er wunscht, da? ich die Wohnung in Ordnung halte, bis ... bis .«

Die Augen wanderten unbehaglich hin und her.

»Bis ...« pflichtete Poirot ihm bei. In sachlichem Ton fugte er hinzu: »Ich mochte wohl sagen, da? Major Rich fast mit Bestimmtheit dem Strafgericht uberwiesen wird. Der Fall kommt wahrscheinlich innerhalb der nachsten drei Monate zur Verhandlung.«

Burgess schuttelte den Kopf, nicht ablehnend, sondern einfach verdutzt.

»Es scheint kaum moglich zu sein«, meinte er.

»Da? Major Rich ein Morder ist?«

»Das Ganze. Die Truhe .«

Sein Blick glitt durch den Raum.

»Aha, das ist also die beruhmte Truhe?«

Es war ein riesiges Mobelstuck aus sehr dunklem, glanzendem Holz, mit Messing beschlagen und einem gro?en antiken Schlo? versehen.

»Ein hubsches Stuck«, meinte Poirot, wahrend er hinuberging.

Die Truhe stand in der Nahe des Fensters an der Wand neben einem modernen Plattenschrank. Auf der anderen Seite befand sich eine halb offenstehende Tur, die zum Teil von einem gro?en bemalten Lederschirm verdeckt wurde.

»Diese Tur fuhrt in Major Richs Schlafzimmer«, erklarte Burgess.

Poirot nickte, wahrend seine Augen zur anderen Seite des Zimmers wanderten. Dort standen zwei Stereophonische Plattenspieler, jeder auf einem niedrigen Tisch, von denen Kontaktschnure herabhingen. Bequeme Sessel und ein gro?er Tisch vervollstandigten die Einrichtung. An den Wanden hingen japanische Holzschnitte. Es war ein schoner Raum, behaglich, aber nicht luxurios.

Sein Blick fiel wieder auf William Burgess.

»Die Entdeckung«, sagte er freundlich, »mu? ein gro?er Schock fur Sie gewesen sein.«

»Oh, ja, Sir. Das werde ich niemals vergessen.« Der Diener wurde auf einmal beredt. Die Worte stromten von seinen Lippen. Vielleicht hatte er das Empfinden, da? er durch haufige Schilderung den Vorfall aus seiner Vorstellung tilgen konne.

»Ich war aufraumend durchs Zimmer gegangen, Sir. Glaser und so weiter. Ich hatte mich gerade gebuckt, um ein paar Oliven vom Boden aufzuheben, und da sah ich es - auf dem Teppich - einen dunklen rostbraunen Fleck. Nein, der Teppich ist nicht mehr da. Er ist in der Reinigungsanstalt. Die Polizei war damit fertig. Was ist das denn mir? dachte ich und sagte halb im Scherz vor mich hin: >Es konnte beinahe Blut sein! Aber woher kommt es blo?? Was hat man vergossen?< Und dann entdeckte ich, da? es aus der Truhe gesickert war - hier an der Seite, wo ein Spalt ist. Und ich sagte, immer noch ohne mir etwas dabei zu denken: >Was mag das nur sein? < Dann hob ich den Deckel auf - so« - er machte es vor - »und da war's! Die Leiche eines Mannes, der mit angezogenen Beinen auf der Seite lag, als ob er schliefe. Und dieser auslandische Dolch stak in seinem Halse. Ich werde es nie vergessen, niemals! In meinem ganzen Leben nicht! Der Schock, wissen Sie - wo ich so etwas nicht erwartet hatte .«

Er holte tief Atem.

»Ich lie? den Deckel fallen und rannte wie besessen auf die Stra?e, um einen Polizisten zu holen. Glucklicherweise fand ich einen, gerade um die Ecke herum.«

Poirot betrachtete den Mann nachdenklich. Die schauspielerische Leistung - wenn es eine war - war sehr gut. Aber er furchtete allmahlich, da? es sich nicht um eine schauspielerische Leistung handelte, sondern da? sich alles genauso zugetragen hatte.

»Sie haben wohl nicht daran gedacht, zunachst einmal Major Rich zu wecken?« fragte er.

»Es ist mir uberhaupt nicht eingefallen, Sir. Bei dem Schock. Ich ich wollte nur von hier fort« - er schluckte krampfhaft - »und Hilfe holen.«

Poirot nickte.

