Dinger sein! Zwanzig, vielleicht drei?ig, die breiten Untertassenformen so substanzlos wie Seifenblasen, die sich in verruckten Regenbogenfarben um die im Schneidersitz in der Mitte der Flugobjekte sitzenden Piloten konzentrierten. Ein ganzes Geschwader, dass am helllichten Tag auf mich zugerast kam, kuhn gemacht durch die Aussicht auf einen Preis wie die Seele Albions. Und so, wie ich sie kannte, hatten sie gewartet, bis alle anderen sich an mir versucht und mich geschwacht hatten, bevor sie sich selbst bemuht hatten. Ich merkte, wie unter meiner goldenen Maske mein Lacheln sich zu einem Totenkopfgrinsen verbreiterte. Ich mochte am Boden sein, aber ich war nicht k. o. Und ich hatte Waffen und Taktiken und schmutzige Tricks, die ich bis jetzt noch nicht einmal ausprobiert hatte.
Die Fliegenden Wundertassen sind gefahrlich, weil sie, wie die Familie, Wissenschaft und Zauberei gleicherma?en ernst nehmen. Sie nehmen beide Richtungen des Wissens bereitwillig an, zwei sehr unterschiedliche Doktrinen, und kombinieren sie auf unnaturliche und unerwartete Weisen, um ein Ganzes hervorzubringen, das weit gro?er als die Summe seiner Teile ist. Wie zum Beispiel die Plasmauntertassen: von Wissenschaft ersonnen, gesteuert von Magie. Sie kamen herangepfiffen, eine nach der anderen, wahrend sich die Zielerfassungscomputer auf meinen Wagen einschossen. Energiestrahlen krachten vor mir in die Stra?e und explodierten, und ich warf den Hirondel hierhin und dorthin und wich ihnen so gut es ging aus. Grelle Energien prasselten rings um mich und brannten lange, gezackte Adern in die Fahrbahn. Ein ganzer Begrunungsstreifen stand in Flammen, und ich musste den Hirondel uber eine breite Spalte springen lassen, die sich vor mir offnete.
Zu jedem anderen Zeitpunkt hatte ich mir angesichts so viel uberlegener Feuerkraft wahrscheinlich vor Angst in die Hosen gemacht, aber nach allem, was ich bereits durchgemacht hatte, waren die Untertassen eher lastig als sonst was.
Die Stra?e explodierte, direkt vor mir. Ich peitschte den Hirondel durch die Flammen und den Rauch, aber das linke Vorderrad tauchte in eine Spalte ein, und es riss mir das Lenkrad aus den Handen. Das Auto rotierte mit Ubelkeit erregender Geschwindigkeit in Spiralen uber die Autobahn, ehe es schlie?lich schleudernd zum Stehen kam. Ich sa? schlaff in meinem Sitz, bis sich in meinem Kopf nicht mehr alles drehte, und klopfte mir im Geiste auf die Schultern, weil ich, obwohl der Wagen ein Klassiker war, Sicherheitsgurte hatte einbauen lassen. Meine Rustung hatte mich vor der jahen Geschwindigkeitsabnahme und vermutlich auch vor einem echt fiesen Schleudertrauma bewahrt, aber ganz schon schwindlig war mir immer noch. Und mein verletzter Arm fuhlte sich schlimmer an denn je. Gott allein wusste, welchen Schaden der Elbenpfeil in meinem Organismus anrichtete.
Ich uberprufte den Wagen. Aus der Motorhaube stieg Rauch auf, was nie ein gutes Zeichen ist, aber es schien noch alles zu funktionieren. Ich uberlegte, ob ich den EMP-Generator einsetzen sollte, aber ich war mir ziemlich sicher, dass die Konstrukteure der Wundertassen sie dagegen abgeschirmt hatten. Ich an ihrer Stelle hatte es jedenfalls. Womit nur noch eine Moglichkeit blieb … den Mull auf die altmodische Art rausbringen.
