aus denen das Stadtkrankenhaus und Khones angrenzende Wohnung bestand.

Der Lieutenant begann behutsam in sein Anzugmikrofon zu sprechen, und Cha Thrat konnte die warnenden und beruhigenden Worte horen, die mit voller Lautstarke aus den von den vier Terrestriern getragenen Lautsprechern kamen, die ihnen vorausgegangen waren.

„Haben Sie bitte keine Angst“, sagte Wainright. „Die Wesen, die Sie hier sehen, werden Ihnen trotz ihres seltsamen und erschreckenden Erscheinungsbilds nichts tun. Wir sind hier, um die Arztin Khone auf ihre eigene Bitte zur Behandlung in unserem Hospital abzuholen. Wahrend wir Khone zu unserem Fahrzeug bringen, mussen wir uns ihr vielleicht sehr weit nahern, und dabei konnte sie versehentlich einen Ruf nach Zusammenschlu? aussto?en. Zu einem Zusammenschlu? darf es aber unter keinen Umstanden kommen, und deshalb bitten wir Sie alle dringendst, sich von Ihren Hausern zu entfernen und sich tief in den Wald oder weit vom Ufer zuruckzuziehen, damit ein unbeabsichtigter Notruf Khones Sie nicht erreichen kann. Als zusatzliche Vorsichtsma?nahme werden wir rund um Khones Haus Gerate aufstellen, die einen lauten Dauerton aussenden. Dieser Ton wird Ihnen genauso unangenehm sein wie uns, aber er verschmilzt mit jedem in seiner Nahe ausgesto?enen Notruf und verandert dessen Klang, so da? er kein Aufruf zum Zusammenschlu? mehr ist.“

Wainright blickte Prilicla an, und als der Empath seine Zustimmung signalisierte, schaltete der Lieutenant auf die interne Frequenz des Anzugfonks um und ordnete an: „Nehmen Sie das bitte auf, und spielen Sie es immer wieder ab, bis ich entweder die Nachricht andere oder Ihnen die Anweisung gebe, die Aufzeichnung zu stoppen.“

„Werden die das alles glauben?“ rief Naydrad plotzlich von ihrem Platz in der Reihe. „Vertrauen die uns au?erplanetarischen Ungeheuern uberhaupt?“

Der Lieutenant ging mehrere Schritte den Hugel hinab, bevor er antwortete: „Die Gogleskaner vertrauen dem Monitorkorps, weil wir ihnen auf verschiedene Weise helfen konnten. Aus naheliegenden Grunden vertraut Khone Conway, und als bewahrte Arztin der Stadtbewohner konnte sie diese davon uberzeugen, da? Conways scheu?lich aussehende Freunde ebenfalls vertrauenswurdig seien. Das Problem ist, da? die Gogleskaner eine Spezies von Einzelgangern sind, die nicht immer das tun, was man ihnen aufgetragen hat.

Einige konnten gute Grunde haben, ihre Hauser nicht verlassen zu wollen. Beispielsweise aufgrund von Krankheit oder Gebrechlichkeit oder weil sie sich um kleine Kinder kummern mussen oder aus Grunden, die nur einem Gogleskaner einleuchten. Deshalb mussen wir diese Klangverfalscher benutzen.“

Naydrad schien durch diese Erklarung zufriedengestellt zu sein, aber Cha Thrat war es nicht. Doch aus Rucksicht auf Prilicla, der nicht nur unter ihrer eigenen, sondern auch unter der Besorgnis der anderen leiden wurde, wenn sie ihre Bedenken ausgesprochen hatte, sagte sie lieber nichts. Wie jeder Mitarbeiter des Wartungsdiensts wu?te auch Cha Thrat uber diese Klangverfalscher Bescheid. Die Gerate waren von Ees-Tawn, dem Leiter der Abteilung fur Spitzentechnologie beim Wartungsdienst, als Antwort auf eine von Conways langfristigen Anforderungen fur Goglesk entwickelt und gebaut worden und stellten immer noch Prototypen dar. Wenn sie erfolgreich waren, sollten sie in Serie gehen, bis jedes gogleskanische Haus, jede Fabrik und jedes Hochseeschiff damit ausgerustet war. Man rechnete zwar nicht damit, da? die Gerate die Zusammenschlusse vollkommen verhindern wurden, hoffte aber, die auftretenden Gruppenbildungen durch empfindliche Gerauschdetektoren, die mit automatischen Einschaltern gekoppelt waren, auf einige wenige Gogleskaner begrenzen zu konnen. Das hatte zur Folge, da? das Zerstorungspotential der Gruppe relativ gering, von kurzerer Dauer und fur die einzelnen Mitglieder psychologisch weniger schadlich sein wurde.

Unter Laborbedingungen hatten die Klangverfalscher bei mehreren von Conway zur Verfugung gestellten Aufnahmen von FOKT-Notrufen gewirkt, doch auf Goglesk selbst waren sie noch nicht getestet worden.

Als sie sich dem Krankenhaus naherten, wurde der Fischgestank immer unertraglicher und die von den Monitoren uber Lautsprecher ausgestrahlte Nachricht des Lieutenants lauter. Abgesehen von wenigen fluchtigen Blicken, die Cha Thrat von den zwischen den Hausern am Rand der Lichtung gehenden Terrestriern erhaschte, gab es in der ganzen Stadt kein einziges Lebenszeichen.

