Kuchenvorrat, den Sie aus dem Cromingan-Shesk mitgebracht hatten, allmahlich zur Neige gegangen. Als ich Nachschub bestellt habe, habe ich festgestellt, da? die besagte Zutat vor kurzem gleich tonnenweise in die Lager gebracht worden war. Dort ist so viel vorhanden, da? wir bei der Verwendungsmenge, die sie im Rezept angegeben haben, einige Jahrhunderte damit auskommen wurden. Deshalb bin in damals zu dem Schlu? gekommen, da? Ihnen ein Fehler unterlaufen sein mu?te, und habe ihn entsprechend berichtigt. Haben Sie noch weitere Anweisungen fur mich, Sir?“

Wie Gurronsevas nur zu gut wu?te, war diese uberreichliche Menge Muskat lediglich aus verwaltungstechnischen und rechtma?ig fragwurdigen Grunden bestellt worden. Durch die Gro?bestellung hatte man erreichen wollen, da? das Gewurz nicht aus dem relativ geringen Budget von Gurronsevas’ Abteilung, sondern aus dem praktisch unerschopflichen Versorgungsetat des Monitorkorps bezahlt wurde. Doch das konnte Gurronsevas nicht sagen, ohne da? Skempton etwas von dieser Mauschelei zu Ohren gekommen ware, und das wollte der Tralthaner auf keinen Fall, nicht einmal, wenn der Colonel — wie es wahrscheinlich erschien — inoffiziell bereits davon wu?te. Nicht die Spur von Schuld sollte den Leiter der Beschaffungsabteilung, Creon- Emesh, treffen, der ihm gegenuber au?erst hilfsbereit gewesen war. Und Sarnyagh hatte es meisterhaft verstanden, den Gro?teil der Verantwortung fur seinen Fehler zuruck auf Gurronsevas zu schieben, und sich auf diese Weise die besten Aussichten verschafft, ungeschoren davonzukommen.

Er fuhlte sich in seine Jugend versetzt, als er aus eigenem Schaden gelernt hatte, da? man den Vorgesetzten unterstellt wird, weil diese mehr — und nicht weniger — wissen als ihre ehrgeizigen Untergebenen.

„Meine Anweisung an Sie lautet: Machen Sie die unerlaubte Anderung des DBDG-Menugangs elf einundzwanzig ruckgangig, und stellen Sie auf der Stelle das ursprungliche Rezept wieder her“, befahl er in kuhlem Ton. „Ich bin au?erst ungehalten uber Sie, Sarnyagh, doch jetzt mussen erst mal alle erforderlichen Disziplinarma?nahmen warten, bis ich.“

„Aber Sir!“ fiel ihm Sarnyagh ins Wort. „Das ist ungerecht und kleinlich. Nur weil ich aus eigener Initiative eine harmlose Anderung vorgenommen habe und Sie das, wie ich Ihnen versichern kann, zu Unrecht als Gefahr fur Ihre Autoritat betrachten, wollen Sie mich. Sir, hier gibt es viel wichtigere und dringendere Aufgaben zu erledigen. Wir befolgen die Anweisungen, die uns vor kurzem die beiden Diagnostiker Thornnastor und Conway erteilt haben, und sind gerade dabei, das gesamte Essenszubereitungs- und — ausgabesystem technisch auf eventuelle undichte Stellen hin zu uberprufen, durch die das Essen verunreinigt worden sein konnte. Ich wei?, das ist unmoglich, aber hier im Hospital hat eine Krankheit um sich gegriffen, von der man glaubt, es konnte sich um eine Lebensmittelvergiftung handeln, und deshalb.“

„Dieses spezielle Problem ist bereits gelost“, unterbrach ihn Gurronsevas in bestimmtem Ton. „Tun Sie einfach das, was ich Ihnen gesagt habe.“

Als Sarnyaghs Kopf vom Bildschirm verschwunden war, sagte Gurronsevas zu Lioren: „Vielleicht werde ich ihn doch nicht umbringen. Aber wenn Sie mir sagen konnten, wie man jemandem Verletzungen beibringen kann, die nicht lebensgefahrlich sind, aber eine lange und unangenehme Genesungszeit erfordern, ware ich Ihnen sehr dankbar.“

„Ich hoffe, Sie machen nur Spa?“, antwortete Lioren etwas verunsichert. „Aber ist das Problem wirklich gelost? Und wenn ja, wie?“

„Ich mache nur Spa?“, beruhigte ihn Gurronsevas. „Ja, Ihre seuchenartige sogenannte Lebensmittelvergiftung ist voruber. Ich erklare es Ihnen schnell, damit Sie gleich Diagnostiker Conway Bescheid sagen konnen. An der ganzen Sache ist einfach eine.“

„Nein, Gurronsevas“, schnitt ihm Lioren freundlich das Wort ab. „Das ist Ihr Fachgebiet. Conway gehort zu den wenigen, die wissen, da? Sie hier sind. Sie sparen Zeit, wenn Sie es ihm selbst erklaren.“

Als Gurronsevas wenige Minuten spater von der unbefugten Anderung berichtete, die Sarnyagh am DBDG- Gericht elf einundzwanzig vorgenommen hatte, blickte ihn Diagnostiker Conway aufmerksam aus dem Bildschirm heraus an.