Ich offnete meinen Sicherheitsgurt, druckte die Tur auf, und halb krabbelte, halb fiel ich aus dem Auto. Ich stemmte mich in eine aufrechte Position, indem ich den Gro?teil meines Gewichts gegen die Wagentur lehnte, und das schwere Metall zerknitterte unter dem Druck meiner goldenen Finger. Ich zuckte zusammen. Das spater auszubeulen wurde hollisch viel Arbeit machen. Ich richtete mich auf, gro? und gerade, wobei ich die ganze Unterstutzung der Rustung in Anspruch nahm, und ging mit langen Schritten uber die Autobahn, den herannahenden Wundertassen entgegen. Die erste hielt im Sinkflug auf mich zu, bis sie fast den Boden streifte, und nahm mich mit ihren Bordwaffen unter Beschuss. Und ich zog meinen Repetiercolt und schoss der Fliegenden Wundertasse in den Kopf. Er hatte sein Luftfahrzeug gegen EMPs, Energiewaffen und magische Attacken geschutzt, aber sich einer schlichten Bleikugel gegenuberzusehen, damit hatte er nicht gerechnet. Gelenkt von der unnaturlichen Natur der Waffe, durchschlug die Kugel samtliche Schilde des Piloten und blies ihm den Kopf weg, bevor er auch nur wusste, wie ihm geschah. Die Untertasse fiel wie ein Stein, schlitterte uber die Autobahn, in der sie tiefe Narben hinterlie?, und explodierte schlie?lich in einem Regenbogen sich zerstreuender Energie. Langsam drehte ich mich um, und dann schoss ich jede einzelne Fliegende Wundertasse vom Himmel, eine nach der anderen. Selbst diejenigen, die kehrtmachten und die Flucht ergriffen.
Mit meiner letzten Kugel zielte ich sehr sorgfaltig, und der Colt schoss dem Piloten in den Bauch. Seine Untertasse kam schlingernd und taumelnd herunter und machte schlie?lich nur ein paar Meter von mir entfernt eine Bruchlandung. Die Untertassenform flackerte, erlosch, flackerte wieder auf, wobei die Farben wie ein Olfilm um ihre Oberflache herumwirbelten, und dann brach die Form zusammen, weil sie nicht mehr vom Willen des Piloten zusammengehalten wurde. Und alles, was ubrig blieb, war ein uberraschend gewohnlich aussehender Mann, der blutuberstromt und um seine Wunde zusammengekrummt auf dem Seitenstreifen lag.
Ich ging zu ihm hin, packte ihn an der Schulter und warf ihn auf den Rucken herum. Er schrie erbarmlich vor Schmerzen, und dann schrie er noch einmal vor Schreck und Entsetzen, als er die golden gepanzerte Gestalt uber sich stehen sah. Ich hatte die Tarnkappenfunktion aufgehoben; ich wollte, dass er mich sah. Die ganze Vorderseite seiner Jacke war mit seinem Blut getrankt. Ich stellte einen gepanzerten Fu? auf seinen Bauch, nur leicht. Ohne zu drucken - vorlaufig. Er lag sehr still und blickte aus gro?en, verangstigten Augen zu mir auf. Wie ein Stuck Rotwild, das am Ende der Jagd erlegt worden war.
»Rede!«, forderte ich ihn auf. »Und ich werde dich um Hilfe rufen lassen.«
»Ich kann nicht …«
»Rede! Du musst hier nicht sterben. Du musst nicht langsam und schrecklich sterben …«
»Was wollen Sie wissen?«
Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich bluffte. Ziemlich sicher. Aber der Ruf der Droods reicht weit. Ich druckte meinen Fu? ein bisschen runter, und er brullte, bis ihm das Blut aus dem Mund spritzte.
»Was zum Teufel denkst du will ich wohl wissen?«, fragte ich ihn.
