„Die scheinen korperlich sehr schwach zu sein und legen bei den Bewegungen ihrer Gliedma?en und des Schwanzes au?erste Vorsicht an den Tag“, stellte die Pathologin fest. „Aber meiner Ansicht nach konnte das eher an Altersgebrechlichkeit als an einer Krankheit liegen. Alle drei DHCGs sind weiblich und befinden sich in stark geschwachtem Zustand und. Die mit dem Stock geht jetzt auf den Kommunikator zu!“

„Ihre Ansicht ist ganz zutreffend, meine Freundin“, stimmte ihr Prilicla zu, „doch Ihre unausgesprochene Befurchtung, die vermutlich dem Umstand gilt, die DHCG konnte den Stock benutzen, um den Kommunikator zu zerstoren, ist unbegrundet. Ich nehme bei der alten Wemarerin weder Wut noch einen Zerstorungstrieb, sondern nur Neugier und leichte Verwirrung wahr.“

„Um das Gerat zu zerstoren, braucht man schon mehr als einen Spazierstock“, warf die Stimme des Captains ein.

„Stimmt, mein Freund“, pflichtete ihm Prilicla bei. „Doch sobald die Wemarerin das Gerat erreicht hat, stellen Sie die Ubertragung ab, und schalten Sie auf Kommunikationsmodus in beide Richtungen um.“

„Wie lange mag es wohl hersein, seit einer Ihrer Gefuhlseindrucke einmal unzutreffend gewesen ist, Prilicla?“ fragte Danalta, der sich zum ersten Mal zu Wort meldete.

Rund ums Schiff wurden die vielen jungen Wemarer allmahlich mude, aber keineswegs leiser. Mit dem Rennen und Springen hatten sie aufgehort, um sich in kleinen Gruppen rings um den Meteoritenschild zu sammeln. Sie drangten sich gegen die elastische, fast unsichtbare Barriere oder lehnten sich im Funfundvierzig-Grad-Winkel dagegen und riefen sich, wenn sie nicht umfielen, aufgeregt etwas zu. Einige der verwegeneren DHCGs rannten auf den Schild zu, sprangen dagegen und stie?en aufgeregte, womoglich vergnugte Schreie aus, wenn sie zuruckgeworfen wurden. Die beiden Erwachsenen hatten sich inzwischen zu ihnen gesellt und unterhielten sich leise, da aber gleichzeitig zu viele, wesentlich lauter gefuhrte Gesprache stattfanden, konnte der Schiffstranslator ihre Unterhaltung nicht einzeln erfassen. Die dritte Wemarerin war neben dem Kommunikator stehengeblieben, der die Ubertragung sofort einstellte.

„Zumindest die Stille ist willkommen“, sagte die Wemarerin, ohne einen Moment zu zogern. „Halten Sie uns alle fur taub? Oder fur geistig zuruckgeblieben, weil Sie dieselbe Botschaft dauernd wiederholt haben? Wissen Sie denn nicht, da? es einen mehr erzurnt als beruhigt, wenn man standig in ohrenbetaubender Lautstarke beruhigende Worte zugebrullt bekommt? Von Wesen, die von den Sternen gekommen sein mussen, hatte ich mehr Intelligenz erwartet. Kann dieses doofe Gerat uberhaupt horen, oder kann es nur schreien? Was wollen Sie eigentlich von uns?“

„Die Lautstarke ist um zwei Drittel reduziert“, meldete der Captain leise. „Sie konnen sprechen, Doktor.“

„Danke“, flusterte Prilicla und flog naher an den Kommunikator heran. Dann betatigte er den Sendeknopf und sagte: „Tut uns leid, da? das Gerat zu laut gewesen ist und wir Sie verargert haben. Wir hatten nicht vor, Ihnen zu nahe zu treten und Ihnen mangelnde Horfahigkeit oder gar fehlende Intelligenz zu unterstellen. Es war einfach so, da? wir gerne in einem gro?en Umkreis gehort werden wollten.

Wir mochten uns mit Ihnen und Ihren Freundinnen unterhalten, etwas uber Sie erfahren und Ihnen in jeder moglichen Form helfen“, fuhr Prilicla fort. „Sie sind fur uns genauso fremdartig, wie wir fur Sie sein werden, wenn Sie uns zum ersten Mal zu Gesicht bekommen. Wir sind jederzeit bereit, Fragen uber uns zu beantworten, und wurden Ihnen gerne welche uber Sie stellen. Vorausgesetzt, es gibt keine personlichen oder kulturellen Grunde, uns keine Auskunfte zu erteilen, und gesetzt den Fall, Sie sind gewillt, einem Fremden zu antworten, mochte ich Sie zuerst nach Ihrem Namen fragen. Ich hei?e Prilicla und bin Arzt.“

„Was fur ein alberner Name!“ rief die Wemarerin belustigt. „Das klingt ja wie eine Handvoll aneinanderknirschender Kiesel. Ich bin Tawsar, die oberste Lehrerin. Das Retten und Verarzten uberlasse ich anderen. Wie lautet Ihre zweite Frage?“

„Ist es fur die jungen Wemarer dort, wo sie jetzt sind, so weit von der schutzenden Mine entfernt, auch sicher?“ erkundigte sich Prilicla. „Von uns haben sie nichts zu befurchten, aber sind sie nicht jetzt, wo es bald dunkel wird, von nachts umherstreifenden Raubtieren bedroht?“

Gurronsevas’ erster Gedanke war, da? es wirklich wichtigere Dinge gab, nach denen sich Prilicla hatte erkundigen konnen; doch nach genauerem Uberlegen sah er ein, da? der Empath durch die fruhzeitig geau?erte Sorge um die Sicherheit der kleinen Wemarer eine Rucksicht und Freundlichkeit an den Tag gelegt hatte, die seinen beruhigenden Worten mehr Nachdruck verliehen als alles, was er sonst hatte sagen konnen.

