finden, die eine Drood-Rustung durchdringen wurde. Ich blickte auf und um mich. Obwohl der Hirondel mit Hochstgeschwindigkeit uber die Stra?e schoss, hielten die Drachen das Tempo immer noch mit und schlugen dabei so schnell mit ihren gewaltigen Schwingen, dass diese nur noch verschwommen zu sehen waren. Ihnen davonfahren, sie abschutteln, konnte ich nicht. Also stampfte ich mit beiden Fu?en auf Bremse und Kupplung und brachte den Wagen mit kreischenden Radern und langen Rauchfahnen von verbranntem Gummi zum Stehen. Die Drachen und ihre Reiter fegten weiter, erholten sich aber schnell von ihrer Uberraschung und schwenkten herum, um wieder auf mich zuzukommen. Einige legten bereits wieder Pfeile auf die Kerben ihrer Bogen.
Ich druckte die von Kugeln durchlocherte Tur auf, stolperte aus dem Wagen und musste gegen meinen Willen schreien, denn jede neue Bewegung bescherte mir neue Schmerzen. Mit forschen Schritten stellte ich mich mitten auf die Stra?e und blickte den herannahenden Drachen entgegen, den linken Arm unbrauchbar an der Seite. Ich konnte jetzt die Gesichter der Elben erkennen mit dem kalten, grausamen Lacheln darauf. Sie lachten mich aus. Ich griff mit meiner goldenen Hand durch meine goldene Rustung und zog den Repetiercolt aus seinem Halfter. Es war Blut daran von meiner Schulterwunde, und ich schuttelte ein paar Tropfen ab. Ich richtete den Colt auf den nachsten Drachenreiter, und die Waffe erledigte den Rest.
Die kalte Bleikugel traf den Elbenlord genau zwischen die Augen und blies ihm den Hinterkopf fort. Obendrein schoss ich auch dem Drachen in seinen hasslichen Kopf, und er krachte auf die Autobahn und blieb in einer unbeholfenen flatternden Flugelmasse liegen. Ich erschoss alle Elben und alle Drachen, alle bosartigen Lords und gemeinen Ladys und ihre hasslichen Reittiere, und es blieb ihnen nicht einmal Zeit, auch nur einen einzigen Pfeil auf mich abzuschie?en. Ich feuerte einfach wieder und wieder und wieder mit dem Repetiercolt, und die Kugeln kamen einfach weiter, und der Revolver schoss nie vorbei. Ein Triumph der Waffenschmiedekunst! Die toten Drachen hauften sich vor mir auf, zuckend und zitternd, wahrend der letzte Rest ihres unnaturlichen Lebens aus ihnen entwich, und kein einziger Elb entkam meiner kalten Wut. Gott segne dich, Onkel Jack!
Vorsichtig setzte ich mich auf die Motorhaube des Hirondels und kam wieder zu Atem. Der Pfeil in meiner Schulter tat immer noch hollisch weh. Ich musste mit der Familie Kontakt aufnehmen. Musste sie veranlassen, einen Sauberungstrupp zu schicken, um die Drachen und Elben fortzuschaffen, bevor Otto Normalverbraucher aufkreuzte und sie sah. Und dann wurde die Matriarchin eine steife und sehr formelle Beschwerdeschrift an den Elfenhof schicken mussen, in der sie die Elfen aufforderte, ihre arroganten Nasen nicht in Drood-Angelegenheiten zu stecken, oder es passierte was! Langsam dammerte mir, dass ich eine ganze Weile gefahren war, wahrend ich um mein Leben gekampft hatte, und noch immer war kein Verkehr zu sehen. Jemand musste fur die Absperrung dieses ganzen Autobahnabschnitts gesorgt haben. Samtliche Auffahrten zu sperren und jegliche CCTV-Erfassung zu unterbinden, bedurfte betrachtlichen Einflusses. Wie hoch oben in der Familie war dieser Verrater, dass er etwas Derartiges arrangieren konnte? Ja, ich musste zu einem sicheren Telefon. Es der Familie erzahlen. Von dem Verrater …
Ich ertappte mich dabei zu nicken, wahrend meine Gedanken sich ein- und ausblendeten, als die Alarme des Autos wieder losgingen. Mit einem Ruck hob ich den Kopf und schaute um mich. Ein dichter Nebel uberzog die ganze Autobahn hinter mir, ein grauer, schmutziger Dunst, der schaumte und kochte und an dem nichts Naturliches war. Ich kletterte zuruck in den Fahrersitz, biss die Zahne gegen die Schmerzen zusammen und schlug dann mit meiner rechten Faust auf meinen linken Arm, bis etwas Gefuhl in ihn zuruckkehrte und ich den ersten Gang einlegen konnte. Ich fuhr wieder los, und aus den Nebelschleiern hinter mir kam die Phantomflotte.
Mein erster Gedanke war:
Sie fegten uber die verlassene Autobahn hinter mir her, Gespenster verungluckter Fahrzeuge, besessen und gefahren von Geistern aus der unermesslichen Tiefe. Halb durchsichtige Autos und Lastwagen und Sattelschlepper und sonst noch alles, was je ein boses Ende auf einer Autobahn genommen hatte. Manche sahen so real aus, wie es realer nicht sein konnte, wohingegen andere nur verschwommene Schemen waren, aber alle trugen die Male der Karambolagen und Brande ihres vorausgegangenen Endes. Zu zahlreich, um sie zu zahlen, verfolgten sie mich heulend in bosartigem Rudel, und ihre gespenstischen Motoren rohrten ubernaturlich laut. Schwarzer Schwefelrauch quoll aus ihren Auspuffen und Hollenfeuer brannten um ihre quietschenden Reifen. Die Phantomflotte, die Wilde Jagd moderner Zeiten, hungrig nach Seelen.
