dauerte bis zum heutigen Tag an. Und es gab … es gab keine Au?erirdischen — oder doch?«
Orr schuttelte den Kopf.
»Sie haben sie
»Er lie? mich vom Frieden traumen. Friede auf Erden, den Menschen ein Wohlgefallen. Also habe ich die Au?erirdischen beschworen. Damit wir etwas hatten, wogegen wir kampfen konnten.«
»Nicht Sie. Das macht seine Maschine.«
»Nein. Ich komme ganz gut ohne die Maschine zurecht, Miss Lelache. Sie spart ihm nur Zeit und la?t mich schneller traumen. Aber in den vergangenen Wochen hat er daran gearbeitet, um sie irgendwie zu verbessern. Dr. Haber ist ein gro?er Verbesserer.«
»Bitte nennen Sie mich Heather.«
»Das ist ein hubscher Name.«
»Ihr Name ist George. Bei der Sitzung nannte er Sie immer George. Als waren Sie ein besonders kluger Pudel oder Rhesusaffe. Legen Sie sich hin, George. Traumen Sie das, George.«
Er lachte. Seine Zahne waren wei?, sein Lachen angenehm, da es Zerzaustheit und Verwirrung vergessen machte. »Das bin nicht ich. Das ist mein Unterbewu?tsein, zu dem er spricht, wissen Sie. Fur seine Zwecke ist das so etwas wie ein Hund oder ein Affe. Es ist nicht rational, aber man kann es fur bestimmte Aufgaben dressieren.«
Er sprach niemals voller Verbitterung, was fur schreckliche Dinge er auch sagte. Gibt es wirklich Menschen ohne Mi?stimmung, ohne Ha?, fragte sich Heather. Menschen, die nie uneins mit dem Universum sind? Die das Bose sehen und dem Bosen widerstehen und doch vollkommen unbeeinflu?t davon bleiben?
Naturlich gibt es sie. Zahllose, lebende und tote. Alle, die von reiner Barmherzigkeit erfullt in das gro?e Rad zuruckkehren, die dem Weg folgen, dem man nicht folgen kann, ohne zu wissen, da? man ihm folgt, die Frau des Getreidebauern in Alabama und der Lama in Tibet und der Entomologe in Peru und der Fabrikarbeiter in Odessa und der Gemusehandler in London und der Ziegenhirte in Nigeria und der alte, alte Mann, der an einem ausgetrockneten Flu?lauf irgendwo in Australien hockt und einen Pflock spitzt. Es gibt nicht einen unter uns, der sie nicht gekannt hatte. Es gibt genugend von ihnen, genugend, uns alle voranzubringen. Vielleicht.
»Horen Sie mal. Sagen sie, ich mu? folgendes wissen: War es nachdem Sie Haber aufsuchten, da? Sie anfingen …«
»Wirkungsvolle Traume zu haben? Nein, vorher. Darum bin ich hingegangen. Ich hatte Angst vor den Traumen, darum habe ich mir illegal Betaubungsmittel beschafft, um die Traume zu unterdrucken. Ich wu?te nicht, was ich machen sollte.«
»Warum haben Sie dann nicht die beiden vergangenen Nachte etwas eingenommen, statt zu versuchen, sich wach zu hal ten?«
»Ich habe alles aufgebraucht. Schon Freitagnacht. Hier drau?en kann ich kein Rezept einlosen. Aber ich mu?te weg. Ich wollte au?er Reichweite von Dr. Haber. Es ist alles viel komplizierter, als er wahrhaben will. Er glaubt, da? man alles richten kann. Und er benutzt mich, um alles zu richten, aber er gibt es nicht zu; er lugt, weil er nicht geradeaus sehen mochte, ihn interessiert nicht, was wahr ist, was ist, er kann nichts anderes als seine eigene Denkweise sehen — seine Vorstellung davon, was sein sollte.«
»Na ja. Als Anwaltin kann ich nichts fur Sie tun«, sagte Heather, die dem nicht so richtig folgen konnte; sie trank ihren Kaffee mit Brandy, der so stark war, da? einem Chihuahua davon Haare gewachsen waren. »An seinen hypnotischen Anweisungen war, soweit ich das erkennen konnte, nichts faul; er sagte Ihnen nur, da? Sie sich keine Sorgen wegen der Uberbevolkerung und so weiter machen sollen. Und wenn er fest entschlossen ist, die Tatsache zu verheimlichen, da? er Ihre Traume fur seltsame Zwecke benutzt, kann er das auch; er konnte die Hypnose so nutzen, da? Sie einfach keinen wirkungsvollen Traum haben, wenn Beobachter anwesend sind. Ich frage mich, warum er mich Zeugin werden lie?. Sind Sie sicher, da? er selbst daran glaubt? Ich verstehe ihn nicht. Aber egal, fur einen Anwalt ist es schwer, sich in die Beziehung zwischen Psychiater und Patient einzumischen, besonders wenn der Seelenklempner ein hohes Tier und der Patient ein Irrer ist, der glaubt, da? seine Traume wahr werden — nein, damit mochte ich nicht vor Gericht gehen! Aber sehen Sie. Gibt es keine Moglichkeit, wie Sie verhindern konnen, fur ihn zu traumen? Vielleicht Beruhigungsmittel?«
»Ich habe keine Pharmaziekarte, solange ich in FTB bin. Er mu?te sie mir verschreiben. Au?erdem konnte sein Verstarker mich zum Traumen bringen.«
»Das
»Wenn Sie ihn gutiger machen wurden — na ja, Sie sagen ja, er ist gutig und meint es gut. Aber er ist machtgierig. Er hat eine grandiose Moglichkeit gefunden, wie er die Welt beherrschen kann, ohne Verantwortung dafur zu ubernehmen. Na ja. Machen Sie ihn nicht so machtgierig. Traumen Sie, da? er ein
»Aber ich kann mir meine Traume nicht aussuchen.«
Sie lie? den Kopf hangen. »Das hatte ich vergessen. Sobald ich diese Sache als real betrachte, denke ich, da? Sie Kontrolle daruber haben. Aber die haben Sie nicht. Sie
»Ich mache gar nichts«, sagte Orr murrisch. »Ich habe nie etwas gemacht. Ich traume nur. Und dann
»Ich hypnotisiere Sie«, sagte Heather plotzlich.
