die besonderen Bedurfnisse eurer Freunde zu befriedigen!«
Ich sah mich um, aber von meinen Tutoren war nichts zu sehen. Ich sah den Waffenmeister misstrauisch an. »Onkel Jack, was hast du mit ihnen gemacht?«
Er zog beleidigt die Nase hoch. »Ich habe sie Penny uberlassen, damit sie auf sie aufpasst. Du wei?t ja, wie sie es liebt, Dinge zu organisieren. Und Leute.«
Ich sah ihn an, erschrocken und plotzlich stocknuchtern. »Du hast
»Ich habe nicht die geringste Ahnung. Frag Penny. Und jetzt raus hier. Ich muss mich um ein Taschenuniversum kummern, dass Stabilisierung braucht.«
Ich aktivierte meine geistige Verbindung zu Seltsam im Sanktum.
»Roter Alarm, Notfall, Notfall!«
»Hi, Eddie! Willkommen zuruck. Hattest du eine schone Zeit in der Stadt? Hast du mir was mitgebracht, ein Geschenk?«
»Lass das jetzt.«
»Hast du nicht, oder? Du hast mich einfach vergessen.«
»Wo sind Penny und die vier Tutoren, die sie beaufsichtigen sollte?«
»Sie sind naturlich in ein paar der Horsale. Sie hat schon die ersten Seminare organisiert, sie laufen bereits. Das ist alles so aufregend!«
Ich unterbrach die Verbindung zu Seltsam, bevor ich etwas sagen konnte, was ihm und mir spater leid tun wurde, und benutzte Merlins Spiegel, um Molly und mich direkt zu den Vorlesungssalen im Sudflugel zu bringen. Ich hatte dieses schreckliche Bild vor meinem geistigen Auge: Ein ganzer Horsaal voller toter Droods, mit Blut, das die Gange zwischen den Stuhlreihen herunterlief, wahrend Janitscharen Jane und Mr. Stich mit ihren abgeschlagenen Kopfen Football spielten.
Aber als wir in der Lobby vor den Horsalen ankamen, schien alles ruhig und still zu sein. Penny ging seelenruhig auf und ab und horte mal an der einen, dann an der anderen Tur. Sie zuckte ein wenig zusammen, als Molly und ich durch den Spiegel kamen und kam dann zu uns herubergelaufen. Sie bedeutete uns, leise zu sein.
»Vielen Dank fur diese vier!«, sagte sie, und weil sie flusterte, kam der begeisterte Dank ein wenig gedampft ruber.
»Gib dem Waffenmeister die Schuld«, sagte ich automatisch. »Wo sind sie, Penny? Hat es Arger
gegeben?«
»Uberhaupt nicht«, sagte sie. »Ich dachte, es sei das Beste, wenn ich sie gleich alle miteinander zum Arbeiten schicke. Und die Familie mal sehen lasse, was sie tun konnen. Also habe ich jedem einen Horsaal gegeben, damit sie uber das reden konnen, was immer sie wollen - und sehr zu meiner Uberraschung flutscht es. Es funktioniert prima. Es gibt nur noch Stehplatze, in allen vier Salen, und wann hatten wir das das letzte Mal?«
»Und es hat keine … Vorfalle gegeben?«, fragte Molly.
»Noch nicht«, erwiderte Penny. »Ein Teil von mir wartet noch darauf, dass die Bombe platzt.«
»Warum flustern wir?«, flusterte ich.
Penny hob eine Augenbraue. »Wir wollen sie doch nicht unterbrechen, oder?«
Ich ging zur nachsten Tur hinuber und schlupfte leise hinein, um mich hinten hinzustellen. Molly war schnell neben mir. U-Bahn Ute war vorn am Pult, ging hin und her und bombardierte das faszinierte und von ihrer Erzahlung gefesselte Publikum damit, wie es war, am Rand der Gesellschaft zu leben. In der Stadt zu sein, aber kein Teil davon, allein und ohne Unterstutzung, nur auf den eigenen Verstand angewiesen, um zu uberleben.
