Danalta entgegnete nichts, doch Naydrads Fell schlug unzufriedene Wellen. „Ist das die einzige Entschuldigung, die Conway Ihnen fur den Bruch seines Versprechens der Patientin gegenuber gegeben hat?“ wollte die Kelgianerin wissen. „Wenn ja, ist das vollkommen unbefriedigend. Wir haben doch schon alle unsere Erfahrungen mit plotzlichen Notfallen gemacht und wissen, da? die Ubernahme einer Arbeit durch andere auch ohne ausfuhrliche Einweisungen und auch ohne jede Vorwarnung erforderlich sein kann. Mit seiner Entscheidung legt Conway gegenuber seiner Patientin eine unglaubliche Rucksichtslosigkeit an den Tag und.“

„Gegenuber welcher Patientin?“ fiel Murchison der DBLF verargert ins Wort. „Gegenuber Khone oder dem Wesen, das er im Moment operiert? Und falls Sie es vergessen haben sollten, ergibt sich ein Notfall nun einmal unerwartet oder weil eine Situation versehentlich au?er Kontrolle geraten ist. Vor allem sollte er nicht absichtlich herbeigefuhrt werden, nur weil sich jemand moralisch verpflichtet fuhlt, woanders zu sein.

Jedenfalls hat Conway mitten in einer Operation gesteckt und nur Zeit fur ein paar Worte gehabt“, fuhr sie fort, „und die lauteten, wir sollten sofort ohne ihn losfliegen und uns keine Sorgen machen.“

„Dann wollen Sie also tatsachlich das Fehlverhalten Ihres Lebensgefahrten entschuldigen? Nach meiner Meinung.“, setzte Naydrad an, wurde jedoch von Prilicla, der sich zum erstenmal einmischte, unterbrochen.

„Bitte“, besanftigte er in ruhigem Ton die aufwallenden Wogen der Emporung. „Ich spure, da? unsere Freundin Cha Thrat etwas sagen mochte.“

Als Chefarzt und Leiter des medizinischen Teams der Rhabwar ware Prilicla gut und gerne dazu berechtigt gewesen, seine Mitarbeiter darauf hinzuweisen, da? ihm ihr standiges Gezank Unbehagen bereite und sie gefalligst sofort den Mund halten sollten. Aber Cha Thrat wu?te auch, da? der kleine Empath nicht einmal im Traum daran denken wurde, so etwas zu tun, weil die Teamkollegen ihrem friedfertigen, von allen geliebten und fur Emotionen empfanglichen Leiter mit ihrer daraus resultierenden Verlegenheit und den Schuldgefuhlen uber die verursachten Beschwerden noch mehr Unannehmlichkeiten bereitet hatten.

Deshalb lag es in Priliclas eigenem Interesse, Anweisungen zumeist nur indirekt zu erteilen, um die Ausstrahlung unangenehmer Gefuhle in seiner Umgebung auf ein Minimum zu reduzieren. Wenn er jetzt Cha Thrats Wunsch, sich zu au?ern, spurte, konnte er hochstwahrscheinlich auch fuhlen, da? sie genau wie er die gegenwartige Verstimmung im Raum verringern wollte.

Alle Augen waren jetzt auf sie gerichtet, und Prilicla hatte aufgehort zu zittern. Offenbar machte ihm die emotionale Ausstrahlung von Neugier wesentlich weniger zu schaffen als die vorherigen Gefuhle, die sich mittlerweile gelegt hatten.

„Ich habe mir ebenfalls aufmerksam das Video uber Goglesk und insbesondere das Material uber Khone angesehen.“, begann Cha Thrat.

„Das ist ja wohl nicht Ihre Sache“, unterbrach Danalta sie. „Sie sind Wartungstechnikerin.“

„Aber eine ausgesprochen wi?begierige Wartungstechnikerin“, fugte Naydrad hinzu. „Also lassen Sie sie weitersprechen.“

„Au?erdem sollte eine Wartungstechnikerin schlie?lich alles uber das Wesen, fur dessen Unterkunft sie verantwortlich ist, wissen wollen!“ wehrte sich Cha Thrat verargert gegen Danaltas Kritik. Dann sah sie, da? Prilicla wieder zu zittern begann, und brachte ihre Gefuhle unter Kontrolle. „Mir scheint, da? Sie sich womoglich unnotig Sorgen machen. Diagnostiker Conway hat sich nicht so mit Pathologin Murchison unterhalten, als ware er uberma?ig beunruhigt gewesen. Wie ist im Funkspruch von Goglesk der Zustand der Patientin denn geschildert worden?“

„Uberhaupt nicht“, antwortete Murchison. „Wir haben keine Ahnung, wie das klinische Bild aussieht. Leider ist es nicht moglich, von einem kleinen Standort mit geringer Energie wie Goglesk eine ausfuhrliche Nachricht zu senden. Um einen Funkspruch durch den Hyperraum zu schicken, braucht man eine Menge Energie, und darum.“

„Danke“, schnitt ihr Cha Thrat hoffich das Wort ab. „Die technischen Probleme sind in einer meiner Unterrichtsstunden beim Wartungsdienst behandelt worden. Wie hat der Funkspruch gelautet?“

Murchisons Gesicht war wieder dunkler geworden, als sie antwortete: „Der genaue Wortlaut war: „Conway, Orbit Hospital. Dringender Notfall. Khone benotigt schnellstmoglich Ambulanzschiff Wainright, Stutzpunkt Goglesk. ““

