und ernsthaft.

„Tut mir leid, Gurronsevas, da mu? ich Sie schwer enttauschen“, antwortete er, „denn meine Spezies verfugt uber keinen Geschmackssinn. Bis auf spezialgehartete Metalle kann ich alles essen, egal, wie es aussieht oder welche Konsistenz es hat, und das tue ich auch. Ich bin dafur bekannt, in Augenblicken gro?er geistiger Konzentration schon mal ein Stuckchen von den Bodenplatten verzehrt zu haben, auf denen ich gerade stehe, und das hat die Schiffsoffiziere fruher au?erst argerlich gemacht.“

„Das Gefuhl kenne ich sehr gut“, merkte Gurronsevas an.

Wahrend sich die Mitglieder des medizinischen Teams auf ihre unterschiedlichen Arten belustigt zeigten, erinnerte er sich an die Abschiedsworte, die Lioren an ihn gerichtet hatte. Er, Gurronsevas, befinde sich noch in der Probezeit, hatte ihn der Padre gewarnt, und es gebe Dinge, die er tun musse, und Dinge, die er nicht einmal probieren durfe. Der Versuch, an dem Nahrungssynthesizer des Schiffs herumzubasteln, gehore ganz eindeutig zu letzterem. Vor allem musse Gurronsevas daran denken, da? er sich auf einem kleinen Schiff mit einer ganz kleinen Besatzung von Spezialisten befinde, und er solle sich nach besten Kraften bemuhen, sich diese Leute nicht zu Feinden, sondern zu Freunden zu machen. Seit das medizinische Team an Bord gekommen war, hatte er genau das zu tun versucht, indem er die eigene Bedeutung geleugnet und eine hofliche und mit Bewunderung gemischte Neugier gegenuber Danalta und mit der Zeit auch gegenuber den anderen an den Tag gelegt hatte. Uberraschenderweise hatte ihn das keine gro?e Muhe gekostet, doch jetzt fragte er sich, ob er den fur ihn untypischen Charme womoglich ubertrieben hatte und ihn die Mitglieder des medizinischen Teams insgeheim fur oberflachlich und unaufrichtig hielten — oder war es vielleicht so, da? sie sich genauso angestrengt bemuhten, freundlich zu sein, wie er? Zudem fragte er sich, ob er mit dem Versuch, sich mit den nichtmedizinischen Offizieren der Rhabwar anzufreunden, ebensoviel Erfolg haben wurde.

Wie aufs Stichwort leuchtete der Bildschirm des Schiffskommunikators auf und zeigte den Kopf und die von der grunen Uniform des Monitorkorps bedeckten Schultern eines Terrestriers.

„Unfalldeck, hier spricht der Captain“, sagte er in scharfem Ton. „Ich habe Ihr Gesprach seit einigen Minuten mitgehort. Doktor Prilicla, was hat diese, diese wandelnde tralthanische Katastrophe auf meinem Schiff zu suchen?“

Obwohl der Kontrollraum fur die empathischen Fahigkeiten des Cinrusskers weit entfernt lag, machte die emotionale Ausstrahlung des Captains dem Empathen ein wenig zu schaffen. Dennoch antwortete Prilicla, ohne zu zogern: „Fur die Dauer des gegenwartigen Einsatzes ist Freund Gurronsevas vom medizinischen Team zu dessen nichtmedizinischen Berater bestimmt worden. Bei dem, was uns erwartet, konnte sich seine Sachkenntnis als hilfreich erweisen. Bitte machen Sie sich um mogliche Auswirkungen auf den Schiffsrumpf keine Sorgen, Freund Fletcher. Der Chefdiatist wird auf dem Unfalldeck untergebracht. Er benotigt kein spezielles Lebenserhaltungssystem und wird es nicht darauf ankommen lassen, Ihre fur geringe Schwerkraft vorgesehenen Einrichtungsgegenstande und Gerate zu beschadigen, indem er sich durchs Schiff bewegt, es sei denn, Sie fordern ihn ausdrucklich dazu auf.“

Fur einen kurzen Moment herrschte Schweigen, doch Gurronsevas war uber Priliclas Worte zu verblufft, um die Pause mit einer Frage uberbrucken zu konnen.

Wie er schon oft gehort hatte, war der kleine Empath nicht abgeneigt, die Wahrheit ein wenig zurechtzustutzen, wenn er dadurch die emotionale Ausstrahlung in seiner naheren Umgebung verbessern konnte — das gab Prilicla selbst unumwunden zu. Ein fur Emotionen empfangliches Wesen nahm die Gefuhle der anderen ringsum mit gleicher Starke wahr wie diese selbst, doch die Andeutung, Gurronsevas konnte das medizinische Team beim bevorstehenden Einsatz in allen moglichen Fragen beraten, war vollig lacherlich. Zwar durfte sich die emotionale Ausstrahlung des Captains durch diese Luge hochstwahrscheinlich verbessern, wie Gurronsevas glaubte, doch wurde diese Wirkung nur von kurzer Dauer sein.

