Das schlo? jedoch nicht die Moglichkeit aus, da? der Geschlechtsakt die letztliche Folge des Kampfs darstellte, die Hingabe eines weiblichen Wesens an den im Gefecht siegreichen Kampfer. Fur ein solches Verhalten gab es viele geschichtliche Beispiele, zum Gluck allerdings nicht in der Geschichte von Tarla. Allerdings war diese Erklarung nicht befriedigend, da sowohl mannliche als auch weibliche Cromsaggi kampften, wenn auch nicht gegeneinander.
Fur den Fall, da? irgendein DCSL uberleben sollte und man der Spezies anbot, der Foderation beizutreten, nahm sich Lioren vor, fur die Kulturkontaktspezialisten, die das cromsaggische Problem letztendlich zu losen hatten, einen ausfuhrlichen Bericht uber den Zwischenfall abzufassen.
Plotzlich gingen die vier einzelnen Bilder von der naheren Umgebung, die ihm seine gelahmten Augen nach wie vor lieferten und zu denen auch das von Dracht-Yur gehorte, der mit den beiden DCSLs beschaftigt war, in vollkommene Dunkelheit uber, und der Oberstabsarzt erinnerte sich nur noch an das Gefuhl leichten Schmerzes, bevor er mitten im Gedankengang in tiefen Schlaf fiel.
Dracht-Yur sperrte ihn im Lazarett auf der Vespasian ein, und zwar so lange, bis seine schlimmsten Wunden verheilt seien, wie er meinte. Zudem erinnerte er Lioren daran — wie es nur ein behaarter, engstirniger und sarkastischer Zwerg von einem Nidianer wagen konnte — , da? ihr Verhaltnis bis dahin das zwischen einem Arzt und dessen Patienten sei und er in der gegenwartigen Lage in seiner Funktion als Stabsarzt das Sagen habe.
Sooft Dracht-Yur auch betonte, wie ratsam nach dem seelischen Schock Ruhe und psychische Erholung seien, konnte er Lioren dennoch nicht den Mund verbieten oder ihn davon abhalten, neben seinem Bett ein Kommunikationssystem aufstellen zu lassen.
Wie eine schwangere Strulmer, die einen Berg hinaufklettert, schlich die Zeit dahin, und weiterhin verschlechterte sich die medizinische Situation auf Cromsag, bis die tagliche Sterblichkeitsrate von einhundert Toten auf fast einhundertfunfzig stieg — und immer noch keine Spur von der Tenelphi. Mit einem notwendigerweise kurzen Hyperraumfunkspruch, den er vorher aufgenommen hatte und oft wiederholte, damit die einzelnen Worte rekonstruiert werden konnten, nachdem sie sich muhsam einen Weg durch die Interferenzen der dazwischen liegenden Sterne gebahnt hatten, bat Lioren das Orbit Hospital um Nachricht. Als der Funkspruch nicht beantwortet wurde, war Lioren nicht uberrascht, denn der von einem langen Zwischenbericht benotigte Energieaufwand ware wirklich verschwenderisch gewesen. In einem zweiten Funkspruch teilte Lioren nur noch mit, er selbst sowie das medizinische und das Hilfspersonal auf Cromsag fuhlten sich allmahlich so hilflos, wutend und ungeduldig, da? es schon ans Psychotische grenze, aber das war im Hospital wahrscheinlich schon bekannt.
Funf Tage spater erhielt er endlich eine Antwort, nach der die Tenelphi losgeschickt worden sei und auf Cromsag in schatzungsweise funfunddrei?ig Stunden eintreffen werde. Sie befordere ein Medikament, das noch nicht vollstandig auf seine Langzeitwirkungen hin getestet sei und bei dem es sich um ein spezifisches Heilmittel gegen die schwereren, lebensbedrohlicheren Symptome der Seuche handle. Die Einzelheiten der pathologischen Untersuchung und die Behandlungshinweise seien dem Medikament beigelegt.
Wahrend der darauffolgenden Aufregung uberdachte Lioren seine Plane fur die schnelle Verteilung des Medikaments. Dracht-Yur lie? sich sogar dazu erweichen, ihm zu gestatten, sich vom Lazarett ins Kommunikationszentrum der Vespasian verlegen zu lassen, erlaubte ihm aber nicht, eine Verschlimmerung seiner Verletzungen zu riskieren, indem er auf Cromsag in Beforderungsmitteln, die fur die tarlanische Physiologie vollkommen ungeeignet waren, durch die Luft flog oder ubers Land fuhr. Doch die allgemeine Erleichterung und Euphorie hielt nur bis zum Eintreffen der Tenelphi an.
Zwar hatte das Aufklarungsschiff mehr als genug von dem Spezifikum gegen die Seuche an Bord, das nur ein einziges Mal intravenos verabreicht werden mu?te, um jeden Cromsaggi auf dem Planeten zu behandeln, doch Lioren war die Benutzung des Mittels so lange untersagt, bis man weitere Feldversuche durchgefuhrt hatte.
Thornnastor, dem Leiter der Pathologie, zufolge hatte man mit der Verabreichung einer minimalen Dosis sehr gute physiologische Erfolge erzielt, aber es gab auch Hinweise auf die Moglichkeit schadlicher Nebenwirkungen. So hatte man Anzeichen von geistiger Verwirrung und Zeitraume, in denen die Patienten nicht bei vollem Bewu?tsein gewesen waren, beobachtet. Zwar konnten sich diese Begleiterscheinungen als nur vorubergehend herausstellen, aber auf jeden Fall waren noch weitere Untersuchungen erforderlich.