»Haben Sie sich vergegenwartigt, da? es Mr. Clayton war?«

»Das hatte man eigentlich erwarten sollen, Sir, aber ich glaube nicht, da? es mir zunachst zum Bewu?tsein kam. Sobald ich mit dem Polizisten zuruckkehrte, sagte ich naturlich sofort: >Das ist ja Mr. Clayton!< Und er fragte: >Wer ist Mr. Clayton?< Und ich sagte: >Er war gestern abend hier.<«

»Aha«, sagte Poirot, »gestern abend . Konnen Sie sich noch erinnern, um welche Zeit Mr. Clayton hier eintraf?«

»Nicht auf die Minute, aber ich mochte sagen, so gegen ein Viertel vor acht.«

»Haben Sie ihn gut gekannt?«

»Er und Mrs. Clayton waren hier haufig zu Gast in den anderthalb Jahren, die ich hier beschaftigt war.«

»Machte er denselben Eindruck wie immer?«

»Ich glaube wohl. Ein wenig au?er Atem; aber das schob ich darauf, da? er es sehr eilig hatte. Er wollte einen Zug erreichen, wie er sagte.«

»Er hatte sicher einen Koffer bei sich, da er doch nach Schottland fahren wollte.«

»Nein, Sir. Wahrscheinlich hat er ein Taxi unten gehabt.«

»War er enttauscht, da? Major Rich nicht zu Hause war?«

»Es war ihm nicht anzumerken. Er sagte nur, er wolle ein paar Zeilen schreiben. Er kam hier ins Zimmer und ging zum Schreibtisch, wahrend ich in die Kuche zuruckkehrte. Ich war mit den Sardelleneiern etwas im Ruckstand. Die Kuche liegt am Ende des Ganges, und dort hort man nicht viel. Ich habe nicht gehort, da? er fortging oder da? mein Herr zuruckkam - und habe auch nicht darauf geachtet.«

»Und was geschah dann?«

»Major Rich rief mich. Er stand dort in der Tur und sagte, er habe die turkischen Zigaretten fur Mrs. Spence vergessen. Er bat mich, eiligst welche zu besorgen. Das tat ich dann auch und legte sie hier auf den Tisch. Naturlich nahm ich auch an, da? Mr. Clayton inzwischen fortgegangen sei, um seinen Zug zu erreichen.«

»Und sonst ist niemand in die Wohnung gekommen, wahrend Major Rich nicht zu Hause war und Sie sich in der Kuche aufhielten?«

»Nein, Sir, niemand.«

»Konnen Sie das mit Sicherheit behaupten?«

»Wie ware es denn moglich, Sir? Der Betreffende hatte doch klingeln mussen.«

Poirot schuttelte den Kopf. Wie ware es auch moglich gewesen? Die Spences und McLaren und auch Mrs. Clayton konnten, das wu?te er bereits, uber jede Minute ihrer Zeit Rechenschaft ablegen. McLaren war mit Bekannten im Klub gewesen. Die Spences hatten vor dem Aufbruch ein paar Freunde zu einem Drink bei sich gehabt. Margharita Clayton hatte um die Zeit gerade mit einer Freundin telefoniert. Ganz abgesehen davon, da? er niemand von ihnen als Tater in Betracht zog. Um Arnold zu toten, hatten sie wohl bessere Moglichkeiten gehabt, als ihm in die Wohnung des Majors zu folgen, wo ein Diener beschaftigt war und der Hausherr jeden Augenblick zuruckkehren konnte. Nein, er hatte als letzte schwache Hoffnung mit einem »mysteriosen Fremden« gerechnet! Mit jemandem aus Claytons anscheinend untadeliger Vergangenheit, der ihn auf der Stra?e erkannt hatte und ihm hierher gefolgt war, ihn dann mit dem Stilett erstochen, die Leiche in die Truhe gesteckt und die Flucht ergriffen hatte. Das reinste Melodrama aus einem romantischen historischen Roman ohne jede Beziehung zu Vernunft und Wahrscheinlichkeit, das aber ganz gut zu der spanischen Truhe pa?te.

Er durchquerte abermals den Raum und trat an die Truhe. Er hob den Deckel, der sich leicht und gerauschlos offnen lie?.

Mit schwacher Stimme sagte Burgess: »Sie ist gut gesaubert worden. Dafur habe ich gesorgt.«

Poirot beugte sich uber die Truhe. Mit einem leisen Ausruf beugte er sich noch tiefer. Seine Finger tasteten die Innenwande ab.

»Diese Locher hier - an der Ruckwand und an einer Seite - sie sehen so aus - sie fuhlen sich so an, als ob sie ganz kurzlich gemacht worden waren.«

»Locher, Sir?« Der Diener trat erstaunt an die Truhe. »Sie sind mir noch gar nicht aufgefallen.«

»Sie springen nicht gerade ins Auge, sind aber vorhanden. Welchen Zweck haben sie wohl? Was meinen Sie?«

»Ich wu?te es wirklich nicht, Sir. Vielleicht stammen sie von einem Tier - ich meine, von irgendeinem Kafer, der Holz nagt.«

»Ein Tier?« meinte Poirot. »Das sollte mich doch wundern.«

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