»Schon gut, schon gut! Jesus, immer mit der Ruhe, Mann! Der Kampf ist vorbei, okay? Schauen Sie, wir wollten nur die Seele Albions, verstehen Sie? Wir bekamen Anweisungen, samtliche Details, alles, was wir wissen mussten, um Sie ausfindig zu machen, und eine Garantie, dass Ihnen niemand zur Hilfe kommen wurde. Die Informationen kamen … von der Drood-Familie. Tun Sie mir nichts! Ich sage die Wahrheit, das schwore ich! Wir bekamen die Nachricht von jemand hoch oben in der Familie. Ich wei? nicht genau, warum; ich selbst stehe nicht hoch genug in der Organisation, als dass mir derartige Informationen anvertraut wurden. Ich bin nur ein Pilot!«
Ich dachte uber das Gehorte nach, wahrend der Pilot sehr still unter meinem gepanzerten Fu? lag. Er atmete schwer; der Schwei? trankte sein farbloses Gesicht. Er hatte zu viel Angst, um zu lugen. Jemand in der Familie wollte meinen Tod, wollte ihn so sehr, dass er bereit war, dafur die Seele Albions selbst zu opfern … Warum? So wichtig war ich doch gar nicht. Ich schaute auf den Piloten herab, um ihn noch weiter auszufragen, aber er war tot. Ich konnte mich nicht dazu bringen, mich deswegen schlecht zu fuhlen. Hatte er mich tot gesehen, er hatte keinen weiteren Gedanken daran verschwendet.
Ich ging zuruck zum Hirondel. Er war versengt und von Flammen und Rauch geschwarzt, von Kugeln vollig durchlochert, und von der Motorhaube hatte sich die meiste Farbe verabschiedet … aber im Wesentlichen schien er noch unversehrt. Ganz wie ich eigentlich. Ich beugte mich durch die offene Tur ins Innere und fischte das mit Blei ausgekleidete Behaltnis der Seele heraus. So viel Tod und Zerstorung wegen so einem kleinen Ding! Ich offnete die Schatulle, um nachzusehen, ob alles in Ordnung war, und die Seele war nicht da. In dem roten Pluschsamt lag ein sehr einfaches Zielsuchgerat, das meine Ortung an alle und jeden ausposaunte. Ich nahm es heraus und zerquetschte es in meiner goldenen Faust.
Ich hatte die Seele Albions nie gehabt. Irgendwo hatte jemand einen Austausch vorgenommen. Und der einzige Weg, wie das hatte geschehen konnen … war mit der Billigung der Matriarchin. Sie hatte sofort gewusst, wenn der Seele etwas zugesto?en ware. Und wenn sie von dem Zielsuchgerat wusste, wusste sie von allem. Auf einmal ergab alles Sinn. Nur die Matriarchin konnte es arrangiert haben, dass ein so langer Autobahnabschnitt gesperrt wurde, und gleichzeitig dafur sorgen, dass das ganze Durcheinander anschlie?end beseitigt wurde. Die Matriarchin hatte mich auf ein fruchtloses Unterfangen geschickt, mich hier rausgeschickt, damit ich den Tod fande. Meine eigene Gro?mutter hatte mich den Wolfen vorgeworfen. Aber wieso? Wieso sollte sie das tun?
Ich rustete ab und keuchte, als die rauchgeschwangerte Luft auf mein blo?es Gesicht traf. Ich sah mir meinen linken Arm an, der schlaff an meiner Seite herabhing. Blut durchtrankte die gesamte Lange des Armels und tropfte von meinen tauben Fingerspitzen. Ich untersuchte den Pfeilschaft, der aus dem Fleisch meiner Schulter ragte. Das Metall war ein glanzendes Silber, das sogar im hellen Sonnenlicht schimmerte und strahlte. Es gab keine Federn; ein Pfeil wie der hier brauchte keine, um genau zu fliegen. Ich musste es der Familie mitteilen: Das Elfenvolk hatte eine Waffe gefunden, die unsere Rustung durchdringen konnte. Nur dass ich es ihnen nicht
