herrschenden Regierung der Menschheit brechen. — Ein Phag darf einer Zivilperson keine besonders gefahrlichen

Ausrustungsgegenstande ubergeben… Dazu gehort auch eine

Plasmapeitsche.«

Beinahe hatte ich angefangen zu lachen. »Aber das ist doch idiotisch! Die Armee hat viel schrecklichere Waffen! Und irgendein Offizier, der wirklich kein Phag ist, kann auf einen Knopf drucken und einen ganzen Planeten zerstoren! Was ist im Vergleich dazu ein Schlangenschwert?«

»Du hast Recht«, stimmte Stasj zu. »Aber wir konnen diese Regel nicht brechen.«

Ich blickte auf die am Tisch Sitzenden. Mir schien, dass ich hinter den verschwommenen Abbildern die Gesichtsausdrucke erraten konnte. Ich tat ihnen allen leid. Sie waren alles andere als erfreut, sich mit einem Jungen herumschlagen zu mussen, der durch ihre eigene Schuld eine Waffe in die Hand bekommen hatte.

»Sie sind doch erwachsene Menschen«, versuchte ich sie zu uberzeugen, »intelligent und wohlwollend. Es kann doch nicht sein, dass Sie keinen Ausweg finden! Sie mochten mir doch helfen, dann helfen Sie auch!«

Stasj’ Gesicht verzog sich zu einer Leidensmiene. Jemand anders murmelte: »Wenn wir nur konnten…«

»Tikkirej, gefallt es dir auf dem Avalon?«, fragte plotzlich der Mulatte.

Ich nickte.

»Es gibt eine Regelung fur das Amt der zeitweiligen Bevollmachtigten«, stellte der Mulatte in den Raum.

»Ein Teil der Information und Ausrustungsgegenstande wird ubertragen. Bedingung sind Kontrolle und Einschrankung der Anwendungsmoglichkeiten«, zitierte Stasj atemlos.

»In einer Krisensituation«, erwiderte der Mulatte ebenfalls mit einem Zitat aus einem unsichtbaren Dokument. »Genau damit hast du doch schon begonnen, nicht wahr? Als du Tikkirej darum gebeten hattest, dir auf Neu-Kuweit zu helfen.«

»Danke, Ramon. Das konnte man…«

Der Phag, der an der Stirnseite des Tisches stand, rausperte sich und erganzte: »Wenn dergleichen fur die Erfullung einer operativen Aufgabe von besonderer Wichtigkeit erforderlich ist.«

Daraufhin verstummten alle. Irgendetwas uberdachten sie jetzt, und mir gefiel gar nicht, wie konzentriert sie dies taten.

»Tikkirej«, begann Ramon, »es gibt eine Moglichkeit. Aber sie ist nicht besonders empfehlenswert.«

»Sprechen Sie«, bat ich. Ich warf einen Blick auf Stasj. Sein Gesicht war eisern, fast versteinert.

»Ist dir bekannt, was auf Neu-Kuweit vor sich geht?«

Ich schuttelte den Kopf.

»Uns auch nicht, mein Junge. Wir bereiten gerade einen Einsatz auf diesem Planeten vor. Drei Phagen werden versuchen herauszufinden, was aus der Bevolkerung geworden ist, die der Psychoattacke des Inej ausgesetzt war. Wenn du mit nach Neu-Kuweit gehst, haben wir das Recht, dir den Status eines zeitweisen Bevollmachtigten zuzuerkennen. Und du kannst die Peitsche behalten… naturlich ohne den Hauptakkumulator.«

Ich uberlegte.

Ich fuhlte keine Furcht, nur Erstaunen daruber, wie einfach sich alles loste.

»Ist das fur lange?«, wollte ich wissen.

»Ich gehe von zwei bis drei Monaten aus«, erwiderte der oberste Phag. »Dann holen wir dich wieder heraus. Deine Wohnung, deine Arbeit — all das wird hier auf dich warten.«

»Die Sache mit der Schule werden wir klaren konnen, denke ich«, erganzte jemand und lachte gutmutig.

»Und worin wird meine Aufgabe bestehen?«, erkundigte ich mich.

»Es ist nichts Au?ergewohnliches: Beobachten und daraus Schlusse ziehen. Jede beliebige Information wird fur uns au?erst nutzlich sein… fur euch… fur das Imperium.«

»Und das Schlangenschwert? Danach, wenn ich zuruck bin?«

Ramon hob seine Schultern: »Fristen fur die Ruckgabe eines begrenzt zur Verfugung gestellten Ausrustungsgegenstands sind im Gesetz nicht geregelt. Du kannst sie behalten!«

Ich schaute zu Stasj. Sein Gesichtsausdruck gefiel mir nicht.

