ubertragenen Bildern den Anschein gehabt hatte. Die Korperbehaarung war beweglich, wenn auch nicht im gleichen Ma? wie bei den Kelgianern, und unter dem Kopfpelz war eine Anzahl regloser, langer, blasser Fuhler, die nur bei einem Zusammenschlu? gebraucht wurden, um die Gehirne der einzelnen Gruppenmitglieder miteinander zu verbinden. Rings um die Hufte befanden sich vier schmale, senkrechte Offnungen, zwei zum Atmen und Sprechen und zwei zur Nahrungsaufnahme.

Die uber den Korper verteilten Borsten waren zu Fingerbuscheln gruppiert, au?erst biegsam und zu den subtilsten Handgriffen fahig, und den Unterleib umgab ein dickes Muskelband, unter das die vier kurzen Beine eingezogen werden konnten, wenn sich die FOKT ausruhen wollte.

Jetzt lag die Patientin auf der Seite, eine Lage, aus der sich selbst eine vollkommen gesunde und agile Gogleskanerin nur mit gro?en Schwierigkeiten wieder aufgerichtet hatte.

„Die Sonde soll den Scanner herbringen“, sagte Cha Thrat leise. „Wenn die Energiezelle ausgetauscht worden ist, soll sie den Scanner zuruckbringen, fur die Patientin leicht erreichbar ablegen und Platz machen.“

An Khone gewandt fuhr sie fort: „Anders als die zu Besuch gekommenen Heiler war sich die Patientin des eigenen Gesundheitszustands nicht bewu?t und wird hoflich gebeten, sich sofort selbst zu untersuchen. Da die Patientin ebenfalls Heilerin mit umfassenden Kenntnissen der eigenen Lebensvorgange ist, waren alle Bemerkungen oder Vorschlage, die sie machen mochte, fur die au?erplanetarischen Kollegen au?erst hilfreich.“

„Das haben Sie gut gesagt, Cha Thrat“, wurde sie von Priliclas Stimme gelobt, die nur aus ihrem Kopfhorer, nicht aber aus dem Lautsprecher der Sonde kam. Der Empath wollte also mit ihr alleine sprechen. „Kein Patient, egal wie krank oder verletzt er ist, mochte sich vollkommen uberflussig oder ausgeliefert vorkommen. Das vergessen Arzte oft, auch wenn sie ansonsten die besten Absichten hegen.“

Genau so hatte einer der ersten Lehrsatze gelautet, die Cha Thrat in der medizinischen Schule auf Sommaradva gelernt hatte. Ein zweiter, der offensichtlich von Prilicla hochstpersonlich stammte, schien zu besagen, da? man jungeren Arzten, die vor einer neuen und schwierigen Aufgabe stehen, am besten durch Aufmunterung weiterhilft.

„Die Patientin ist nicht in der Lage, den Scanner zu fuhren“, sagte Khone plotzlich.

In der Instrumententasche konnte Cha Thrat nichts entdecken, das lang genug gewesen ware, um Khone damit von ihrem gegenwartigen Standort aus zu erreichen. „Ist es gestattet, die gogleskanischen Instrumente zu benutzen?“ fragte sie, obwohl sie sich an die unpersonliche Ausdrucksweise einfach nicht gewohnen wollte.

„Selbstverstandlich“, antwortete Khone.

Auf dem Tisch an der Trennwand lag eine lange Zange, die sich weit offnen lie?. Sie bestand aus auf Hochglanz poliertem Holz mit Gelenken aus einem weichen, rotlichen Metall und wurde dazu benutzt, die gogleskanischen Patienten mit Instrumenten zu behandeln oder ihnen Kleidungsstucke anzulegen, da sie auf andere Weise auf keinen Fall beruhrt werden durften. Neben der Zange befand sich ein schmaler, spitz zulaufender Gegenstand, der unformig aus getrocknetem Lehm modelliert war und in dem uberall kurze Zweige und Strohhalme steckten. Zuerst hatte ihn Cha Thrat mit einer Zier- oder Duftpflanze verwechselt. Jetzt, wo sie wu?te, was er in Wirklichkeit darstellte, dachte sie, da? er mit dem asthetischen Korper einer Sommaradvanerin nur in den Augen einer schwerkranken Gogleskanerin gro?e Ahnlichkeit aufweisen konnte.

Mit anfanglichen Schwierigkeiten zog sie schlie?lich den Scanner mit der Zange aus Khones kraftlosen Fingern und fuhrte ihn uber den Unterleibsbereich. Wahrend sich die Patientin auf das Scannerdisplay konzentrierte, drangte sich Cha Thrat weiter in den Raum hinein und naher an die Patientin heran. Die unnaturliche Haltung ihrer gebeugten Vorderbeine und des Ruckgrats sowie die Tatsache, da? praktisch das gesamte Korpergewicht auf den mittleren Gliedma?en lastete, die normalerweise nur Handgriffe ausfuhrten, drohte zu einem Krampf der betreffenden Muskeln zu fuhren. Um sie zu lockern, wiegte sie sich ganz langsam hin und her und ruckte Khone dabei jedesmal ein Stuckchen naher.

Plotzlich blickte Khone vom Scanner auf. „Die sommaradvanische Arztin ist gro?er als erwartet“, stellte sie fest, und Prilicla brauchte Cha Thrat nicht erst zu sagen, da? die Gogleskanerin nun gro?e Angst hatte.

