dem lebhaften Cerise ihres Mundes, keinerlei Make-up zeigte. Sie trug einen enormen hellgelben Pullover, der fast bis zu den Knien herabhing, und enge schwarze Hosen.

»Was fur eine Rolle spielen Sie in dieser Angelegenheit?« wollte Mrs. Spence wissen. »Sollen Sie um jeden Preis den Freund aus der Patsche ziehen? Ist das die Idee? Welcher Optimismus!«

»Dann halten Sie ihn also fur schuldig?«

»Naturlich. Wer sollte es sonst sein?«

Das, dachte Poirot, ist die gro?e Frage. Er parierte sie mit einer anderen. »Wie erschien Ihnen Major Rich an jenem fatalen Abend? Wie ublich? Oder anders?«

Linda Spence kniff kritisch die Augen zusammen.

»Nein, er war nicht wie sonst. Er war - anders.«

»Inwiefern?«

»Aber, Monsieur Poirot, wenn man gerade jemanden kaltblutig erstochen hat -«

»Aber Sie wu?ten zu der Zeit nicht, da? er gerade jemanden kaltblutig erstochen hatte, nicht wahr?«

»Nein, selbstverstandlich nicht.«

»Wie haben Sie sich dann also sein >Anderssein< erklart? Wie au?erte es sich uberhaupt?«

»Nun, er war zerstreut. Ach, ich wei? es nicht. Aber als ich hinterher daruber nachdachte, kam ich zu dem Schlu?, da? ganz entschieden etwas nicht in Ordnung war.«

»Wer traf zuerst ein?«

»Wir - Jim und ich. Dann kam Jock. Und schlie?lich Margharita.«

»Wann wurde Mr. Claytons Abreise nach Schottland zum erstenmal erwahnt?«

»Als Margharita kam. Sie sagte zu Charles: >Arnold la?t sich vielmals entschuldigen. Aber er mu?te eilig mit dem

Nachtzug nach Edinburgh fahren.< Und Charles erwiderte: >Oh, das ist ja sehr bedauerlich.< Jock fugte hinzu: >Verzeihung, da? ich es nicht erwahnt habe. Aber ich dachte, du wu?test es bereits. < Und dann hatten wir alle einen Drink.«

»Hat Major Rich uberhaupt nicht erwahnt, da? er Mr. Clayton an dem Abend gesehen habe? Hat er nichts davon gesagt, da? er auf dem Wege zum Bahnhof bei ihm vorbeigekommen sei?«

»Ich habe nichts davon gehort.«

»Die Geschichte mit dem Telegramm war merkwurdig, nicht wahr?«

»Wieso?«

»Es war ein Schwindel. In Edinburgh wei? niemand etwas davon.«

»Aha! Ich wunderte mich damals schon im stillen.«

»Sie haben sich bei dem Telegramm etwas gedacht?«

»Na, es springt einem doch geradezu ins Auge.«

»Was wollen Sie damit sagen?«

»Mein lieber Monsieur Poirot«, sagte Linda. »Spielen Sie doch nicht den Unschuldigen! Unbekannter Spa?vogel schafft den Ehemann aus dem Wege! Fur diese Nacht jedenfalls ist die Luft rein.«

»Sie meinen also, da? Major Rich und Mrs. Clayton geplant hatten, die Nacht zusammen zu verbringen.«

»Da? so etwas vorkommen soll, haben Sie sicher auch schon gehort, nicht wahr?« Linda schien amusiert.

»Und einer von den beiden schickte das Telegramm?«

»Es wurde mich nicht uberraschen.«

»Major Rich und Mrs. Clayton hatten also nach Ihrer Ansicht ein Verhaltnis miteinander?«.

»Wollen mal sagen, ich ware daruber nicht erstaunt. Etwas Positives wei? ich nicht.«

»Hat Mr. Clayton Verdacht geschopft?«

»Arnold war ein ungewohnlicher Mensch. Sehr zugeknopft. Ich glaube, er wu?te Bescheid. Aber er war so veranlagt, da? er alles in sich hineinfra?. Die meisten hielten ihn fur einen trockenen, gefuhllosen Mann. Aber ich bin mir ziemlich sicher, da? es in seinem Innern ganz anders aussah. Merkwurdgerweise hatte es mich viel weniger uberrascht, wenn Arnold seinen Freund Charles erstochen hatte, anstatt umgekehrt. Ich kann mich des Gedankens nicht erwehren, da? Arnold in Wirklichkeit ein irrsinnig eifersuchtiger Mann war.«

»Das ist interessant.«

»Noch wahrscheinlicher ist es eigentlich, da? er Margharita umgebracht hatte. Othello - und so weiter. Margharita ubt namlich eine ungewohnliche Wirkung auf Manner aus.«

»Sie ist eine gutaussehende Frau«, bemerkte Poirot mit wohluberlegter Unterschatzung.

