„Hier Kontrollraum. Wir werden die Siedlung der Wemarer in schatzungsweise funfzehn Minuten erreichen, Doktor.“

„Danke, mein Freund“, antwortete Prilicla. „Bitte behalten Sie die momentane Flughohe bei und kreisen Sie uber der Gegend, damit sich die Wemarer an den Anblick des Schiffs gewohnen konnen. Unterdessen werfen Sie einen Zwei-Wege-Kommunikator mit integriertem Translator in der Nahe der Gerate ab, die die Wemarer zerstort haben. Ich hoffe nur, die DHCGs halten uns nicht fur dumm und verschwenderisch, sondern eher fur versohnlich und hartnackig. Landen Sie, solange wir noch volles Tageslicht haben, und zwar so nahe bei der Siedlung, wie es ohne Belastigung der Wemarer moglich ist.“

„Wie sieht es mit Schutzvorkehrungen aus, Doktor?“

„Fahren Sie den Meteoritenschild auf den geringsten Abstand aus“, antwortete Prilicla. „Schalten Sie ihn nur auf Absto?ung, nicht auf Energiesto?e, und machen Sie die au?ere Umgrenzung sichtbar, damit niemand aus Versehen dagegen lauft. Die erforderlichen individuellen Sicherheitsma?nahmen werden wir besprechen, kurz bevor wir von Bord gehen.“

Die Siedlung der Wemarer bestand aus einigen holzernen Nebengebauden und einer in eine Felswand geschlagenen Mine von unbekannter Tiefe und befand sich am oberen Rand eines tiefen Tales, das von Norden nach Suden verlief. Die Wande des Tals waren so steil, da? die Sonnenstrahlen jeden Tag nur wenige Stunden lang hereinfielen, und die Pflanzen, die auf den unteren Abhangen und im Tiefland wuchsen, sahen genauso „gesund“ aus wie diejenigen, die man am Aquator entdeckt hatte. Mehrere kleine Flachen, die eher den Eindruck von Garten als von Feldern machten, wurden bebaut. Auf der Hohe der oberen Talsohle befand sich ein gro?er Eingang zur Mine, und in der Felswand waren drei weitere kleine zu sehen, doch ohne Kenntnisse uber das Ausma? des verborgenen Stollennetzes und der Kammern war es unmoglich, die Anzahl der Bewohner zu schatzen.

Da sich die Rhabwar ohnehin nicht gerauschlos nahern konnte, kundigte sie ihre Anwesenheit zusatzlich an, indem sie — obwohl die Spitzen der Berghange uber dem Tal noch im Sonnenschein lagen — die gesamte Au?enbeleuchtung einschaltete, so da? der ganze Rumpf und die breiten Deltaflugel den Mineneingang wie eine glei?end wei?e, dreieckige Sonne erhellten. Bis jetzt sagten die vielen Symbole, die die Flugel schmuckten — das rote Kreuz der Erde, die orangefarbene Sonne der Illensaner, das gelbe Blatt von Traltha und die vielfaltigen anderen Zeichen, die den Grundgedanken der uberall in der Foderation uneingeschrankt gewahrten Hilfe reprasentierten—, den Wemarern noch nichts, doch dieser Zustand anderte sich hoffentlich bald.

Die vielen beruhigenden Worte, die man den Wemarern vor dem Eintreffen der Rhabwar mit gro?er Lautstarke uber den abgeworfenen Zwei-Wege-Kommunikator gesagt hatte, zeigten, wie Gurronsevas befurchtet hatte, keine unmittelbare Wirkung.

„Seien Sie nicht enttauscht, mein Freund“, trostete ihn Prilicla. „Bei vielen DHCGs spure ich Neugier und bei einigen wenigen Vorsicht, doch die emotionale Ausstrahlung ist nur schwach und kaum zu.“

„Hier Kontrollraum“, unterbrach ihn Captain Fletcher. „Sie haben recht, Doktor. Unsere Sensoren zeigen eine gro?e Gruppe von Wemarern an, die sich in der Ofllhung des Eingangsstollens befindet. Zwar stehen diese Aliens zu dicht zusammengedrangt, um ihre Gro?e oder Anzahl genau zu bestimmen, doch wir glauben, da? es sich um mindestens hundert handelt. Da es keine Hinweise auf Metall gibt, fuhren sie mit Sicherheit keine Werkzeuge, Arbeitsgerate oder Waffen mit sich. Drei Wemarer, bei denen es sich um die vorsichtigeren Wesen handeln mu?, von denen Sie gesprochen haben, haben sich direkt in der Stollenoffinung postiert und scheinen die anderen zuruckzuhalten. Haben Sie irgendwelche Befehle?“

„Nein, keine, mein Freund“, antwortete der Empath. „Im Moment konnen Sie sich uns einfach beim Abwarten und Zuhoren anschlie?en.“

Man stand, sa? oder schwebte vor dem Sichtfenster, durch das man auf den Eingang der Mine blicken konnte, der fur das blo?e Auge leer erschien, und lauschte der zuvor aufgenommenen Botschaft, die fur die Wemarer abgespielt wurde. Sie war einfach und wurde langsam und deutlich gesprochen, damit ihre Verstandlichkeit nicht unter den von der Felswand zuruckgeworfenen Echos litt. Au?erdem war sie unsagbar langweilig, wie Gurronsevas nach der ersten endlosen halben Stunde Zuhoren dachte.

