blickte in den Pokal hinein. »Und wenn ich erbrechen mu??«

»So mu? man die Prozedur wiederholen, Eure Majestat«, antwortete Budach mit trauriger Miene.

»Also gut, meinetwegen«, sagte der Konig und wollte den Becher schon zum Mund fuhren, stie? ihn aber so heftig wieder von sich, da? er ein wenig auf den Teppich verschuttete. »Ha, mein Lieber, trink zuerst selbst! Ich kenne euch doch, ihr Irukanier, ihr habt den heiligen Micky den Barbaren verkauft. Trink, sag ich dir!« Budach nahm mit beleidigter Miene den Becher und trank einige Schlucke daraus.

»Nun, wie ist es?« fragte der Konig.

»Bitter, Eure Majestat«, sagte Budach mit gedruckter Stimme. »Aber Majestat mussen es trinken.«

»Mussen, mussen!« zeterte der Konig. »Ich wei? schon selber, was ich mu?. Gib her! Die Halfte ist ohnehin schon verschuttet … Na, gib schon her!«

Er leerte den Pokal mit einem Zug. Am Tisch horte man mitfuhlende Seufzer – und plotzlich war alles still. Der Konig erstarrte mit aufgerissenem Mund. Aus seinen angelaufenen Augen quoll eine Trane nach der andern. Er wurde langsam rot, und dann plotzlich ganz blau. Er streckte eine Hand uber den Tisch und schnalzte krampfartig mit den Fingern. Don Reba reichte ihm eilig eine Salzgurke. Der Konig schleuderte die Gurke stumm auf Don Reba und streckte noch einmal die Hand aus. »Wein …!« krachzte er heiser.

Irgend jemand buckte sich und reichte ihm einen Tonkrug. Der Konig trank in hastigen, gro?en Schlucken und verdrehte dabei wie toll die Augen. Rote Streifen flossen auf seine wei?e Weste. Als er den Krug ausgetrunken hatte, warf er ihn nach Budach, verfehlte ihn jedoch.

»Hundesohn!« sagte er in einem vollig unerwarteten Ba?. »Warum willst du mich umbringen? Hat man noch zu wenig von deiner Sorte aufgehangt? Da? dich der Teufel hole!« Er verstummte und beruhrte sein Knie.

»Es schmerzt!« sagte er mit seiner fruheren weinerlichen Stimme. »Trotzdem schmerzt es!«

»Eure Majestat!« sagte Budach. »Zur Erzielung einer vollstandigen Heilung mu?ten Majestat die Mixtur taglich trinken, und zwar mindestens eine Woche lang …« In der Kehle des Konigs schien etwas zu platzen.

»Hinweg!« winselte der Konig. »Schert euch alle hinweg von hier!«

Die Hoflinge sprangen auf, sturzten haufenweise auf die Turen zu und warfen dabei einige Stuhle um.

»Hinwe-e-e-g!« brullte der Konig erneut, au?er sich vor Wut, und fegte das Geschirr vom Tisch.

Nachdem er mit den andern schleunigst das Feld geraumt hatte, tauchte Rumata hinter den nachstbesten Vorhang und begann zu lachen. Hinter dem Vorhang nebenan lachten sie auch – sto?weise, nach Atem ringend und winselnd vor Lust.

6

Die Nachtwache beim Schlafgemach des Prinzen begann erst um Mitternacht. Rumata beschlo?, inzwischen noch nach Hause zu gehen, um nachzuschauen, ob alles in Ordnung sei, und um sich gleich umzuziehen. Das Gesicht der abendlichen Stadt machte ihn stutzig. Die Stra?en lagen in tiefem Schweigen, die Schenken und Tavernen waren geschlossen. An den Kreuzungen standen eisenklirrende Gruppen von Grauen Sturmowiki mit Fackeln in den Handen. Auch sie gaben keinen Laut von sich und schienen auf etwas Bestimmtes zu warten. Einige Male trat einer von ihnen ganz nahe an Rumata heran, schaute ihm ins Gesicht, nachdem er ihn aber erkannt hatte, wurde ihm immer schweigend der Weg freigegeben. Als es nur mehr funfzig Schritte bis zu seinem Haus waren, heftete sich in einigem Abstand eine Gruppe verdachtiger Gestalten an seine Fersen. Rumata blieb kurz stehen und rasselte mit den Schwertern. Die Gestalten blieben ein wenig zuruck, aber gleich darauf horte er aus der Finsternis das Schnalzen einer geladenen Armbrust. Rumata ging eilig weiter, wobei er sich gegen die Hausmauern druckte. Er tastete nach seinem Haustor, drehte den Schlussel im Schlo? und fuhlte dabei die ganze Zeit seinen unbedeckten Rucken uberdeutlich. Mit einem erleichterten Seufzer sprang er in die Vorhalle.

In der Vorhalle hatten sich schon alle Diener versammelt. Sie waren mit allem moglichen Gerat bewaffnet. Sie hatten das Tor schon einige Male auf seine Sicherheit gepruft. Rumata gefiel das alles nicht. Vielleicht sollte ich doch nicht weggehen, dachte er. Hol ihn der Teufel, den Prinzen … »Wo ist Baron Pampa?« fragte er.

In hochster Aufregung und mit einer Armbrust uber der Schulter antwortete Uno, der Baron sei erst gegen Mittag aufgewacht, habe dann alles im Haus verfugbare Gurkenwasser getrunken und sei dann wieder ausgezogen, um sich weiter zu unterhalten. Darauf berichtete Uno mit ernster Stimme, Kyra habe einige Male nach dem Herrn gefragt, und sie sei au?erst beunruhigt. »Gut«, sagte Rumata und befahl den Dienern, ihre Posten einzunehmen.

Die Kochinnen nicht mit eingerechnet, waren es sechs Diener, ein verla?liches Volk im allgemeinen, das an

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