galt, zwei lachhaft schmale Stoffstreifen um Brust und Becken. Obwohl in ihrer Au?erung Kritik mitschwang, schien ihr Auftreten eher freundlich zu sein. Bevor er ihr antwortete, hielt sich Gurronsevas vor Augen, da? es sich bei Murchison immerhin um Thornnastors erste Assistentin und um die Lebensgefahrtin eines anderen Diagnostikers namens Conway handelte, und er sich mit seinen Au?erungen lieber zuruckhalten sollte.

„Das sieht vielleicht so aus, Madam“, antwortete Timmins, bevor Gurronsevas etwas sagen konnte, „und ich mu? zugeben, das hier ist nicht gerade das unangenehmste Projekt, mit dem ich bisher betraut worden bin. Doch fur das, was wir hier machen, gibt es ernsthafte technische und medizinische Grunde.“

„Furs Herumalbern mit einem Spielzeugboot?“ hakte Murchison unglaubig nach.

„Genaugenommen ist das kein Boot, Madam“, entgegnete der Lieutenant lachelnd. Er hob das Versuchsobjekt aus dem Wasser, damit die Pathologin es deutlicher sehen konnte. „Vielmehr handelt es sich um den Prototypen eines Unterwasserfahrzeugs mit einer abgeflachten ovalen Form, das dafur konstruiert worden ist, in einem stabilen Gleichgewichtszustand zu bleiben, egal in welche Tiefe man es setzt. Danach soll es seine Position und Tiefe zufallig und mit gro?er Schnelligkeit andern.

Das Antriebssystem besteht aus einem dunnwandigen Kunststoffzylinder, in dem sich komprimiertes Gas befindet und der genau in diese zylindrische Offnung am Heck pa?t“, fuhr Timmins fort. „Kleinere Vertiefungen rund um das Fahrzeug herum sowie in der Ober- und Unterseite beherbergen winzige Kapseln mit komprimiertem Gas, die zum Verandern der Schwimmlage im Wasser eingesetzt werden. Die Hullen dieser Steuerkapseln sind wasserloslich und weisen verschiedene Dicken auf, so da? sie unterschiedlich lange brauchen — von funf bis funfundsiebzig Sekunden sind alle Zeiten vertreten—, um sich aufzulosen und das Gas freizusetzen. Das bedeutet, die Richtungsanderungen werden zufallig eintreten, und folglich wird das Fahrzeug nur sehr schwer zu fangen sein, zumindest bis ihm das Gas ausgeht, durch das es angetrieben wird. Bei diesem Testfahrzeug wird das in zwei Minuten der Fall sein. Wir wollen gerade eine weitere Testfahrt durchfuhren, Madam. Das sollte auch fur Sie interessant sein.“

„Ich kann es gar nicht erwarten“, merkte Murchison schnippisch an.

Timmins und die beiden Melfaner setzten das Testfahrzeug auf das Flo? und kletterten selbst hinauf. Durch ihr gemeinsames Gewicht neigte sich das Flo? erschreckend. Damit die drei Platz zum Arbeiten hatten, trat Murchison rasch zuruck, wobei sie die Arme ausstreckte, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren, und Gurronsevas blieb im Wasser. Er war gro? genug, um mit den Fu?en auf dem Grund zu stehen und gleichzeitig mit dem Kopf uber Wasser zu bleiben. Zwei seiner Augen brachte er unter die Wasseroberflache, um nach Tauchern Ausschau zu halten, die unberechtigterweise in das Testgebiet eindringen konnten, und mit den anderen beiden sah er Timmins und den beiden Melfanern zu, bis das Fahrzeug wieder mit gefullten Gaskapseln versehen und einsatzbereit war.

„Diesmal werden wir es in eine Tiefe von einem halben Meter bringen, weil ich das Verhalten von dem Moment, in dem sich der Verschlu? der Hauptantriebseinheit auflost, bis zum Platzen der ersten Steuerkapsel genauestens beobachten will“, sagte Gurronsevas. „Halten Sie es so waagerecht wie moglich, lassen Sie es beide gleichzeitig los und ziehen Sie die Hande langsam weg, damit Sie keine Wirbel verursachen, die eine Veranderung der Schwimmlage hervorrufen konnten, bevor das Versuchsfahrzeug durch das Gas aus den Kapseln angetrieben wird. Haben das alle verstanden?“

„Das haben wir schon verstanden, als Sie es uns zum ersten Mal erklart haben“, bestatigte einer der Melfaner so leise, da? klar war, die Bemerkung sollte nicht uberhort werden.

Gurronsevas beschlo?, sich aus diplomatischen Grunden taub zu stellen.

Seit ihrem Eintreffen hatte Murchison noch nicht direkt mit Gurronsevas gesprochen, und da Timmins eifrig bedacht war, alle notwendigen Informationen weiterzugeben, bestand fur Gurronsevas au?er blo?er Hoflichkeit kein Grund, die Pathologin anzusprechen. Langsam kamen ihm ernste Zweifel an der Durchfuhrbarkeit des ganzen Vorhabens, und je weniger er im Moment sagte, desto weniger Verlegenheit wurde spater durch die Entschuldigung bei seinen Helfern entstehen, mit den Versuchen blo? ihre Zeit vergeudet zu haben. Jedenfalls lag die Pathologin ausgestreckt auf dem Flo? und hatte Gesicht und Augen den Startvorbereitungen zugewandt.

