sich durch einen Pa?. Dann entrichtete er das Porto, und da sah ich, da? in seiner grunseidenen Borse Gold uber Gold steckte. Wenigstens waren es an die 50 Louisdor.«
Ein Hund bellte heftig ... »Aha, ein Boot kommt,« sagte sie, »entweder Martini oder Niklas kommt.«
Auf Amandinens Gesicht trat helle Freude, als sie den Namen Martini horte. Zu ihrem Leidwesen trat aber nicht er, sondern Niklas in die Stube. Niklas war klein und mager, so da? man ihm nicht Kraft genug zugetraut hatte zu dem gefahrlichen Handwerk, das er trieb, aber eine ungezahmte Energie ersetzte bei diesem Menschen die ihm fehlende Leibesstarke. Er warf beim Eintritt ein Stuck Kupfer von der Schulter auf die Erde; dann rief er: »Guten Abend, Mutter, und gute Beute! Drau?en liegen noch drei andere Stucke, ein Bundel Kleider, und dann habe ich auch eine Kiste hingestellt. Was drinnen ist, wei? ich nicht. Hoffentlich ist mir keine Nase damit gedreht worden?« Dann sah er sich um ... »Wo ist denn der Franz? Der konnte mir doch beim Auspacken helfen.« – »Den hat die Mutter eben durchgeblaut und eingesperrt. Er wird wohl hungrig zu Bett gehen mussen.« – »Meinetwegen,« versetzte Niklas, »aber wenn wir drei zufassen konnten, brachten wir alles auf einmal herein.«
Die Frau wies, ohne ein Wort zu sagen, nach der Decke hinauf; die Tochter verstand die Pantomime und ging hinauf, um Franz zu holen. Seitdem Niklas gekommen, hatte sich das Gesicht der Mutter aufgeheitert, denn Niklas war, da bei ihr die Liebe mit der Sundhaftigkeit wuchs, ihr Goldsohn, ebenso wie ihr anderer »in Toulon«, wie sie sich auszudrucken liebte.
»Wo warest du in der letzten Nacht?« fragte sie Niklas. – »Ich sah, als ich vom Billy-Kai zuruckkam, wo ich die Unterredung mit dem Manne hatte, in der Nahe der Invalidenbrucke einen Kahn treiben. Da kein Licht drauf zu bemerken war, dachte ich, die Bootsleute mu?ten am Lande sein. Ich fahre heran, finde aber einen Wachter und verlange ein Stuck Tau. Drin in der Kajute kein Mensch! Da habe ich denn mitgenommen, was sich fortschaffen lie?: vom Verdeck, vier stattliche Stucke Kupfer, Kleider und eine Kiste ... Aber da kommt ja die Schwester mit dem Franz... Na, nun schnell in den Kahn! Amandine, du hilfst auch mit tragen.«
Bald kamen die Kinder beladen zuruck; das Kupfer, das Franz auf den Achseln trug, schien ihn zu Boden drucken zu wollen, und auch Amandine verschwand schier unter dem Haufen gestohlener Kleider, die sie auf dem Kopfe trug. Niklas kam mit der alteren Schwester zusammen; beide schleppten die ebenfalls schwere Kiste, auf deren Deckel das vierte Stuck Kupfer gelegt war.
Ungeduldig forderte die Mutter, da? Niklas die Kiste offne. Mit einem wuchtigen Schlage sprengte Niklas sie auf. Alle sturzten herbei, den Inhalt zu sehen. Sie enthielt allerlei Putz fur das schwache Geschlecht, war also augenscheinlich aus einem der Pariser Modemagazine irgendwohin nach einer Uferstadt der Seine unterwegs gewesen. Nach eingehender Musterung des Inhalts meinte die Mutter: »Nun, an die 500 Franks bezahlt die Burette dafur unbesehen; aber es wird gut sein, alles wieder fursorglich zusammenzupacken.« – »Bis auf den Schal,« rief die altere Tochter, »den will' ich fur mich behalten-...« – »Oho,« rief Niklas, »wenn ich ihn dir gebe! Du willst immer blo? nehmen!«
Aber Niklas war heute bei freigebiger Laune, und so gab er nicht blo? der alteren Schwester, was sie forderte, sondern auch Franz und der jungeren ein paar seidene Tucher, nach denen sie begehrliche Augen gemacht hatten ... »Na, da nehmt nur!« rief er, »es wird euch Lust zum Stiebitzen machen! Schon ist's doch, umsonst allerhand schone Dinge sich aneignen zu konnen? He? Aber nun schert euch zu Bett! Ich mu? mit der Mutter ein paar Worte unter vier Augen reden. Das Essen sollt ihr hinaufkriegen.«
Kaum waren die Kinder gegangen, so brachten die beiden alteren Geschwister das gestohlene Gut in einen kleinen Keller wohin neben dem Herde ein paar Stufen fuhrten.