„Wir sind Freunde und werden Ihnen nichts tun“, plarrte die Kommunikator-Translator-Kombination. „Unser Schiff mag Ihnen fremdartig und vielleicht erschreckend vorkommen, aber unsere Absichten sind friedlich. Wir sind hier, um Ihnen und insbesondere Ihren Kindern zu helfen, falls wir dazu imstande sind und Sie es uns gestatten. Wir sind nicht wie die anderen, die vorher zu Ihnen gesprochen haben. Unser Schiff ist klein und enthalt gerade genug Proviant fur die Besatzung und einen kleinen Reservevorrat, darum werden wir es nicht wagen, Ihnen zu nahe zu treten, indem wir Ihnen etwas zu essen anbieten, sofern Sie es uns nicht erlauben. Ob wir Ihnen helfen konnen, wissen wir nicht. Aber wir wurden uns gern mit Ihnen unterhalten und etwas uber Sie erfahren, um herauszufinden, ob wir Ihnen helfen konnen oder nicht.

Wir sind Freunde und werden Ihnen nichts tun…“

„Doktor, wahrend wir hier warten, hatte ich mal eine Frage“, sagte Gurronsevas plotzlich, weil er versuchen wollte, sowohl die Langeweile zu zerstreuen, als auch die starke Neugier zu stillen, die er empfand, seit die erste Bemerkung zu seiner Aufgabe an Bord gefallen war. „Vor einiger Zeit hatten Sie angedeutet, da? ich dem medizinischen Team als eine Art Berater in Ernahrungsfragen zugeteilt worden sei. Wenn das zutrifft, ist das jedenfalls ohne mein Wissen oder meine Zustimmung geschehen. Doch falls ich nicht blo? ein blinder Passagier bin, der vor der Hospitalleitung versteckt wird, und Ihre damalige Au?erung gegenuber dem Captain keine Luge gewesen ist, um diesen Umstand zu vertuschen, konnten Sie mir dann bitte mal verraten, wieso mich O’Mara hierhergeschickt hat?“

Einen Augenblick lang entgegnete Prilicla nichts. Sein zerbrechlich wirkender Korper und die Gliedma?en zitterten, doch Gurronsevas glaubte nicht, da? seine eigene Neugier und die Verargerung stark oder unangenehm genug waren, um diese Wirkung hervorzurufen. Vielleicht stammte die emotionale Ausstrahlung von jemand anderem, oder der Empath schickte sich an, eine Luge aufzutischen, wie es hin und wieder vorkam, wenn er einer emotionalen Unannehmlichkeit aus dem Weg gehen wollte.

„Freund O’Mara strahlt viele komplexe Emotionen aus“, antwortete Prilicla schlie?lich. „Jedes Mal, wenn er Sie erwahnt hat, habe ich bei ihm Anerkennung, gepaart mit Verargerung, wahrgenommen sowie das strikte Verlangen, Ihnen zu helfen. Da ich aber kein Telepath bin, konnte ich zwar die Empfindungen, nicht aber die Gedanken des Chefpsychologen verstehen. Falls Freund O’Mara beabsichtigt hat, Sie dem medizinischen Team zuzuteilen.“

„…mu? er wirklich zutiefst verzweifelt gewesen sein“, warf plotzlich Naydrad ein, deren Fell sich aufgeregt krauselte. „Sehen Sie nur, die kommen raus!“

Die Wemarer stromten aus dem Mineneingang, als ob jemand einen Wasserhahn aufgedreht hatte. Rennend, sich mit dem Schwanz voranschnellend und gerauschvolle unubersetzbare Laute aussto?end, sturmten sie auf die Rhabwar zu. Bis auf die drei Erwachsenen, die auf der einen Seite der Stollenoffinung standen und vermutlich fur das Zuruckhalten der anderen verantwortlich gewesen waren, handelte es sich ausschlie?lich um junge Wemarer. Einige von ihnen waren so klein und unbeholfen, da? sie oft zur Seite fielen, wenn sie mit ihren Schwanzen zu springen versuchten. Doch durch diese Sturze wurden sie beim Vorwartssturmen kaum aufgehalten, und schon bald hatten sie ihre Freunde eingeholt, die standig dicht um den Meteoritenschild herumliefen und — sprangen und dabei aus Leibeskraften schrien.

Murchison lachte plotzlich. „Ich habe das Gefuhl, da? die eigentlich mit Pfeil und Bogen auf uns losgehen mu?ten“, merkte sie eher beilaufig an.

„Meinem Eindruck nach sind die alle nur neugierig und aufgeregt und veranstalten — wie alle Kinder in diesem Gefuhlszustand — eine Menge Larm“, widersprach Prilicla. „Eine Gefahr stellen sie jedenfalls nicht dar.“

„Tut mir leid“, entschuldigte sich Murchison. „Das ist eine nicht ernsthaft gemeinte Anspielung auf ein Stuck terrestrische Geschichte gewesen und nicht lustig genug, als da? sich eine Erklarung lohnen wurde. Aber auch die Erwachsenen kommen jetzt naher, zumindest zwei vonAihnen.“

Die drei DHCGs bewegten sich langsamer und vorsichtiger als die jungen Wemarer, und bis auf einen Holzstock, den der eine trug, hielten sie keine Waffen in den Handen. Zwei von ihnen naherten sich mit einer langsamen Folge von Sprungen, die sie mit Hilfe des Schwanzes vollfuhrten und die jeweils von kurzen Pausen unterbrochen waren. Der dritte bewegte sich noch langsamer voran, und zwar nur auf den Hinterbeinen, wobei er den Stock benutzte, um einen Teil des Korpergewichts abzustutzen. Schlie?lich sprach Murchison die Gedanken aus, die Gurronsevas schon langer durch den Kopf gingen.

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