Korper zuruckerlangen, aber ich habe mich entschlossen, das nicht zu tun, weil ich es nicht riskieren will, die geistige Verbindung durch zu langes Sprechen abzubrechen. Ich mochte, da? Chefarzt Prilicla und Pathologin Murchison so schnell wie moglich zu mir kommen. Die FGHJs sind im Moment nicht wichtig, genausowenig wie das Betaubungsmittel oder die Suche nach dem anderen Uberlebenden, denn der.“
„Nein!“ schrie Fletcher dazwischen, und seine Stimme klang, als ob ihm jeden Moment ubel werden wurde. „Diese Dinger sind mit allen Wassern gewaschen. Merken Sie denn nicht, wie hinterhaltig die versuchen, Cha Thrat dazu zu bringen, uns erst in Sicherheit zu wiegen, um uns dann zu sich hinuberzulocken? Wenn Sie beide erst mal in deren Gewalt sind, wird es bestimmt noch bessere Grunde geben, da? der Rest von uns zu Ihnen kommt oder Sie darauf bestehen, zuruckzukehren, um die gesamte Besatzung der Rhabwar in den gleichen Zustand zu versetzen wie die FGHJs. Nein, es wird keine weiteren Opfer geben.“
Cha Thrat versuchte, diese Einwande zu uberhoren, da sie in ihrem Kopf zu Gedankengangen fuhrten, die den Neuankommling beunruhigten und von einer echten Verstandigung mit ihr abhielten. Ganz vorsichtig hob sie die hintere Mittelgliedma?e und beugte sie so, da? der gro?e Finger auf die Scheibe deutete, die ihr am Nacken klebte.
„Das hier ist der Uberlebende“, behauptete sie, „der einzige Uberlebende.“
Auf einmal empfand der Fremde in ihrem Kopf eine ungeheure Befriedigung und Beruhigung, als ware er uberglucklich, endlich seine Notlage erfolgreich verstandlich gemacht zu haben. Wie Cha Thrat feststellte, konnte sie jetzt auch sprechen, ohne dabei die Angst zu spuren, da? er sich von ihr losen, eingehen und vielleicht sterben konnte.
„Er ist schwer krank“, fuhr Cha Thrat fort, „konnte aber, als ich den Raum betreten habe, fur einen kurzen Augenblick das Bewu?tsein und die Bewegungsfahigkeit wiedererlangen. In diesem Moment entschlo? er sich zu einem letzten verzweifelten Versuch, fur seine Freunde und die ihrer Verantwortung unterstehenden Wirtswesen Hilfe zu beschaffen. Die ersten, ungeschickten Bemuhungen, Kontakt herzustellen, waren der Grund fur die unkoordinierten Bewegungen meiner Gliedma?en. Da? er der einzige Uberlebende ist, hat der Alien erst in den vergangenen Minuten bemerkt.“
Niemand, nicht einmal der Captain, sagte jetzt ein Wort. „Deshalb brauche ich Prilicla zur Uberwachung der emotionalen Ausstrahlung des Aliens aus nachster Nahe“, fuhr Cha Thrat fort, „und Murchison zur Untersuchung der toten Freunde des Aliens, weil ich hoffe, da? sie die Todesursache feststellt und eine Behandlungsmethode findet, bevor der Alien nicht mehr zu heilen ist.“
„Nein“, widersprach der Captain erneut mit Vehemenz. „Die Geschichte klingt zwar gut und insbesondere fur einen Haufen ET-Arzte faszinierend, aber das konnte dennoch ein Trick sein, um weitere Besatzungsmitglieder der Rhabwar unter geistige Kontrolle zu bekommen. Tut mir leid, Cha Thrat, aber das konnen wir nicht riskieren.“
„An dem, was Freund Fletcher gesagt hat, ist etwas dran“, raumte Prilicla ein. „Und Sie wissen ja selbst, meine Freundin, da? die Einwande des Captains berechtigt sind, schlie?lich haben Sie mit eigenen Augen den geistlosen Zustand gesehen, in dem die FGHJs von diesen Kreaturen zuruckgelassen worden sind. Nein, meine Freundin, mir tut es ebenfalls leid.“
Nun schwieg wiederum Cha Thrat, wahrend sie eine fur alle befriedigende Losung zu finden versuchte. Irgendwie hatte sie vom Empathen eine derartige Harte nicht erwartet.
Schlie?lich sagte sie: „Korperlich ist der Alien vollig entkraftet, und ich konnte ihn ganz leicht abnehmen, um Ihnen zu zeigen, da? er keine Gewalt uber meinen Korper hat, aber durch solch eine Ma?nahme wird er womoglich sterben. Wenn ich jedoch beweisen wurde, da? ich mich normal bewegen kann, indem ich diesen Raum verlasse und mich vier Decks nach unten begebe, wo wir nicht von der emotionalen Ausstrahlung der FGHJs gestort werden, und den Alien eindringlich bitten wurde, bis dahin bei Bewu?tsein zu bleiben, konnte dann der Cinrussker mit seinen empathischen Fahigkeiten feststellen, ob die emotionale Ausstrahlung des Aliens die eines hochintelligenten und zivilisierten Lebewesens oder die eines Raubtiers ist, das einem die Vernunft stiehlt und Sie da druben anscheinend in Angst und Schrecken versetzt?“
„Vier Decks weiter unten hei?t, da? sie dann nur noch ein Deck uber dem Bordtunnel ist und von dort aus.“, begann der Captain, doch Prilicla schnitt ihm das Wort ab.
