verbringen.«
Die Begleiter des Herrn de Bellera quittierten die Worte ihres Freundes mit lautem Beifall. Bernat sturzte zum Tisch, doch bevor er ihn erreichte, sprangen die beiden Manner, die betrunken wirkten, auf und legten die Hande auf ihre Schwerter. Bernat erstarrte. Llorenc de Bellera sah ihn an, grinste und brach dann in lautes Gelachter aus. Das Madchen sah Bernat hilfesuchend an.
Bernat trat einen Schritt vor, doch die Schwertspitze eines der beiden Freunde des Adligen bohrte sich in seine Magengrube. Hilflos blieb er erneut stehen. Francesca sah ihn unverwandt an, wahrend sie zur Au?entreppe des Gehofts geschleift wurde. Als der Besitzer des Landes sie um die Taille fasste und uber seine Schulter warf, begann das Madchen zu schreien.
Die Freunde des Herrn von Navarcles setzten sich wieder hin und tranken und lachten weiter, wahrend sich die Soldaten am Fu? der Treppe postierten, um Bernat den Zutritt zu verwehren.
Bernat stand an der Treppe vor den Soldaten und nahm weder das Gelachter der Freunde des Herrn de Bellera wahr noch das Schluchzen der Frauen, weder das Schweigen seiner Gaste noch die groben Scherze der Soldaten, die mit vielsagenden Blicken zum Haus hinubersahen. Er horte nur Francescas Schreie, die aus dem Fenster im ersten Stock drangen.
Der Himmel war immer noch strahlend blau.
Nach einer Zeit, die Bernat endlos vorkam, erschien Llorenc de Bellera erhitzt auf der Treppe und gurtete den Jagdrock zu.
»Jetzt bist du an der Reihe, Estanyol!«, rief er mit seiner drohnenden Stimme, wahrend er an Bernat vorbei zum Tisch zuruckging. »Dona Caterina«, setzte er an seine Begleiter gewandt hinzu und meinte seine junge Ehefrau, die er erst kurzlich geheiratet hatte, »ist es leid, dauernd von meinen ganzen Bastarden zu erfahren, und mir hangt ihr Gejammer allmahlich zum Hals heraus. Erfulle deine Pflicht als guter Ehemann!«, befahl er, wieder an Bernat gewandt.
Bernat senkte den Kopf. Unter den aufmerksamen Blicken aller Anwesenden stieg er muhsam die Au?entreppe hinauf. Er betrat das erste Zimmer, einen gro?zugigen Raum, der als Kuche und Esszimmer diente, mit einem gewaltigen Herd an der einen Wand, uber dem sich ein beeindruckender schmiedeeiserner Kaminabzug befand. Bernat horte seine eigenen Schritte auf dem Holzboden, wahrend er die Treppe in den zweiten Stock hinaufstieg, wo die Schlafraume und der Speicher lagen. Er steckte den Kopf durch die Luke im obersten Zimmer und spahte in den Raum, ohne sich ganz hineinzuwagen. Es war kein Laut zu horen.
Mit dem Kinn auf Hohe des Fu?bodens, der Korper noch auf der Treppe, sah er Francescas Kleider im Zimmer verstreut liegen; das wei?leinene Hemd, der Stolz der Familie, war zerfetzt und zerrissen. Er stieg ganz nach oben.
Francesca lag vollig nackt und mit verlorenem Blick zusammengekauert auf der neuen Matratze, die nun mit Blut befleckt war. Ihr verschwitzter, mit Kratzern und blauen Flecken ubersater Korper regte sich nicht.
»Estanyol!«, horte Bernat Llorenc de Bellera von unten brullen. »Dein Herr wartet auf dich.«
Von Krampfen geschuttelt, erbrach sich Bernat, bis nur noch grune Galle kam. Francesca ruhrte sich immer noch nicht. Bernat stieg hastig hinab. Als er bleich unten ankam, gingen ihm die furchtbarsten Gedanken im Kopf herum. Nahezu blind, stie? er mit dem massigen Llorenc de Bellera zusammen, der am Fu? der Treppe stand.
»Es sieht mir nicht so aus, als hatte der frischgebackene Ehemann die Ehe vollzogen«, sagte Llorenc de Bellera zu seinen Begleitern.
Bernat musste aufschauen, um den Herrn von Navarcles anzusehen.
»Ich … ich konnte nicht, Euer Herrschaft«, stotterte er.
Llorenc de Bellera schwieg einen Moment.
»Nun, wenn du nicht kannst, so bin ich mir gewiss, dass einer meiner Freunde kann … oder einer meiner Soldaten. Ich habe dir doch gesagt, dass ich nicht noch mehr Bastarde will.«
»Ihr habt kein Recht …!«
Die Bauern, die die Szene beobachteten, zuckten zusammen bei dem Gedanken, welche Folgen diese Anma?ung nach sich ziehen wurde. Der Herr von Navarcles packte Bernat mit einer Hand am Hals und druckte zu, wahrend Bernat nach Luft schnappte.
»Wie kannst du es wagen? Willst du etwa Vorteile aus dem legitimen Vorrecht deines Herrn ziehen, mit der Braut zu schlafen, und spater mit einem Bastard auf dem Arm ankommen, um Forderungen zu stellen?« Llorenc schuttelte Bernat, bevor er ihn loslie?. »Willst du das? Was Recht ist, bestimme einzig und allein ich, verstanden? Hast du vergessen, dass ich dich bestrafen kann, wann immer und wie immer ich will?«
Llorenc de Bellera ohrfeigte Bernat so kraftig, dass dieser zu Boden ging.
»Meine Peitsche!«, brullte er wutend.
Die Peitsche! Als Kind war Bernat gezwungen gewesen, gemeinsam mit seinen Eltern der offentlichen Bestrafung eines armen Kerls beizuwohnen, dessen Vergehen nie genau bekannt geworden war. Das Gerausch, mit dem der Lederriemen auf den Rucken dieses Mannes niedergefahren war, klang ihm noch heute in den Ohren. Er hatte es lange Jahre seiner Kindheit hindurch Nacht fur Nacht gehort. Damals hatte sich keiner der Anwesenden zu ruhren gewagt, und so war es auch heute. Bernat rappelte sich hoch und sah zu seinem Herrn hinauf; dieser stand vor ihm wie ein Fels und wartete mit ausgestreckter Hand darauf, dass ihm einer seiner Diener die Peitsche reichte. Bernat erinnerte sich an den wunden Rucken des unglucklichen Mannes damals, eine blutige Masse, aus dem selbst der Zorn des Herrn keinen Fetzen mehr herauszurei?en vermocht hatte. Er kroch auf allen vieren zur Treppe, die Augen verdreht und zitternd wie ein Kind, das von Albtraumen heimgesucht wurde. Niemand ruhrte sich. Niemand sprach. Und die Sonne strahlte immer noch vom Himmel.
»Es tut mir leid, Francesca«, stammelte er, nachdem er sich, gefolgt von einem Soldaten, muhsam die Treppe hinaufgeschleppt hatte.
Er loste die Hose und kniete neben seiner Frau nieder. Das Madchen hatte sich nicht bewegt. Bernat betrachtete seinen schlaffen Penis und fragte sich, wie er dem Befehl seines Herrn Folge leisten sollte. Mit einem Finger streichelte er Francesca sanft uber die Seite.
Francesca reagierte nicht.