»Und Lion?«, fragte ich.

»Was hat Lion damit zu tun?« Ramon war genervt.

»Was wird aus ihm?«

»Unsere Wissenschaftler versuchen festzustellen, welchen Einfluss das Programm, das du so erfolgreich unterbrochen hast, auf ihn hatte. Dann werden wir ihm bei der Erlangung der Staatsburgerschaft behilflich sein und…«

»Lion wird mit mir kommen«, sagte ich.

Eine leichte Unruhe ging durch den Saal.

»Warum?«, erkundigte sich Ramon mit Unverstandnis in der Stimme.

»Weil sie Freunde sind«, antwortete Stasj fur mich, »und weil Lions Familie auf Neu-Kuweit zuruckgeblieben ist.«

»Wurde er denn zuruckkehren wollen?« Ramon zog seine Stirn in Falten. Ich hatte den Eindruck, als ob sich auf einmal zwischen Stasj und Ramon eine negative Stimmung aufgebaut hatte, zwischen ihnen etwas unausgesprochen blieb.

»Das wird man ihn fragen mussen«, meinte Stasj.

Erneut ergriff der Phag an der Stirnseite des Tisches das Wort: »Meine Herren, meinen Sie nicht auch, dass wir die Dinge ubereilen? Soll Tikkirej erst einmal uber unseren Vorschlag nachdenken, ehe er eine Entscheidung trifft. Ich hoffe trotz allem, dass er sich dazu entschlie?t, die Peitsche abzugeben und auf dem Avalon zu bleiben. Sein Freund wird ebenfalls eine Entscheidung treffen mussen. Wenn die Jungs trotzdem beschlie?en sollten, nach Neu-Kuweit zu fliegen, dann schlage ich vor, dass Ramon die Vorbereitung dieser Operation in die Hand nimmt.«

Ein Stimmengewirr erhob sich. Alle vertraten die Meinung, dass es nicht notig sei, etwas zu ubereilen, und dass »das Burschchen« Zeit zum Nachdenken brauchte.

»Ich bringe den Jungen nach Hause«, sagte Stasj und beruhrte meine Schulter. »Ich danke… allen.«

Er sah wieder zu Ramon und einige Sekunden lang examinierten die zwei Phagen einander. Dann zuckte Ramon unbeholfen mit den Schultern und wandte seinen Blick ab. Unten in einer gemutlichen Bar warteten wir noch zwei Stunden auf Lion. Stasj machte einen frohlicheren Eindruck und sprach nicht mehr uber Dienstliches. Er sagte, dass er heute nicht weiter an der Beratung teilnehmen musse, und bestellte sich einen Cocktail nach dem anderen.

Ich trank Saft, in den der frohliche Barkeeper »fur ein besseres Aroma« einen Teeloffel Apfelsinenlikor gab. Dann fing Stasj an, mir beizubringen, wie man vom au?eren Erscheinungsbild eines Menschen auf seine Stimmung und seinen Charakter schlie?en konne. Ich glaube, er meinte das nicht ganz ernst, aber wir hatten Spa?.

Es waren nur wenige Gaste in der Bar, vielleicht zehn Personen, aber keine Phagen. Uber jeden erzahlte Stasj etwas Lustiges.

Und nicht ein einziges Mal etwas Ansto?iges.

Lion kam gemeinsam mit Doktor Anna Goltz nach unten (oder nach oben, wenn es unterirdische Stockwerke waren). Er hatte keine Angst mehr und sah nicht bedruckt aus.

Im Gegenteil, er lachte, und als ihn Anna zum Abschied umarmte, wurde er rot.

»Na, wie ist er?«, fragte Stasj kurz und nickte Anna wie einer alten Bekannten zu.

»Ich glaube«, Anna wurde sofort ernst, »dass es dieser junge Mann rechtzeitig geschafft hat.«

Ich begriff, dass sie uber mich sprach.

»Ist etwas dabei herausgekommen?«, wollte Stasj wissen.

Anna schuttelte den Kopf.

Der Phag schien auch keine andere Antwort erwartet zu haben. Wir gingen zum Parkplatz.

»Bist du schlimm gequalt worden?«, erkundigte ich mich leise bei Lion.

»Wir haben uns unterhalten«, antwortete Lion ernst. »Uber meinen Traum.«

»Na und?«

Вы читаете Das Schlangenschwert
Добавить отзыв
ВСЕ ОТЗЫВЫ О КНИГЕ В ИЗБРАННОЕ

0

Вы можете отметить интересные вам фрагменты текста, которые будут доступны по уникальной ссылке в адресной строке браузера.

Отметить Добавить цитату