nachgekommen sei und deshalb keine weiteren Handlungen von ihrer Seite erforderlich seien; sie habe ihre eigene Gliedma?e vollstandig vom Rumpf abgetrennt. Die Tatsache, da? Conway und Thornnastor gemeinsam einen sehr kunstvollen mikrochirurgischen Eingriff durchgefuhrt hatten, um das Glied ohne Einbu?e der Funktionen und des Gefuhls wieder anzunahen, sei ein Glucksfall, den sie dankbar und ohne Schuldgefuhle hinnehmen solle.

Es hatte lange gedauert, den Zauberer davon zu uberzeugen, da? sie bereits zu demselben Schlu? gelangt sei und nicht nur ihrem Gluck danke,

sondern auch den Diagnostikern Conway und Thornnastor, weil sie ihr die Gliedma?e zuruckgegeben hatten. Wie sie O'Mara weiterhin erzahlte, sei ihr an dem ganzen Vorfall nur noch ratselhaft, warum es auf ihre edle und lobliche Tat eine solch allgemein ablehnende Reaktion gegeben habe.

O'Mara schien sich daraufhin etwas beruhigt zu haben und war danach mit einer langen, verschlungenen Beschworung fortgefahren, bei der er Themen angeschnitten hatte, die Cha Thrat schon bei einem Gesprach mit einem Sommaradvaner fur zu personlich und sensibel gehalten hatte, und erst recht bei einem Fremden. Vielleicht waren es damals die Medikamente, die ihre Erschutterung und Emporung uber die aufgestellten Behauptungen des Zauberers dampften und es ihr wert erscheinen lie?en, lieber uber das Gesagte nachzudenken, anstatt es vorbehaltlos zuruckzuweisen.

Eine seiner Behauptungen lautete, da? ihre Tat aus objektiver Sicht weder edel noch loblich gewesen sei, sondern schlicht ein bi?chen damlich. Am Ende dieses Gesprachs war sie mit ihm fast einer Meinung gewesen, und auf einmal hatte er ihr erlaubt, wieder Besucher zu empfangen.

Tarsedth und der hudlarische Krankenpflegeschuler waren die ersten, die vorbeischauten. Die Kelgianerin sturmte ins Zimmer, um Cha Thrat zu fragen, wie es ihr gehe, wahrend der PROB mitten im Eingang schweigend stehenblieb. Cha Thrat fragte sich, ob ihn irgend etwas bedruckte, und verga? dabei vollig, da? sie wegen der Medikamente ihre Gedanken haufig laut aussprach.

„Nein, nichts“, antwortete Tarsedth fur ihn. „Vergi? diesen riesigen Weichling einfach. Als ich eben gekommen bin, hat er schon wer wei? wie lange vor der Tur gestanden, weil er befurchtete, da? du schon von dem blo?en Anblick eines weiteren Hudlarers so eine Art emotionalen Ruckfall bekommen konntest. Trotz ihrer harten Muskeln haben die Hudlarer ein sehr weiches Herz, und das gleich in doppelter Ausfuhrung. Nach dem, was O'Mara unserem lieben Cresk-Sar erzahlt hat, wirst du hier hochstwahrscheinlich nichts Unerwartetes oder Melodramatisches veranstalten. Du bist weder geistig noch psychisch gestort. Seine genauen Worte waren, da? du ganz normal verruckt, aber nicht vollkommen durchgedreht warst, was ja bei einer ganzen Reihe von Leuten, die hier arbeiten, der Normalzustand sei.“

Sie wandte sich plotzlich an den FROB und rief ihm zu: „Jetzt kommen Sie schon endlich herein! Cha Thrat liegt im Bett, kann eine Gliedma?e und den gro?ten Teil des Korpers nicht mehr bewegen, ist mit Beruhigungsmitteln in eine niedrige Umlaufbahn geschossen worden und wird Sie wahrscheinlich auch nicht bei?en!“

Der Hudlarer naherte sich und sagte schuchtern: „Wir alle, das hei?t jeder der im Vorlesungssaal war, wunschen Ihnen eine gute Besserung. Das schlie?t auch Patient Elf-Zweiunddrei?ig ein, der inzwischen keine Schmerzen mehr hat und gute Fortschritte macht, und Oberschwester Segroth, deren gute Wunsche, nun. ehm. etwas allgemeiner ausfielen. Werden Sie Ihre Gliedma?e spater wieder ganz bewegen konnen?“

„Seien Sie nicht albern!“ mischte sich Tarsedth ein. „Bei zwei Diagnostikern, die sich mit dem Fall beschaftigen, wird sie es erst gar nicht wagen, sich nicht wieder vollkommen zu erholen.“ An Cha Thrat gewandt fuhr sie fort: „Aber dir ist in letzter Zeit so viel zugesto?en, da? ich uberhaupt nicht mehr folgen kann. Stimmt es, da? du den Chefpsychologen auf der Chalder-Station vor allen Anwesenden angepfiffen hast? Und hast du ihn wirklich eine Art Medizinmann genannt und ihn an seine arztliche Pflicht gegenuber dem Patienten AUGL-Eins- Sechzehn erinnert? Nach den Geruchten, die man uberall so hort.“

„So schlimm war das alles nicht“, unterbrach Cha Thrat ihre kelgianische Freundin.

„Das sagt man immer so“, plapperte die DBLF unbeirrt weiter, deren gekrauseltes Fell sich allerdings enttauscht legte. „Aber jetzt zu dieser Geschichte bei der FROB-Demonstration. Was da passiert ist, kannst du nun wirklich nicht abstreiten oder so einfach herunterspielen.“

„Vielleicht mochte sie lieber nicht daruber reden“, gab der Hudlarer leise zu bedenken.

