und ist die ideale Wahl fur.“
„Ein Gestaltwandler!“ fiel ihm Khone ins Wort. „Dieses Wesen, dessen nichtkorperliche Fahigkeiten zweifellos bewundernswert sind, moge entschuldigen, aber allein der Gedanke an eine solche Lebensform ist erschreckend, und ihre unmittelbare Annaherung in Gestalt einer Gogleskanerin ware unertraglich widerwartig. Nein!
Das gro?e Wesen daneben ware weniger beunruhigend“, fugte sie hinzu.
„Das gro?e Wesen ist eine Wartungstechnikerin des Hospitals“, sagte Prilicla in entschuldigendem Ton.
„Und war vorher eine Chirurgin fur Krieger auf Sommaradva, die zudem Erfahrungen mit fremden Spezies gesammelt hat“, fugte Cha Thrat leise hinzu.
Der Empath zitterte schon wieder, diesmal wegen der Flut gemischter Gefuhle, die die ubrigen Mitglieder des medizinischen Teams ausstrahlten.
„Entschuldigung“, bat Prilicla hastig. „Es ist leider ein kurze Zeitverzogerung erforderlich. Diese Angelegenheit mu? erst besprochen werden.“
„Aus medizinischen Grunden hofft die Patientin, da? die Verzogerung sehr kurz ausfallen wird“, mahnte Khone zur Eile.
Pathologin Murchison meldete sich als erste zu Wort. „Cha Thrat, Ihre Erfahrung mit fremden Spezies beschrankt sich auf einen terrestrischen DBDG und einen hudlarischen FROB, und in beiden Fallen hat es sich um einen einfachen au?erlichen operativen Eingriff an Gliedma?en gehandelt. Keine dieser Spezies und, was das betrifft, auch nicht Ihre eigene Klassifikation als DCNF weist irgendeine Ahnlichkeit mit einer gogleskanischen FOKT auf. Nach dieser Glied-um-Glied-Geschichte im Hudlarer-OP bin ich uberrascht, da? Sie die Verantwortung ubernehmen wollen.“
„Wenn die Sache schiefgeht“, mischte sich Naydrad mit besorgt zuckendem Fell ein, „und die Patientin oder das Neugeborene stirbt, mochte ich nicht wissen, was fur ein medizinisches Ruhrstuck Sie diesmal als Bu?e dafur abziehen werden. Lassen Sie lieber die Finger davon.“
„Ich habe keine Ahnung, warum Khone eine solch unbeholfene und ungelenkige Lebensform wie Cha Thrat mir vorzieht“, sagte Danalta in einem Ton, der verriet, da? seine Gefuhle verletzt waren.
„Der Grund ist fur den Betreffenden erniedrigend und wahrscheinlich beleidigend“, meldete sich Khone und rief allen damit in Erinnerung, da? sie vergessen hatten, den Sondenkommunikator abzuschalten, „sollte aber nicht unerwahnt bleiben, falls es die Sommaradvanerin fur notwendig halt, ihr Angebot zuruckzuziehen.
Es gibt physische, psychologische und vielleicht absurde Grunde, warum sich dieses Lebewesen der Patientin bis auf kurze Distanz nahern kann, sie aber au?er mit langstieligen Instrumenten nicht beruhren darf“, fuhr Khone fort.
Wie Khone erklarte, gab es zwischen den FOKT- und DCNF-Klassiffkationen nur wenige au?erliche Gemeinsamkeiten, allenfalls in den Augen sehr junger Gogleskaner, die versuchten, kleine Nachbildungen ihrer Eltern anzufertigen. Doch die dichte Behaarung des eiformigen Korpers, die vier kurzen, nach au?en gebogenen Beine, die Fingerbuschel und die vier langen Fuhler auf dem Kopf uberstiegen ihr bildhauerisches Geschick. Statt dessen brachten sie plumpe kegelformige Figuren aus Schlamm und Gras zustande, in die sie Zweige steckten, die nicht immer gerade oder gleichma?ig dick waren. Die Endprodukte wiesen, bis auf ihre Gro?e, eine deutliche Ahnlichkeit mit dem Korperbau der Sommaradvanerin auf.
Diese primitiv geformten Modelle wurden in den Jahren, die auf den Eintritt von der Kindheit ins Erwachsenenalter folgten, angefertigt, wenn die Stacheln des jungen Erwachsenen fur sein Elternteil lebensgefahrlich wurden. Sowohl das Elternteil als auch dessen Kind bewahrten die Nachbildungen als Andenken an die einzige Zeit in ihrem Leben auf, in der sie ohne Gefahr die Warme und Nahe eines ausgedehnten Kontakts zu einem anderen Vertreter der eigenen Spezies gespurt hatten.
Das war ein Erinnerungsstuck, das ihnen in ihrem spateren, unglaublich einsamen Leben als Erwachsene half, bei Verstand zu bleiben.
Als Khone ihre Ausfuhrungen beendet hatte, reagierte Murchison als erste. Die Pathologin musterte Cha Thrat und sagte unglaubig: „Ich denke, Khone will uns sagen, da? Sie wie das gogleskanische Gegenstuck eines ubergro?en terrestrischen Teddybaren aussehen.“
Wainright stie? ein nervoses Lachen aus, und die ubrigen reagierten gar nicht. Wahrscheinlich konnten sie sich wie Cha Thrat weder unter einem terrestrischen Teddybaren noch unter dessen gogleskanischem Gegenstuck etwas vorstellen. Aber wenn diese Nachbildungen ihr in vieler Hinsicht ahnelten, konnten sie nicht ganz und gar unvorteilhaft aussehen.
