brauchte, um sich hindurchzuzwangen, und sich nicht erst einen blutigen Tunnel durch vollig gesundes Fleisch hacken mu?te.

Indem er die gro?eren Blutgefa?e umging oder diejenigen, bei denen dies nicht moglich war, durch Hitze versiegelte und die beschadigten Kapillaren, die sich auf naturlichem Wege wieder verschlie?en wurden, einfach nicht beachtete, drang Helishomar mit raschen und genauen Schnitten, ohne Zeit zu verlieren, voran. Bei Operationen tief im Korper mu?ten die Behalter mit der komprimierten Luft klein sein, denn sonst hatte der Messerheiler einen gro?eren Einschnitt vornehmen mussen, um in den Korper des Patienten zu gelangen. Zudem hatte er in dem Fall mehr Schaden angerichtet und ware langsamer vorangekommen.

Dann war es plotzlich zu sehen, das erste innere Anzeichen fur die Wucherung, und zwar genau an der vorhergesagten Stelle.

Schrag uber den frisch vertieften Einschnitt verlief eine dunne gelbe Rohre, die durch ihre harten Wande und olige Oberflache unter den messerscharfen Knochenplatten des Tentakels hatte wegrutschen konnen. Wahrend sie Nahrstoffe aus der grauen, brandigen Wucherung sog, die sich auf der Haut des Elternteils ausgebreitet hatte, und zu der oder den wurzelartigen Herzgeschwulsten tief im Korper leitete, pulsierte sie schwach. Hellishomar anderte die Richtung, um der Rohre weiter nach unten zu folgen.

Innerhalb weniger Augenblicke war auf der einen Seite des Tunnels eine zweite gelbe Rohre zu sehen, zu der sich eine weitere gesellte und dann noch eine, die alle einem einzigen Punkt unter ihm zustrebten. Hellishomar schnitt und zwangte sich zwischen ihnen hindurch, bis die Herzgeschwulst selbst wie eine geaderte, unebene Kugel, die im eigenen schwachen gelben Licht zu glimmen schien, offen vor ihm lag. Vom Umfang her war die Wucherung nur wenig kleiner als Hellishomars Kopf.

Schnell schaffte er sich mit den Knochenplatten uber und rings um die wurzelartige Geschwulst Platz, wobei er mehr als zwanzig Wurzelfasern und zwei dickere Rohren durchtrennte, die die Verbindung zu einer oder mehreren weiteren Tochtergeschwulsten darstellten. Dann ruckte Hellishomar dem bosartigen Gebilde mit auf volle Starke gedrehtem Brenner zu Leibe, indem er eine Stellung einnahm, durch die der hei?e und blutige Dampf den Einschnitt entlang entweichen und sich auflosen konnte, damit er sozusagen nicht im eigenen Saft geschmort wurde.

Hellishomar horte erst auf, als die Herzgeschwulst in Asche verwandelt war, und dann schichtete er die Asche zu einem kleinen Haufen auf und setzte sie erneut in Brand. Nun folgte er der Verbindung zur Tochtergeschwulst, die er dabei gleichzeitig hinter sich verbrannte, bis er die zweite Herzgeschwulst entdeckte und ebenfalls mit dem Brenner entfernte. Wenn die Oberflachenmesserheiler spater ihre Arbeit beendet hatten, wurden die feinen Verbindungen der wurzelartigen Herzgeschwulste zu den Wucherungen auf der Haut des Patienten austrocknen und einschrumpfen, da sie an beiden Enden durchtrennt waren und ihnen keine Nahrstoffe mehr zugefuhrt werden konnten, so da? sie unter minimalen Beschwerden aus dem Korper des Elternteils gezogen werden konnten.

Trotz der Wischer, die sich hin- und herbewegten, um die Augenschutzer sauberzuhalten, verschlechterte sich Helishomars Sicht in unregelma?igen Schuben zunehmend. Dadurch wurden seine Bewegungen stetig langsamer, die Schlage mit den Knochenplatten ungenauer, und die Qualitat der Operation sank allmahlich auf unterstes Niveau. Nach Helishomars Diagnose war dieser Zustand auf eine Kombination aus kurz bevorstehendem Hitzschlag und drohender Erstickung zuruckzufuhren, und er machte sofort kehrt, um sich einen Weg zur nachsten Luftrohre zu bahnen.

Plotzlich stie?en die Knochenplatten auf erhohten Widerstand, was darauf hindeutete, da? Hellishomar an die Au?enmembran einer Luftrohre gelangt war. Vorsichtig zwangte er sich durch einen Schnitt, der nicht zu lang war, um moglichst wenig Blut austreten zu lassen, aber auch nicht zu kurz, damit Kopf und Oberkorper hindurchpa?ten. Dann legte er eine Pause ein und machte sich die Kiemen frei.

Wasser, das noch nicht vom Korper des Elternteils angewarmt war, umspulte Hellishomars uberhitzten Korper, ersetzte in seiner Lunge die schale Luft aus dem Behalter und machte ihm sowohl den Kopf als auch die Augenschutzer wieder frei. Doch seine Freude wahrte nicht lange, denn als der Elternteil ein paar Augenblicke spater zur Sauerstoffatmung uberging, wurde aus dem Schwall klaren, durch die Kiemen gefilterten Wassers ein dunnes Rinnsal. Rasch zog Hellishomar auch den ubrigen Korper durch den Einschnitt, streckte die Tentakel mit den Knochenplatten an der Spitze zu voller Lange aus und trieb die flachen, winkelformigen Kerben in die Wand der Luftrohre, die es ihm ermoglichen wurden, sich uber dem Einschnitt festzuhalten, wenn der eingeatmete Luftstrom an ihm vorbeisturmte.

