Neonschild mit der Aufschrift:
Der Nachmittag war angenehm warm und die Brise, die mir das Haar zerzauste, erfrischend kuhl. Es gibt viel, was fur ein Cabrio spricht. Fur einen Sommernachmittag herrschte nicht viel Verkehr, und ich fuhr so vor mich hin und horte mir dabei eine Mary-Hopkin-Zusammenstellung im CD-Spieler an. Ich war seit Jahren nicht mehr in Stonehenge gewesen, das letzte Mal im Rahmen einer organisierten Klassenfahrt. Anscheinend war der historische Steinring inzwischen hinter Einfassungszaunen und Stacheldraht abgeschottet, um das Publikum in respektvoller Entfernung von so einem wichtigen nationalen Denkmal zu halten. (Gar nicht so unvernunftig; in viktorianischen Zeiten hatten sie einem auf dem Weg hinein Hammer und Mei?el verkauft, damit man sich selbst sein Andenken zum Mitnachhausenehmen raushauen konnte.) Trotzdem bezweifelte ich, dass sie etwas hatten, was mich drau?en halten konnte. Und niemand sieht mich, es sei denn, ich will gesehen werden, wissen Sie noch?
Plotzlich fiel mir auf, dass mir schon eine ganze Zeit lang kein Auto mehr entgegengekommen war. Vor mir war kein Verkehr, und ein schneller Blick in den Ruckspiegel bestatigte, dass auch nichts hinter mir war, so weit ich sehen konnte. Es sah so aus, als hatte ich das ganze Stuck Autobahn fur mich allein. Und die Chancen, dass das um diese Tageszeit oder auf so einer viel befahrenen Strecke der Fall war, waren … fantastisch gering. Ich stellte den CD-Spieler ab und trommelte mit den Fingern nachdenklich auf dem Lenkrad herum. Ich wurde in einen Hinterhalt gelockt.
Die Frage war: Waren sie blo? hinter einem Drood-Agenten her oder wusste jemand, was ich transportierte?
Ich sprach innerlich die
Ich bremste hart, und die schwarzen Hubschrauber schossen uberrumpelt uber mich hinweg. Sie drehten in einem weiten Kreis um, immer noch vollig gerauschlos, und hielten genau auf mich zu. Sie sahen wie tuckische, ungelenke Insekten aus. Zwei der vorderen Helikopter eroffneten mit Maschinengewehren das Feuer und beharkten die Stra?e zu beiden Seiten des Hirondels, dass der Schotter nur so durch die Luft spritzte, und versuchten, mich so einzuschuchtern, dass ich anhielt. Ich druckte den Fu? wieder runter, und der Hirondel sprach begierig an und brauste vorwarts. Die Hubschrauber waren jetzt hinter mir, wahrend ich dahinraste, doch schon beschrieben sie, ohne ihre perfekte Angriffsformation aufzugeben, einen Kreis, um mir zu folgen. Einer feuerte eine Rakete ab, die an mir vorbeifegte und in der Stra?e vor mir explodierte. Ich riss das Lenkrad herum, um dem Krater auszuweichen, und der Wagen bohrte sich mitten durch Rauch und Flammen und tauchte auf der anderen Seite wieder auf. Die Rustung schutzte mich vor der Hitze und vorm Einatmen des Rauchs, aber das war alles, was sie tun konnte, fur den Augenblick. Die Starken der Rustung waren in erster Linie defensiver Natur. Au?er wenn ich jemanden in die Finger bekam.
Ich presste das Pedal so fest aufs Blech, dass mein Fu? schmerzte, und der Hirondel donnerte mit freudig rohrendem Motor uber die Autobahn. Weitere Raketen schlugen links und rechts von mir ein, und die Detonationen schuttelten den Wagen durch, aber ich lie? mich nicht bluffen. Sie konnten es sich nicht leisten, den Wagen einfach in die Luft zu jagen, denn dann wurden sie riskieren, die Seele zu beschadigen. Die schwarzen Helikopter hielten mein Tempo muhelos mit und formierten sich rings um mich. Die Gedanken uberschlugen sich in meinem Kopf, um einen Ausweg aus dieser Falle zu finden, aber hauptsachlich stellte ich mir die Frage:
Kugeln bestrichen eine Seite des Hirondels und durchschlugen das dicke Metall, warfen mich im Fahrersitz hin und her und zwangen das Auto quer hinuber auf die andere Spur. Ich musste mit dem Lenkrad um die Kontrolle uber den Wagen kampfen und schrie die ganze Zeit uber den Hubschrauberpiloten Obszonitaten zu. War denen denn nicht klar, dass der Hirondel ein klassisches Auto war, eine echte Antiquitat und fur sich allein ein Kunstwerk? Man macht keine Einschusslocher in ein Kunstwerk! Verdammte Banausen! Na schon! Genug war genug! Ich war jetzt verargert. Mit wem zum Teufel glaubten die sich eingelassen zu haben? Ich schlug auf einen der versteckten Schalter des Waffenschmieds, und eine Schalttafel klappte auf und enthullte einen gro?en roten Knopf. Ich druckte meinen Daumen fest darauf, und ein elektromagnetischer Impuls ging strahlenformig vom Wagen aus und klatschte alle sechs schwarzen Helikopter vom Himmel wie die Hand Gottes.