„Die Sommaradvanerin ist bereit zu helfen und hat an dem Vergleich mit den Nachbildungen keinerlei Ansto? genommen“, sagte Cha Thrat unaufgefordert.
„Und wird trotzdem keine Verantwortung ubernehmen“, fugte Prilicla mit einem Blick auf die Sommaradvanerin rasch hinzu.
Die melodischen Triller und Schnalzlaute seiner cinrusskischen Sprache wechselten die Tonlage, und nach Cha Thrats Erfahrungen klang in den vom Translator ubersetzten Worten des kleinen Empathen zum erstenmal die Entschlossenheit und der Nachdruck eines Herrschers an. „Solange die Sommaradvanerin nicht vorbehaltlos versprechen kann, da? eine Wiederholung des Vorfalls wie bei der Hudlarer-Amputation unmoglich ist, wird sie nicht die Erlaubnis erhalten zu assistieren.
Die Wartungstechnikerin und Heilerin wird nur aus einem einzigen Grund gebraucht“, fuhr er fort, „weil die unmittelbare Nahe der erfahreneren medizinischen Krafte fur die Patientin schadlich erscheint. Die Sommaradvanerin wird sich selbst einfach als organische Sonde betrachten, deren Verstand, Sinnesorgane und Finger der Leitung des Chefarztes unterstehen, der die alleinige Verantwortung fur die Behandlung und das spatere Schicksal der Patientin tragt. Ist das deutlich verstanden worden?“
Die Vorstellung, die Verantwortung fur ihr Handeln mit jemandem zu teilen oder sogar — wie in diesem Fall — ganz zu ubertragen, war einer Chirurgin fur Krieger zutiefst zuwider, auch wenn sie Priliclas Grunde gut nachvollziehen konnte. Doch noch starker als die Schmach, die sie dabei empfand, war das plotzlich aufwallende Gefuhl der Dankbarkeit und des Stolzes, wieder einmal als Heilerin an die Arbeit gerufen zu werden.
„Es ist verstanden worden“, bestatigte Cha Thrat.
Schweigend gab der Empath zu verstehen, da? er von der Frequenz des Sondenkommunikators auf die des internen Anzugfanks wechselte, damit ihm der Zwang, sich der unpersonlichen Ausdrucksweise der zuhorenden Gogleskanerin zu bedienen, nicht mehr das Formulieren erschwerte.
„Danke, Cha Thrat“, sagte er schnell. „Benutzen Sie meine cinrusskischen Instrumente, die sind fur die Finger an Ihren oberen Gliedma?en am besten geeignet, und au?erdem wurde ich mich wohler fuhlen, wenn ich Sie bei der Operation mit diesen Instrumenten in der Hand anleitete. Legen Sie die Schutzkleidung an, denn falls Sie von den Stacheln der Patientin gelahmt werden, konnen Sie ihr nicht mehr helfen. Wenn Sie bei Khone sind, machen Sie keine plotzlichen Bewegungen, die die Patientin erschrecken konnten, ohne zuerst den Grund dafur zu nennen. Ich werde die emotionale Ausstrahlung von Khone von hier aus uberwachen und Sie sofort warnen, wenn irgendeine Handlung eine plotzlich gesteigerte Angst bei ihr hervorruft. Aber Ihnen ist die Sachlage ja selbst durchaus bekannt, Cha Thrat. Beeilen Sie sich bitte.“
Naydrad erwartete sie bereits mit dem fertig gepackten Instrumentenkoffer. Cha Thrat steckte noch die frische Energiezelle fur Khones Scanner mit hinein, stieg auf den Krankentransporter und kletterte von dort aus auf das Krankenhausdach.
„Viel Gluck“, rief Murchison ihr hinterher. Naydrad krauselte das Fell, und die ubrigen gaben unubersetzbare Laute von sich.
Das Dach bog sich unter Cha Thrats Gewicht beangstigend nach unten, und einer ihrer Vorderfu?e brach glatt in die dunne Konstruktion ein, aber ubers Dach ging es viel schneller, als durch das darunter befindliche Labyrinth von Gangen mit seiner niedrigen Decke zu kriechen. Cha Thrat lie? sich in den unuberdachten Korridor fallen, der zu Khones Zimmer fuhrte, hockte sich etwas unbeholfen auf zwei Knie und drei der mittleren Gliedma?en und steckte, nachdem Prilicla die Patientin vor ihrer Ankunft gewarnt hatte, nur den Kopf und die Schultern durch die Tur in Khones Zimmer hinein. Zum erstenmal war sie in der Lage, eine gogleskanische FOKT ganz aus der Nahe zu betrachten.
„Es ist nicht beabsichtigt, die Patientin direkt zu beruhren“, sagte Cha Thrat vorsichtig.
„Danke“, erwiderte Krume mit einer Stimme, die durch den unaufhorlichen Larm der Klangverfalscher kaum wahrzunehmen war.
Die dichte, widerspenstige Behaarung und die Borsten, die den ausgestreckten, eiformigen Korper bedeckten, waren von der Farbe und dem Wuchs her weniger unregelma?ig, als es nach den von der Sonde
