gar nicht erst angeboten. Blo? Ihnen haben wir es vorgesetzt, weil Sie stark geschwacht und unterernahrt sind, und Sie haben es zuruckgewiesen.

Ihre Freunde in der Mine essen — und genie?en, wie mir die meisten versichert haben — die einheimischen Gemusesorten, die man bisher nur als fur Kinder geeignet betrachtet hat“, fuhr er schnell fort. „Diese Gemusesorten werden gegessen, weil ich Remrath viele neue Moglichkeiten gezeigt habe, den Geschmack der hiesigen Gemusegerichte zu variieren, sie auf reizvollere Weise anzurichten und sie durch So?en aus Krautern und Gewurzen, die hier uberall im Tal wachsen, mit Geschmacksgegensatzen anzureichern.

Zum Beispiel habe ich.“

Creethar lauschte schweigend und reglos, wahrend Gurronsevas mit wachsender Begeisterung zur Beschreibung der vielen Anderungen uberging, die er in den E?gewohnheiten der Minenbewohner herbeigefuhrt hatte. Die neuen Moglichkeiten, die er entwickelt hatte, indem er den groben Grundteig der Wemarer mit Gewurzen oder saftigen Beeren verfeinert hatte, waren mit allgemeinem Beifall aufgenommen worden. Wie er weiterhin ausfuhrte, reichten seine Worte und Creethars Vorstellungskraft auch nicht annahernd aus, um die Geschmackserlebnisse nachzuempfinden, die er beschrieb. Als er die Komplimente wiederholte, die Remrath und selbst die erzkonservative Tawsar seiner Kochkunst gemacht hatten, erfolgte von Creethar immer noch keine Reaktion. Im Eiltempo gingen Gurronsevas nun die Gesprachsthemen aus.

Wahrend er sich angestrengt bemuhte, seine Ungeduld zu zugeln, fragte er: „Creethar, haben Sie Hunger?“

„Ja, habe ich“, antwortete Creethar, ohne zu zogern.

„Mit jedem Wort, das Sie sagen, bekommt er gro?eren Hunger“, merkte Prilicla an.

„Dann lassen Sie mich Ihnen etwas zu essen geben“, schlug Gurronsevas vor. „Und zwar Wemarer Essen, keins aus der Maschine der Fremdweltler. Daran haben Sie doch bestimmt nichts auszusetzen, oder?“

Creethar zogerte und antwortete dann: „Ich bin mir nicht sicher. An das Essen, das man hier den Kindern vorsetzt, erinnere ich mich nur zu gut, und das ist keine angenehme Erinnerung. Falls Sie tatsachlich irgendwie den Geschmack verbessert haben, liegt das vielleicht daran, da? Sie fremdweltlerische Substanzen ins Essen gemischt haben. Das Risiko kann ich nicht eingehen.“

In der Vergangenheit hatte Gurronsevas schon reichlich mit schwer zu befriedigenden Essern zu tun gehabt, und die Diat- und Naturkostfanatiker hatten immer besondere Schwierigkeiten bereitet, doch deren Forderungen waren im Vergleich zu denen von Creethar direkt einfach gewesen.

„Creethar, Sie mussen etwas essen“, forderte er den Wemarer in sehr ernstem Ton auf. „Zwar gehore ich selbst nicht zu den Bewahrern und kann keine genaue Schatzung geben, aber wenn Sie jetzt anfangen, regelma?ig zu essen, werden wir Sie schon bald Ihren Freunden ubergeben konnen. Falls Sie lieber etwas Einheimisches als die Verpflegung aus unserer Maschine zu sich nehmen, kann ich Ihnen den einfachen Gemuseeintopf kochen, an den Sie sich aus der Kindheit erinnern, und dann werde ich Remrath um ein wenig von dem Fleisch bitten, das die Jager mitgebracht haben. Ihre Freunde wollen Sie unbedingt zuruckhaben, und ich bin mir sicher, da? es denen nichts ausmachen wurde.“

„Nein!“ widersprach Creethar in scharfem Ton, wobei er sich kraftlos mit dem Korper gegen die Haltegurte stemmte. „Sie durfen auf keinen Fall

meine Freunde um Fleisch bitten oder mit Remrath uber mich reden. Das mussen Sie mir versprechen.“

„Der Patient ist zunehmend angespannt“, meldete Prilicla.

Das kann ich selbst sehen, dachte Gurronsevas. Aber warum ist er angespannt? Hat er unerkannte Kopfverletzungen erlitten und ist nicht mehr bei klarem Verstand? Oder verhalt er sich einfach wie ein Wemarer?

„Also gut, Creethar, ich verspreche es Ihnen“, versicherte er ihm schnell. „Aber es gibt noch eine andere Moglichkeit. Mal angenommen, ich wurde das Gemuse hier im Tal sammeln und es Ihnen vor und wahrend jeder Phase der Zubereitung und des Kochens zeigen. Ich werde Ihnen nicht versprechen, Ihnen den Eintopf so vorzusetzen, wie Sie ihn in Erinnerung haben, aber ich bin mir sicher, da? Ihnen das Ergebnis gefallen wird. Zum Kochen werde ich nicht mal die Vorrichtung des Essensspenders zum Erhitzen benutzen, weil Sie moglicherweise eine Verunreinigung des Essens befurchten, sondern ich werde personlich das hiesige naturliche Brennmaterial sammeln und auf dem Boden neben Ihnen ein Feuer zum Kochen entfachen, wo Sie mir bei der Arbeit zusehen konnen. Was sagen Sie nun, Creethar? Ich sehe keine Probleme mehr, all Ihre Bedenken zu zerstreuen.“

„Ich habe einen Riesenhunger“, wiederholte Creethar.