»Nun aber was zu trinken, Mutter,« rief Niklas, »und einen guten Tropfen! Ich hab's redlich verdient ... Du, Schwester, bring den Kleinen das Essen hinauf! Martial mag, wenn er kommt, die Knochen abknabbern. Fur ihn sind Knochen noch ubergenug ... Und nun wollen wir uns uber den Mann am Billy-Kai unterhalten, denn morgen oder ubermorgen hei?t's an die Arbeit gehen, wenn das versprochene Stuck Geld in meine Tasche flie?en soll.« – Von neuem klimperte er mit Geld. Dann warf er Mutze und Kittel auf den Tisch, setzte sich zu einer Schussel Schopsenfleisch mit Bohnen und a? hinterher kalten Kalbsbraten mit Salat.
»Du, hore mal,« sagte die Schwester, »der Franz hat im Stalle was gesehen!« – »So? Und was denn?« fragte Niklas weiter. – »Er sagt, ein Bein.« – »Von dem Manne also?« fragte Niklas weiter. – »Ja,« sagte die Mutter, noch ein Stuck Fleisch dem Sohne auf den Teller legend. – »Komisch! Das Loch war aber doch tief genug,« meinte Niklas. – »Die Erde hat sich vielleicht gesenkt,« sagte die Schwester; »wir werden wohl gut tun, alles heut nacht in den Flu? zu versenken.« – »Sicherer ware es,« sagte Niklas: »aber –«
»Rede furs erste lieber von dem Mann am Billy-Kai,« drangte die Mutter. – »Na, ich hatte meinen Kahn festgebunden,« erzahlte Niklas, ohne sich im Essen und Trinken storen zu lassen, »und ging auf den Kai. Es schlug gerade sieben, und man konnte keine drei Schritte weit sehen. Eine Viertelstunde lang war ich wohl am Ufer hin und hergegangen. Da horte ich Schritte hinter mir. Ich ging langsamer. Bald holte mich ein Mann, in einen Mantel gehullt, ein; er blieb stehen, ich auch. Von seinem Gesicht war nicht viel zu sehen, denn der Mantel lie? gerade die Nase frei, und der Hut bedeckte die Augen ...