„Bei uns ist es ublich, die Kinder jeden Tag fur ein paar Stunden aus der Mine hinauslaufen zu lassen, wenn die Sonne nicht die junge Haut versengt oder bei den Kleinen Veranderungen bewirkt, unter denen sie womoglich eines Tages zu leiden haben“, antwortete Tawsar. „Au?erdem wird auf diese Weise die Energie freigesetzt, die sie sonst in der Klasse laut und aufsassig machen und die sie selbst und ihre Lehrerinnen vom Schlaf abhalten wurde. In der Mine konnen sie namlich nicht frei herumlaufen oder mit Hilfe der Schwanze umherspringen, was fur die ganz Kleinen ein vollig unnaturlicher Zustand ist. Doch von Raubtieren droht ihnen keine Gefahr, weil alle derartigen Lebewesen — ob es sich nun um gro?e und gefahrliche Bestien oder um kleine Nagetiere handelt — in dieser Gegend schon seit langem durch die Jagd ausgerottet sind. Ihr Schiff hat den Kindern sowohl eine ganz neue Erfahrung als auch ein Ventil fur die uberschussige Energie verschafft. Wie lange wird Ihr Schiff hier liegen bleiben?“

Eine Schule war der ideale Ort, um neugierige und gedanklich flexible Kopfe zu finden, dachte Gurronsevas, und er konnte sich die wachsende Aufregung im medizinischen Team lebhaft vorstellen.

„Solange Sie es uns erlauben“, entgegnete Prilicla rasch. „Aber wir wurden Sie und Ihre Freundinnen und Freunde lieber personlich kennenlernen, anstatt uns durch dieses Gerat mit Ihnen zu unterhalten. Ware das moglich?“

Tawsar schwieg lange Zeit und antwortete dann: „Eigentlich sollten wir unsere Zeit nicht durch Gesprache mit Ihnen vergeuden. Man wird unser Verhalten offentlich kritisieren. Na, egal, wir sind eben neugierig und zu alt, um uns was daraus zu machen. Aber Sie mussen verschwinden, bevor unsere Jager zuruckkommen. Das mussen Sie mir versprechen.“

„Versprochen“, sagte Prilicla einfach, und bei den Mitgliedern des medizinischen Teams gab es keine Zweifel, da? der Empath dieses Versprechen auch einhalten wurde. „Doch wenn wir uns Ihnen zeigen, konnte es ein Problem geben. Vom Korperlichen her unterscheiden wir uns sehr von den Wemarern. Die Kinder — und vielleicht auch Sie selbst — konnten unseren Anblick als grauenvoll und absto?end empfinden.“

Tawsar stie? einen Laut aus, der nicht ubersetzt wurde, und sagte dann: „Die Wesen vom anderen Raumschiff haben wir zwar nicht gesehen, aber sie haben uns ihr Aussehen beschrieben. Es handelt sich um fremdartige, aufrecht gehende Wesen ohne einen Schwanz zum Ausbalancieren, von denen einige ganz und gar von Fell bedeckt sind und andere nur auf dem Kopf. Doch diese Wesen wollten unsere Lebensgewohnheiten andern, deshalb haben unsere Jager die Sprechgerate zerstort, bevor sie losgezogen sind. Was das Erschrecken unserer Kinder angeht, bezweifle ich, da? Sie denen grauenvoller vorkommen werden als die Kreaturen, die sich die Kleinen in ihrer Phantasie bereits fur Ihr Schiff ausgemalt haben.

Wenn ich es mir uberlege, ware es allerdings besser, sich jetzt noch nicht zu zeigen“, fuhr die DHCG fort, bevor Prilicla etwas antworten konnte. „Die Kleinen sind so schon aufgeregt genug, und wenn unser Nachwuchs Sie erst einmal zu Gesicht bekommt, hatten wir Schwierigkeiten, die Kinder in die Schlafraume zu verfrachten — von der Muhe, sie zum Einschlafen zu bringen, ganz zu schweigen. Falls Sie eine langere Zeit bei uns bleiben wollen, ware es gunstiger fur uns und sicherer fur Sie, wenn wir Sie den Kindern wahrend des Unterrichts vorstellen.“

„Sie haben mich nicht verstanden, Tawsar“, sagte Prilicla vorsichtig. „Bei den Wesen, die Ihnen ihr Aussehen beschrieben haben, hat es sich um Orligianer und Terrestrier gehandelt. Wir haben zwar auch funf Terrestrier an Bord — das sind diejenigen mit dem Kopfbewuchs—, aber auch vier andere Lebensformen, die Ihnen noch fremdartiger erscheinen werden. Die eine ist ein Tralthaner, ein Wesen mit sechs Beinen und mindestens der dreifachen Korpergro?e eines erwachsenen Wemarers. Bei der zweiten handelt es sich um eine Kelgianerin, die halb so gro? und schwer wie ein Wemarer ist, uber siebzehn Beinpaare verfugt und von einem silbernen, beweglichen Fell bedeckt ist. Au?erdem haben wir noch einen Gestaltwandler dabei, der ein so furchtbares oder freundliches Erscheinungsbild annehmen kann, wie es die Umstande gerade erfordern. Und zu guter Letzt ist noch ein gro?es Fluginsekt an Bord, namlich ich selbst. Falls Sie die Vorstellung, einem dieser Lebewesen zu begegnen, beunruhigt, dann wird der Betreffende auf dem Schiff bleiben und Ihnen nicht vor Augen kommen.“

„Ihr Gestaltwandler ist. ist.“, begann Tawsar und fuhr dann mit fester Stimme fort: „Er ist eine Gestalt aus

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