Strengt doch mal euren Grips an! Wollt ihr es riskieren, wie Creethar zu enden, und es darauf ankommen lassen, da? zu viele von euch verwundet und getotet werden, um alle nach Hause zu tragen? Denkt an die geradezu kriminelle Verschwendung von Fleisch, an euch selbst und an eure fast erwachsenen Kinder, die auf eure Ruckkehr warten! Wir haben Gurronsevas niemals kampfen sehen, weil er sich uns gegenuber immer hilfsbereit verhalten hat. Dieses Lebewesen zu jagen geht vollig uber eure bisherigen Erfahrungen hinaus. Gurronsevas wiegt doppelt soviel wie jeweils zwei von euch, so durr und halb verhungert, wie ihr seid, und ich mochte nicht wissen, was er mit euch anstellen konnte.“

Da Gurronsevas das ebenfalls nicht wissen wollte, uberlie? er weiterhin Remrath das Reden.

„Ihr braucht keine Geisel, denn ihr habt bereits eine“, fuhr der Chefkoch rasch fort. „Gurronsevas verbringt die ganze Zeit, in der wir wach sind, in der Mine, wo er uns beim Kochen hilft. Er bringt dem Kuchenpersonal und den jungen Lehrlingen die Methoden der Fremdweltler bei, genie?bare Pflanzen zu erkennen und zuzubereiten. Daruber hinaus gibt er ihnen Ratschlage und macht sich auf viele andere Arten nutzlich. Bei den Kindern ist er beliebt, bei den Lehrern geachtet, und mogen tun wir ihn alle. Wir wollen nicht, da? er umgebracht oder verletzt oder auch nur in irgendeiner Weise beleidigt wird.

Au?erdem ware Gurronsevas nach meiner fachlich fundierten Meinung als euer Chefkoch und Versorger vollig ungenie?bar“, schlo? Remrath.

Die Uberraschung und Freude uber die schmeichelhaften Dinge, die Remrath gerade uber ihn gesagt hatte, verschlugen Gurronsevas fur einen Moment die Sprache. Sowohl die jungen als auch die alten Wemarer in der Mine waren zwar sehr gesprachig gewesen, hatten aber mit freundlichen Worten stets gespart, so da? er geglaubt hatte, man wurde seine Anwesenheit lediglich dulden, aber nicht mehr. Er hatte gern ein Wort des Dankes an den Chefkoch gerichtet, doch noch war er nicht aus den Schwierigkeiten heraus, und au?erdem gab es noch einiges anderes, was er zuerst zu sagen hatte.

„Remrath hat recht“, sagte er mit lauter Stimme zu den Jagern. „Ich bin ungenie?bar. Und fur die Fremdweltler auf dem Schiff ist Creethar ebenfalls ungenie?bar, denn wir essen kein Fleisch. Remrath wei? das und hat seinen Sohn in unsere Obhut gegeben, weil wir auf diesem Gebiet uber ein gro?eres Wissen und mehr Erfahrung verfugen. Sowohl Remrath als auch Sie haben unser Wort, da? wir Ihnen Creethar bei der Mine sobald wie moglich zuruckgeben.“

Ich spreche die Wahrheit, sagte sich Gurronsevas, nur nicht die ganze. Die Besatzung der Rhabwar und die Halfte des medizinischen Teams a? sehr wohl Fleisch, allerdings waren die Mahlzeiten, die man an Bord und im Orbit Hospital verzehrte, ein Produkt der Nahrungssynthesizer, so vollkommen sie in Farbung, Struktur und Geschmack auch waren, und bestanden nicht aus Korperteilen irgendeines unglucklichen Tiers — und von einem intelligenten Lebewesen wurde man auf der Rhabwar auch nicht den kleinsten Happen essen. Auch davon, da? Creethar bei der Ubergabe lebendig oder tot sein konnte, sagte Gurronsevas nichts. Er glaubte zwar zu wissen, welche von den beiden Moglichkeiten eintreffen wurde, doch das Uberbringen dieser Art von schlechten Nachrichten uberlie? man besser den Arzten.

Schlagartig fiel ihm ein, da? das medizinische Team uber den Patienten nicht mehr wu?te, als es mit Hilfe der Scanner sehen konnte. Deshalb konnten Informationen daruber, wie sich Creethar die Verletzungen zugezogen hatte, vielleicht nicht nur fur das medizinische Team nutzlich sein, sondern Gurronsevas auch die Moglichkeit verschaffen, ein weniger heikles Thema anzusprechen. Die Wemarer unterhielten sich jetzt lebhaft, aber leise miteinander, und nach den wenigen Worten, die Gurronsevas’ Translator aufschnappte, schienen sie inzwischen weniger feindselig gegen ihn eingestellt zu sein. Er war entschlossen, eine Frage zu riskieren.

„Konnten Sie mir, falls es nicht allzu schmerzhaft fur Sie ist, erzahlen, wie Creethar sich seine Verletzungen zugezogen hat?“

Ganz offensichtlich bereitete die Frage keinen Kummer, denn aus der Gruppe der Jager begann eine Wemarerin namens Druuth, die Creethars Platz als Anfuhrer eingenommen hatte, den Vorfall zu beschreiben. Sie erzahlte die Geschichte in samtlichen Einzelheiten, die sich hin und wieder recht grausam anhorten. Dazu gehorten auch die Ereignisse und Gesprache vor und nach dem Zwischenfall sowie Creethars eigener Bericht und seine letzten Anweisungen, bevor er das Bewu?tsein verloren hatte.