„Das Ganze ist nur passiert, weil ich bis vor ein paar Minuten nichts von einer wenig bekannten Nebenwirkung des terrestrischen Muskats gewu?t habe, bei dem es sich um ein Gewurz handelt, das ich gerade bei diesem Gericht gerne verwende“, setzte Gurronsevas seine Erklarung fort. „Auch wenn man die Muskatnu? nicht mehr im Verzeichnis giftiger Pflanzen findet — wahrscheinlich, weil sie wegen der unerfreulichen Begleiterscheinungen im Magen als Droge unbeliebt geworden ist—, ist sie in ferner Vergangenheit als schwaches Halluzinogen bekannt gewesen. Das liegt mehrere Jahrhunderte zuruck, als der Gebrauch gehirnschadigender Drogen in verschiedenen Kulturen gebrauchlich war. Bei der Menge Muskat, mit der das DBDG-Gericht elf einundzwanzig gewurzt worden ist und die das Einhundertfache des im Rezept angegebenen Quantums betragen hat, mu?ten die terrestrischen DBDGs und die Vertreter anderer Spezies zwangslaufig an nach und nachl zunehmenden Halluzinationen, an einem Mangel an korperlicher und geistiger Koordination und an Ubelkeit von der Art, wie man sie mir beschrieben hat, leiden, zumal sie zum ersten Mal Muskat in diesen Mengen zu sich genommen hatten.

Der Fehler wird in diesem Moment bereinigt, und innerhalb der nachsten zwei Stunden wird die Nahrungsversorgung der DBDGs wieder reibungslos funktionieren“, fugte Gurronsevas hinzu. „Die Symptome werden rasch abklingen, und dem historischen Hinweis in der Datenbank zufolge werden alle Betroffenen, die keine gewohnheitsma?igen Konsumenten sind — und das trifft ja auf Ihre Patienten zu—, schon in wenigen Tagen vollkommen genesen sein. Ich bin mir sicher, der Notfall ist voruber.“

Fur einen Augenblick war von Diagnostiker Conway kein anderer Laut als ein langes, langsames Ausatmen zu horen. Die im Schadel eingebetteten Augen des Terrestriers drehten sich in ihren Hohlen, um an Gurronsevas vorbei einen Blick auf Lioren und das Unfalldeck dahinter zu werfen; dann lachelte er und antwortete: „Sie haben also doch recht gehabt, Padre Lioren, und wir haben uns wegen einer weitverbreiteten, aber im Grunde simplen Verdauungsstorung unnotig geangstigt. Und Sie, Gurronsevas, haben unsere Probleme innerhalb weniger Minuten behoben, ohne uberhaupt im Hospital gewesen zu sein. Das war ausgezeichnete Arbeit, Herr Chefdiatist. Aber haben Sie einen Vorschlag, was wir mit dem verantwortlichen Lebensmitteltechniker machen sollen?“

„Nichts“, meinte Gurronsevas. „Fur das berufliche Verhalten meiner Untergebenen habe ich schon immer die Verantwortung ubernommen, und dazu gehoren auch deren Fehler. Sarnyagh wird nach meiner Ruckkehr ins Hospital bestraft — falls ich uberhaupt jemals zuruckkehren sollte.“

Hinter ihm stie? Lioren einen leisen unubersetzbaren Laut aus. Conway nickte und sagte: „Ich verstehe. Doch Ihre Ruckkehr wird noch einige Zeit auf sich warten lassen. Jetzt, wo der Schrecken der Epidemie gebannt ist, wird die Rhabwar innerhalb der nachsten Stunde starten.“

17. Kapitel

Nach Liorens langem Abschiedsgru? und seinen noch langeren Ermahnungen, nicht zu viel Unternehmungsgeist an den Tag zu legen und sich Freunde zu machen, hatte Gurronsevas uber so vieles nachzudenken, da? ihm erst wenige Minuten vergangen zu sein schienen, als er in seinen Uberlegungen erneut wie erwartet unterbrochen wurde. Er vernahm das Gerausch von Schritten, die darauf hindeuteten, da? mehrere Lebewesen durch die Besatzungsschleuse an Bord gingen, und auch die Schritte von jemandem, der durch den Hauptverbindungsschacht nach hinten zum Maschinenraum stieg. Gleichzeitig wurde das andere Ende des Bordtunnels von einer weiteren Gruppe betreten, die sich rasch naherte. Nach dem Wirrwarr aus Sprachlauten fremder Spezies zu urteilen, das aus dem Tunnel heruberdrang, schatzte Gurronsevas, da? es sich um vier verschiedene Stimmen handelte, die allerdings zu leise sprachen, als da? sein Translator sie hatte trennen und ubersetzen konnen. Schnell dampfte er das Licht, schob den Wandschirm vors Bett und versteckte sich dahinter. Als die Neuankommlinge das Unfalldeck betraten, wurde die Beleuchtung auf volle Helligkeit geschaltet. Die Stimmen verstummten, und das laute unverkennbare Zischen und dumpfe Krachen der sich schlie?enden Luftschleuse war zu horen.

Die sich hinziehende Stille wurde schlie?lich von einer Stimme unterbrochen, die sich leise der musikalischen Schnalze und gerollten Laute ihrer cinrusskischen Muttersprache bediente, so da? Gurronsevas gar keine Ubersetzung gebraucht hatte, um den Sprecher zu erkennen.

„Ich nehme an, Sie befinden sich ganz in der Nahe, Freund Gurronsevas“, sagte Prilicla. „Im Moment steht

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