dann von rechts. Der Hirondel absorbierte die Sto?e und fuhr einfach weiter. Robuster alter Wagen. Ich konnte sehen, wie die Toten in ihren Fahrersitzen schwankten und ihre augenlosen Kopfe hin und her baumelten. Ein anderer AUTOpsist rammte den Hirondel von hinten und warf mich in meinen Sitz zuruck. Noch zwei Sto?e, rechts und links, harter jetzt. AUTOpsisten spielen gern mit ihrem Fressen. Der zu meiner Linken offnete langsam die Haube; hohnisch hob sich das blutrote Metall und zeigte mir einen rosa glitzernden Rachen und Reihen mahlender Stahlzahne in seinem Innern. Er war hungrig, und er lachte mich aus.
Unter dem Schutz meiner goldenen Rustung schwitzte ich. Ich spurte, wie es mir ubers Gesicht lief. Ich war mir ziemlich sicher, dass das lebende Metall den AUTOpsisten gewachsen war, aber es konnte nichts tun, um den Hirondel zu beschutzen. Und ich brauchte den Wagen, wenn ich die Seele sicher nach Stonehenge schaffen wollte, das noch eine gute Autostunde schneller Fahrt entfernt war. Schon konnte ich feststellen, wie die Auswirkungen der Nahe der AUTOpsisten sich am Hirondel manifestierten: Jeder Teil des Wagens sah alter, matter, ja sogar schabig aus. AUTOpsisten konnten wie Blutsauger jedem Auto die Lebenskraft entziehen, seinen Alterungsprozess beschleunigen, bis seine Funktionen versagten oder es infolge von Materialermudung auseinanderzufallen begann. Und dann drangten die AUTOpsisten es von der Stra?e ab und taten sich an Fahrer und Insassen gutlich. AUTOpsisten existieren, indem sie andere Autos austrocknen, aber noch mehr als das lieben sie ihre menschliche Beute.
Es sind Fleischjunkies.
Der Hirondel war mit zahlreichen Extras ausgestattet, aber letzten Endes war er doch nur ein Auto und so verwundbar wie jedes andere Auto auch. Und die AUTOpsisten kamen verdammt dicht heran. Sie stie?en und rammten mich jetzt fast unaufhorlich von beiden Seiten, rempelten mich an wie Schlager auf dem Schulhof, nur weil es ihnen Spa? machte. Zeit, ihnen zu zeigen, wer hier der Achthundert-Pfund-Gorilla war. Ich lie? meine linke Hand uber die spezielle Kontrolltafel des Waffenschmieds wandern. Ich bezweifelte, dass der EMP bei den AUTOpsisten funktionieren wurde, selbst wenn er sich inzwischen wieder aufgeladen hatte; sie waren zu anders, zu fremdartig, zu lebendig. Also setzte ich stattdessen die ruckwartigen Flammenwerfer ein. Zwei Strome tobenden Feuers schossen aus dem Heck des Hirondels, und ein dichter Flammensturm hullte den AUTOpsisten hinter mir ein. Das Damonenauto schrie gellend, warf sich wild von Seite zu Seite und fiel zuruck. Das Feuer hatte es ergriffen; der AUTOpsist brannte lichterloh, und Rauch und Flammen schlugen in den Himmel.
Ich stieg hart auf die Bremse und die Reifen des Hirondels kreischten, als meine Geschwindigkeit um die Halfte sank. Die beiden AUTOpsisten rechts und links von mir schossen uberrumpelt an mir vorbei, und ich eroffnete das Feuer auf sie mit der Elektrokanone, die direkt uber der vorderen Sto?stange angebracht war. Mit einer Aussto?rate von tausend Schuss pro Sekunde bestrichen Explosivnadelgeschosse beide Autos und durchsiebten das Damonenmetall. Ein AUTOpsist explodierte und uberschlug sich Heck uber Front entlang der Autobahn, bis er schlie?lich rutschend zum Stillstand kam. Der andere setzte seinen Weg in Schlangenlinien fort und hinterlie? lange Ol- und Blutspuren. Ich hielt weiter mit dem Bordgeschutz drauf, bis auch er schlie?lich explodierte und sich auf der anderen Seite des Seitenstreifens ins Gras bohrte.