»Bradamanti, sagte der Mann,« fuhr Niklas fort. »Das war das Wort, woran ich meinen Mann erkennen sollte, wie die Alte ausgemacht hatte. Flu?pirat antwortete ich ihm, wie es ebenfalls ausgemacht worden.–
»Sie sind Martial?« fragte er mich. – »Ja.« – »Heute vormittag ist eine Frau bei Ihnen auf der Insel gewesen. Was hat sie Ihnen gesagt?« – »Sie hatten im Auftrage eines Herrn Bradamanti mit mir zu reden.« – »Haben Sie Lust, ein gutes Stuck Geld zu verdienen?« – »Allemal,« sagte ich, »je mehr, je besser!« – »Sie haben einen Kahn?« fragte er. – »Nicht blo? einen, sondern vier! Gehoren sie doch zu unserm Geschafte!« – »Nun, es kommt drauf an, ob Sie es uber sich bringen konnen, jemand zufallig ertrinken zu sehen?« fragte der Mann. – »So? Seine-Wasser soll also jemand schlucken? Es kommt drauf an, was fur den Tropfen berappt wird.« – »Was kostets, wenn einer Wasser schluckt, und was kostets, wenn es ihrer zweie tun?« – »Also gleich doppelt gemoppelt?« fragte ich, lachend ... »Je nun, unter funfhundert fur den Kopf ist nichts zu machen, das merkt Euch!« – »Also tausend zusammen?« – »Ja, und je 200 Franks Draufgeld!« – »Abgemacht,« sagte da der andere, »hier habt Ihr die 400 Fuchse. Morgen oder langstens ubermorgen wird die Alte, die heute fruh bei Euch war, wiederkommen in Gesellschaft eines jungen blonden Magdeleins und wird Euch aufs andere Ufer hinuberwinken. Wie lange Fahrtzeit braucht Ihr von einem Ufer zum andern?« – »Zwanzig Minuten,« antwortete ich. – »Merken Sie auf!« sagte der Mann; »in den Boden eines Ihrer Kahne machen Sie ein Leck, das Sie, wenn es soweit ist, aufklappen konnen, so da? der Kahn mit denen, die drinnen sitzen, im Nu unter Wasser geht. Sie mussen also mit zwei Kahnen fahren, verstanden? Damit Sie sich schnell in den andern begeben konnen, sobald der, worin das Madchen mit der Alten sitzt, kippt. Auf diese Weise laufen Sie personlich keine Gefahr, denn man wird meinen, der andere Kahn sei durch irgend einen unglucklichen Zufall, Altersschwache oder dergleichen, unter Wasser gegangen. Wenn die Alte gleich mit verschwindet, desto besser!«
»Wird die Alte nicht aber was merken?« – »Nein. Wenn sie kommt, wird sie leise sagen: Wenns soweit ist, geben Sie mir einen Wink! Darauf sagen Sie ein paar Worte, die keinen Argwohn wecken.« – »Wahrend also die Alte meint, blo? die Kleine solle Wasser schlucken, soll die Alte selber gleich mit unter Wasser? Nun, das habt Ihr fein ausgedacht, das mu? man sagen.« – Drauf sagte der Mann: »Macht Eure Sache gut, ich kann Euch noch manch gutes Stuck Arbeit zuweisen.« Darauf bin ich gegangen,« schlo? Niklas seine Erzahlung, »ging zu dem Boote zuruck und nahm mit, was ich tragen konnte.«
Mutter und Tochter hatten dem Rauber aufmerksam zugehort, der wahrend seines Berichtes weidlich getrunken hatte, so da? er Ziemlich aufgeregt geworben war ... »Ich habe aber noch etwas anderes eingefadelt, mit der Eule und mit Barbillon,« nahm er wieder das Wort, »eine sehr feine Sache! Eine Diamantenmaklerin soll ausgebeutelt werden, die nicht selten uber 50 000 Franks Wertsachen in ihrem Strickbeutel bei sich tragt. Rotarm wird mitmachen. Auch ein geschickter Kerl! Um die Frau sicher zu machen, hat er ihr schon fur 400 Franks Diamanten verschachert. Sie wird also ohne Arg zu ihm in die Elysaischen Felder kommen. Dort fallts ja nicht schwer, jemand verschwinden zu lassen, und wir halten uns in der Nahe versteckt. Rotarm hat den Plan fein ausgekugelt.« – »Aber ich traue dem Kerl nicht,« sagte die Mutter. – »Nach der Geschichte in der Rue Montmartre haben sie deinen Bruder nach Toulon geschafft, wahrend dem Rotarm kein Harchen gekrummt wurde. Lieber ist mir schon das Geschaft mit den beiden Frauenzimmern. Wenn uns blo? Martial nicht im Wege ist wie gewohnlich.«
»Will diesen Gauner denn der Teufel nimmer holen?« rief Niklas, sein langes Messer in den Tisch sto?end. – »Ich habe der Mutter auch schon gesagt, da? es in dieser Weise nicht mehr fortgehen konne,« meinte die Schwester. – »Der Bursche ist imstande, uns noch einmal der Polizei auszuliefern,« rief Niklas wutend, »warum hats auch damals nicht gehen durfen, wie ich wollte? Da ware alles anders, und wir brauchten uns nicht immer