„Ich spure Ihre Neugier, Freund Fletcher“, fuhr Prilicla fort, der nicht mehr zitterte, da der Zorn des Captains verraucht und nur noch leichte Verargerung ubriggeblieben war, „und beabsichtige, sie so bald wie moglich zu stillen.“

„Na schon, Doktor“, gab sich der Captain furs erste zufrieden und fuhr dann in geschaftigem Tonfall fort: „Im Moment fliegen wir gerade mit aktivierter Selbststeuerung durch den Hyperraum und werden das Wemar- System in schatzungsweise knapp vier Standardtagen erreichen. Ein paar Minuten, bevor ich an Bord gegangen bin, hat man mir die Koordinaten des Zielsystems und das Video mit den vorlaufigen Instruktionen gegeben, das ich mir aus Mangel an Gelegenheit noch nicht genau ansehen konnte, und mir mitgeteilt, da? wir die ausfuhrlichen Anweisungen bei unserer Ankunft erhalten werden. Jetzt ware der geeignete Zeitpunkt, das Video abzuspielen, damit auch wir Nichrmediziner in das, was wir im Wemar-System tun sollen, eingeweiht werden.“

„Ich wei? ebenfalls nichts daruber“, erganzte Naydrad, wobei sich ihr Fell vor Verargerung zu Stacheln aufstellte. „Zumindest habe ich nicht mehr als ein Gerucht gehort, nach dem drei Wochen lang Besprechungen auf hochster Ebene erforderlich gewesen sind, um zu entscheiden, ob die Rhabwar den Auftrag erledigen soll oder nicht. Und als man sich endlich zu einem Entschlu? durchgerungen hatte, wurde in meiner Unterkunft die Alarmanlage ausgelost, damit ich in voller Ausrustung zu einem Noteinsatz ausrucke, und das, als ich gerade mitten in.“

„Meine Freundin, ich verstehe Sie vollig“, unterbrach Prilicla sie sanft.

„Doch oft mu? man die Zeit, die benotigt wird, um zu einem Entschlu? zu kommen, von der abziehen, die man benotigt, um ihn in die Tat umzusetzen. Das Gerucht ist nicht ganz zutreffend gewesen. Ich selbst habe an den besagten Besprechungen teilgenommen, bin mir jedoch trotz unseres einzigartigen Rufs, kranken oder verletzten Lebewesen der verschiedensten Spezies aus der Klemme zu helfen, nicht ganz sicher gewesen, ob die Rhabwar imstande sein konnte, diesen Auftrag durchzufuhren. Viele der militarischen und medizinischen Autoritaten haben mir in diesem Punkt zugestimmt, der Chefpsychologe und einige andere nicht. Geheimgehalten wurde das Ganze nur, um nicht die Gefuhle der Besatzung der Rhabwar zu verletzen, indem man uns gegenuber in aller Offentlichkeit mangelndes Vertrauen gezeigt hatte.

Und die Fragen, die Ihnen allen, wie ich spure, so auf der Zunge brennen, sollten warten, bis wir uns das Video zum Wemar-System angesehen haben“, fugte er hinzu. „Wenn Sie soweit sind, Freund Fletcher, dann fangen Sie bitte an.“

18. Kapitel

Zum Zeitpunkt der Entdeckung vor drei Monaten hatte man nicht geglaubt, da? der Planet, den die dominante intelligente Lebensform, die auf ihm lebte, „Wemar“ nannte, den Kontaktspezialisten des Monitorkorps irgendwelche ernsthafte Schwierigkeiten hatte bereiten konnen. Der Planet litt an derart gro?en Umweltproblemen, da? er im Grunde als unbewohnbar eingestuft werden mu?te, und der winzige Rest, der von der Bevolkerung ubriggeblieben war, mu?te ein Leben dicht am Existenzminimum fristen. In der jungeren Vergangenheit — nach den Untersuchungen industrieller Uberreste aus dem Orbit schatzte man deren Alter auf etwas uber vier Jahrhunderte — war die einheimische Zivilisation technisch so weit fortgeschritten gewesen, da? sie Satelliten in die Umlaufbahn geschossen hatte, und zudem waren Spuren eines nicht standig aufrechterhaltenen Stutzpunkts auf dem unbewohnten Planeten vorhanden, der dem System am nachsten lag.

Vor dem Hintergrund der erst vor kurzer Zeit untergegangenen Raumfahrttechnik der Spezies war man von zwei wichtigen Annahmen ausgegangen: Die eine war, da? der Gedanke an eine von anderen intelligenten Wesen bewohnte Galaxie die Wemarer nicht angstigen wurde und sie der Vorstellung, in freundschaftlichen Kontakt mit Besuchern von anderen Spezies zu treten, nicht vollkommen ablehnend gegenuberstunden, auch wenn sie das plotzliche Auftauchen eines Raumschiffs im Orbit ihres Planeten vielleicht uberraschen und beunruhigen konnte. Die zweite Annahme lautete, da? die Wemarer einverstanden sein wurden, die ihnen angebotene und so dringend benotigte materielle und technische Unterstutzung anzunehmen, sobald man erst einmal den Kontakt ausgeweitet und ihre naturlichen Angste zerstreut hatte.

Beide Annahmen sollten sich als falsch erweisen. Nachdem man Kommunikationsgerate mit integriertem Translator fur Sprech- und Sichtkontakt in beide Richtungen uber den wenigen bewohnten Gebieten abgeworfen hatte — die Bild- und Tonubertragung waren Bestandteile der untergegangenen Wemarer Technik gewesen—, sagten die Einheimischen den Fremdlingen nur ein paar bose Worte, bevor sie ihnen befahlen, Wemar und sein

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