Gurronsevas gewann den Eindruck, da? die Wemarerin ihm moglicherweise nur deshalb alles so ausfuhrlich berichtete, um irgend etwas zu entschuldigen oder vielleicht auch zu rechtfertigen, das die Gruppe der Jager getan oder unterlassen hatte.

28. Kapitel

Die Ereignisse hatten sich wie folgt abgespielt:

Kurz nach Morgengrauen am dreiunddrei?igsten Tag der erfolglosesten Jagd, an die sich jemand von ihnen erinnern konnte, entdeckten die Jager die Fahrten eines ausgewachsenen Twasachs mit mehreren Jungen, die vom schlammigen Ufer eines Flusses zu einer Hohle in einem nahegelegenen Abhang fuhrten. Die gro?eren Spuren waren nicht tief in den weichen Boden eingedruckt, was darauf schlie?en lie?, da? der Twasach entweder noch nicht voll ausgewachsen oder stark unterernahrt war. Da? er jedoch so nah vorm Verhungern stand wie die Jager, war hochst unwahrscheinlich, was fur denjenigen, der ihn fangen und toten mu?te, nur noch gro?ere Gefahr bedeutete, wie Druuth mit finsterer Vorahnung befurchtete, denn zwangslaufig fiel diese Aufgabe Druuths Lebensgefahrten Creethar, dem Anfuhrer der Jager, zu.

Wie die uralten, langsam zerfallenden Bucher in der Mine berichteten, hatten die Twasachs in ferner Vergangenheit einmal auf Baumen gelebt und sich sowohl von Pflanzen als auch von kleineren Tieren ernahrt, dann jedoch gelernt, alles anzugreifen und zu fressen, was sie finden konnten — egal, wie gro? es war, so da? leider auch unvorsichtige Wemarer auf der Jagd dazugehorten. Dieser Twasach hier mu?te als besonders gefahrlich eingestuft werden, weil er nicht nur Hunger hatte, sondern auch seine Jungen beschutzen wurde. Doch die herrliche Aussicht, eine gesamte Twasachfamilie auf einmal zu fangen, hatte die Jager trotz Creethars wiederholter Warnungen ubereifrig und unvorsichtig gemacht.

Druuth konnte das gut verstehen. Zu lange hatten sie nichts als winzige und bei weitem nicht ausreichende Nagetiere und Erdinsekten gefangen und miteinander geteilt. Danach waren die Jager immer einzeln aus dem Lager geschlichen, um sich ihre Scham nicht anmerken zu lassen, wahrend sie etwas gegen die gahnende Leere im knurrenden Magen zu tun versuchten und heimlich die Fruchte, Beeren und Wurzeln a?en, die sie — unter der Vortauschung der anderen, nichts davon zu bemerken — unterwegs gesammelt hatten. Doch auf einmal fuhlten sie sich wieder wie echte Jager, die mutig und stolz waren und kurz davor standen, sich mit Fleisch satt zu essen, wie es ihnen von Rechts wegen zustand.

Der Abhang war steil und steinig, und noch mehr scharfkantige Steine bedeckten das ausgetrocknete Flu?bett zu seinen Fu?en. Nur wenige, nicht besonders fest verwurzelte Pflanzenbuschel waren vorhanden, um den Handen einen sicheren Halt zu geben, und das brockelige, unebene Gesims, das zur Hohle hinauffuhrte, hielt zwar das Gewicht eines Twasach aus, war aber kaum breit genug, um einen Wemarer zur Zeit zu tragen. Druuth folgte Creethar uber das schmale Gesims zur Hohlenoffnung, wo die beiden das an den Randern beschwerte Netz ausbreiteten, wahrend sie sich in gefahrlicher Weise an den Abhang klammerten und die schweren Schwanze uber das Gesims hangen lassen mu?ten, wodurch sie das Gleichgewicht zu verlieren drohten.

Die ubrigen Jager waren vom Erfolg derart uberzeugt, da? sie schon damit begonnen hatten, ein Zelt zu errichten, um etwaige Fleischreste im Rauch zu trocknen und haltbar zu machen und Brennholz fur ein Dauerfeuer zu sammeln.

So leise wie moglich hangten Creethar und Druuth das Netz vor die Hohlenoffnung und befestigten es, indem sie die offenen Maschen uber geeignete Pflanzen schoben oder an Felsvorsprungen festklemmten. Dann bezogen sie links und rechts von der Hohlenoffinung Stellung und begannen, ununterbrochen aus voller Kehle in die Hohle hineinzuschreien.

Mit bereitgehaltenen Speeren warteten sie darauf, da? ein wutender Twasach herausgeschossen kam und ins Netz sturmte — aber nichts passierte.

Zwischen dem Schreien warfen sie Steine durch die Maschen und horten, wie diese klackernd auf den Hohlenboden schlugen. Doch noch immer erfolgte bis auf das angstliche Bloken der Jungen und ein dumpfes Stohnen des ausgewachsenen Twasachs keine Reaktion. Allmahlich wurden die unten wartenden Jager in ihrem Hunger ungeduldig und riefen ihrem Anfuhrer und seiner Stellvertretern immer unverhohlener Respektlosigkeiten

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