Harry und ich lie?en lange Klingen aus unseren Handen wachsen und hieben damit auf ihn ein, aber die Schnitte heilten so schnell wir sie schlugen. Das Ding, das einmal Sebastian gewesen war, lachte uns aus und schlug nur einmal mit seinen vier schweren Fausten auf uns ein, und es war selbst mit der Geschwindigkeit unserer Rustungen schwierig, ihnen auszuweichen. Es war der Torques, wissen Sie. Sebastian hatte seinen immer noch. Er konnte die Rustung nicht uber seinem monstrosen Korper tragen, aber sie beschutzte ihn dennoch. Warum hatte sie ihn dann aber nicht vor einer Infektion der Abscheulichen bewahrt? Warum hatte sie stattdessen die Infektion vor dem Rest von uns verborgen?
»Totet ihn nicht!«, schrie ich zu anderen hinuber. »Wir brauchen ihn lebend, damit er Fragen beantworten kann!«
»Ihn nicht toten?«, fragte Harry. »Ich kann den Bastard nicht einmal verletzen.«
Giles trat aus dem Nichts vor und schwang sein Schwert. Die lange Klinge kam in einem breiten Bogen angerauscht und rammte sich in Sebastians dicken, muskulosen Nacken. Die Stahlklinge prallte wirkungslos ab und lie? den Nacken unverletzt. Der Schwung riss Giles fast das Schwert aus der Hand. Er zuckte mit den Achseln, steckte das Schwert in seine Scheide und zog seine Energiewaffe. Er schoss Sebastian aus nachster Nahe in den Kopf. Es gab ein grelles Aufblitzen der abgefeuerten Energien und als wir wieder etwas erkennen konnten, war die Halfte von Sebastians Kopf weggeplatzt. Er taumelte zur Seite und fiel beinahe. Stucke von verkohltem Hirn fielen aus seinem Schadel. Der Seneschall, Harry und ich schnappten ihn uns und rangen ihn nieder. Wir verwendeten alle Kraft, die die Rustungen uns gaben, um ihn fest und auf dem Boden zu halten. Er baumte sich immer noch auf und zuckte unter uns, obwohl sein halber Kopf weg war. Molly und Roger traten vor und tauchten ihn in beruhigende Zauberspruche und lahmende Beschworungen. Sebastian entspannte sich mit einem tiefen Seufzer und lag still.
Und nur ich sah, was als Nachstes geschah.
Molly, die sich auf ihre Zauberspruche konzentriert hatte, kam ihm zu nahe, und eine Klauenhand schoss vor. Sie streifte Mollys Seite nur. Es schnitt oder verletzte sie nicht, aber durch meine goldene Maske sah ich, wie etwas zwischen ihnen ausgetauscht wurde. Etwas kam aus Sebastian heraus und drang in Molly ein, und es dauerte nur einen Sekundenbruchteil. Molly schrie auf, eher vor Schreck als vor Schmerz und fiel, sich die Seite haltend, hintenuber. Ich schrie ebenfalls, weil ich wusste, was gerade passiert war, auch wenn ich es nicht wahrhaben wollte. Ich lehnte mich vornuber und schlug Sebastian direkt in sein offenliegendes Gehirn. Blut und verkohltes Hirn flogen aus seinem Kopf und er heulte furchterlich auf vor Schmerz. Ich holte wieder aus, um erneut mit meiner goldenen Faust zuzuschlagen, aber der Seneschall packte meinen Arm mit seiner gerusteten Hand.
»Langsam, Junge«, sagte er. »Ich versteh's ja, aber du wolltest ihn lebend, erinnerst du dich?«
Ich nickte kurz. Ich traute meiner Stimme nicht. Sebastian war jetzt still und der Seneschall und Harry hielten ihn ohne Muhe fest. Er war wieder zu normaler menschlicher Gro?e zusammengeschrumpft und sein verletzter Kopf heilte schon wieder langsam. Giles stand mit seiner Knarre in der Hand da und war bereit, jederzeit wieder zu schie?en, wenn notig. Ich schrie zu Seltsam hinuber, einige Sicherheitsleute herzuholen und dann ging ich nach Molly sehen. Sie stand etwas abseits und hatte ihre Arme um ihren Korper geschlungen, als versuche sie, sich selbst oder etwas in sich zusammen zu halten. Ich sprach sie an, aber sie schien mich nicht zu horen.
Sebastian lachte und ich wandte mich zu ihm. Er kampfte nicht, aber er hatte sein zerstortes Gesicht zu mir gedreht.
»Mein Torques ist echt, Eddie«, sagte er in einer hohen, hohnischen Stimme. »Er konnte Sebastian nicht beschutzen und deiner wird dich nicht beschutzen. Deine Leute auch nicht. Ich habe unerkannt unter euch gelebt, und keiner hat irgendetwas vor mir versteckt. Oh, was ich fur Geheimnisse kenne! Und welche ich schon ausgeplaudert habe! Die Droods, die wegen mir in den Tod gingen!« Harry schlug ihn ins Gesicht und brach mit einem trockenen Knacken seine Nase. Sebastian hielt inne, um Blut zu spucken, aber er grinste mich immer noch an. »Die Hungrigen Gotter kommen, und es gibt nichts, was sie noch aufhalten kann!«
»Bringt ihn hier weg«, sagte ich. »Sperrt ihn in einen Kafig, der sicher ist und holt die Wahrheit aus ihm heraus. Nehmt ihn auseinander, bis auf die genetische Ebene, wenn es sein muss, aber findet raus, wie er tickt. Ich will alles wissen, was es uber ihn zu wissen gibt.«
»Genehmigst du auch extreme Ma?nahmen?«, fragte der Seneschall. »Nicht, dass ich etwas dagegen hatte, aber … das sieht dir nicht ahnlich, Eddie.«
»Tu's einfach«, sagte ich.
