wenig alter als Sauglinge waren, ausschlie?lich mannliche Cromsaggi befanden.
In den folgenden Tagen wurden keine Todesfalle gemeldet, aber den Boden- und Luftfahrzeugen, die seit uber acht Tagen und Nachten standig im Einsatz gewesen waren, ging es nicht so gut. Die Nahrungssynthesizer auf der Vespasian und den medizinischen Stationen au?erhalb des Schiffs liefen auf maximal zulassiger Uberbelastung, ein Zustand, der normalerweise nicht fur mehr als ein paar Stunden zulassig war. Samtliche Mitarbeiter des Unternehmens wiesen Anzeichen von Stress und schwerer Erschopfung auf, arbeiteten aber mit nahezu optimaler Leistungsfahigkeit, obwohl sie nur selten die Mu?e fanden, sich miteinander zu unterhalten, und hin und wieder im Stehen zu schlafen schienen. Allen Beteiligten wurde rasch klar, da? sich dieser Gro?einsatz als ein Erfolg erwies, da kein einziger Angehoriger der mittlerweile nur noch aus Patienten bestehenden Bevolkerung mehr im Sterben lag. Dieses Wissen war fur alle der Treibstoff und das Schmiermittel, durch die sie selbst und die gesamte Maschinerie in Gang gehalten wurden.
Zwar war es fur sie alle argerlich, aber nicht wichtig, da? die Cromsaggi keine Dankbarkeit fur das zeigten, was man fur sie tat, wenn man davon absah, da? die DCSLs die am Vortag bereitgestellten Lebensmittelvorrate stets restlos zu verdrucken pflegten. Die kurze Erklarung der Behandlung und den beruhigenden Hinweis auf den letztendlich erfolgreich verlaufenden Heilproze?, die die Patienten bei jedem Besuch erhielten, den man ihnen abstattete, um die Nahrungsvorrate aufzufullen, uberhorten sie einfach. Unverhohlen feindlich waren sie nicht, es sei denn, einer der Arzte versuchte, ihren Kreislauf zu uberprufen oder ihnen eine Blutprobe zu entnehmen; in solchen Fallen wehrten sie sich sogar sehr heftig gegen die betreffende Person.
Sie waren wirklich eine au?erst undankbare und alles andere als liebenswerte Spezies, wie Lioren nicht zum erstenmal dazu einfiel. Doch sein Problem war ihr physiologischer und nicht ihr psychologischer Zustand, und dieses Problem loste sich allmahlich.
Von selten des Orbit Hospitals herrschte zu diesem Thema weiterhin Schweigen.
Wie sich Thornnastor bei seinen relativ wenigen Patienten langsam und vorsichtig einer Behandlungsphase naherte, uber die Lioren bereits bei der gesamten Planetenbevolkerung hinaus war, konnte sich der Oberstabsarzt gut vorstellen. Damit wollte er gar nichts uber den tralthanischen Pathologen gesagt haben, bei dem es sich schlie?lich um jene Person handelte, die fur die Herstellung des Heilmittels gegen die Seuche verantwortlich war. Hatte Lioren jedoch Thornnastors Empfehlungen nicht ignoriert und das Mi?fallen seiner Vorgesetzten aufs Spiel gesetzt, waren inzwischen viele hundert Cromsaggi gestorben. Und die Losung, die er sich fur das Problem ausgedacht hatte, war — ohne falsche Bescheidenheit seinerseits — wahrhaft elegant gewesen.
Durch die von ihm berechneten unterschiedlichen Starken der verabreichten Dosen, die auf Alter, Korpergewicht und klinischen Faktoren beruhten, war sichergestellt worden, da? sich junge wie alte DCSLs gleichzeitig auf dem Weg zu einer vollstandigen Heilung befanden. Trotz seines Ungehorsams war sich Lioren sicher, da? seine Ma?nahme eher Lob als Tadel verdiente.
Am folgenden Tag sandte er in aller Fruhe eine kurze Nachricht an den Stutzpunkt des Monitorkorps auf Orligia sowie ans Orbit Hospital, in der er um zusatzliche Nahrungssynthesizer und Ersatzteile fur die Boden- und Luftfahrzeuge bat und au?erdem mitteilte, da? seit acht Tagen kein einziger Cromsaggi mehr gestorben sei und ein vollstandiger Bericht zusammen mit einem medizinischen Offizier, der die Situation auf Cromsag aus eigener Erfahrung kenne, von der Tenelphi zum Hospital gebracht werde. Die Bitte um weitere Nahrungssynthesizer und der plotzliche Ruckgang der Sterblichkeit wurden Thornnastor verraten, was Lioren getan hatte, und der medizinische Offizier des Aufklarungsschiffs ware dann in der Lage, die Wissenslucken des Tralthaners mit Einzelheiten zu stopfen.
Dracht-Yur hatte die ganze Zeit sehr gute und harte Arbeit geleistet und ihm zu befehlen, sich wieder den normalen Aufgaben auf der Tenelphi zuzuwenden, ware fur ihn sowohl eine Erholung als auch eine wohlverdiente Belohnung fur seine Anstrengungen. Daruber hinaus wurde der Stabsarzt durch diese Ma?nahme von der Bildflache verschwinden und Lioren, dessen Wunden gut verheilten, somit die Moglichkeit verschaffen, endlich der lastigen medizinischen Quarantane zu entrinnen, die ihm von dem kleinen Nidianer auferlegt worden war.
