khamis befurchtete, da? die Vierhander mit Tagesanbruch die beiden Ufer wieder besetzen wurden. Er beruhigte sich jedoch bald: obwohl es unter den Baumen allmahlich heller wurde, war doch kein neuer Larm zu horen.
»Ich bin am Ufer wohl hundert Schritte weit hinausgegangen, habe aber keinen einzigen Affen entdecken konnen, versicherte John Cort.
– Das la?t ja das beste hoffen, antwortete Max Huber, und ich denke, unsere Patronen ferner anders zu verwenden, als zur Vertheidigung gegen die Schlingel von Makaken!… Wahrlich, ich befurchtete schon, da? unser gesammter Schie?vorrath gestern daraufgehen wurde.
– Und wie hatten wir den erneuern konnen? fiel John Cort ein. Eine zweite Hutte anzutreffen, um sich da mit Pulver, Kugeln und Schrot frisch versorgen zu konnen, daran ist doch nicht zu denken.
– O, rief Max Huber, wenn ich mir vorstelle, da? der gute Doctor beabsichtigte, mit solchen Burschen einen gesellschaftlichen Verkehr anzubandeln! Eine hubsche Gesellschaft! Um ergrunden zu wollen, welche Worte sie gebrauchen, sich zum Essen einzuladen oder einander Guten Tag oder Gute Nacht zu wunschen, dazu mu? man wahrlich ein Professor Garner sein, von denen es in Amerika vielleicht noch mehrere giebt, oder ein Doctor Johausen, der vielleicht in Deutschland, vielleicht sogar in Frankreich, noch einige Geistesverwandte hat…
– In Frankreich, Max?…
– O, wenn man danach unter den gelehrten Perucken des Instituts oder der Sorbonne suchte, fande man wahrscheinlich einen Idio…
– Idioten! vollendete protestierend John Cort das letzte Wort.
– Idiomographen, verbesserte Max Huber, der fahig ware, in den congolesischen Waldern die Untersuchungen des Professor Garner und des Doctor Jo hausen wieder aufzunehmen.
– Ist man sich, lieber Max, auch klar uber den Erfolg des ersten, der jede Verbindung mit der Gesellschaft der Makaken abgebrochen zu haben scheint, so gilt dasselbe doch noch nicht fur den zweiten, und ich furchte sehr, da?…
… die Paviane oder andere ihm alle Knochen im Leibe zerbrochen haben, fuhr Max Huber fort. Nach der Art und Weise, wie sie sich gestern gegen uns benahmen, kann man sich ja ein Urtheil erlauben, ob es civilisierte Wesen sind oder jemals solche werden konnen.
– Siehst Du, Max, ich bleibe dabei, da? die Thiere bestimmt sind, unvernunftige Geschopfe zu bleiben…
– Und die Menschen nicht minder, fugte Max Huber lachend hinzu. Das schlie?t nicht aus, da? ich sehr bedauere, nach Libreville zuruckzukommen, ohne Nachrichten uber den Doctor mit heimzubringen.
– Mag sein; fur uns ware es aber doch von Werth, durch diesen undurchdringlichen Wald gekommen zu sein.
– Das wird geschehen…
– Vielleicht, doch ich wunschte, es ware schon geschehen!«
Das weitere Vordringen schien ubrigens von keinen weiteren Schwierigkeiten bedroht zu sein, da das Flo? ja nur der Stromung zu folgen brauchte, freilich unter der Voraussetzung, da? der Rio Johausen nicht durch Stromschnellen oder Barren versperrt oder durch Wasserfalle unterbrochen war, und gerade solche Hindernisse befurchtete der Foreloper noch immer.
Eben jetzt rief er seine Gefahrten zum Fruhstuck. Llanga kam sofort herzugesprungen und brachte mehrere Enteneier mit, die fur das Mittagsessen aufbewahrt wurden. Da noch ein Stuck von der Antilope ubrig war, brauchte der Mundvorrath vor der Mittagsrast nicht vervollstandigt zu werden.