»Es ist mehr als das. Sie hat ein gewisses Etwas. Sie pflegt die Manner aufzupeitschen, so da? sie ganz verruckt auf sie sind, und sich dann umzudrehen und sie mit einem weitaugigen Erstaunen anzublicken, das sie zum Wahnsinn treibt.«

»Sie kennen sie wohl gut?«

»Mein Lieber, sie ist eine meiner besten Freundinnen -aber ich wurde ihr nicht uber den Weg trauen!«

»Aha«, sagte Poirot und brachte die Unterhaltung auf Commander McLaren.

»Jock? Der alte Getreue? Ein lieber Kerl. Der geborene Familienfreund. Er und Arnold waren wirklich eng befreundet. Ich glaube, Arnold erschlo? sich ihm mehr als allen anderen. Und naturlich war er Margharitas Sklave. Seit Jahren war er ihr treu ergeben.«

»Und war Mr. Clayton auf ihn eifersuchtig?«

»Eifersuchtig auf Jock? Was fur eine Idee! Margharita mag Jock wirklich gern, aber sie hat nie andere Gedanken fur ihn gehabt. Ich glaube, es geht den meisten Frauen bei ihm so. Ich wei? nicht, warum. Eigentlich schade. Er ist so nett.«

Poirot lenkte das Gesprach auf den Diener. Aber abgesehen von einer vagen Bemerkung, da? er einen guten Cocktail mixe, schien Linda Spence sich keine Gedanken uber Burgess gemacht, ja ihn kaum bemerkt zu haben.

Aber sie begriff rasch, worauf er hinauswollte.

»Sie denken vielleicht daran, da? er Arnold ebenso leicht getotet haben konnte wie Charles. Doch das erscheint mir irrsinnig unwahrscheinlich.«

»Diese Bemerkung deprimiert mich, Madame. Aber andererseits erscheint es mir irrsinnig unwahrscheinlich -obwohl Sie mir nicht zustimmen werden - nicht, da? Major Rich Arnold Clayton getotet haben soll, sondern da? er ihn auf diese Weise umgebracht hat.«

»Mit einem Stilett, meinen Sie? Ja, das pa?t entschieden nicht zu ihm. Wahrscheinlicher ware der stumpfe Gegenstand gewesen. Womoglich hatte er ihn auch erwurgen konnen, nicht wahr?«

Poirot seufzte.

»Da sind wir wieder bei Othello angelangt. Ja, Othello . Sie haben mir da eine kleine Idee in den Kopf gesetzt.«

»Wirklich? Was -« In diesem Augenblick wurde die Haustur aufgeschlossen und geoffnet. »Oh, da kommt Jeremy. Wollen Sie auch mit ihm reden?«

Jeremy Spence war eine angenehme Erscheinung, etwas uber drei?ig Jahre alt, gut angezogen und fast auffallend diskret. Mrs. Spence erklarte, da? sie unbedingt in der Kuche nach dem Rechten sehen musse, und lie? die beiden Manner allein.

Jeremy Spence hatte nichts von der gewinnenden Offenheit seiner Frau. Es war ihm sichtlich hochst unangenehm, da? er uberhaupt in diesen Fall verwickelt war, und seine sorgfaltigen Au?erungen verrieten nicht viel. Ja, sie hatten die Claytons seit einiger Zeit gekannt. Rich nicht so gut. Hatte einen angenehmen Eindruck auf ihn gemacht. Soweit er sich entsinnen konnte, war ihm Rich an dem fraglichen Abend genauso wie sonst vorgekommen. Clayton und Rich schienen immer gut miteinander auszukommen. Das Ganze schien ihm vollig unbegreiflich.

Im Verlauf der Unterhaltung lie? Jeremy Spence es deutlich durchblicken, da? er es sehr begru?en wurde, wenn Poirot endlich ginge.

»Ich furchte«, meinte Poirot, »da? Sie diese Fragen nicht schatzen.«

»Nun, wir haben eine ziemlich ausgedehnte Sitzung mit der Polizei hinter uns, und es langt mir nachgerade. Wir haben alles, was wir wissen oder gesehen haben, berichtet, und nun mochte ich die ganze Geschichte vergessen.«

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