geladen. Nun, ich habe mancherlei mit ihr im Interesse meiner beiden unbekannten Schutzlinge zu sprechen. Ich werde von ihr aus nach Saint-Lazare fahren, denn ich will versuchen, zu den jungen Haftlingen zu gelangen.« –
Es klingelte... »Wohl schon einer deiner Gaste?« fragte die Marquise, »nun, ich gehe jetzt. Was hast du fur den Abend vor? Ich ginge gern einmal in die italienische Oper ... Du begleitest mich doch?« – »Mit gro?tem Vergnugen!« – »Dann also auf Wiedersehen, Albert! Ich raume das Feld und wunsche dir viel Amusement.«
Sie reichte ihm die Hand und ging zur einen Tur hinaus, wahrend zur andern Herzog von Lucenay hereintrat.
Siebentes Kapitel.
Ein Dejeuner.
Lucenays Verwundung war so geringfugiger Natur gewesen, da? er nicht einmal den Arm in der Binde trug. Auf seinem Gesicht lag noch immer, ein hochmutiger Ausdruck. Seine quecksilberne Unruhe hatte sich nicht gelegt, auch seine Spottsucht hatte sich nicht gemildert. – »Sie mussen mich doch fur recht gleichgiltig halten, lieber Lucenay,« sagte Harville, dem Freunde die Hand reichend, »aber ich habe tatsachlich erst heute morgen von dem leidigen Rencontre Kenntnis erhalten.« – »Leidig? Ach, reden Sie doch nicht, Harville! Habe ich doch kaum je im Leben so herzlich gelacht wie bei dieser Affare ... Der scharmante Karl Robert schnitt ein so feierliches Gesicht, als ich ihm an den Kopf warf, er litte an Fettsucht, da? ich wirklich dachte, er wolle beichten ... Und darum ein Duell? Freilich, vor jungen Damen hort man so was nicht gern! Das macht allemal boses Blut.« – »Nun, daran erkenne ich Sie wieder!« sagte Harville, »aber was ist das fur ein Karl Robert?« – »Ich wei? es selbst nicht,« sagte Lucenay, »in einem Badeorte habe ich ihn kennen gelernt. Im Wintergarten beim Gesandtschaftsballe ging ich an ihm voruber und neckte ihn. Am andern Tage setzte es dafur zur Antwort einen Degensto?. So stehen wir zusammen. Aber genug von diesen Dummheiten! Ich bin hergekommen, eine Tasse Tee bei Ihnen zu trinken.«
Lucenay warf sich auf ein Sofa.
Harville erwiderte: »Ich habe Ihnen eine Ueberraschung zugedacht, mein Lieber.« – »So? und die ware?« fragte Lucenay. – »Es kommen ein paar gute Freunde her, zu einem kleinen Imbi?.« – »Das lasse ich mir gefallen. Marquis,« rief Lucenay, »bravo! bravissimo!« – »Saint-Remy wird auch gleich da sein,« sagte Harville; »hoffentlich hat ihn meine Einladung in Paris getroffen.«
Im andern Augenblicke trat der Edelmann, von dem die Rede war, ins Zimmer. – Lucenay eilte ihm entgegen ... »Was? Sie Freund vom Landleben,« rief er, »wirklich schon da? Ich dachte, Sie hatten Paris wieder den Rucken gewandt.« – »Gestern bin ich wiedergekommen,« antwortete Saint-Remy, »und fand, kaum in meine Wohnung getreten, Harvilles Einladung; naturlich haben mich Windesflugel hergetragen.« – Und beiden Herren die Hande reichend, lie? er sich auf einem Sessel nieder.
»Vielen Dank fur die Eile!« sagte Harville; »es freut mich um so mehr, da? Sie meiner Einladung so schnelle Folge leisten, als wir uns doch alle uber den glucklichen Ausgang des Duells freuen mussen, das doch gar traurige Folgen hatte haben konnen.« – »Aber, Saint-Remy,« fragte Lucenay, »was hat Sie denn jetzt zur Winterszeit aufs Land hinausgefuhrt?« – »Ei, warum die Neugierde? Ich will mir Paris ein bi?chen abgewohnen. Das ist alles!« – »Ach richtig! Sie wollen sich doch an die Gerolsteiner Gesandtschaft versetzen lassen? Ein schoner Einfall, das mu? ich sagen! Aber ich glaube nicht daran, da? er noch zur Ausfuhrung kommen wird, wenigstens wird allgemein daran gezweifelt, auch von meiner Frau.« – »Nun, dann sagen Sie Ihrer Gemahlin, da? sie sich ebenso darin irrt, wie alle Welt.« – »Aber, lieber Lucenay, kennten Sie den Gro?herzog, wie ich ihn kenne,« erwiderte Harville, »dann wurden Sie wohl verstehen, da? Saint-Remy gro?e Lust haben kann, eine Zeitlang in Gerolstein zu verleben.« – »Ich bin noch immer nicht bekehrt,« sagte Lucenay, »denn ich meine, da? ein Herr, wie unser Vicomte, der zum feschesten Parisertum gehort, nirgendwo anders leben kann, als eben in Paris.«
Die anderen Gaste stellten sich nach und nach ein. Plotzlich erschien Joseph auf der Schwelle und flusterte seinem Herrn ein paar Worte zu ... »Sie erlauben wohl, meine Herren, da? ich ein paar Augenblicke verschwinde?« fragte Harville, »ich habe den Juwelier meiner Frau herkommen lassen, weil ich ihr ein Prasent aussuchen will. Sie wissen doch in solchen Dingen Bescheid, Lucenay? ... Wir sind nun doch einmal Ehemanner vom alten Schrote ..«