»Da fallt mir eben ein, begann jetzt John Cort, wir hatten doch unsere Munition nicht so nutzlos verschwenden sollen.
Konnten wir denn nicht auch von dem Fleische der Affen zehren?
– O, pfui! stie? Max Huber hervor.
– Seh’ einer diesen Kostverachter!
– Ich bitte Dich, lieber John, Gorillacoteletten, Gibbonfilet, Schimpansenkeule… ein Fricassee von Mandrillassen…
– Nun, ich a?e im Nothfalle davon, meinte John Cort.
– Anthropophage Du! rief Max Huber mit komischer Entrustung, warst wahrhaftig imstande, fast Deinesgleichen zu verzehren…
– Ah, danke schon, Max!«
Schlie?lich uberlie? man naturlich die Cadaver der in der
»Schlacht« erlegten Vierhander den Vogeln als willkommene Beute. Der Wald von Ubanghi beherbergte so viele Wiederkauer und Vogel, da? man den Vertretern des Affengeschlechtes die Ehre, sie in einen menschlichen Magen aufzunehmen, nicht anzuthun brauchte.
Khamis bereitete es ernste Schwierigkeiten, das Flo? aus dem Wirbel zu befreien und es um die Landspitze herum zu steuern.
Alle halfen bei dieser Arbeit, die fast eine Stunde in Anspruch nahm. Man hatte dazu dunne Baume abbrechen und deren Zweige entfernen mussen, um eine Art Stangen zu bekommen, womit das Fahrzeug vom Ufer abgedrangt wurde.
Wurde dieses noch von dem Strudel zuruckgehalten, wenn die Affenbande etwa wieder herangesturmt kam, so ware deren Angriffen dadurch, da? man sich nach der Stromung fluchtete, nicht aus dem Wege zu gehen gewesen, und ohne Zweifel waren weder der Foreloper noch seine Gefahrten heil und gesund aus dem gar zu ungleichen Kampfe hervorgegangen.
Kurz, nach vieler Anstrengung bewegte sich das Flo? langsam um die vorspringende Ecke und begann wieder, auf dem Rio Johausen hinabzugleiten.
Der Tag versprach schon zu werden, wenigstens deutete nichts auf ein drohendes Gewitter oder einen bevorstehenden Regen. Dafur scho? aber eine Lawine von Sonnenstrahlen lothrecht herunter und die Hitze ware kaum ertraglich gewesen, wenn sie nicht durch einen frischen Wind von Norden her gemildert worden ware, einem Winde, der auch die Fahrt des Flosses, wenn dieses ein Segel trug, sehr beschleunigt hatte.
Je weiter der Flu? nach Sudwesten verlief, desto mehr nahm er jetzt an Breite zu. Freilich wolbte sich nun auch keine Laube und vereinigten sich keine belaubten Zweige mehr uber seinem Bette. Unter diesen Verhaltnissen hatte das Wiedererscheinen der Vierhander auch nicht mehr die Gefahr gehabt, wie am Vortage. Uebrigens zeigte sich von diesen nichts.
Verlassen waren die Ufer des Rio aber deshalb nicht.
Vielerlei Wasservogel, Enten, Trappen, Pelikane, Martinstaucher und mehrere Arten von Strandreitern flatterten kreischend uberall umher.
John Cort scho? einiges von diesem Geflugel, das nebst den von dem jungen Eingebornen gesammelten Eiern zur Mittagsmahlzeit diente. Um die verlorene Zeit einzubringen, wurde auch zur gewohnten Stunde nicht Halt gemacht, und die erste Halfte dieses Tages verlief ohne den geringsten Zwischenfall.
Am Nachmittage kam es jedoch zu einem Alarm, der eine recht ernste Ursache hatte.
Es mochte etwa vier Uhr sein, als Khamis, der am Hintertheile das Steuer handhabte, John Cort bat, einmal seine Stelle zu vertreten, wahrend er selbst nach vorn ging.
Max Huber stand auf, uberzeugte sich, da? weder am rechten noch am linken Ufer etwas Verdachtiges zu