Wie Gurronsevas mit wachsender Ungeduld bemerkte, widmete Timmins den Gro?teil seiner Aufmerksamkeit der Pathologin. Der Tralthaner hielt sich vor Augen, da? die terrestrischen DBDGs einer Spezies angehorten, deren Mitglieder im Gegensatz zur gro?en Mehrheit anderer Lebensformen in der Foderation, die jedes Jahr nur fur kurze Zeitraume au?erst aktiv waren, ihr ganzes Leben als Erwachsene lang zu sexueller Erregung und Betatigung imstande waren. Es gab zwar einige, die die Terrestrier um diese Fahigkeit beneideten, aber Gurronsevas personlich hielt sie fur einen Nachteil, der die Denkvorgange der DBDGs nur allzu oft qualitativ minderte. Doch auch dies war wieder ein Moment, an dem diplomatisches Schweigen angebracht zu sein schien.

Der nachste Versuch lie? sich gut an: Ein dunner, sprudelnder Strahl aus komprimiertem Gas trieb das Fahrzeug in nicht ganz gerader Linie mit langsam zunehmender Geschwindigkeit in konstanter Tiefe voran. Da es sich bei der Beute der Chalder um Amphibien handelte, war es normal, da? sie beim Fliehen Luft absonderten. Als die erste seitliche Steuerkapsel mit einem schwacheren und kurzeren Aussto? von Blasen Gas freisetzte, ging das Fahrzeug in eine weite Kurve, die es wieder in Richtung Flo? brachte. Dann loste sich auf derselben Seite eine weitere Gaskapsel auf und platzte, wodurch sich der Kreis, den das Fahrzeug beschrieb, spiralenformig verengte, bis es plotzlich die Wasseroberflache durchstie? und anfing, in Drehbewegungen unkontrolliert uber das Wasser zu gleiten, da die Antriebseinheit die von den beiden Seitendusen verursachte Rotation verstarkte. Die ubrigen Kapseln platzten zufallig und verpufften ohne Wirkung, und kurz darauf kam das Fahrzeug zum Stehen, wobei es sich noch immer langsam drehte und mit der Oberseite aus dem Wasser ragte.

Einer der Melfaner fischte es heraus, und es kam zu einer technischen Debatte uber die Instabilitat, die der abgeflachten ovalen Form anhaftete. Gurronsevas war zu verargert und enttauscht, um sich zu beteiligen, doch anscheinend galt das nicht fur Murchison.

„Zwar ist das nicht gerade mein Spezialgebiet, aber die Spielzeugboote meines Bruders, mit denen ich als Kind immer gespielt habe, waren mit Kielen ausgerustet, durch die sie selbst bei wechselndem Wind eine hohe Richtungsstabilitat bekommen haben“, meinte die Pathologin. „Als ich und mein Bruder alter geworden waren und zu Schnell- und U-Booten ubergegangen sind, haben wir ferngelenkte Steuer- und Tiefenruder gehabt, um die Fahrtrichtung beziehungsweise Tiefe beizubehalten oder zu andern. Konnte man hier nicht etwas Ahnliches verwenden?“

Timmins und die Melfaner verstummten, entgegneten aber nichts. Sie alle blickten Gurronsevas an. Ganz offensichtlich konnte er nicht langer schweigen.

„Nein“, antwortete er. „Das geht erst, wenn der Funkempfanger und die Steuerelemente aus nichtmetallischen, ungiftigen und genie?baren Materialien hergestellt werden konnen.“

„Genie?bar?“ erkundigte sich Murchison. „Ach, deshalb bin ich hierhergeschickt worden“, fuhr sie mit leiserer Stimme fort. „Da? Thorny Sinn fur Humor hat, habe ich bisher gar nicht gewu?t. Fahren Sie bitte fort.“

„In der endgultigen Form mu?te das gesamte Fahrzeug genie?bar oder zumindest fur die chalderische Lebensform ungiftig sein, und dazu wurden auch die wasserloslichen Gaskapseln fur den Antrieb und die Steuerung gehoren“, erklarte Gurronsevas und erfullte damit Murchisons Wunsch. „Wenn wir einen Kiel hinzufugen wurden, der ebenfalls genie?bar sein mu?te und kaum scharfe Kanten aufweisen durfte, um bei den Patienten keine Verletzungen am Maul zu riskieren, stunden wir vor der Schwierigkeit, da? sich durch die Konstruktion das optische Erscheinungsbild des Fahrzeugs andern und es nicht mehr der naturlichen und stark bevorzugten Beute der Chalder ahneln wurde, bei der es sich um stromlinienformige Wassertiere mit hartem Panzer von der Gro?e und Form unseres Versuchsobjekts handelt. Ein erkrankter chalderischer Patient, der auf dem Weg der Besserung ist, halt es wahrscheinlich nicht fur notwendig, unbekannte Beutetiere zu jagen.

Wie Sie sicherlich verstehen werden, haben die beengten raumlichen Verhaltnisse auf der AUGL-Station sowohl physische als auch physiologische Auswirkungen, durch die die Genesungszeit unnotig verlangert wird“, setzte Gurronsevas seine Ausfuhrungen fort. „Aufgrund des Unvermogens, sich ausreichend zu bewegen, werden die Patienten faul, lustlos und fast lethargisch. Vielleicht sollte ich Ihnen erklaren, da? die Physiologie der AUGLs so beschaffen.“

„Sparen Sie sich die Muhe, denn neben anderen Physiologien bin ich auch mit der der Chalder bestens vertraut“, unterbrach ihn Murchison ungeduldig.

Einen Augenblick lang strahlte Gurronsevas eine solche Verlegenheit aus, da? er sich nicht gewundert hatte, wenn das Wasser um ihn herum ins Dampfen geraten ware. „Sie mussen schon entschuldigen, Pathologin

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