Sie trudelten unbeholfen auf den Erdboden, als ihre samtlichen elektrischen Systeme absturzten und gegrillt wurden, und es gereichte ihren Piloten zur Ehre, dass nur zwei beim Aufprall explodierten. Dichter schwarzer Qualm stieg in Ringen in den blassblauen Himmel hoch, wahrend ich weiter die Autobahn entlangbretterte und goldene Fauste in die Luft schlug. Normalerweise feiere ich meine Abschusse nicht, aber die hier hatten mich ernsthaft sauer gemacht. Mich umzubringen war eine Sache, die Seele Albions zu stehlen eine andere - aber einen Klassiker wie den Hirondel mutwillig zu beschadigen … Die Holle war noch zu gut fur sie!
(Muss ich wirklich erklaren, dass das Auto vor seinem eigenen EMP abgeschirmt ist? Der Waffenschmied ist ja schlie?lich kein Idiot!)
Ein halbes Dutzend Autos kamen von einer Auffahrt auf die Autobahn geschossen, und ich entspannte mich ein wenig, denn ich nahm an, dass ihre Anwesenheit hie?, dass der Angriff zu Ende war und der normale Verkehr wieder einsetzte. Ich hatte es besser wissen mussen. Fast sofort fiel mir auf, dass die Farbe jedes Autos ein grelles Scharlachrot war, das wie Lippenstift glanzte, und keins davon war ein Modell oder eine Ausfuhrung, die mir vertraut war. Es war etwas Merkwurdiges, etwas Schlechtes an diesen sechs scharlachroten Autos, als sie sich von hinten an mich heranschlichen. Noch immer fuhr ich den Hirondel auf Hochtouren, aber es bereitete ihnen keine Probleme, aufzuholen. Es waren alles lange Limousinen mit altmodischen hohen Heckflossen, und sie bewegten sich zugig an mich heran und neben mich und hielten mein Tempo muhelos mit wie jagende Katzen. Zum ersten Mal bekam ich sie gut zu sehen, von Nahem, und es uberlief mich kalt. Meine Nackenhaare straubten sich. Ich konnte den Fahrer des Autos rechts von mir sehen, und das Auto wurde von einem toten Mann gesteuert! Er war schon eine Zeit lang tot, sein graues Gesicht geschrumpft und ausgetrocknet, fast wie das einer Mumie. Seine ausgedorrten Hande waren ans Lenkrad genagelt, das sich von selbst bewegte.
Das waren keine Autos. Das waren AUTOpsisten.
Ich hatte von ihnen gelesen, hatte von anderen Agenten uber sie gehort, aber ich hatte noch nie einen aus der Nahe gesehen und war auch nie erpicht darauf gewesen. AUTOpsisten sind empfindungsfahige, fleischfressende Autos mit bewusstem Verhalten. Manche sagen, dass sie ursprunglich aus einer anderen Dimension stammen, wo Autos sich entwickelten und Menschen ersetzten, und manche sagen, dass sie sich hier entwickelt haben, uralte Rauber, die gelernt hatten, wie Autos auszusehen, damit sie unbemerkt Jagd auf Menschen machen konnten. Sie durchpirschen die Autobahnen und folgen muden Seelen, die in den fruhen Morgenstunden allein unterwegs sind. Die AUTOpsisten umzingeln sie, trennen sie vom Rudel, suchen sich dann eine abgeschiedene Stelle und drangen ihre Beute von der Stra?e ab. Und dann fressen sie …
Aber was zum Teufel hatten so viele AUTOpsisten hier zusammen am helllichten Tag bei strahlendem Sonnenschein zu suchen? Vermutlich konnte ein Preis wie die Seele Albions selbst Damonenautos in Versuchung fuhren. Meine Mission war nicht langer ein Geheimnis; es gab einen Verrater in der Familie, und er hatte uns alle verkauft.
Die AUTOpsisten drangten sich zu beiden Seiten an mich heran und rammten mich hart, zuerst von links und