Der vorderste Wagen fuhr neben mich, hielt mein Tempo muhelos mit. Es war ein Hillman Minx aus den Sechzigern, die Front zerschmettert, die lange Motorhaube eingedruckt wie eine Ziehharmonika. Durch die gesprungenen Seitenfenster konnte ich erkennen, dass das Auto zum Bersten voll von grinsenden Ghulen und Damonen und Mutantenwesen war. Sie wanden sich wie Maden, die eine Wunde befallen, waberten und wechselten die Platze und pressten ihre schrecklichen Fratzen gegen die Scheiben, um mich auszulachen. Keine der Waffen des Hirondels konnte diesen Geschopfen etwas anhaben, denn sie waren nicht wirklich da: Nur Erinnerungen an Fahrzeuge, die einmal waren, und die Wesen von jenseits, die sie erneut in Besitz genommen hatten.
Ein weiterer Wagen kam nach vorn und fullte meinen Ruckspiegel aus. Irgendein gro?es, kastenartiges auslandisches Teil, gefahren von einem vornubergebeugten Damon mit riesigen, hervorquellenden Augen und einem Rachen voll nadelspitzer Zahne. Wieder und wieder druckte er auf die Hupe, und das tote Auto heulte wie unter Schmerzen. Der Damon trommelte mit seinen dornigen Handen auf dem Lenkrad herum, vollig gefangen in der Ekstase der Verfolgungsjagd. Und dann peitschte das Gespensterauto vor, fuhr durch das Heck des Hirondels und drang mit seiner toten Form in meinen Raum ein. Eine Welle ubernaturlicher Kalte ging seinem Vordringen voraus, die mir das Blut in den Adern gefrieren lie?. Das tote Auto zog auf dieselbe Hohe heran, bis seine gespenstischen Umrisse die des Hirondels uberlagerten, und dann legte mir der damonische Fahrer eine dornige Hand auf die Schulter, geisterte geradewegs durch meine Rustung und ergriff meine Seele. Ich schrie bei der blo?en Beruhrung. Der Damon
Aber meine Seele war mit meiner Rustung verbunden, vom Moment meiner Geburt an. Man konnte nicht das eine ohne das andere haben. Und zusammen waren sie starker als jedes verdammte tote Geschopf. Die zupackenden gespenstischen Finger rutschten langsam ab, unfahig, weiter festzuhalten. Ich traktierte das Gaspedal, und der Hirondel machte einen Satz nach vorn. Das Geisterauto fiel zuruck, und der Damon heulte emport, weil er um seine rechtma?ige Beute betrogen worden war. Wieder wallten die Schmerzen in meinem linken Arm auf, und ich umklammerte ihn. Der Schmerz bedeutete, dass ich am Leben war. Ich zwang meine linke Hand nach vorn und schlug auf den Notfallstandardknopf am CD-Player. Sofort begann das System eine Aufzeichnung des Exorzismusrituals zu ubertragen, gelesen vom letzten Papst im lateinischen Original. Die sonoren Worte drohnten aus den Autolautsprechern, und augenblicklich fuhr das Gespensterauto aus dem Hirondel aus. Um mich herum und hinter mir fiel die Phantomflotte unter entsetzlichem Kreischen zuruck. Einige waren unter der Wucht der heiligen Worte bereits in Auflosung begriffen, schwebten von dannen in langen, gespenstischen Dunststreifen. In meinem Ruckspiegel erschienen die dichten, wabernden Nebel wieder, und die Phantomflotte verschwand wieder in ihnen.
Ich fuhr weiter, selbst halb tot hinter dem Steuerrad, und eine Zeit lang hatte ich die Autobahn ganz fur mich allein.
Und dann, von oben, kamen die Fliegenden Wundertassen auf mich zu. Und ich war so verletzt und mude und uberhaupt stocksauer, dass ich nicht mal langsamer machte. Sollten sie ruhig kommen! Sollten sie ruhig alle kommen, jedes einzelne verfluchte Wesen von oben und unten und dazwischen! Ich hatte gerade einen Lauf und war sauer genug, um es mit der ganzen verdammten Welt aufzunehmen. Die Fliegenden Wundertassen sind hohere Magieanwender, die in fliegenden, untertassenformigen Artefakten, welche aus ionisierten Plasmaenergien bestehen, durch die Gegend gondeln, aus Grunden, die sie selbst am Besten kennen. Ich personlich denke, dass sie einfach gern angeben. Sie sind die Aasgeier der paranormalen Welt, sturzen herab, um die Siegesbeute von anderer Leute Schlachten aufzuheben und fortzutragen, was nicht niet- und nagelfest ist. Was, wenn Sie mich fragen, eigentlich ein ziemlich erbarmliches Verhalten ist fur eine Gruppe, die fur sich in Anspruch nimmt, auf die Beherrschung der Welt aus zu sein.
Erschopft schaute ich durch meine gesprungene Windschutzscheibe und blickte finster auf die Wundertassen, die durch den Himmel auf mich zuschossen. Das musste ein ganzes Geschwader der verfluchten