Drei erledigt, blieben noch drei.
Aber die anderen AUTOpsisten hatten genug. Sie machten langsamer und nahmen die nachste Ausfahrt, nicht gewohnt an Beute, die zuruckschlug. Ich brauste weiter und uberprufte mein Inventar. Die Flammenwerfer hatten den Gro?teil ihres Brennstoffs aufgebraucht, die Kanone hatte fast keine Munition mehr, aber der EMP war wieder voll aufgeladen und einsatzbereit. Ich durchstoberte das Handschuhfach nach meinen Karten. Jetzt, wo meine Deckung aufgeflogen war, musste ich so schnell wie moglich von der Autobahn runter, die Seitenstra?en und umstandlichen Routen benutzen, die ein Feind vielleicht nicht kannte. Und ich musste anhalten und ein Festnetztelefon finden, damit ich meine Familie kontaktieren und sie wissen lassen konnte, was passiert war. Meinem Handy konnte ich nicht trauen; meine Feinde zapften vielleicht das GPS an. In einer verflixt verpfuschten Lage wie dieser war ich mir nicht zu schade, um Verstarkung zu bitten. Und dann gingen die Alarme des Wagens erneut los, und als ich aufsah, erblickte ich Elbenlords, die auf ihren Drachen auf mich zugeflogen kamen.
Mit Elben hatte ich rechnen mussen. Sie wurden ihre Seelen verkaufen, die sie nicht haben, um die Seele Albions in die Finger zu kriegen, um mit ihrer Hilfe die Menschen zu vernichten, die sie von den uralten Besitztumern ihrer Vorfahren vertrieben hatten. Nicht durch Krieg oder Zermurbung, sondern einfach, indem sie sich schneller vermehrt hatten. Die Elben hassen uns, weil wir durch Mogelei gewonnen haben. Ich konnte ihr Gelachter im Wind horen, kalt und grausam und kaprizios.
Es waren zwanzig Drachen, und keiner davon war das wurdevolle, romantische Tier der Mythen und Legenden. Das hier waren gro?e Wurmer, zehn bis zwolf Meter lang, mit nassen, glanzenden, segmentierten Leibern und machtigen membranosen Fledermausflugeln. Sie drangten sich mit roher Gewalt durch den Himmel, hasslich und unruhmlich; ihre platten Gesichter bestanden aus einem Ring dunkler, ungeruhrter Augen, die ein Saugmaul wie das eines Neunauges umgaben. Rittlings auf ihren dicken Halsen, in altertumlichen Satteln, die mit gegerbter Menschenhaut bezogen waren, sa?en die Elbenlords und -ladys. Schon und erhaben, bosartig und gemein, menschlich von Gestalt, doch nicht von Denken, ritten sie mit Lachen auf ihren farblosen Lippen zum Gemetzel und sangen uralte Jagdlieder uber die Herrlichkeit des Leidens und des Totens.
Sie kamen direkt auf mich zu und bewegten sich so schnell, dass sie erst uber und dann hinter mir waren, bevor ich auch nur Zeit hatte zu reagieren. Sie schossen durch die Lufte, die Meute in wilder Jagd, und die Lords und Ladys schleuderten mit ihren blo?en Handen Blitze auf mich herab. Die Blitze schlugen vor mir in der Stra?e ein, sprengten Krater heraus und rissen den Stra?enbelag auf. Ich druckte den Fu? aufs Gas und riss den Wagen hin und her, um den gro?eren Lochern auszuweichen. Die Drachen pflugten uber und neben mir durch die Luft, nahmen sich Zeit, genossen die Jagd. Erprobten, wie dicht sie ans Auto herankommen konnten, ohne es dabei zu beruhren. Die fortwahrenden Explosionen der Blitze waren ohrenbetaubend und das glei?ende Licht so hell, dass ich vorubergehend geblendet war, sogar durch den Schutz der Rustung. Ich konnte horen, wie der Motor des Hirondels das Letzte aus sich herausholte. Ich versuchte zu uberlegen, was ich hatte, womit ich die Elben und ihre Drachen oben im Himmel erreichen konnte. Ein Blitzstrahl traf die Motorhaube des Hirondels und sprengte in einem Augenblick die gesamte Farbe weg, und unter dem Einschlag verriss es den Wagen, sodass er blindlings uber den Mittelstrich und wieder zuruck geschleudert wurde. Nur die gepanzerte Kraft in meinen Handen hielt das Lenkrad unter Kontrolle, auch wenn dieses selbst allmahlich zu einer formlosen Masse wurde.