„Wenn ich der betreffenden Lebensform nahe genug ware, konnte ich solch einen Unterschied durchaus wahrnehmen, Freundin Cha Thrat. Wir treffen uns dort gleich direkt vor Ort.“
Aus Cha Thrats Translator kam erneut ein Heulen. Als es langsam nachlie?, sagte Prilicla gerade: „Freund Fletcher, als ranghochster medizinischer Offizier an Bord habe ich die Pflicht, mich davon zu uberzeugen, ob es sich bei der Lebensform, die sich an Cha Thrat geheftet hat, um den Patienten oder um die Krankheit handelt! Da jedoch gerade meine Spezies in der Foderation fur ihre Angstlichkeit und Feigheit bekannt ist, werde ich alle nur erdenklichen Vorsichtsma?nahmen ergreifen. Freundin Cha Thrat, stellen Sie die Kamera so ein, da? wir sehen konnen, ob irgendeins dieser Lebewesen versucht, den Raum zu verlassen und Ihnen zu folgen. Falls das auch nur ein Wesen tut, werde ich sofort zur Rhabwar zuruckkehren und den Bordtunnel schlie?en. Haben Sie das verstanden?“
„Ja, Doktor“, bestatigte Cha Thrat.
„Sollte irgend etwas Verdachtiges vorgehen, wahrend ich bei Ihnen bin“, fuhr er fort, „wird Freund Fletcher, selbst wenn ich einem Uberfall entgehen kann und noch ich selbst zu sein scheine, den Tunnel abriegeln und sofort die Quarantanebestimmungen in Kraft setzen.
Zu dieser Lebensform brauchen wir so viele Informationen, wie Sie uns geben konnen“, schlo? er. „Bitte fahren Sie mit Ihrem Bericht fort, meine Freundin, wir zeichnen alles auf. Ich mache mich jetzt auf den Weg.“
„Und ich begleite Sie“, entschied sich Murchison in bestimmtem Ton. „Falls das der einzige Uberlebende auf dem Schiff ist und zu einer neuentdeckten intelligenten Spezies gehort, die spater vielleicht der Foderation beitritt, wird mir Thorny mit allen sechs Beinen aufs Dach steigen, wenn ich ihn sterben lasse. Danalta und Naydrad konnen ja hierbleiben, um das Bild von der Kamera zu verfolgen und uns bei Bedarf Spezialausrustung zu schicken. Und fur den Fall, da? der kleine Alien nicht so freundlich ist, wie Cha Thrat behauptet, werde ich zusatzlich zu meinen Instrumenten noch einen Hochleistungsschneidbrenner mitnehmen, um Ihnen den Rucken zu decken, Doktor.“
„Danke, meine Freundin, aber das lassen Sie mal lieber“, wehrte Prilicla ab.
„Ich denke gar nicht daran, Doktor“, beharrte die Pathologin auf ihrem Vorhaben. „Bei allem Respekt, Sie haben zwar den Rang, aber bestimmt nicht die Muskeln, um mich daran zu hindern.“
„Wenn Sie noch irgendeine bewu?te emotionale Ausstrahlung entdecken wollen, dann beeilen Sie sich bitte“, warf Cha Thrat ungeduldig ein. „Der Patient mu? dringend behandelt werden.“
Sofort erhob Fletcher Einspruch gegen den ungerechtfertigten Gebrauch der Bezeichnung „Patient“. Cha Thrat uberhorte ihn und fuhr damit fort, einen Uberblick uber die Krankengeschichte des Uberlebenden und die Entwicklungsgeschichte seiner Spezies zu geben, indem sie so gut wie sie konnte die Gedanken und Vorstellungen beschrieb, die der Alien ihr mit so gro?er Muhe einflo?te.
Die scheibenformige Lebensform stammte von einem Planeten, den selbst der sommaradvanische, gogleskanische und terrestrische Teil von Cha Thrats Gehirn fur schon hielt. Dort gab es eine derart uppige Fauna und Flora, da? selbst die gro?eren Tierarten nicht ums Uberleben kampfen mu?ten und deshalb auch keine Intelligenz entwickelt hatten. Doch schon seit fruhester Zeit, als alles Leben noch in den Meeren war, entwickelte sich eine Spezies, die sich an viele verschiedene einheimische Tiere heften konnte. Zusammen bildeten sie eine symbiotische Gemeinschaft: Das Wirtstier wurde zu den besten Nahrungsquellen dirigiert, wahrend der schwache und relativ kleine Parasit den Schutz seines Wirts geno? und sich zudem durch dessen Beweglichkeit seine eigene, weniger leicht zu findende Nahrung suchen konnte. Mit der Zeit verlie?en die Wirtstiere das Wasser und entwickelten sich zu gro?en Landtieren ohne Intelligenz. Die Gemeinschaft zu beiderseitigem Nutzen setzte sich fort, wobei die Parasiten immer mehr Intelligenz entwickelten.
Die fruheste Geschichtsuberlieferung berichtete von vergeblichen Versuchen, vielen verschiedenen Wirtstierarten Intelligenz anzuerziehen. Schlie?lich wurde allen anderen Gattungen die einheimische, sechsbeinige FGHJ-Lebensform vorgezogen, die die Fahigkeit besa?, mit den unterschiedlichsten Materialien zu arbeiten, wenn ihre Gliedma?en von einem Parasiten gesteuert wurden.
Doch die Parasiten sehnten sich immer mehr nach Gehirnpartnern, nach Wesen, die widersprechen, diskutieren, neue Ideen und Standpunkte einbringen konnten und die keine Ahnlichkeit mit Kreaturen hatten, die nur wenig mehr als sich selbst versorgende, organische Universalwerkzeuge waren, deren einzige Fahigkeiten darin bestanden, auf Befehl zu sehen, zu horen und Handgriffe zu verrichten.
Mit diesen lebendigen Werkzeugen erbauten sie gro?e Stadte, Fabrikanlagen und Schiffe, die erst den