Durch das Nervensystem waren dem Elternteil samtliche Vorgange in seinem gewaltigen Korper bewu?t und auch die genaue Stelle, an der sie sich ereigneten, und zudem wu?te er, da? Wunden an der Luft leichter als im Wasser verheilten. Wahrend Hellishomar die Rander des Schnitts in der Luftrohre fachmannisch zusammenzog und vernahte, wunschte er sich, da? einer der gro?en Groalterri nur ein einziges Mal seinen Verstand benutzen wurde, um ihm eventuell fur den operativen Eingriff zu danken, der das Leben der Patienten zu verlangern pflegte, oder auch nur um seine Selbstsucht zu tadeln, die in ihm den Wunsch nach solchen Danksagungen hervorrief, oder einfach nur um seine Existenz zur Kenntnis zu nehmen.

Eltern wu?ten zwar alles, sprachen uber ihr Wissen aber nur mit anderen Eltern.

Der durchs Einatmen hervorgerufene Wind legte sich, und bevor sich das Elternteil zum Ausatmen anschickte, herrschte einen Augenblick lang vollige Windstille. Hellishomar uberprufte ein letztes Mal die Nahte der Wunde, lie? die Wand los und lie? sich auf den weichen Boden der Luftrohre fallen. Dort rollte er sich zu einer Kugel zusammen, indem er die Tentakel um den Korper schlang, und wartete.

Mit einemmal wurde sein Korper in die Hohe gehoben und von einem orkanartigen Sturm die Luftrohre entlanggewirbelt, bis er schlie?lich drau?en auf dem Boden der Au?enwelt landete.

„Dort hat sich Hellishomar ausgeruht und die Luft- und Brennstoffvorrate aufgefullt“, fuhr Lioren fort, „weil sein Patient alt und gro? gewesen ist und noch eine Menge Arbeit zu erledigen war.“

Er machte eine Pause, um O'Mara Gelegenheit zu einer Anmerkung zu geben. Als Lioren bei seiner Ruckkehr von der Station des Groalterris umgehend um Erlaubnis gebeten hatte, O'Mara einen mundlichen Bericht zu erstatten, hatte der Chefpsychologe seiner Uberraschung in einem Ton Ausdruck gegeben, den Lioren mittlerweile als Sarkasmus erkannte, doch danach hatte der Major zugehort, ohne den Tarlaner zu unterbrechen oder sich zu regen.

„Fahren Sie fort“, forderte O'Mara ihn auf „Wie mir Hellishomar erzahlt hat, setzt sich die Geschichte der Groalterri ausschlie?lich aus Erinnerungen zusammen, die uber die Jahrhunderte hinweg weitergegeben wurden. Die Richtigkeit dieser mundlichen Uberlieferungen hat er mir zwar versichert, aber archaologische Beweise zu ihrer Erhartung sind nicht vorhanden. Folglich verfugt die groalterrische Kultur uber keine Geschichte, die in die Zeit vor der Entwicklung von Intelligenz zuruckreicht, und darum wird mein Bericht hauptsachlich auf Schlu?folgerungen und weniger auf Fakten beruhen.“

„Dann ziehen Sie endlich Ihre Schlu?folgerungen“, drangte O'Mara.

Auf dem von mineralarmen Meeren und Sumpfen bedeckten Planeten der Groalterri waren keine geschichtlichen Aufzeichnungen gefuhrt worden, weil die Lebensspanne der FLSUs langer und ihre Erinnerungen klarer und zuverlassiger waren als alle auf Tierhauten oder pflanzlichem Gewebe festgehaltenen Schriftzeichen, die lange vor dem Lebensende des Schreibers verbla?t oder verfault gewesen waren. Groalter war ein riesiger Planet, der seine kleine hei?e Sonne in zweieinviertel terrestrischen Jahren einmal umkreiste, und eine der gewaltigen Lebensformen, die ihn bewohnten, hatte schon sehr krank gewesen sein oder wirklich Pech gehabt haben mussen, um nicht wenigstens funfhundert dieser Umkreisungen zu erleben.

Erst mit dem Aufkommen der Technologie der Kleinen in jungster Zeit — wobei ??„jungst“ im Sinne der groalterrischen Zeitmessung zu verstehen ist — waren geschichtliche Aufzeichnungen gefuhrt und aufbewahrt worden. Diese Aufzeichnungen beruhten in erster Linie auf den Entdeckungen und Beobachtungen durch die wissenschaftlichen Stutzpunkte, die trotz gro?er Schwierigkeiten und enormer Verluste bei den Kleinen unter den hohen Schwerkraftverhaltnissen in den Polargebieten errichtet worden waren. Durch Groalters schnelle Rotation herrschte nur in jeweils einem breiten Streifen uber und unter dem Aquator geringe Schwerkraft, wo die weit ausgedehnten und bewohnten Meere und Sumpfe durch den gro?en Mond des Planeten und die mit ihm verbundenen Gezeiten in standiger Bewegung gehalten wurden. Aufgrund dieses fortwahrenden Wechsels von Ebbe und Flut waren die wenigen aquatorialen Landmassen Groalters schon vor langer Zeit abgetragen worden.

Mit der Zeit — die selbst nach groalterrischen Ma?staben lang war — wurde die Bahn des gro?en, unbewohnten Mondes immer enger werden, bis schlie?lich er und sein Mutterplanet miteinander kollidieren und

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