»Ihr wisst nicht, wie leicht es ist, durch das Raster zu fallen«, sagte sie. »Alles, was es braucht, ist ein richtig mieser Tag und ihr konntet enden wie ich. Ich hatte einmal ein Heim, einen Job und ein Leben. Ich hatte Freunde und eine Familie. Und dann habe ich sie einer nach dem anderen verloren, alle. Ich habe sie verloren oder sie wurden mir genommen. Und schlie?lich endete ich als eine Obdachlose, lebte auf den Stra?en. Denn selbst wenn du nichts mehr hast, sind die Stra?en doch immer noch da. Nach einiger Zeit wurde ich zur Glucksvampirin und habe mir ein neues Leben aufgebaut. Ich hatte in mein altes Leben zuruckkehren konnen, aber ich wollte es nicht mehr. Aber wieder war nur ein einziger mieser Tag notig und ich habe noch einmal alles verloren. Was ihr lernen musst, ist, sich niemals auf andere zu verlassen, nur auf euch selbst. Weil es nichts gibt, was ihr haben konnt, das die Welt euch nicht wegnehmen kann.«
Die Zuhorer waren vollig gefesselt, atemlos. Sie hatten noch nie jemanden wie U-Bahn Ute getroffen. Ich schlich mich aus der Hintertur, Molly hinter mir her und wir gingen, um nach Mr. Stich zu sehen. Er stand vollig entspannt auf der Buhne und funkelte sein ahnlich gefesseltes Publikum an, wahrend er ihnen von der Kunst des Totens, dem Verfolgen von Opfern und den Freuden des Abschlachtens erzahlte - und wie selbst der kleinste Spross des Bosen in einem Menschen aufkeimen und ihn korrumpieren kann. Er sprach davon, die Beute zu jagen, unverdachtig ein Ziel zu verfolgen, tagelang oder sogar wochenlang, wenn notig.
»Sie mussen diese Dinge wissen«, sagte er. »Sie haben Ihre legendare Rustung nicht mehr, Sie sind keine unuberwindlichen Krieger mehr, also mussen Sie zu Jagern werden. Sie mussen sich die Techniken des Hinterhalts und des Kampfes und des Totens aneignen. Und daruber wei? niemand mehr als ich. Lernen Sie von mir und ich garantiere Ihnen, dass die meisten von Ihnen den gro?en Krieg, der kommen wird, uberleben werden.«
Im nachsten Horsaal lummelte der Blaue Elf auf einem Barhocker auf dem Podium und nippte an einem Cocktail mit einem kleinen Papierschirmchen darin. Er hielt einen Vortrag uber Elben und ihre oft unerwarteten Einmischungen in die moderne Welt.
»Elben und Elfen gibt es schon lange nicht mehr«, sagte er leichthin. »Sie wanderten vor Jahrhunderten neben die Sonne und verlie?en unsere Welt fur immer. Jeder wei? das, aber - wie ebenfalls jeder wei? - ist das einfach Schwachsinn. Die meisten Elfen und Elben sind weg, aber einige gibt es immer noch und sie sind auf Rache aus. Sie hassen die Menschheit, weil sie die Welt regieren, die einst ihnen gehorte und sie leben, um uns zu schaden und uns fertigzumachen. Sie werden auf jedermanns Seite stehen, oder auf der Seite von jedem Ding, wenn es ihnen bei ihrer bitteren, endlosen Sache nutzt.«
Und zuletzt horten wir Janitscharen Jane zu, wie sie der Familie erzahlte, wie man Damonen bekampft. Sie marschierte auf ihrem Podium hin und her. Ihre kalte, pragmatische Stimme lie? das, was sie zu sagen hatte, noch verstorender und beangstigender klingen.
»Mit Damonen kann man nicht diskutieren«, sagte sie rundheraus. »Man kann sie auch nicht bestechen. Man kann mit ihnen nicht verhandeln. Sie sehen uns nur als Gegenstand; etwas, das man benutzen kann. Einige kommen aus der Holle, andere aus der Vergangenheit oder der Zukunft und einige von anderen Welten oder aus anderen Dimensionen. Das ist egal. Alles, woran ihr euch erinnern musst, ist, dass sie nur existieren, um das, was ihr liebt, zu zerstoren. Sie nehmen euch euer Leben, eure Welt, eure Seelen und benutzen alles fur ihre eigenen Zwecke. Es sind Heuschrecken, die uber eine Gegend herfallen und nichts ubrig lassen - wenn ihr sie nicht mit allem, was ihr habt, bekampft. Ihr werdet lernen mussen, zu kampfen wie eine Armee, denn das hier ist ein Krieg. Ihr konnt keine Krieger mehr sein, die eigene Duelle ausfechten. Ihr konnt keine Helden mehr sein. Ihr musst zu Soldaten werden, die fur eine gro?ere Sache kampfen. Ihr musst lernen, in einer Armee zu kampfen, denn es gibt Armeen von ihnen.«
Penny lachelte, als Molly und ich ein wenig uberwaltigt in die Lobby zuruckkamen.
»Na, Eddie«, sagte sie. »Sieht fast so aus, als hattest du mal was richtig gemacht.«
»Siehst du wohl«, erwiderte ich.
»Arsch«, sagte Molly.
»Siehst du wohl, Arsch!«, antwortete ich.
Kapitel Sieben
Tausendundein Fluch
Es war fruher Nachmittag an einem sonnigen und lauen Sommertag. Das Gelande des Herrenhauses
