mehrerer ehebrecherischer Beziehungen, die er unterhalten hatte.

»Wenn du seine Mutter bist«, murmelte Pater Albert und richtete den Blick gen Himmel, »wird es dich nicht storen, dass ich diese kleine List fur deinen Sohn anwende, nicht wahr?«

Der Silberschmied wagte es nicht, nein zu sagen.

»Es handelt sich lediglich um eine kleine Spende an die Domschule«, erklarte ihm der Pfarrer. »Du hilfst damit einem Jungen, und Gott … nun, Gott wird es dir vergelten.«

Er musste nur noch mit Bernat reden. Pater Albert machte sich auf die Suche nach ihm.

»Ich habe erreicht, dass man Joanet an der Domschule aufnimmt«, erklarte er ihm, wahrend sie unweit von Peres Haus am Strand entlangspazierten.

Bernat sah den Priester an.

»Ich habe nicht genug Geld, Pater«, sagte er entschuldigend.

»Es wird dich nichts kosten.«

»Ich dachte, die Schulen …«

»Ja, aber das gilt fur die stadtischen Schulen. In der Domschule genugt es …« Wozu es ihm erklaren? »Nun, ich habe es jedenfalls erreicht.«

Die beiden spazierten weiter.

»Er wird Lesen und Schreiben lernen, zuerst in Fibeln, spater auch Psalmen und Gebete.«

Weshalb sagte Bernat nichts?

»Mit dreizehn Jahren kann er in die Oberschule ubertreten und Latein und die sieben freien Kunste erlernen: Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie.«

»Pater«, wandte Bernat ein, »Joanet hilft im Haushalt, sodass Pere mir einen Esser weniger berechnet. Wenn der Junge nun zur Schule geht …«

»Er wird in der Schule bekostigt werden.«

Bernat sah ihn an und wiegte den Kopf, als dachte er daruber nach.

»Au?erdem«, fugte der Priester hinzu, »habe ich bereits mit Pere gesprochen, und er ist damit einverstanden, dir auch in Zukunft denselben Preis zu berechnen.«

»Ihr habt Euch sehr fur den Jungen eingesetzt.«

»Ja. Hast du etwas dagegen?« Bernat verneinte lachelnd. »Stell dir vor, Joanet konnte schlie?lich sogar zur Universitat gehen, zur Hochschule in Lerida oder sogar an eine auslandische Universitat, nach Bologna, Paris …«

Bernat lachte herzlich. »Wenn ich nein sagte, waret Ihr enttauscht, oder irre ich mich?«

Pater Albert nickte.

»Er ist nicht mein Sohn, Pater«, fuhr Bernat fort. »Wenn er es ware, wurde ich nicht zulassen, dass der eine Sohn fur den anderen arbeitet. Aber wenn es mich nichts kostet, warum nicht? Der Junge hat es verdient. Vielleicht kommt er eines Tages an all die Orte, von denen Ihr erzahlt habt.«

»Ich hatte lieber mit Pferden zu tun, so wie du«, sagte Joanet zu Arnau, wahrend sie am Strand entlangspazierten, genau dort, wo Pater Albert und Bernat uber seine Zukunft entschieden hatten.

»Es ist sehr hart, Joanet … Joan. Ich putze und putze, und wenn endlich alles glanzt, macht ein Pferd einen Ausritt, und ich fange wieder von vorne an. Und das nur, wenn Tomas mich nicht anschreit und mir ein Paar Steigbugel oder Zaumzeug bringt, damit ich noch einmal darubergehe. Beim ersten Mal gab er mir eine Kopfnuss, doch dann kam unser Vater … Das hattest du sehen sollen! Er setzte ihm die Mistgabel auf die Brust und druckte ihn gegen die Wand, und Tomas begann zu stottern und sich zu entschuldigen.«

»Deshalb ware ich so gerne bei euch.«

»Ach was!«, entgegnete Arnau. »Seither ruhrt er mich nicht mehr an, aber es gibt immer etwas, das schlecht geputzt ist. Er macht es selbst schmutzig, wei?t du? Ich hab's gesehen.«

»Weshalb sagt ihr es nicht Jesus?«

»Papa sagt, er wurde mir nicht glauben. Jesus ist mit Tomas befreundet und wurde ihn verteidigen, und die Baronin wurde jede Gelegenheit nutzen, um uns anzugreifen. Sie hasst uns. Wei?t du, du wirst viele Dinge in der Schule lernen. Ich werde nur das Zeug putzen, das andere schmutzig machen, und mich anschreien lassen.«

Die beiden schwiegen eine Weile, stapften durch den Sand und schauten aufs Meer hinaus.

»Nutz deine Chance, Joan«, sagte Arnau plotzlich und wiederholte die Worte, die er von Bernat gehort hatte.

Joan kam gut voran im Unterricht. Er legte gro?en Eifer an den Tag, seit ihn der Priester, der zugleich ihr Lehrer war, vor den anderen belobigt hatte. Joan durchfuhr ein angenehmes Kribbeln und er lie? sich von seinen Klassenkameraden bestaunen. Wenn seine Mutter noch lebte! Er wurde auf der Stelle losrennen, um sich auf die Kiste zu hocken und ihr zu berichten, wie man ihn gelobt hatte. Der Klassenbeste, hatte der Lehrer gesagt, und alle, alle hatten ihn angesehen. Er war noch nie irgendwo der Beste gewesen!

An diesem Abend kam Joan, eingehullt in eine Wolke der Zufriedenheit, nach Hause. Pere und Mariona horten ihm lachelnd und erwartungsvoll zu und baten ihn, noch einmal zu wiederholen, was er gesagt hatte, denn vor lauter Freudenrufen und Gestikulieren war eigentlich nichts zu verstehen gewesen. Als Arnau und Bernat eintrafen, sahen die drei zur Tur. Joan wollte ihnen entgegenlaufen, doch das Gesicht seines Bruders hielt ihn davon ab. Man sah, dass er geweint hatte, und Bernat hatte eine Hand um seine Schulter gelegt und druckte ihn fest an sich.

»Was ist denn?«, fragte Mariona und ging auf Arnau zu, um ihn zu umarmen. Doch eine Handbewegung von Bernat lie? sie innehalten.

»Das muss man aushalten«, sagte er, an niemand Bestimmtes gewandt.

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