Sebastian hatte Molly infiziert. Etwas Au?erirdisches und Abscheuliches wuchs jetzt in ihr, fra? an ihrem Verstand und ihrer Seele, um auch sie in eine Abscheuliche zu verwandeln. Ich wusste es, aber ich konnte es niemandem sagen, ich wagte es nicht. Sie wurden sie auch in einen Kafig sperren und sie auseinandernehmen und das konnte ich nicht zulassen. Nicht Molly. Also sagte ich es niemandem. Interessanterweise tat Sebastian das auch nicht. Vielleicht dachte er auch, dass niemand es gesehen hatte.
Die zusatzlichen Sicherheitsleute kamen herbeigeeilt, bereits in Rustung, und der Seneschall und Harry ubergaben ihnen Sebastian. Er wehrte sich nicht, aber als sie ihn davonzerrten, schrie er zuruck zu uns, seine Stimme war voller schrecklichem Gelachter.
»Wenn wir in unserer ganzen Pracht kommen, werdet ihr uns lieben! Wir werden euch dazu bringen, uns zu lieben! Und uns anzubeten und fur uns zu arbeiten, obwohl wir euch und eure ganze Welt verschlingen werden! Ihr werdet uns lieben und anhimmeln und willig in unser Schlachthaus gehen! Alles, was lebt, wird uns gehoren!«
»Wer hat dich infiziert?«, fragte der Seneschall. »Du wei?t, dass wir es letztendlich aus dir herausholen werden. War es jemand aus der Familie?«
Aber Sebastian lachte und lachte nur, bis sich die Turen mit einem Rumms hinter ihm schlossen.
Fur eine Weile sagte keiner von uns im Sanktum etwas. Wir waren alle geschockt, wenn auch aus unterschiedlichen Grunden. Freddie kam aus seiner Ecke, mit blassem und abgespanntem Gesicht und sah uns an, als hatten wir Antworten fur ihn.
»Er war mein Freund«, sagte er. »Wir haben zusammengearbeitet. Wie konnte er nur infiziert werden, ohne dass ich es gesehen habe? Wie konnte er Sebastian so gut spielen, dass ich es nicht bemerken konnte?«
»Die Beruhrung der Abscheulichen korrumpiert«, sagte der Seneschall. »Ein Teil von ihm war immer noch Sebastian und wollte mit uns zusammenarbeiten. Aber gegen Ende war Sebastian vielleicht nur noch der Mantel, den die Drohne an- und ausziehen konnte.«
Ich sah Molly an. Ich sagte immer noch nichts.
»Wir mussen genau wissen, wann er infiziert wurde«, sagte Harry. »Damit wir genau wissen, seit wann er hier fur den Feind spioniert hat. Wie viel er ihnen gesagt hat. Wie viele unserer Plane er verraten hat.«
Ich warf ihm einen bosen Blick zu. »Ich hatte den Waffenmeister gebeten, einen Test auszuarbeiten, um herauszufinden, wer von uns infiziert wurde!«
»Das hast du«, sagte Harry. »Und der Waffenmeister hat einen Test entwickelt. Wir alle haben uns ihm unterzogen und bestanden. Also wurde Sebastian infiziert, nachdem er getestet wurde, oder …«
»Oder der Test ist verdammt nutzlos«, sagte ich. »Der Waffenmeister hat im Laufe der Jahre so viele Wunder fur uns entwickelt, dass wir dazu tendieren zu vergessen, dass er von Zeit zu Zeit versagt. Sebastian deutete an, dass noch mehr in der Familie infiziert sind. Vielleicht sogar hier im Herrenhaus. Vielleicht sogar der Original-Verrater, der damals auch dafur gesorgt hat, dass die Abscheulichen sich uberhaupt erst auf unserer Welt etablieren konnten. Und er sagte, dass sein Torques fur ihn arbeitet, und ihn beschutzt und nach der Infektion vor Entdeckung schutzt. Seltsam?«
»Guck mich nicht an«, sagte Seltsam. »Es hatte nicht moglich sein durfen. Ich habe eure neuen Torques und Rustungen nach dem genauen Vorbild und den Fahigkeiten der alten entworfen, die euch das Herz zur Verfugung gestellt hat. Ich kann nur vermuten, dass er schon infiziert war, bevor ich die neuen Torques ausgeteilt habe und dass seiner von der Infektion verandert wurde. Vergesst nicht, die Abscheulichen sind in unserer Realitat nur Vorboten der Hungrigen Gotter selbst. Und sie sind riesig und machtig und schrecklich genug, um sogar mir Angst zu machen.«
»Wir mussen wieder jeden von uns testen«, sagte ich. »Ich werde mit dem Waffenmeister sprechen und sehen, ob wir den Test etwas aufpeppen konnen.«
»Jeden testen?«, fragte Harry. »Selbst dich?«
»Jeden«, antwortete ich. Ich sah Molly nicht an. »Wir mussen wissen, wer wer ist.«
»Sebastian sagte, dass es viele seiner Art unter uns gibt«, sagte Freddie. »Sie verstecken sich hinter
