Blickfeld der Kamera, wobei sie die Hande der mittleren Gliedma?en benutzte, weil das die einzigen waren, auf denen sie noch Handschuhe trug. Von der Rhabwar kam keine Reaktion.
„An den Wanden und der Decke sind gro?e, unregelma?ige Klumpen aus einer schwammartigen oder pflanzlichen Substanz befestigt“, setzte Cha Thrat ihren Bericht fort und drehte sich so, da? die anderen durch die Bilder der Kamera, wie undeutlich auch immer, das sehen konnten, was sie zu beschreiben versuchte. „Soweit ich es erkennen kann, hat jeder Klumpen eine andere, wenn auch sehr zarte Farbe, und unter allen befindet sich ein kurzes, gepolstertes Brett.
Dicht uber dem Boden sehe ich drei schmale, rechteckige Klappen, deren Gro?e und Lage denen in den Schlafsalen entspricht“, fuhr sie fort. „Diese Fladen, oder was auch immer, sind im ganzen Raum verteilt, aber ich kann etwas Gro?es erkennen, das in einer Ecke nahe der Decke schwebt. Es ist der FGHJ!“
„Ich verstehe nicht, warum der nicht von den Sensoren angezeigt wird“, wunderte sich Fletcher. Er gehorte zu jener Sorte Captain, die hartnackig von der ihr unterstehenden Besatzung und der Ausrustung Hochstleistungen verlangte und schlechte Arbeit von einer der beiden Seiten als personliche Beleidigung auffa?te.
„Gute Arbeit, meine Freundin“, lobte Prilicla sie begeistert. „Jetzt schnell! Bringen Sie ihn zur Tur, damit wir ihn auf die Trage legen konnen. Wir sind gleich bei Ihnen. Wie ist der allgemeine Gesundheitszustand?“ Cha Thrat naherte sich dem Alien und fegte weitere Fladen aus dem Weg. „Ich kann keine einzige korperliche Verletzung entdecken, nicht einmal eine kleine Prellung oder au?ere Anzeichen fur eine Krankheit“, berichtete sie. „Aber dieser FGHJ ist nicht wie die anderen. Er macht einen viel hagereren und weniger muskulosen Eindruck. Die Haut wirkt dunkler und faltiger, und die Hufe sind ausgeblichen und an mehreren Stellen eingerissen. Die Korperhaare sind grau. Ich. ich glaube, das ist ein viel alterer FGHJ, vielleicht der Herrscher des Schiffs. Womoglich hat er sich hier versteckt, um so dem Schicksal der ubrigen Besatzungsmitglieder zu entgehen und.“
Sie brach mitten im Satz ab.
„Meine Freundin, weshalb diese Empfindungen? Was ist Ihnen passiert?“ erkundigte sich Prilicla besorgt.
„Mir ist nichts passiert“, antwortete sie und bemuhte sich, ihre Enttauschung zu zugeln. „Ich habe den FGHJ jetzt. Es gibt keinen Grund zur Eile. Er ist tot.“
„Na bitte! Das erklart auch, warum ihn meine Sensoren nicht angezeigt haben“, stellte Fletcher fest.
„Freundin Cha Thrat“, sagte Prilicla, ohne den Einwurf des Captains zu beachten, „sind Sie sich dessen auch ganz sicher? Ich kann immer noch die Ausstrahlung eines in tiefer Bewu?tlosigkeit schwebenden Verstands wahrnehmen.“
Cha Thrat zog den FGHJ auf sich zu, damit sie die Hande ihrer Oberarme benutzen konnte, und entgegnete dann: „Die Korpertemperatur ist sehr niedrig. Die Augen sind geoffnet und reagieren nicht auf Licht. Die ublichen Lebenszeichen fehlen. Tut mir leid, der FGHJ ist tot und.“ Sie lie? den Satz unvollendet, um einen genaueren Blick auf den Kopf des Aliens zu werfen. „Und ich glaube, ich wei? jetzt, woran er gestorben ist!“ fuhr sie aufgeregt fort. „Sein Nacken! Konnen Sie den sehen?“
„Nein, jedenfalls nicht deutlich“, antwortete Prilicla schnell, der offenbar Cha Thrats wachsende Aufregung und Angst spurte. „Einer dieser scheibenformigen Gegenstande ist im Weg.“
„Aber genau der ist ja die Todesursache!“ rief Cha Thrat. „Zuerst dachte ich, eine dieser Scheiben sei gegen die Leiche gesto?en und am Kopf hangengeblieben. Aber das war ein Irrtum. Die Scheibe hat sich absichtlich mit diesen dicken wei?en Ranken, die Sie am Rand sehen konnen, an den FGHJ geheftet. Jetzt, wo ich mich danach umsehe, kann ich die Ranken bei allen Scheiben erkennen, und nach der Lange zu urteilen, mussen sie sehr tief in die Wirbelsaule und den Hinterkopf der Leiche eingedrungen sein. Diese Scheibe ist oder war am Leben und konnte dafur verantwortlich gewesen sein, da? wir.“
„Cha Thrat!“ schnitt ihr Fletcher in scharfem Ton das Wort ab. „Nichts wie raus da!“
„Sofort!“ fugte Prilicla hinzu.
Au?erst behutsam lie? Cha Thrat den toten FGHJ los, nahm ihre Kamera ab und heftete sie mit den Magnethaltern an eine freie Stelle an der Wand. Sie wu?te, da? sich das medizinische Team diese sonderbare und absto?ende Lebensform, von dem das Alienschiff heimgesucht worden war, gerne genau ansehen wurde, bevor man eine Entscheidung treffen wollte, wie man mit ihr verfahren sollte. Dann wandte sie sich dem Eingang zu, der plotzlich sehr weit entfernt zu sein schien.
