„Fassen Sie sich kurz, Cha Thrat, das Team ist schon im Verzug“, sagte O'Mara. Dann entfernte er sich und lie? sie mit dem ehemaligen Patienten allein.
Scheinbar eine ganze Ewigkeit blickte sie schweigend in das gewaltige Auge und auf die riesigen Zahne an dem Teil des Kopfes, der durch die offenstehende Luke sichtbar war, und brachte einfach nicht die Worte heraus, die sie sagen wollte. „Der Behalter sieht sehr klein aus. Haben Sie es darin auch bequem?“ fragte sie schlie?lich.
„Hier drinnen ist es richtig gemutlich, Cha Thrat“, antwortete der Chalder. „Der Behalter ist eigentlich nicht viel kleiner als mein spateres Quartier auf dem Schiff, aber diese beengten Verhaltnisse sind ja nur von vorubergehender Dauer. Schlie?lich habe ich bald einen ganzen Planeten zum Schwimmen.
Und bevor Sie mich danach fragen“, fuhr der AUGL fort, „mir geht es gut, sogar ganz ausgezeichnet, Sie brauchen diesen schmerzfreien und vor Gesundheit strotzenden Korper also gar nicht erst mit Fragen zu durchlochern, um meine Lebensfunktionen zu uberprufen.“
„Solche Fragen stelle ich nicht mehr“, entgegnete Cha Thrat und wunschte sich plotzlich, wie die Terrestrier lachen zu konnen, um zu verbergen, da? ihr nicht zum Lachen zumute war. „Ich bin jetzt beim Wartungsdienst, deshalb sind meine Instrumente viel gro?er und wurden ein ganzes Stuck unangenehmer sein.“
„O'Mara hat mir schon davon erzahlt. Ist die Arbeit wenigstens interessant?“
Keiner von ihnen, dessen war sich Cha Thrat sicher, sagte das, was er eigentlich sagen wollte.
„Hochinteressant sogar“, antwortete sie. „Ich lerne eine Menge daruber, wie das Hospital im Innern funktioniert, und bekomme dafur vom Monitorkorps auch noch Gehalt, allerdings nicht sehr viel. Sobald ich genugend gespart habe, um Urlaub auf Chalderescol II zu machen, werde ich nachsehen, wie es Ihnen so geht.“
„Wenn Sie mich besuchen, Cha Thrat“, unterbrach sie der AUGL, „werden wir es nicht zulassen, da? Sie auf Chalderescol Ihren schwerverdienten Korpssold ausgeben. Da Sie meinen Namen gebrauchen durfen und somit praktisch ein au?erplanetarisches Mitglied meiner Familie sind, waren meine Verwandten zutiefst gekrankt und wurden Sie wahrscheinlich zum Mittagessen verspeisen, falls Sie es trotzdem versuchen sollten.“
„In dem Fall werde ich Sie vermutlich schon bald besuchen kommen“, versprach Cha Thrat frohlich.
„Wenn Sie jetzt nicht wegschwimmen, wertes Wesen“, sagte einer der Terrestrier im Overall des Transportteams, der neben ihr aufgetaucht war, „schlie?en wir Sie mit im Behalter ein. Dann konnen Sie gleich mit Ihrem Freund zusammen nach Chalderescol II fliegen!“
„Muromeshomon.“, sagte sie leise, als sich die Luke schlo?, „. mach's gut!“
Wahrend sie zu den noch nicht befestigten Pflanzen zuruckschwamm, beschaftigte sich Cha Thrat in Gedanken so sehr mit ihrem Freund von Chalderescol II, da? sie nicht die Ungehorigkeit der Bemerkung bedachte, die sie als eine einfache Technikerin zweiter Klasse gegenuber dern terrestrischen Major des Monitorkorps fallenlie?, als sie an ihm vorbeikam.
„O'Mara, ich gratuliere Ihnen zu dieser au?erst erfolgreichen Beschworung“, sagte sie dankbar.
O'Mara reagierte zwar, indem er den Mund offnete, doch brachte er nicht einmal einen unubersetzbaren Laut uber die Lippen.
Die folgenden drei Tage verbrachte Cha Thrat mit dem Auffullen der Schiffsvorrate der Rhabwar. Sie schaffte Nahrungsmittel und Gebrauchsguter fur die Besatzung an Bord und brachte uberholungsbedurftige Gerate zu den zumeist terrestrischen Wartungstechnikern, die damit betraut waren, das Ambulanzschiff zur hochstmoglichen betrieblichen Leistungsfahigkeit zu bringen. Hin und wieder durfte sie auch beim Einbau einfacherer Gegenstande helfen. Beim nachsten Flug der Rhabwar sollte Diagnostiker Conway, der ehemalige Leiter des medizinischen Teams des Ambulanzschiffs, mit an Bord sein, und die jetzige Besatzung wollte ihm keinen Grund zur Klage geben.
Am vierten Tag bat Timmins Cha Thrat, sich wahrend der Arbeitsverteilung ein wenig zu gedulden, da sie ausnahmsweise mal als letzte an der Reihe sei.