„Die Aufnahme jetzt stoppen!“ ordnete Wainright an. „Jeder, der bisher nicht auf die Nachricht reagiert hat, hat das auch nicht vor. Harmon, starten Sie mit dem Flugzeug und verschaffen Sie mir einen Blick von oben auf dieses Gebiet. Die ubrigen stellen die Klangverfalscher rings ums Krankenhaus auf und halten sich dann in Bereitschaft. Cha Thrat, Naydrad! Sind Sie mit dem Transporter bereit?“

Cha Thrat fuhr sofort mit dem Krankentransporter dicht vor Khones Haustur, rannte uber die Rampe am Heck hinaus und offnete das Verdeck, damit alles zur Aufnahme der Patientin bereit war. Man konnte es nicht riskieren, Khone in Sichtweite anderer Gogleskaner zu beruhren, und hoffte darauf, da? die kleine Arztin selbst herauskommen und in den Krankentransporter einsteigen wurde. Falls das nicht geschah, sollte Naydrad eine ferngesteuerte Sonde ins Haus schicken, um den Grund herauszufinden.

Weil sie die Verstandigung nur erschweren wurden — und bis jetzt nichts passiert war, das einen Gogleskaner zum Aussto?en eines Notrufs hatte veranlassen konnen —, blieben die Klangverfalscher vorerst ausgeschaltet.

„Freundin Khone“, sagte Prilicla, wobei die Wogen der Zuneigung, der Beruhigung und der Freundschaft, die er ausstrahlte, beinahe greifbar waren, „wir sind gekommen, um Ihnen zu helfen. Kommen Sie bitte heraus.“

Sie warteten eine ganze Weile, doch von Khone war weder etwas zu sehen noch zu horen.

„Naydrad.“, begann Wainright.

„Bin schon dabei“, meckerte die Kelgianerin und startete die Sonde.

Das kleine Fahrzeug, das von Schall—, Sicht- und Biosensoren sowie einer ansehnlichen Reihe verschiedener Greifvorrichtungen strotzte, rollte uber den unebenen Boden und durch Khones Vordertur, wobei es den davor hangenden Vorhang aus geflochtenen Pflanzenfasern beiseite schob. Der Rundumblick der Sonde wurde auf den Repeaterschirm des Krankentransporters ubertragen.

Nach Cha Thrats Auffassung mu?te schon der Anblick der Sonde selbst jemanden in Angst und Schrecken versetzen, wenn er nicht uber ihren Zweck Bescheid wu?te. Aber dann rief sie sich in Erinnerung, da? Diagnostiker Conway — und durch ihn auch Khone — alles uber derartige Gerate bekannt war.

Die Sonde zeigte nichts als ein leerstehendes Haus.

„Vielleicht hat Freundin Khone spezielle Medikamente aus dem Krankenhaus benotigt und ist losgegangen, um sie sich zu holen“, zahlte Prilicla besorgt eine Moglichkeit auf. „Aber ihre emotionale Ausstrahlung kann ich nicht wahrnehmen, was bedeutet, da? sie entweder weit von hier weg oder bewu?tlos ist. Trifft letzteres zu, dann braucht sie womoglich dringend Hilfe. Daher konnen wir es uns nicht leisten, kostbare Zeit zu vergeuden, indem wir jeden einzelnen Raum und Korridor im Krankenhaus mit der Sonde durchsuchen. Es geht schneller, wenn ich das selbst ubernehme.“

Die schimmernden Flugel des Cinrusskers schlugen langsam und bewegten ihn schon vorwarts, als er fortfuhr: „Ziehen Sie sich bitte ein gutes Stuck vom Haus zuruck, damit Ihre bewu?ten Emotionen nicht die schwachere, unterbewu?te Ausstrahlung der Patientin uberlagern.“

„Warten Sie!“ rief der Lieutenant in eindringlichem Ton. „Wenn Sie Khone finden, und sie plotzlich aufwacht und Sie uber sich schweben sieht.“

„Sie haben recht, Freund Wainright“, erwiderte Prilicla. „Das erschreckt Khone vielleicht so, da? sie einen Notruf aussto?t. Also setzen Sie die Klangverfalscher ein.“

Cha Thrat zog sich schnell mit dem medizinischen Team aus dem Bereich der maximalen Empfindlichkeit der empathischen Fahigkeiten des Cinrusskers zuruck und stellte wie die ubrigen den Kopfhorer so ein, da? er Au?engerausche abschirmte, die Verstandigung untereinander aber ermoglichte. Als die Klangverfalscher rings ums Krankenhaus einen Hollenlarm aus Schreien, Jammern und Pfeifen veranstalteten, wunderte sich Cha Thrat uber die Tiefe der Bewu?tlosigkeit ihrer Patientin; der Krach war laut genug, um Tote zu erwecken.

Er war mehr als laut genug, um Khone wieder zu Bewu?tsein zu bringen.

13. Kapitel

„Ich spure Sie!“ rief Prilicla, dessen Schwebefug uber dem Haus durch die eigene Aufregung vollig unruhig wurde. „Freundin Naydrad, schicken Sie die Sonde herein. Die Patientin befindet sich direkt unter mir, ich will es aber nicht riskieren, sie durch eine plotzliche, unmittelbare Annaherung zu erschrecken. Schnell! Sie ist sehr schwach und hat Schmerzen.“

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