Zwischen ihr und der Tur schwebten die Scheiben dicht an dicht wie ein fremdartiges Minenfeld. Einige bewegten sich noch immer langsam in den Luftwirbeln, die Cha Thrats Eintreten oder die Schlage hervorgerufen hatten, mit denen sie von ihr so lassig zur Seite gesto?en worden waren, vielleicht trieben sie sich aber auch durch Eigendrehungen an. Sie boten sich dem Auge von allen Seiten dar: mit der glatten Oberflache der gesprenkelten Seite, der grauen und faltigen Ruckseite und den mit schlaffen, wei?en Ranken besetzten Randern.
Cha Thrat war so mit der Suche nach einem lebenden FGHJ beschaftigt gewesen, da? sie sich die Scheiben, die von ihr irrtumlich fur im Raum schwebende Fladen zum Essen oder getrocknete Ausscheidungsstoffe gehalten worden waren, kaum angesehen hatte. Sie wu?te immer noch nicht, worum es sich bei ihnen handelte, sondern nur, wozu sie imstande waren — namlich zur volligen Zerstorung der erstklassig geschulten und intelligenten Gehirne ihrer Opfer, denen sie nichts lie?en als die grundlegenden und rein instinktiven Reflexe von Tieren.
Bei der Vorstellung eines Raubtiers, das seine Beute nicht verschlingt und ihr keinen korperlichen Schaden zufugt, sondern sich mit ihrer Intelligenz vollfri?t, hatte sich Cha Thrat am liebsten in den Wahnsinn gefluchtet. Sie hatte rasende Angst, noch einmal eine der Scheiben zu beruhren, aber es waren zu viele, als da? sie es hatte verhindern konnen. Sollte ihr jedoch eine in die Quere kommen, entschlo? sich Cha Thrat grimmig, dann wurde sie diese mit aller Kraft beruhren oder richtiger, sie zerschlagen.
In ihrem Kopfhorer erklang die freundliche, beruhigende Stimme Priliclas. „Sie haben Ihre Angst gut unter Kontrolle, meine Freundin“, lobte er sie. „Bewegen Sie sich jetzt langsam und vorsichtig, und machen Sie keine.“
Als plotzlich ein hoher, durchdringender Ton aus ihrem Kopfhorer gellte, der anzeigte, da? zu viele Leute gleichzeitig zu ihr sprachen und damit den Translator uberlasteten, fuhr sie zusammen. Aber die Sprecher mu?ten sofort gemerkt haben, was geschehen war, denn der Ton wurde wieder schwacher und verhallte schlie?lich, bis nur noch eine Stimme ubrigblieb, die des Captains.
„Cha Thrat, hinter Ihnen!“
Aber da war es schon zu spat.
Ihre gesamte Aufmerksamkeit war nach vorne und zu den Seiten gerichtet gewesen, wo die gro?te Gefahr lag. Als sie die erstaunlich leichte Beruhrung spurte, der ein Taubheitsgefuhl im Nacken folgte, dachte ein kuhler, distanzierter Teil ihres Verstands, da? es sehr rucksichtsvoll von dem Wesen sei, die Stelle vor dem Einfuhren der Ranken zu betauben. Sie verdrehte ein Auge nach hinten, um zu sehen, was dort vorging, und hob instinktiv die Hande der Oberarme, um die Scheibe wegzuschieben, die sich vom toten FGHJ gelost und sich an sie geheftet hatte. Aber ihre Hande tasteten nur schwach umher, die Finger verloren schlagartig alle Kraft, und die Arme fielen schlaff nach unten.
Andere Teile ihres Korpers versagten den Dienst oder fingen an, unkontrolliert und unkoordiniert zu zucken, wie man es allenfalls bei einem Lebewesen mit einem ernsthaften Gehirnschaden beobachten konnte. Dem gelassenen, unbeteiligten Teil ihres Verstands kam der Gedanke, da? ihr Zustand fur ihre Freunde kein angenehmer Anblick sein mu?te.
„Wehren Sie sich, Cha Thrat!“ schrie Murchisons Stimme aus dem Kopfhorer. „Was es auch mit Ihnen anstellt, wehren Sie sich! Wir sind auf dem Weg!“
Cha Thrat vernahm zwar den besorgten Unterton in der Stimme der Pathologin und war ihr dafur dankbar, doch die Zunge gehorte zu den Organen, die im Moment gerade nicht funktionierten, weil ihr der Mund wie zugeschnurt war. Alles in allem befand sie sich in einem Zustand betrachtlicher physiologischer Verwirrung, da die Muskeln nicht mit dem unkontrollierten Zucken aufhoren wollten, der Korper sich in der Schwerelosigkeit in Krummungen hin und her wand und wahllos verschiedene Bereiche der Haut von Hitze- und Kalteschauern, Schmerz- und Lustgefuhlen befallen wurden. Sie wu?te, da? das Wesen gerade ihr zentrales Nervensystem erkundete und herauszufinden versuchte, wie ihr sommaradvanischer Korper funktionierte, damit es sie kontrollieren konnte.
Ganz allmahlich lie?en die Zuckungen und Verrenkungen und selbst die Angst nach und verschwanden schlie?lich vollig, und plotzlich war Cha Thrats Korper in der Lage, den unterbrochenen Weg fortzusetzen. Die Kameralinse folgte ihr mit einem Schwenk. Als sie die Tur erreichte, schlug sie sie zu und verriegelte sie mit