„Sie scheinen an unserem Ambulanzschiff sehr interessiert zu sein“, sagte der Lieutenant, als sie allein waren. „Wie ich gehort habe, sollen Sie andauernd und uberall auf und in dem Schiff herumklettern, und zwar meistens dann, wenn niemand mehr an Bord ist und Sie eigentlich dienstfrei haben. Stimmt das?“
„Das stimmt allerdings, Lieutenant“, antwortete Cha Thrat voller Begeisterung. „Und nach dem zu urteilen, was ich dort schon alles gehort und gesehen habe, ist das ein unglaublich komplexes und herrlich funktionelles Schiff, fast eine Miniaturausgabe des Hospitals selbst. Besonders die Vorrichtungen zur Behandlung der Unfallopfer und die Ausrustung zur Schaffung der geeigneten Umweltbedingungen fur fremde Spezies sind.“ Sie brach mitten im Satz ab, um vorsichtig hinzuzufugen: „Selbstverstandlich wurde ich nie auf die Idee kommen, irgendeins dieser Gerate ohne Erlaubnis auszuprobieren oder gar zu benutzen.“
„Das will ich auch nicht hoffen!“ ermahnte sie der Lieutenant. „Also schon. Ich habe eine neue Aufgabe fur Sie, und zwar auf der Rhabwar, wenn Sie sich das zutrauen. Kommen Sie mit.“
Kurz darauf befanden sie sich in einer kleinen Kammer, die vor dem Umbau ein postoperativer Erholungsraum gewesen war und immer noch die direkte Verbindung zum ELNT-Operationssaal besa?. Die Zimmerdecke war abgesenkt worden, was darauf hindeutete, da? der zukunftige Bewohner entweder auf dem Boden kroch oder im Stehen nicht besonders gro? war. Die Rohr- und Energieversorgungsleitungen, die man hinter der noch unvollstandigen Wandverkleidung aus Holz sehen konnte, trugen die Farbmarkierungen fur einen warmblutigen Sauerstoffatmer, der mittlere Schwerkraft- und Druckverhaltnisse benotigte.
Die bereits angebrachten Wandverkleidungsplatten waren so gefertigt, da? sie wie eine grobe Verschalung mit eigenartiger Oberflachenstruktur aussahen, die eher der Faserung eines Minerals als der Maserung von Holz ahnelte. Auf dem Boden lag ein unordentlicher Haufen Dekorationspflanzen, die noch aufgehangt werden mu?ten, und daneben stand eine riesige Landschaftsaufnahme, die von jedem x-beliebigen bewaldeten Seengebiet auf Sommaradva hatte stammen konnen, wenn die Anordnung der Baume nicht feine Unterschiede aufgewiesen hatte.
An der Wand gegenuber dem Eingang befand sich das Gestell eines kleinen, niedrigen Betts mit Matratze. Doch die bemerkenswerteste Besonderheit des Raums — mit der Cha Thrat auf schmerzhafte Weise Bekanntschaft machte — war die durchsichtige Wand, die den Raum in zwei Halften teilte. An der linken Seite der Wand befand sich eine Tur, die durch eine rote Umrandung gekennzeichnet war, und genau in der Mitte eine kleinere Offnung, die eine ferngesteuerte Greif- und Untersuchungsvorrichtung enthielt, die bis zum Bett der anderen Seite reichte.
„Dieser Raum ist fur eine ganz besondere Patientin vorbereitet worden“, erklarte Timmins. „Und zwar handelt es sich bei ihr um eine Gogleskanerin der physiologischen Klassifikation FOKT, eine personliche Freundin von Diagnostiker Conway. Die Patientin, eigentlich die ganze Spezies, hat ernste Probleme, uber die Sie sich informieren konnen, wenn Sie mehr Zeit haben. Die Gogleskanerin ist schwanger und nahert sich langsam der Geburt. Aufgrund gewisser psychologischer Umstande mu? ihr standig zugeredet werden, und Conway will seine momentane Arbeit noch im Laufe der nachsten Woche erledigen, damit er Zeit fur den Flug nach Goglesk hat, um dort die Patientin an Bord zu nehmen und rechtzeitig vor der Geburt mit ihr zum Orbit Hospital zuruckkehren zu konnen.“
„Ich verstehe“, warf Cha Thrat ein.
„Fur Sie habe ich nun folgenden Auftrag“, fuhr Timmins fort. „Ich mochte, da? Sie eine kleinere und einfachere Version dieser Unterkunft auf dem Unfalldeck der Rhabwar einrichten. Die Einzelteile besorgen Sie sich im Lager, und von uns erhalten Sie die vollstandige Montageanleitung. Diese Arbeit geht zwar ein wenig uber Ehre derzeitigen technischen Fahigkeiten hinaus, aber falls sie es nicht schaffen sollten, bleibt noch fur jemand anders Zeit genug, den Zusammenbau zu beenden. Wollen Sie es versuchen?“
„Gerne sogar!“ stimmte Cha Thrat begeistert zu.
„Gut. Sehen Sie sich dieses Zimmer genau an. Achten Sie besonders auf die Befestigungsbeschlage der durchsichtigen Wand. Uber die ferngesteuerten Greifvorrichtungen machen Sie sich mal nicht allzu viele Gedanken, das Schiff hat dafur eigene Gerate an Bord. Die Gurte zur Ruhigstellung der Patientin mussen getestet werden, aber nur unter Aufsicht eines Mitglieds des medizinischen Teams, von dem Sie von Zeit zu Zeit Besuch erhalten werden.
Anders als bei diesem Zimmer hier wird die Einrichtung auf dem Unfalldeck nur fur die Dauer des Flugs von Goglesk zum Hospital benutzt, deshalb wird die Wandverkleidung lediglich aus einer Kunststoffolie bestehen, die mit der Maserung der Holztafelung in diesem Raum bedruckt ist und auf die Innenhaut und Schotten des Schiffes gespannt wird. Das spart beim Einbau Zeit, und Captain Fletcher ware sowieso nicht damit einverstanden, da? wir