Da? sie eine unglaubliche Tatsache als Wahrheit akzeptiert hatte, erfullte sie mit einem seltsamen Gefuhl: Wenn Orrs Traume funktionierten, was wurde nicht funktionieren? Au?erdem hatte sie seit Mittag nichts mehr gegessen; Kaffee und Brandy stiegen ihr heftig zu Kopf.
Er sah sie weiterhin an.
»Ich mache es nicht zum erstenmal. Am College habe ich Psychologiekurse belegt, vor dem Jurastudium. Wir sind alle im Verlauf einer Vorlesung einmal in die Rolle des Hypnotiseurs und des Subjekts geschlupft. Ich war als Subjekt ganz brauchbar, aber echt gut darin, die anderen einzulullen. Ich lulle Sie ein und suggeriere Ihnen einen Traum. Uber Dr. Haber — wie Sie ihn harmlos machen. Ich befehle Ihnen, da? Sie nur das traumen sollen, sonst nichts. Verstanden? Ware das nicht sicher — so sicher wie jede andere Moglichkeit, die uns an diesem Punkt zur Verfugung steht?«
»Aber ich bin hypnoseresistent. Fruher war ich das nicht, aber er sagt, da? ich es jetzt bin.«
»Wendet er darum die Vagus-Karotid-Pressur an? Dabei kann ich kaum zusehen, weil es mir wie Mord vorkommt Das konnte ich nicht, ich bin schlie?lich keine Arztin.«
»Mein Zahnarzt hat immer nur ein Hypnosetonband benutzt Das hat prima geklappt. Glaube ich jedenfalls.« Er redete definitiv im Schlaf und hatte ewig so weiterplappern konnen.
»Hort sich ganz so an«, sagte sie sanft, »als wurden Sie sich gegen den Hypnotiseur wehren, nicht gegen die Hypnose … Wir konnten es jedenfalls versuchen. Und wenn es funktioniert, konnte ich Ihnen die posthypnotische Suggestion geben, da? Sie einen kleinen, wie nennen Sie es, wirkungsvollen Traum uber Haber traumen. Damit er es ehrlich mit Ihnen meint und versucht, Sie wirklich zu heilen. Glauben Sie, das konnte klappen? Und wurden Sie sich darauf einlassen?«
»Ich konnte sowieso etwas Schlaf gebrauchen«, sagte er. »Ich … mu? irgendwann einmal schlafen. Heute nacht halte ich ganz sicher nicht mehr durch. Wenn Sie glauben, Sie konnten die Hypnose durchfuhren …«
»Ich glaube, das kann ich. Aber, horen Sie, haben Sie irgend etwas zu essen hier?«
»Ja«, sagte er schlafrig. Nach einer Weile kam er wieder zu sich. »Oh, ja. Tut mir leid. Sie haben nichts gegessen. Die Fahrt hierher. Ich habe einen Laib Brot …« Er kramte im Schrank, holte Brot, Margarine, funf hartgekochte Eier, eine Dose Thunfisch und einen angewelktem Kopfsalat heraus. Sie fand zwei Unterlagen aus Blech, drei unterschiedliche Gabeln und ein Schalmesser. »Haben Sie gegessen?« erkundigte sie sich. Er war nicht sicher. Sie bereiteten gemeinsam eine Mahlzeit zu, sie auf dem Stuhl am Tisch sitzend, er stehend. Die aufrecht stehende Haltung schien ihn zu beleben, und wie sich herausstellte, hatte er Hei?hunger. Sie mu?ten alles in zwei Halften teilen, sogar das funfte Ei.
»Sie sind ein sehr netter Mensch«, sagte er.
»Ich? Warum? Sie meinen, weil ich hergekommen bin? Oh, Schei?e, ich hatte Angst. Wegen der Veranderung der Welt am Freitag! Ich mu?te das auf die Reihe kriegen. Horen Sie, ich betrachtete das Krankenhaus, in dem ich