Einen Augenblick lang schwieg Cha Thrat und ordnete ihre Gedanken. Dann entgegnete sie: „Ich nehme an, da? sich die Heilerin Khone und ihr Freund Conway uber die gegenseitigen Fortschritte auf dem laufenden gehalten haben. Wahrscheinlich haben sie langere, ausfuhrlichere und vielleicht personliche Nachrichten ausgetauscht, die von den in diesem Sektor operierenden Monitorkorpsschiffen uberbracht worden sind, um auf diese Weise die Nachteile des Hyperraumfuinks zu vermeiden.“

Ein Blick auf Naydrads Fell verriet Cha Thrat, da? die Kelgianerin kurz davor war, sie zu unterbrechen, und deshalb fuhr sie rasch fort: „Nach der Beschaftigung mit dem Gogleskaner-Video nehme ich weiterhin an, da? Khone innerhalb der von ihrer geistig-seelischen Ausrichtung gesetzten Grenzen ein ungewohnlich umsichtiges und rucksichtsvolles Wesen ist, das nicht gewillt ware, seinen Freunden unnotige Unannehmlichkeiten zu bereiten. Selbst, wenn Conway dieses Thema nicht direkt angesprochen hat, wird Khone bereits durch die Verschmelzung ihrer geistigen Vorstellungen den vollen Umfang der Pflichten, der Verantwortung und der Arbeit eines Diagnostikers kennengelernt haben. Und Conway wird naturlich genausogut uber Khones Gedanken und ihre wahrscheinliche Reaktion auf dieses Wissen im Bild sein.

Da Conway derjenige war, der die Verantwortung fur die Patientin ubernehmen wollte, war der Hyperraumfunkspruch an ihn gerichtet. Doch die Nachricht enthielt nur die dringende Bitte um ein Ambulanzschiff, nicht um die Anwesenheit des Diagnostikers.

Conway war klar, warum es sich so verhielt“, fuhr Cha Thrat fort, „weil er genausoviel uber Schwangerschaften bei Gogleskanerinnen wei? wie Khone. Deshalb kann es gut sein, da? Conway durch den genauen Wortlaut der Nachricht von seinem Versprechen entbunden worden ist. In dem Wissen, da? seine Patientin nichts anderes als den schnellen Transport zum Hospital benotigt, war der Diagnostiker nicht uberma?ig beunruhigt und bat Sie, sich uber seine Abwesenheit ebenfalls keine Sorgen zu machen.

Es ist gut moglich“, schlo? Cha Thrat, „da? die jungste Kritik an dem Verhalten des Diagnostikers Conway, das nur scheinbar dem Berufsethos widerspricht, jeder Grundlage entbehrt.“

Naydrad wandte sich an Murchison und naherte sich soweit einer Entschuldigung, wie es einer Kelgianerin moglich war, indem sie sagte: „Cha Thrat hat vermutlich recht, und ich bin dumm.“ „Sie hat zweifellos recht“, pflichtete ihr Danalta bei. „Entschuldigen Sie, Murchison. Wenn ich im Moment in terrestrischer Gestalt vor Ihnen sitzen wurde, hatte ich ein knallrotes Gesicht.“

Murchison antwortete nicht, blickte aber weiterhin unverwandt Cha Thrat an. Ihr Gesicht hatte wieder die normale Farbe angenommen, zeigte ansonsten jedoch keinen Ausdruck, den Cha Thrat hatte deuten konnen. Prilicla kam langsam auf sie zugeflogen, bis sie den leichten, regelma?igen Abwind seiner Flugel spurte.

„Cha Thrat“, sagte der Cinrussker leise, „ich habe das starke Gefuhl, da? Sie sich eben eine neue Freundin gemacht haben und sich.“

Als der Lautsprecher auf dem Unfalldeck mit der uberma?ig verstarkten Stimme Fletchers zum Leben erwachte, brach er mitten im Satz ab.

„Chefarzt, hier Kontrollraum“, meldete sich Fletcher. „Der Sprung in den Hyperraum ist abgeschlossen. In schatzungsweise drei Stunden und zwei Minuten werden wir im Orbit uber Goglesk sein. Die Landefahre ist startbereit, Sie konnen Ihre medizinische Ausrustung also einladen, wenn Sie wollen.

Wir haben eine Normalraum-Funkverbindung mit Lieutenant Wainright“, fuhr er fort, „der sich mit Ihnen uber Ihre Patientin Khone unterhalten will.“

„Danke, Captain“, entgegnete Prilicla. „Wir hier mochten uns ebenfalls uber Khone unterhalten. Bitte ubertragen Sie Freund Wainrights Nachricht hierher aufs Unfalldeck und auch zum Landefahrenschacht, weil wir gleich dorthin aufbrechen. Auf diese Weise konnen wir wahrend des Gesprachs weiterarbeiten.“

„Alles klar. Die Verbindung ist schon hergestellt“, meldete Fletcher und sagte dann zu Wainright: „Ich habe Sie jetzt zu Chefarzt Prilicla durchgestellt, Lieutenant. Sprechen Sie einfach.“

Trotz der Beeintrachtigung durch die Ubersetzung ins Sommaradvanische konnte Cha Thrat aus Wainrights Stimme eine tiefe Besorgnis heraushoren. Aufmerksam verfolgte sie das Gesprach, wahrend sie sich nur mit einem Teil ihrer Gedanken auf die Arbeit konzentrierte, die darin bestand, Naydrad beim Einladen medizinischer Gerate in den Krankentransporter zu helfen.

„Tut mir leid, Doktor“, sagte Wainright, „die ursprungliche Abmachung, die Patientin auf dem Landefeld an Bord zu nehmen, mussen wir vergessen. Khone ist nicht reisefahig, und einen mit Au?erplanetariern besetzten

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