Nach der einmaligen Injektion waren in den darauffolgenden Tagen ein leichtes, aber stetiges Abklingen der Symptome, eine allmahliche Verbesserung der Lebenszeichen und Spuren einer Regeneration von Gewebe und Organen zu verzeichnen. In den Zeitraumen, in denen sie nicht bei vollem Bewu?tsein gewesen waren, hatten die Versuchspersonen Nahrungsmittel in Mengen verlangt und verzehrt, die angesichts des Magenvolumens und des Gesundheitszustands der Betreffenden ungewohnlich gro? erschienen waren. Das Korpergewicht der Patienten hatte dabei standig zugenommen.
In ahnlicher Weise hatten die noch nicht erwachsenen Testpersonen auf das Spezifikum angesprochen, auch was die vorubergehende Bewu?tlosigkeit betraf, die von kurzen Phasen unterbrochen worden war,
in denen die Patienten nur halb bewu?tlos und geistig verwirrt gewesen waren, mit dem einen Unterschied, da? die jungen DCSLs im Verhaltnis zu ihrer Gro?e noch mehr zu essen verlangt hatten als die erwachsenen. Tagliche Messungen hatten ergeben, da? sowohl ihre Korpergro?e als auch Lange und Umfang der Gliedma?en zugenommen hatten.
Da? sich die noch nicht erwachsenen Patienten mit dem allmahlichen Abklingen der Seuche, die das korperliche Wachstum gebremst hatte, wieder zu der fur das jeweilige Alter optimalen Gro?e entwickeln wurden, hielt man fur wahrscheinlich. Die Zeitspannen, in denen sie bewu?tlos waren und das Denken beeintrachtigt wurde, stellten eine Reaktion auf das Verlangen des Korpers nach gro?ter Ruhe wahrend dieser Regenerationsphasen dar und waren somit nur von geringer klinischer Bedeutung. Das Medikament wurde nur in geringsten Mengen angewandt, doch durch eine ganz minimale Erhohung der Dosis bei einer Versuchsperson verstarkten und beschleunigten sich die bereits festgestellten Wirkungen. Trotz der bisherigen ausgezeichneten physiologischen Erfolge gaben die mit ihnen verbundenen Perioden geistiger Verwirrung zu der Sorge Anla?, da? die Nebenwirkungen des Medikaments zu langfristigen Gehirnschaden fuhren konnten.
Thornnastor entschuldigte sich fur die Ubersendung eines Medikaments, das er noch nicht vollstandig fur die Anwendung freigegeben habe, erklarte aber, Liorens Hyperraumfunkspruche hatten nachdrucklich die Dringlichkeit der Lage betont, und deshalb sollten die letzten Tests gleichzeitig auf Cromsag und im Orbit Hospital durchgefuhrt werden, um zwischen der Zulassung des Medikaments und der Verabreichung an die Patienten mehrere Tage Transportzeit einzusparen.
„Ich bin angewiesen worden, Versuche an maximal funfzig Cromsaggi vorzunehmen“, sagte Lioren, als er Thornnastors Bericht an die hoheren medizinischen Offiziere weitergab. „Der Kreis der Testpersonen soll eine moglichst gro?e Bandbreite an verschiedenen Altersgruppen und Gesundheitszustanden abdecken, genauso wie die innerhalb dieser Gruppe verabreichte Dosis geringfugig variieren soll. Besondere Aufmerksamkeit mussen wir dem Geisteszustand der Probanden in den Zeitraumen zuwenden, in denen sie nicht bei vollem Bewu?tsein sind, in der Hoffnung, da? sich das Ma? der geistigen Verwirrung vermindert, wenn sie sich nicht in der fremden und zweifellos verunsichernden Umgebung des Orbit Hospitals befinden, sondern unter Mitgliedern der eigenen Spezies auf ihrem Heimatplaneten. Die Anfangsphase des Tests wird zehn Tage in Anspruch nehmen, woraufhin eine weitere.“
„In zehn Tagen wurden wir ein Viertel der restlichen Bevolkerung verlieren, die ohnehin schon um zwei Drittel geschrumpft ist, seit die Tenelphi diesen von Crutath verfluchten Planeten entdeckt hat“, fiel ihm Dracht-Yur plotzlich ins Wort, dessen bellende Redeweise sogar durch den Translator wutend klang. „Die sterben da drau?en wie. wie die.“
„Genau das habe ich auch gedacht“, sagte Lioren, wobei er sich den Verweis verkniff, den der Nidianer fur seine schlechten Manieren verdient gehabt hatte, und sich vornahm, die Bedeutung des Worts ??„Crutath“ herauszufinden. „Das ist eine Uberlegung, die Sie sicherlich alle angestellt haben. Aber nicht unsere gemeinsamen Ansichten sind der Grund dafur, weshalb ich Thornnastor nicht gehorchen und seine Empfehlungen mi?achten werde. Die Entscheidung liegt nicht bei Ihnen. Naturlich werde ich Ihrem fachlichen Rat Gehor schenken und ihn annehmen, falls er begrundet ist, aber die Anweisung, die Sache in Angriff zu nehmen, und die Verantwortung fur alles, was sich daraus ergibt, liegt voll und ganz bei mir.
Was ich vorhabe zu tun, ist folgendes.“
Da Lioren seinen Plan mit gro?er Sorgfalt und Aufmerksamkeit furs Detail aufgestellt hatte, rief er keine Kritik hervor, und die ihm angebotenen Ratschlage waren — eigenartigerweise, da sie einem Vorgesetzten von Untergebenen erteilt wurden — eher personlicher als fachlicher Natur. Man riet ihm, Thornnastor zwar zu
