Die beiden Manner und Mar sahen sie an.

»Ich werde euch nicht sagen, wie ich davon erfuhr, und ich werde nie wieder uber die Sache sprechen, nachdem ich alles erzahlt habe. Seid ihr damit einverstanden?«

»Was soll das hei?en?«, fragte Joan.

»Das ist doch vollig klar«, fuhr Mar ihn an.

Guillem sah Mar uberrascht an. Weshalb sprach sie so mit ihm? Er beobachtete Joan, doch der hatte den Blick gesenkt.

»Fahr fort, Aledis. Wir sind einverstanden«, erklarte Guillem.

»Erinnert ihr euch an die beiden Adligen, die hier im Gasthof wohnen?«

Als Guillem den Namen Genis Puig horte, unterbrach er Aledis.

»Er hat eine Schwester namens Margarida«, erklarte ihm diese.

Guillem schlug die Hande vors Gesicht.

»Wohnen sie noch hier?«, fragte er.

Aledis berichtete weiter, was ihre Madchen herausgefunden hatten. Eulalias Schaferstundchen mit Genis Puig war nicht vergebens gewesen. Nachdem er, vom Wein berauscht, sein Verlangen mit ihr befriedigt hatte, hatte er sich damit gebrustet, welche Vorwurfe sie vor dem Inquisitor gegen Arnau erhoben hatten.

»Sie behaupten, Arnau habe den Leichnam seines Vaters verbrannt«, erzahlte Aledis. »Ich kann das nicht glauben …«

Joan wurgte. Alle drehten sich zu ihm um. Der Monch presste die Hand auf den Mund. Er sah elend aus. Die Dunkelheit, Bernats Korper, der auf dem improvisierten Schafott baumelte, die Flammen …

»Was sagst du nun, Joan?«, horte er Guillem fragen.

»Sie werden ihn hinrichten«, brachte er heraus, bevor er aus dem Raum sturzte, die Hand auf den Mund gepresst.

Joans Urteil hing in der Luft. Alle starrten vor sich hin.

»Was ist da zwischen Joan und dir?«, fragte Guillem Mar leise, als der Monch nach einer ganzen Weile immer noch nicht wieder erschienen war.

»Nichts«, antwortete sie. »Du wei?t doch, dass wir uns noch nie gut verstanden haben.«

Mar wich Guillems Blick aus.

»Erzahlst du es mir irgendwann einmal?«

Mar senkte den Blick.

54

Das Tribunal war bereits zusammengetreten. Die vier Dominikaner und der Schreiber sa?en hinter dem Tisch, die Wachen standen an der Tur, und Arnau wartete in der Mitte des Raumes. Er war genauso schmutzig wie am Tag zuvor.

Kurz darauf betraten Nicolau Eimeric und Berenguer d'Erill, Prunk und Hochmut vor sich hertragend, den Saal. Die Soldaten salutierten, und die ubrigen Mitglieder des Tribunals erhoben sich, bis die beiden ihre Platze eingenommen hatten.

»Die Verhandlung ist eroffnet«, sagte Nicolau, und dann, an Arnau gewandt: »Ich erinnere dich daran, dass du nach wie vor unter Eid stehst.«

»Dieser Mann«, hatte er dem Bischof auf dem Weg zum Gerichtssaal gesagt, »wird eher wegen des geleisteten Eids sprechen als aus Angst vor der Folter.«

»Verlies noch einmal die letzten Worte des Gefangenen«, wandte sich Nicolau nun an den Schreiber.

»Sie folgen nur ihrem Glauben und ihren Uberzeugungen, genau wie wir.« Seine eigene Aussage traf ihn wie ein Schlag ins Gesicht. Wahrend seine Gedanken standig bei Mar und Aledis waren, hatte er die ganze Nacht daruber nachgegrubelt, was er gesagt hatte. Nicolau hatte ihm keine Moglichkeit gegeben, sich naher zu erklaren, aber was gab es da auch zu erklaren? Was sollte er diesen Ketzerjagern sein Verhaltnis zu Raquel und ihrer Familie darlegen? Der Schreiber las weiter. Er durfte die Ermittlungen nicht auf Raquel lenken. Die Familie hatte schon genug unter Hasdais Tod gelitten, um ihnen nun auch noch die Inquisition auf den Hals zu hetzen …

»Bist du der Ansicht, der christliche Glaube reduziere sich auf Uberzeugungen oder Glaubenslehren, die der Mensch nach Belieben annehmen konne?«, fragte Berenguer d'Erill. »Vermag ein einfacher Sterblicher uber die gottlichen Gebote zu urteilen?«

Warum nicht? Arnau sah Nicolau an. Waren er und seinesgleichen keine einfachen Sterblichen? Sie wurden ihn verbrennen. Sie wurden ihn verbrennen, wie sie Hasdai und so viele andere verbrannt hatten. Es lief ihm kalt den Rucken herunter.

»Ich habe mich nicht korrekt ausgedruckt«, sagte er schlie?lich.

»Wie wurdest du es denn richtig ausdrucken?«, hakte Nicolau nach.

»Ich wei? es nicht. Ich habe nicht Eure Kenntnisse. Ich kann nur sagen, dass ich an Gott glaube, dass ich ein guter Christ bin und mich stets an Seine Lehren gehalten habe.«

»Entspricht es fur dich der gottlichen Lehre, den Leichnam deines Vaters zu verbrennen?«, brullte der Inquisitor, wahrend er aufsprang und mit beiden Handen auf die Tischplatte einschlug.

Raquel erschien im Schutz der Dunkelheit im Haus ihres Bruders, wie sie mit diesem vereinbart hatte.

»Sahat!« Mehr brachte sie nicht heraus, wahrend sie in der Tur stehen blieb.

Вы читаете Die Kathedrale des Meeres
Добавить отзыв
ВСЕ ОТЗЫВЫ О КНИГЕ В ИЗБРАННОЕ

0

Вы можете отметить интересные вам фрагменты текста, которые будут доступны по уникальной ссылке в адресной строке браузера.

Отметить Добавить цитату