Bevor sich Lioren an diesem Abend zur Ruhe begab, stellte er drau?en vorm Schiffslazarett die ubliche Wache auf. Eigentlich war diese Vorsichtsma?nahme uberflussig, da sich bisher keiner der Cromsaggi dafur interessiert hatte, was sich au?erhalb des Eingangs befand, doch Captain Williamson hielt sie fur notwendig, fur den Fall, da? sich einer der jungen DCSLs entschlo?, auf Entdeckungsreise zu gehen, und sich womoglich an der Schiffsausrustung verletzte. Morgen wollte Lioren zu den au?erhalb gelegenen medizinischen Unterkunften fliegen und die Lage zum erstenmal seit dem peinlichen Mi?geschick mit den beiden sich paarenden Cromsaggi selbst in Augenschein nehmen.
Gluckwunsch, mein Junge, dort wirst du endlich Zeuge werden, wie sich die Heilung der Cromsaggi ihrem Abschlu? nahert, gratulierte sich Lioren mit einer Mischung aus Freude und Stolz selbst.
Am nachsten Morgen stattete er noch kurz vor dem Abflug des bereitstehenden Flugzeugs dem Lazarett einen Besuch ab, weil er den Zustand seiner Patienten uberprufen wollte. Doch zu seinem gro?en Entsetzen mu?te er feststellen, da? Boden und Wande vom Blut der Cromsaggi bespritzt und alle erwachsenen DCSLs tot waren. Nachdem der Wachmann am Eingang von heftigem Brechreiz ubermannt worden war, berichtete er, bis weit in die Nacht hinein leise Stimmen und Singen gehort zu haben, woraufhin fur eine Zeitlang ununterbrochene Stille eingetreten sei, die er darauf zuruckgefuhrt habe, da? die Patienten eingeschlafen seien. Doch aus dem Zustand, in dem sich die Leichen befanden, wurde jetzt klar ersichtlich, da? die DCSLs statt dessen gekampft und sich gegenseitig in aller Stille getreten, gebissen, zerfleischt und erschlagen hatten, bis nur noch die beiden kleinen Madchen ubriggeblieben waren.
Lioren versuchte noch, sich von dem Schock zu erholen und sich klarzumachen, da? er nicht schlief und gerade einen besonders entsetzlichen Traum hatte, als plotzlich der Wandlautsprecher neben ihm gerauschvoll zum Leben erwachte. Der Oberstabsarzt wurde aufgefordert, sich sofort ins Kommunikationszentrum zu begeben, und daruber informiert, da? sich das von den DCSLs selbst inszenierte Blutbad im Schiffslazarett uberall auf Cromsag wiederholt habe.
Schon sehr bald wurde deutlich, da? Oberstabsarzt Lioren nicht fur die Heilung, sondern fur die Totung der gesamten Bevolkerung eines Planeten verantwortlich war.
5. Kapitel
Als Lioren seinen Bericht beendet hatte, herrschte vollkommene Stille im Saal. Auch wenn allen Anwesenden bereits jede schreckliche Einzelheit der Vorgange auf Cromsag und Liorens Verantwortlichkeit fur diese Katastrophe bekannt war, reichte die blo?e Wiederholung aus, um jedes zivilisierte Lebewesen vor Schreck verstummen zu lassen.
„Die Schuld fur diesen Vorfall liegt voll und ganz bei mir“, fuhr Lioren fort. „Falls jemand irgendeinen Zweifel daran hat, bitte ich Thornnastor, den leitenden Diagnostiker der Pathologie, seine Aussage zu machen.“
Gleich darauf stampfte der Tralthaner auf seinen sechs elefantenartigen Beinen schwerfallig nach vorn, um in den Zeugenstand zu treten. Indem er je ein Auge auf den Gerichtsprasidenten sowie auf Lioren, O'Mara und seine schriftlichen Aufzeichnungen richtete, begann er zu sprechen. Nur wenige Minuten spater bat Flottenkommandant Dermod mit erhobener Hand um Ruhe.
„Der Zeuge ist nicht dazu verpflichtet, sich mit seiner Aussage derart in medizinische Einzelheiten zu verlieren“, sagte er. „Zweifellos werden das seine Arztkollegen interessant finden, aber fur das Gericht ist das nicht mehr verstandlich. Bitte drucken Sie sich einfacher aus, Diagnostiker Thornnastor, und erklaren Sie, weshalb sich die Cromsaggi so verhalten haben, wie es der Fall gewesen ist.“
Mit den beiden mittleren Fu?en stampfte Thornnastor auf — eine Geste, die Ungeduld verriet, deren genaue Bedeutung aber nur einem zweiten Tralthaner klar gewesen ware — und willigte schlie?lich mit einem „Also gut, Sir“ ein.
Laut seiner Aussage war aufgrund der vorsichtigeren Methode des Versuchsprogramms am Orbit Hospital und den sich daraus ergebenden langsameren Fortschritten bis zu einer vollstandigen Heilung der Hyperraumfunkspruch von der Vespasian noch rechtzeitig empfangen worden, um eine Wiederholung der Katastrophe, die sich auf Cromsag ereignet hatte, zu verhindern. Samtliche Cromsaggi waren im Hospital verteilt und in Einzelunterkunfte gesperrt worden, und die Abteilung fur ET-Psychologie hatte ihre Bemuhungen verstarkt, die geradezu fanatische Weigerung der Patienten zu jedweder Form von Zusammenarbeit zu uberwinden, weil