„Wieso denn nicht?“ begehrte Tarsedth auf. „Es sprechen doch sowieso alle daruber.“

Cha Thrat schwieg einen Moment lang und blickte zum Kopf und den Schultern der Kelgianerin auf, deren Gestalt wie ein mit silbernem Fell bewachsener Bergkegel auf der einen Seite ihres Bettes emporragte. Dann schaute sie zu dem machtigen Korper des Hudlarers hinuber, der sich auf der anderen Seite erhob, und versuchte, ihre ungewohnlich wirren Gedanken auf das zu konzentrieren, was sie sagen wollte.

„Ich wurde mich lieber uber die ganzen Vorlesungen unterhalten, die ich verpa?t habe“, schlug sie schlie?lich vor. „Gab es irgend etwas besonders Wichtiges oder Interessantes? Und wurdet ihr Cresk-Sar bitte fragen, ob ich eine Fernbedienung fur den mit dem Kommunikator verbundenen Bildschirm bekommen konnte, damit ich die Schulungskanale anschalten kann? Sagt ihm, da? ich hier nichts zu tun habe und so bald wie moglich mit dem Lernen weitermachen mochte.“

„Meine liebe Freundin, ich glaube, damit wurdest du leider nur deine Zeit verschwenden“, gab Tarsedth zu bedenken, wobei sich ihr Fell verargert zu Stacheln aufrichtete.

Zum erstenmal wunschte sich Cha Thrat, da? ihre kelgianische Klassenkameradin einmal ein bi?chen weniger als absolut ehrlich sein wurde. Sie hatte zwar damit gerechnet, so etwas zu horen, aber die schlechte Nachricht hatte man ihr auch etwas schonender beibringen konnen.

„Was unsere offenherzige Freundin Ihnen hatte mitteilen sollen, ist, da? wir uns bei Cresk-Sar nach etwaigen Konsequenzen fur Sie erkundigt haben“, ergriff der Hudlarer das Wort. „Er wollte uns allerdings keine eindeutige Antwort geben und hat uns nur erklart, da? Sie nicht so sehr daran schuld seien, irgendwelche Regeln des Hospitals verletzt zu haben, sondern vielmehr Regeln, die es gar nicht gibt und an die niederzuschreiben niemand auch nur im Traum gedacht hatte. Wie er sagt, sei die Entscheidung, was mit Ihnen letztendlich geschehen soll, nach oben weitergeleitet worden, und Sie konnten sehr bald mit einem Besuch von O'Mara rechnen.

Als wir ihn gefragt haben, ob wir Ihnen Vorlesungsmaterial mitbringen durften, hat Cresk-Sar leider nein gesagt“, beendete er seine Ausfuhrungen entschuldigend.

Es machte keinen Unterschied, wie einem die Nachricht beigebracht worden war, dachte Cha Thrat, nachdem die beiden gegangen waren, schlecht blieb sie so oder so. Doch der plotzliche, kratzende Klang des Kommunikators an ihrem Bett hielt sie davon ab, zu lange uber ihre Probleme nachzudenken.

Es war Patient AUGL-Eins-Sechzehn, der mit Oberschwester Hredlichlis Hilfe vom Eingang zur AUGL-Station aus in einen der Kommunikatoren des dortigen Personalraums schrie. Er begann damit, sich dafur zu entschuldigen, da? er Cha Thrat nicht besuchen konne, da seine Physiologie und die Umweltbedingungen dies nicht zulie?en, und erzahlte ihr dann, wie sehr er ihre Besuche vermisse — dem terrestrischen Zauberer O'Mara fehle einfach ihre verstandnisvolle Art und vor allem der notwendige Charme — und er hoffe, sie werde moglichst bald wieder gesund, ohne korperlichen oder seelischen Schaden davonzutragen.

„Es ist alles in bester Ordnung“, log sie ihn an. Es war nicht gut, einen Patienten mit den Problemen einer Arztin zu belasten, auch wenn diese Arztin nur den Rang einer Schwesternschulerin bekleidete und vorubergehend selbst Patientin war. „Wie geht es Ihnen?“

„Sehr gut, danke“, antwortete der Chalder in einem Ton, der begeistert klang, obwohl seine Worte Cha Thrat durch zwei Kommunikatoren, einen Translator und eine beachtliche Menge Wasser erreichten. „O'Mara sagt, da? ich schon sehr bald entlassen werden soll und zu meine Familie zuruckkehren kann und schon mal anfangen soll, mich mit der Raumbehorde auf Chalderescol II wegen meiner alten Arbeitsstelle in Verbindung zu setzen. Fur einen Chalder bin ich namlich immer noch relativ jung, und ich fuhle mich wirklich ausgezeichnet.“

„Das freut mich sehr fur Sie, Eins-Sechzehn“, entgegnete Cha Thrat, wobei sie absichtlich seinen Namen vermied, weil vielleicht andere zuhorten, die ihn nicht beim Namen nennen durften. Zudem war sie uberrascht, welch uberwaltigende Gefuhle sie fur dieses Wesen empfand.

„Ich habe die Schwestern uber Sie sprechen horen“, fuhr der Chalder fort, „und es scheint, da? Sie in ernsthaften Schwierigkeiten stecken. Ich hoffe, es wendet sich fur Sie alles zum Guten, doch falls das nicht der Fall sein sollte und Sie das Hospital verlassen mussen. Na ja, Sie sind hier drau?en so weit von Sommaradva entfernt; wenn Sie auf Ihrem Flug nach Hause Lust haben sollten, mal einen anderen Planeten zu sehen, wurde meine Familie sich freuen, Sie so lange bei sich zu beherbergen, wie Sie mochten. Wir auf Chalderescol II sind in

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