»Ach! es handelt sich wohl um eine Ueberraschung?« rief der Herzog; »nun, meine bessere Halfte hat mir gestern auch eine kleine Ueberraschung bereitet.« – »So?« – »Ja, aber keine sonderlich freudige! Hunderttausend Franks will sie haben! Was meinen Sie dazu?« – »Nun, ein so freigebiger Herr wie Sie wird seine Gattin kaum warten lassen.« – »Nun, gute Rechnung erhalt die Freundschaft, das wissen Sie ja? Aber 100 000 Franks sind keine Lappalie. Ich habe ihr das Geld geliehen und bekomme von ihr eine Hypothek auf ihr Gut. Sagen Sie mal, Saint-Remy,« wandte sich Lucenay an den Vicomte, »Sie verstehen sich doch auf Anleihen?« Aber wie nahe er mit dieser Frage an den eigentlichen Sachverhalt streifte, davon hatte er keine Ahnung. Saint-Remy mangelte es an Keckheit freilich nicht, aber seine Wange farbte sich doch bedenklich, als er die Worte geringschatzig hinwarf: »Hunderttausend Franks sind freilich keine Bagatelle, und wozu eine Frau soviel brauchen konnte, mochte ich doch wissen. Bei den Mannern ist das schlie?lich etwas anderes.« –
»Saint-Remy,« rief ihn Harville, »einen so feinen Geschmack wie Sie hat nur selten jemand; helfen Sie mir doch den Diamantschmuck fur meine Frau aussuchen.« – »Ach, der Herr Baudoin?« rief Lucenay, als der Juwelier von dem Marquis in das Zimmer gefuhrt wurde ... – »Mein Kompliment, Herr Herzog,« sagte Baudoin. – »Ei, ich habe Sie stark im Verdacht, mein Lieber,« sagte Lucenay, »da? Sie hin und wieder meiner lieben Ehehalfte solchen Floh ins Ohr setzen, der sie dem Ruine in die Arme fuhren mu??« – »Aber die Frau Herzogin hat ja doch ihre Diamanten,« antwortete der Juwelier, »in diesem Jahre blo? neu fassen lassen, Herr Herzog.« Aber ein gewisser Grad von Verlegenheit zeigte sich bei diesen Worten doch auf seinem Gesichte. – Auch Saint-Remy verfarbte sich, wu?te er doch recht gut, da? die Herzogin, um ihm beizustehen, ihre echten Juwelen gegen falsche vertauscht hatte.
Inzwischen hatte Baudoin verschiedene Halsbander und Spangen mit Rubinen und Diamanten auf dem Tische ausgelegt.
»Die Steine sind wirklich brillant!« rief Lord Douglas, »einen so scharfen und akkuraten Schnitt habe ich wirklich kaum vorher gesehen.« – »Ja, ich hatte einen ganz ausgzeichneten Steinschneider,« antwortete Baudoin, »der aber leider vor ein paar Tagen um sein letztes bi?chen Verstand gekommen ist. Ob ich einen so geschickten Arbeiter wie ihn wiederfinden werde, wei? ich tatsachlich nicht. Die Frau, die ihn mir vermittelt hat, sagte mir, er sei so arm gewesen, da? er nicht mehr wo aus wo ein gewu?t habe.« – »Und solchem armen Menschen vertrauen Sie Diamanten an?« fragte Lord Douglas. – »Gewi?! Da? ein Steinschneider, trotzdem sie alle arme Teufel sind, sich an einem Diamanten vergriffen habe, ist eigentlich noch kein einziges Mal passiert.«
»Na, umso besser,« sagte Harville, »aber sagen Sie mir lieber, wieviel kostet hier dieses Halsband?« – »Die Steine, Herr Marquis, sind vom reinsten Wasser und trefflich geschnitten, auch fast durchweg von gleicher Gro?e. Der billigste Satz ist 42000 Franks.« – »Seiner Frau ein Prasent von solchem Werte zu machen! Das kann doch blo? unser Harville,« rief Lucenay, »lassen wir ihn ob seiner Ritterlichkeit hoch leben. Harville hoch! Harville hoch!« – »Nun, denken Sie daruber wie Sie wollen, meine Herren,« antwortete Harville, »ich bin nun einmal in meine Frau verliebt und schame mich dessen weder, noch mache ich ein Geheimnis daraus.« Und sich zu Baudoin wendend, setzte er hinzu: »Herr Baudoin, Sie machen das Geschaftliche wohl mit meinem Herrn Doublet ab?« –»Gewi?, Herr Marquis,« antwortete der Juwelier, »hat doch Herr Doublet schon mit mir daruber gesprochen!« – Und ohne die Steine, die er mitgebracht, zu zahlen, – so sehr vertraute er auf die Rechtlichkeit der anwesenden Edelleute – schob er sie in die Tasche und verlie? das Zimmer. Harville ubergab dem Diener Joseph das Halsband, das er ausgewahlt hatte, und sagte zu ihm: »Julie soll es recht geschickt zu den anderen Schmucksachen legen, damit meine Frau uberrascht wird!«
Gleich darauf wurde gemeldet, da? das Fruhstuck aufgetragen sei. Da? Saint-Remy die Steine des Juweliers einen nach dem andern sich angesehen und dann wieder auf den Tisch gelegt hatte, war niemand besonders aufgefallen.
»Ihr Palais, lieber Harville, ist wirklich eines der elegantesten von ganz Paris,« meinte Lucenay. – »Nun, ganz bequem ist es ja, aber nicht sonderlich geraumig. Darum will ich schon immer einen Saal nach dem Garten zu anbauen lassen. Wenn meine Frau mal einen Ball geben will, reichen unsere drei Sale in der Regel nicht aus. Sie gehen mir wohl auch hierin mit Ihrem Rate zur Hand, Saint-Remy?« – »Meine geringen Fahigkeiten stehen zu