Ein Drache und sein Reiter kamen direkt auf mich zugeflogen, nur ein paar Fu? uber der Stra?e. Zuerst fragte ich mich, ob er vorhatte mich zu rammen, aber dann sah ich, wie er einen Pfeil auf seinen Bogen legte, und ich lachelte. Ein Pfeil gegen meine Rustung. Na klar doch! Ich streckte die Hand nach dem Schalter fur die Elektrokanone aus, um ihn aus dem Weg zu pusten. Der Elbenlord lie? seinen Pfeil los. Und wahrend meine Hand noch uber dem Schalter schwebte, durchschlug der Pfeil meine Windschutzscheibe und meine wunderbare goldene Rustung und bohrte sich in meine linke Schulter. Ich wurde in meinem Sitz nach hinten geworfen und schrie vor Schock und Schmerz auf und lie? sogar einen Moment lang das Lenkrad los, um den Pfeilschaft mit beiden Handen zu greifen. Er ruhrte sich keinen Millimeter. Der Wagen schlitterte uber die Fahrspuren. Ich zerrte noch einmal an dem Pfeil und schrie vor unertraglichen Schmerzen auf, aber ich konnte ihn nicht bewegen. Der zusatzliche Schmerz machte mir den Kopf frei wie ein Eimer kaltes Wasser ins Gesicht, und ich packte das Steuerrad und brachte den Hirondel wieder in meine Gewalt.
Ich keuchte schwer, und unter meiner goldenen Maske lief mir der Schwei? in Stromen ubers Gesicht. Ich konnte fuhlen, wie mir unter meiner Rustung das Blut uber Arm und Brust stromte. Jede Bewegung, jeder Atemzug wurde von einem neuerlichen Schmerzsto? begleitet. Ich biss die Zahne zusammen, bis mir die Kiefer wehtaten. Ich stand immer noch unter Schock, und das nicht nur wegen der Schmerzen. Meine Rustung war unverwundbar. Undurchdringlich. Jeder wusste das. Die Starke der lebenden Rustung war die Starke der Familie. Sie ermoglichte unsere Arbeit, weil keiner unserer Feinde uns etwas anhaben konnte, solange wir das lebende Metall trugen. Nur dass der silberne Schaft, der aus meiner Schulter ragte, ein ziemlich uberzeugendes Argument fur das Gegenteil war. Das sah den Elben ahnlich, dass sie einen Weg gefunden hatten, uns zu verletzen! Der Schmerz hammerte in meinem Kopf und storte mich beim Denken, und es bedurfte meiner ganzen Selbstbeherrschung, ihn beiseitezuschieben und mich zu konzentrieren. Es musste doch einen Ausweg aus dieser Situation geben! Ich durfte die Seele Albions nicht preisgeben. Und uberhaupt, der Teufel sollte mich holen, wenn ich mich von einem Haufen versnobter, arroganter Elben besiegen lie?!
Ich fuhr weiter, das Gaspedal durchgedruckt, und blinzelte den Schwei? aus meinen Augen. Mein linker Arm war vollig taub und hing schlaff an der Seite herab. Ich untersuchte den Pfeilschaft, der aus meiner gepanzerten Schulter ragte. Er bestand aus einem seltsamen, silbrigen Metall, das schwach leuchtete. Gott allein wusste, aus welchen fernen Dimensionen die Elben es geraubt hatten in dem verzweifelten Verlangen, die eine Substanz zu