Cha Thrat verharrte einen Moment lang in der Vorwartsbewegung und sagte dann: „Die sommaradvanische Heilerin wird der Patientin trotz ihrer Gro?e nicht mehr antun als das modellierte Ebenbild auf dem Tisch. Das mu? die Patientin unbedingt wissen.“

„Die Patientin wei? das“, bestatigte Khone mit einem deutlichen Anflug von Angst in der Stimme. „Aber hat die sommaradvanische Heilerin schon einmal Alptraume gehabt, in denen sie von bosen und schrecklichen Kreaturen aus dem Unterbewu?tsein verfolgt und gejagt wird, die sie umbringen wollen? Und hat sie je versucht, anstatt in blinder Angst davonzulaufen, mitten in einem solchen Alptraum stehenzubleiben, grundlich uber ihr panisches Entsetzen nachzudenken und sich umzudrehen, um diesen furchtbaren Hirngespinsten ins Gesicht zu sehen und sich zu bemuhen, diese Monster als Freunde zu betrachten?“

Beschamt antwortete Cha Thrat: „Entschuldigung. Das Verhalten der Patientin, die etwas zu tun versucht, nein, die wirklich etwas schafft, das fur die dumme und rucksichtslose Heilerin von Sommaradva ein Ding der Unmoglichkeit ware, ist wirklich bewundernswert.“

In ihrem Kopfhorer ertonte Priliclas Stimme. „Sie haben Freundin Khone zwar ein ganzes Stuck verunsichert, Cha Thrat, aber ihre Angst hat sich jetzt wieder ein bi?chen gelegt.“

Sie nutzte die Gelegenheit, sich ein wenig zu nahern und fuhr fort: „Es ist klar, da? die Patientin gegenuber der Sommaradvanerin freundliche Absichten hegt, und jede mogliche Verletzung der Heilerin Folge einer rein instinktiven Reaktion oder eines Unfalls ware. Beide Moglichkeiten konnen vermieden werden, indem man die Stacheln unschadlich macht.“

Khones Reaktion auf diesen Vorschlag hatten sowohl Prilicla als auch Cha Thrat schwere Sorgen bereitet, aber fur die Patientin lief die Zeit langsam ab, und wenn wirklich etwas fur sie getan werden sollte, gab es zu dem Bedecken der Stacheln mit Schutzkappen keine wirkliche Alternative, und das wu?te die kleine Gogleskanerin so gut wie alle anderen. Praktisch wurde sie darum gebeten, ihre einzige verbliebene Waffe zu ubergeben.

Cha Thrat traute sich nicht, auch nur einen anderen Muskel als die Stimmbander zu ruhren, und die waren bereits schwer uberanstrengt. Sie versuchte, gleichzeitig Khones Unterbewu?tsein und deren bereits halb umgestimmtes Bewu?tsein davon zu uberzeugen, da? Waffen in einer wirklich zivilisierten Gesellschaft uberflussig seien. Sie sagte ihr, da? weibliche Wesen gerade beim Kinderkriegen zusammenhalten mu?ten, und sprach von ihren personlichsten Gefuhlen, die gro?tenteils eher belanglos als loblich seien, von ihrem bisherigen Leben und beruflichen Werdegang auf Sommaradva und am Orbit Hospital und von den Dingen, die sie an beiden Orten falsch gemacht hatte.

Die ungeduldig beim Krankentransporter wartenden Teammitglieder durften sich nach Cha Thrats Befurchtungen allmahlich fragen, ob sie sich eine Herrscherkrankheit zugezogen und jeden realen Bezug zur gegenwartigen Lage langst verloren hatte, aber fur eine Unterbrechung und lange Erklarungen war jetzt keine Zeit. Irgendwie mu?te sie tief bis ins verborgenste Unterbewu?tsein der Gogleskanerin vordringen, um die FOKT zu der Einsicht zu bringen, da? sie, eine sommaradvanische Chirurgin fur Krieger, durch ihre vorbehaltlosen Offenbarungen psychologisch ebenso schutz- und wehrlos war wie umgekehrt Khone durch die Preisgabe ihrer einzigen naturlichen Waffe.

Cha Thrat konnte Naydrads Stimme horen, die vom Mikrofon des Cinrusskers aufgefangen wurde und gerade zu wissen verlangte, ob Khone nicht nur Arztin, sondern auch Psychologin sei. Wenn ja, habe sich diese damliche Sommaradvanerin auf jeden Fall den falschen Zeitpunkt ausgesucht, um sich bei ihr auf die Couch zu legen! Prilicla gab darauf keine Antwort, und Cha Thrat fuhr fort, in aller Ruhe auf die Patientin einzureden, deren Stimme, wie auch alles andere an ihr, vor Angst wie gelahmt zu sein schien. Zu guter Letzt riefen die Bemuhungen der Sommaradvanerin plotzlich doch noch eine Reaktion hervor.

„Die Sommaradvanerin hat Probleme“, sagte Khone. „Aber wenn intelligente Wesen nicht hin und wieder Dummheiten machen wurden, gabe es uberhaupt keinen Fortschritt.“

Cha Thrat war sich nicht sicher, ob diese Au?erung der Gogleskanerin irgendeine tiefe philosophische Wahrheit darstellte oder lediglich das Produkt eines von Schmerzen und Verwirrung getrubten Verstandes war, und antwortete nur: „Die Probleme der Patientin scheinen mir weitaus dringlicher.“

„Diesbezuglich gibt es keinerlei Einwand“, stimmte Khone ihr umstandlich zu. „Also gut, die Stacheln durfen mit Kappen abgedeckt werden. Aber die Patientin darf nur von der Maschine beruhrt werden.“

Cha Thrat seufzte; die Hoffnung, ein paar ganz personliche Enthullungen konnten die geistig-seelische Ausrichtung von Jahrtausenden durchbrechen, war sehr vermessen gewesen. Ohne sich weiter zu nahern, hielt sie den Scanner mit der langen Zange in Position und offnete mit der hinteren Mittelgliedma?e ihre Tasche, damit die

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