„Und Sie, Freund Gurronsevas, sind ganz schon optimistisch“, merkte Prilicla in warnendem Ton an.

31. Kapitel

Da? offene Feuer auf ihrem keimfrei sauberen Unfalldeck entzundet wurden und Rauch die Atmosphare verunreinigte, mi?billigte Naydrad als typische, um Ordnung und Sauberkeit in ihrem medizinischen Reich besorgte Oberschwester aufs au?erste. Pathologin Murchison sagte, es sei schon schlimm genug, zum Ruckschritt ins medizinische Mittelalter mit Behandlungen durch Krauter und Breipackungen gezwungen zu sein, ohne auch noch mit der Forderung konfrontiert zu werden, zum Bewohner einer verrauchten Hohle zu werden. Dr. Danalta, der sich allen Umweltbedingungen anpassen konnte, in denen Leben moglich war, hielt sich zwar zuruck, war aber mit Gurronsevas’ Vorhaben ebenfalls nicht einverstanden, und Chefarzt Prilicla versuchte, den Frieden zu wahren und die emotionale Ausstrahlung in seiner Umgebung so angenehm wie moglich zu gestalten. Dennoch gab es Momente — so wie jetzt—, in denen Gurronsevas nichts unternahm, um das medizinische Team zu besanftigen.

„Jetzt, wo ich Creethar dazu uberredet habe, regelma?ig und in fur einen genesenden Patienten ausreichendem Ma?e zu essen.“, begann er.

„Fur einen genesenden Schlemmer“, warfNaydrad ein.

„…ist mir gerade ein neuer Einfall gekommen, der — wie Sie sicherlich gerne horen werden — ebenfalls nicht medizinischer Natur ist“, fuhr Gurronsevas fort. „In Ihrem letzten medizinischen Gesprach, das ich wohl oder ubel mit anhoren mu?te, haben Sie behauptet, der Patient mache gute Fortschritte, man seine Genesung jedoch beschleunigen konnte, wenn man das Essen mit winzigen Mengen von tierischem Eiwei? und bestimmten Mineralien anreichern wurde, die alle von unserem Essensspender zur Verfugung gestellt werden konnten.

Mein Einfall ist folgender“, erklarte er weiter. „Da Creethar vor allem Angst hat, was aus dem Essensspender kommt, auch wenn er uns oft dabei beobachtet hat, wie wir uns auf dem Unfalldeck aus dem Spender bedient haben, wurde es ihn sehr beruhigen, wenn er uns nicht nur Schiffsproviant,

sondern auch einheimische Gerichte essen sehen wurde, die ich zubereitet habe. Mit etwas Gluck mu?ten wir ihn davon uberzeugen konnen, da? ihm das Essen aus dem Spender nichts schadet, weil wir wiederum die einheimische Nahrung vertragen. Dann werden Sie in der Lage sein, die notwendigen Veranderungen an Creethars Ernahrung vorzunehmen, durch die er.“

Er brach mitten im Satz ab, weil sich Naydrads Fell am ganzen Korper zu argerlichen Stacheln aufgerichtet hatte, Priliclas zerbrechlich wirkender Korper von dem Gefuhlssturm durchgeschuttelt wurde, der ubers Unfalldeck fegte, und Murchison, deren Gesicht ein dunkleres Rosa angenommen hatte, beide Hande hochhielt.

„Jetzt machen Sie aber mal einen Punkt!“ protestierte die Pathologin. „Es ist schon schlimm genug gewesen, da? Sie hier auf dem Unfalldeck gekocht und uns mit dem Rauch halb erstickt haben. Und jetzt verlangen Sie allen Ernstes von uns, Ihre ekelhaft stinkenden einheimischen Gerichte zu essen? Als nachstes sollen wir wohl auch noch rings ums Lagerfeuer sitzen und Wemarer Lieder singen, damit sich der Patient noch mehr wie zu Hause fuhlen kann, wie?“

„Bei allem Respekt“, sagte Gurronsevas in einem Ton, der nicht gerade respektvoll war, „die vorubergehende Verunreinigung der Luft mit Rauch ist keineswegs gesundheitsgefahrdend fur Sie gewesen, und die Oberschwester hat mir gegenuber einmal erwahnt, der Duft von einigen Gerichten sei gar nicht so unangenehm.“

„Er hat den Gestank des Rauchs uberlagert, habe ich gesagt“, korrigierte ihn Naydrad.

„Bevor Sie ein Gericht nicht probiert haben, konnen Sie gar nicht wissen, ob es stinkt und ekelhaft ist“, fuhr Gurronsevas fort, ohne den Einwurf zu beachten. „Schlie?lich wei? jeder, der auch nur uber einen einigerma?en

Вы читаете Chef de Cuisine
Добавить отзыв
ВСЕ ОТЗЫВЫ О КНИГЕ В ИЗБРАННОЕ

0

Вы можете отметить интересные вам фрагменты текста, которые будут доступны по уникальной ссылке в адресной строке браузера.

Отметить Добавить цитату